Sonntag, 31. August 2008

Bei der Energie ist es später als fünf vor zwölf, Russland, Libellenleben, Nietzsche

Von der Güte und der Nachhaltigkeit der Natur (fast wie bei Ludwig Richter): Zwischen den beiden letzten Segmenten der Königslibelle bricht gerade die Made (Larve) zur Sonne durch. Zuvor hat sie die Libelle von innen aufgefressen. Die Larve besitzt einen Dorn nach Art eines Eistachels, mit dem der Keratinpanzer der Libelle von innen aufgebrochen wird.

16-26° s "Sun poised to make history with first spotless month since 1913" (http://wattsupwiththat.wordpress.com/)

- "Das Parkettgespräch. Ein Zwischenschritt. Der Ölpreis geht mittelfristig auf die 80-Dollar-Marke zu. Eugen Weinberg ist Chefanalyst für Rohstoffe der Commerzbank ..." FAZ 29.8.

- "Fremde Federn: Josef Zieleniec. Wir müssen Russland vor die Wahl stellen . Die langfristig vorbereitete und kalkulierte Schwächung der territorialen Integrität Georgiens, die in die russische Anerkennung der separatistischen ..." 29.8.

- "Im Gespräch Landesminister Werner Marnette (CDU). "Bei der Energie ist es später als fünf vor zwölf" FAZ 28.8.

- "Fabrikarbeiter und Fachgelehrter. Da wird von Hannes Hintermeier (F.A.Z.-Feuilleton vom 21. Juli) Nietzsches Credo aber unerträglich umgebogen: Nietzsche hatte 1872 insgesamt sechs ausführliche Reden "Über die Zukunft unserer Bildungs-Anstalten" gehalten. Da ist ungefähr das Gegenteil der Hintermeierschen "Vorausahnung Nietzsches" nachzulesen. Daher meine Einwendungen - übrigens auch gegen die unnötig freie Lateinhandhabung Ihres Autors. Merke: "Es würde kein Mensch nach Bildung streben, wenn er wüsste, wie unglaublich klein die Zahl der wirklich Gebildeten zuletzt ist und überhaupt sein kann." (Nietzsche, an gleicher Stelle). Recht hat er gleichwohl, ihr Autor: Was soll man davon halten, wenn einem von zwei jungen Reiterinnen in der Dämmerung erklärt wird, dass sie zwar in der Abiturklasse und im Leistungsfach "Deutsch" seien, aber mit dem Zitat "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" partout nichts anfangen könnten? Nietzsche sagte in dem Zusammenhang: "So ein exklusiver Fachgelehrter ist dann dem Fabrikarbeiter ähnlich, der sein Leben lang nichts anderes macht . . ." LB FAZ 30.8.08 Hermann Kissig, Hoppegarten

Samstag, 30. August 2008

Hz.öl 88,30; Morgen hinter dem Haus, Neid und Mißgunst


15-23° s

Der Morgen hinter dem Haus


Rot die Sonne auf dem Feuerdorn
Im Gras die funkelnde Feuchte der Nacht
Aus der schillernden Königslibelle bricht eine Larve

- Eine Blindschleiche vor der Bürotür ist angenehmer als ein Pleitegeier auf dem Dach. Nachtaktive Hornissen: sehen sie in der Dunkelheit genug, um Nachtfalter zu jagen?

- Aberglauben gebiert Ungeheuer, Neid und Mißgunst produzieren Ideologie: "Schweiz. Die letzte “Hexe“ Europas war keine. Von Jürgen Dunsch.
28. August 2008. Der Kanton Glarus ist ein ehemaliges Zentrum der Textilindustrie in der Schweiz. Hier wurde vor 226 Jahren Anna Göldi als „letzte Hexe Europas“ enthauptet. Am Mittwoch hat das Kantonsparlament einstimmig und diskussionslos die ehemalige Magd rehabilitiert. In dem innerhalb von drei Minuten gefassten Beschluss, der auch von den Landeskirchen mitgetragen wird, wird Göldi voll rehabilitiert und das Verfahren vor dem Evangelischen Rat im Juni 1782 als „Justizmord“ bezeichnet.
„Hexenzauber“ der Magd
Wohlgemerkt nicht die katholische Inquisition, sondern die in Glarus vorherrschende reformierte Kirche war es, die im Februar 1782 in der damals schon bestehenden „Neuen Zürcher Zeitung“ den Steckbrief zur Suche nach der vergleichsweise gutsituierten Magd einer Arztfamilie veranlasste. Dahinter stand offenbar ein Familienkonflikt. Eines der fünf Kinder hat nach den Erkenntnissen der Forschung die Spannungen zwischen der Hausfrau und der gutaussehenden Angestellten so ausgenutzt, dass die Krankheit des achtjährigen Kindes auf den „Hexenzauber“ der Magd zurückgeführt wurde.
Noch vor gut einem Jahr hatten Regierung und reformierter Kirchenrat in Glarus die formale Rehabilitierung verweigert. ..." FAZ // Übrigens wurde im Bereich des Vatikan nie eine sogenannte Hexe ermordet. Und es waren überwiegend Gemeindegerichte, die Hexenmorde begingen.

- 30. August 1918: Attentat auf Lenin. 'Drei Schüsse werden am 30. August 1918 auf Wladimir Iljitsch Lenin abgegeben. Zwei davon treffen den Führer der Kommunistischen Partei, der nach dem Staatstreich von 1917 de facto auch das Staatsoberhaupt Sowjet-Russlands ist. Als Attentäterin wird die Anarchistin Fanny Kaplan festgenommen, die rasch ihre Tat gesteht. Sie hat auf Lenin geschossen, „weil ich ihn als einen Verräter der Revolution sehe“, so gibt sie zu Protokoll. Nach dem Verhör wird sie hingerichtet. Doch es gibt Zweifel an der Täterschaft Kaplans. Als 1922 die Kugel aus Lenins Schulter entfernt wird, ist klar, dass diese nicht aus der Browning stammen kann, die man bei Fanny Kaplan als Tatwaffe gefunden hat. Wer wirklich auf Lenin geschossen hat, ist bis heute ungeklärt. Lenin überlebt das Attentat und forciert den „Roten Terror“ gegen alle politischen Feinde im Inneren des Landes.' Zeitz. // Frappierend, daß ganz große Staatsverbrecher wie Lenin und Hitler so viel Attentatsglück gehabt haben.

- gerech (mittelhochdeutsch): wohlgeordnet, gerade, gerichtet (Lexers, Mittelhochdt. Taschenwörterbuch, Sttgt. 1961)

Freitag, 29. August 2008

Russland, Zivilgesellschaft, Außenpolitik

McCain tritt mit Sarah Palin an ("she supports drilling in Alaska, with limits, she’s pro-life and she’s a fiscal conservative", http://wattsupwiththat.wordpress.com/)

15-19° tr "Sun today - still blank. We are approaching a spotless month of August, 2 days to go."(http://wattsupwiththat.wordpress.com)

- Tiflis beruft Diplomaten aus Moskau ab
- Déjà-vu. "... In Russland wurden die Zensur und die strengste Überwachung der Büchereinfuhr wieder eingeführt, die Wissenschaft, Literatur und der Unterricht behindert, Untersuchungen wegen demagogischer Umtriebe eingeleitet, die Missionsgesellschaften unterdrückt und allmählich alle Pläne für Reformen und Fortbildung aufgegeben. Über das ganze Reich breitete sich das Netz einer offenen und geheimen Polizei, welche allen Verkehr hemmte. ..." Nicht von Zar Putin ist hier die Rede, sondern von Alexander I., aber der Unterschied für die russische Zivilgesellschaft kann vernachlässigt werden, die Zaren ähneln sich in der Bemühung um Machterhalt und aggressivem Ausbau der Macht im Falle Putins.
- " Eberhard Straub: Russland und die interessierten Fortschrittsprediger . Gegenüber dem Zarenreich gingen Briten und Franzosen gerne einmal auf Interventionskurs. Metternich und die Preußen mahnten dagegen zur klugen Diplomatie. ..." FAZ 28.8.08 //
Zwei putinophile Geister haben sich kurz hintereinander zu Wort gemeldet, nach Jäger nun der Historiker Straub, der seinerzeit das alte Spanien Ferdinand und Isabellas als ersten modernen Staat ausmachte. Vermutlich sieht er die Weiterentwicklung des modernen Staates in Rußland. Das könnte man auf sich beruhen lassen, aber die Perspektive einer auktorialen Staatssicht auf die Außenpolitik verlangt doch Aufmerksamkeit, weil Sozialdemokraten wie Struck, Bahr,Eppler, Steinmeier, Schulz und Schröder diese Sicht teilen. Staaten sind keine Entitäten. Rußland, Deutschland, England sind geographisch-politische Konstruktionen, oft aufgrund einer gemeinsamen Geschichte, aber nicht notwendigerweise. Die erste neue Nation USA wie auch die Schweiz folgen einem anderen Muster. Sie besitzen keine einheitliche Staatsbevölkerung, ihre Staatsquote ist vergleichsweise gering, umgekehrt wie in der EU bleiben mehr Rechte vor Ort in den Händen der Privaten (Zivilgesellschaft). Zivilgesellschaften sind, anders als Rußland und Lateinamerika, in dem Sinne langfristig erfolgreich, weil sie ihren Bürgern die Entwicklung individuellen Wohlstands und individueller Freiheit garantieren. Und dieser Interessen-Maßstab, nicht nationale Größe, muß Grundlage einer freiheitlichen Außenpolitik sein, zu der andere Beurteilungsfaktoren nach besonderer Interessenlage hinzutreten können und meist müssen. Zivilgesellschaften sind wirtschaftlich Diktaturen wie Rußland und China überlegen, unterlegen aber hinsichtlich zeiteffizienter, straffer, zentraler Führung. Für militärische Aktionen ist das von großer Bedeutung, weswegen Zivilgesellschaften ihren militärischen Grundnachteil durch Hochrüstung und Allianzen austarieren müssen, während Diktaturen über die zeitraubenden Streitereien von Nato und EU lachen und sie in ihre Zentralschachzüge einbauen können. Zudem neigen die Zivilgesellschaften zu Nachgiebigkeit und, siehe Schweiz und Deutschland, Feigheit. Die Rede von "Umzingelung", wie sie Straub, Jäger, Schröder und Moskau im Munde führen, wenn sich in Estland, Polen und Georgien Zivilgesellschaften entwickeln, entbehrt also jeder Grundlage und verrät nur, daß Putin einen Lukaschenko, daß ein Diktator einen gleichgesinnten anderen Diktator mehr schätzt als die Nachbarschaft einer Zivilgesellschaft.
- M C : Tragen die russischen Soldaten in Georgien als neuen Aufnäher an der Uniform für FRIEDENSTRUPPEN (Mir - russ. Frieden)

- 29. August 1893 Der Reißverschluss wird patentiert: Als "Erfinder" wird aber meist der amerikanische Maschinenbauingenieur Whitcomb Leonard Judson genannt, der den ersten brauchbaren "Klemmöffner und -schließer für Schuhe" erfand und diesen 1893 patentieren ließ." Zz

Donnerstag, 28. August 2008

7,6% Arbeitslosigkeit (im Süden weniger), Sklave des Unternehmens, Probleme russischer Individuen


Graphik: FAZ 28.8.
Der Weg zur Vollbeschäftigung ist bei 7,6 % noch weit (USA 5,3%)

- "Beschäftigung. Arbeitslosenzahl fällt stärker als erwartet Dass die Erwerbslosigkeit im Monat August zurückgeht, ist normal. Doch in diesem August gibt es besonders gute Nachrichten von der Arbeitsagentur: Auch saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit stärker gefallen als Fachleute erwartet hatten. ..." 28.8. FAZ // Wer sich am Ziel glaubt, geht zurück. (Laotse)

- Sklave des Unternehmens: "Herr Sendele, Sie arbeiten seit mehr als 20 Jahren als Personalberater. Was unterscheidet die heutigen Vorstände von ihren Vorgängern? Sie arbeiten wesentlich mehr. Vor 20 Jahren hatten es die Manager noch gut. Da passten die wesentlichen Termine in einen kleinen Taschenkalender, den man im Jackett unterbrachte. Der Einsatz, den die jungen Manager bringen müssen, hat sich durch die Globalisierung deutlich erhöht. Gehen Sie mal an einem Sonntagnachmittag in eine Lufthansa-Lounge, das ist wie ein Wespennest. Da sitzen sie reihenweise und warten auf die Flüge nach Asien. Zurück kommen sie frühestens freitags, oft erst samstags.
Was ist mit der vielbeschworenen Work-Life-Balance?
Die gibt es eigentlich nicht mehr. Mir hat gerade der Vorstand eines großen Unternehmens erzählt, dass sein vier Jahre alter Sohn sich am Wochenende Blazer und Krawatte anzieht und sagt: "Ich muss ins Büro", weil er das von seinem Vater so kennt. Es wird erwartet, dass Manager alles für die Firma geben. Diese Burschen schrammen permanent am Rande ihrer physischen und psychischen Leistungsgrenze entlang. Ich glaube nicht, dass sie das mit Freude tun, aber vielleicht ist das der Preis dafür, dass sie ganz oben sind und mehr verdienen als andere. ...", Personalberater Hermann Sendele. „Manager verhalten sich wie dressiert“, FAZ 21.8. // Managerbesoldung muß auch unter dem Gesichtspunkt einer Kompensation für ein Sklavenleben betrachtet werden.

- Probleme russischer Individuen:
Was verbindet Marx, Engels, die Romanows, die Bolschewiki und die Putins? Die Ignorierung, das völlige Übersehen des Individuums als Kraftquelle für Wohlstand und Zivilisation eines Landes. Die linken Kollektivisten und die autokratischenen Machtpolitiker glauben gleichermaßen an den Zentralismus und schätzen den einzelnen Menschen gering. Auf den aber kommt es an, auf die Medici, Fuggers, Luthers, Krupps, Rockefellers, Fords, Gates, Hopps, die Meiers und Müllers. Die Morosows und Schtschukins mußten den Lenins weichen, ein Chodorkowski wurde von Putin in den Gulag geschickt. Die Schätzung des Individuums ist in Amerika politisches Allgemeingut, in Rußland ist es die Anbetung der zentralistischen Macht. Das ist Rußlands Problem. Und das Problem der russischen Individuen, die leicht wie Politkowskaja mit einer Kugel im Kopf enden können. Jäger schreibt leider völlig daran vorbei. (Geschichte der Russophobie, Weltfeind im Osten - Zur geistigen Vorgeschichte der "Neocons". Von Lorenz Jäger, FAZ 26.8.)

- 28. August 1748 Goethe Geburtstag, Zz zieht vor:" Geburtstag von Amalie Fürstin von Gallitzin. Sie war der geistige Mittelpunkt des sogenannten „Kreises von Münster“, ... sie hatte das Leben bei Hofe gegen das Studium der Wissenschaften eingetauscht, erzog ihre Kinder selbst und suchte unermüdlich danach, ihre Fähigkeiten zu erweitern. Bisweilen wirkte Amalie übereifrig und überspannt, besonders in ihrer spät erwachten katholischen Frömmigkeit." Zz

Mittwoch, 27. August 2008

Solider Süden, Weltwährung, Einnahmen der Bundesregierung aus Ölsteuern höher als die der Opec-Länder


Wo die SPD schwach war und ist ...

18° b; mehr Hornissen heuer.

- '26.8.08 FAZ 'Im Gespräch: Wirtschaftsnobelpreisträger Robert A. Mundell. "Man könnte eine Weltwährung schaffen" .
Der kanadische Währungsfachmann Ökonom Robert A. Mundell, der 1999 den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt ...' // Das würde die Preistransparenz erhöhen, Wechselkursschwankungen und Transaktionskosten abschaffen und tendenziell egalisierend wirken ... aber es könnte sich niemand mehr einer Währungsfehlentwicklung entziehen, und das wäre fatal.

- ! ! Fataler Staat: " Die Ölwirtschaft attackiert Schröder . FAZ, 23. April 01. Die deutsche Mineralölwirtschaft attackiert Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen dessen Kritik an den hohen Benzinpreisen ... Die Einnahmen der Bundesregierung aus dem Ölgeschäft seien mit rund 75 Mrd. DM noch deutlich höher als die der Opec-Länder, die nur rund 45 Mrd. DM erwirtschaftet hätten. ..."

- Narrenhände beschmieren Tisch und Wände:" Harald Naegeli, der „Sprayer von Zürich“ wird verhaftet. Zz 27. August 1983 Der Sprayer von Zürich ist eigentlich ein eher schüchterner Typ. Trotzdem hat er Ende der 70er Jahre die Schweizer Kapital-Metropole nachhaltig verändert. Von zahllosen Fassaden der reichen Stadt sprangen einem die kunstvollen Skelette, Traumtänzer und Totenköpfe des Harald Naegeli entgegen. Doch nicht nur in der sauberen Schweiz, auch in Köln verewigte sich der legendäre Sprayer. Dort schmückten seine bizarren Figuren die Häuserwände mit dem „Kölner Totentanz“. Er war einer der umstrittensten Zeitgenossen. Während Willy Brandt und Joseph Beuys sich für ihn einsetzen, war sein Wirken für die Schweizer Justiz ein klarer Fall von Sachbeschädigung. // Sachbeschädigung war das natürlich überall, nicht nur in der Schweiz; und es ist bezeichnend für die orientierungslos erlaubende Einstellung des Willy Brandt, daß er sich für das massenhafte Beschmieren anderer Leute Häuser eingesetzt hat.