Samstag, 7. März 2009

Wer zurückblickt, sieht nicht nach vorn, Cebit, Internet, THOMAS und die Brille



Der 'Leseapostel' des Konrad von Soest 1404 (Detail aus dem Wildunger Altar)

Man faßt am Trinkrand an: Schwarzenegger und Begleitung

- Obwohl es wieder eine Woche naß und kalt (-1 bis 6°C) war, klingt das morgendliche Vogelgezwitscher schon fast wie im Sommer; große Gruppe von Heidelerchen auf der Wiese. Die Vögel richten sich mehr nach dem steigenden Sonnenstand als nach der Temperatur (darin sind sie intelligenter als das IPCC).
Schneesturm an der US-Ostküste und Neuschnee in einzelnen Südstaaten.

- Erinnerung für die SED/Linke: " Es gibt alles, nur nicht immer, nicht überall und schon gar nicht, wenn es gerade gebraucht wird. " FAZ 4.3.09 // Volksweisheit in der SED/Linke-Diktatur.

- Wer zurückblickt, sieht nicht nach vorn. Polnischer Nationalismus: Wladyslaw Bartoszewski, der Deutschland-Berater des polnischen Ministerpräsidenten Tusk: Obwohl die französische Außenpolitik seit den Capetingern den Rhein als Grenze auch militärisch anstrebte, nahm Fritz Friedrich II. die von den Katholiken verfolgten Hugenotten in Preußen auf, weil sie gute Gewerbler waren und Geldkapital mitbrachten (und weil er etwas gegen Kaholiken hatte); ihr Gewerbefleiß und ihr Gewerbewissen bereicherte direkt die preußische Wirtschaft und strahlte erfolgreich in die preußische Bevölkerung aus. - Wenn Bartoszewski und Konsorten nicht so erbärmlich dumme Nationalisten wären, würden sie Steinbach und den Vertriebenen einen goldenen Teppich ausrollen, damit möglichst viele Ex-Pommern und -Schlesier das gleiche täten wie die Hugenotten seinerzeit in Berlin und Preußen.
- "Polen fragt nach den Nebenwirkungen einer Erpressung. Neue Töne im Fall Steinbach / Von Konrad Schuller
WARSCHAU, 6. März. Nach dem Verzicht von Erika Steinbach auf einen Platz im Beirat des geplanten Berliner Vertriebenen-Zentrums stand Wladyslaw Bartoszewski, der Deutschland-Berater des polnischen Ministerpräsidenten Tusk, einige Tage als Triumphator auf der Warschauer Bühne. Er hatte mit der Drohung gesiegt, die Berufung der von ihm zur "blonden Bestie" stilisierten Vertriebenenpräsidentin in den Beirat werde zu einem gewaltigen Wettersturz zwischen Polen und Deutschland führen. Schon am Freitag aber ist in der polnischen Diskussion ein neuer Ton angeklungen. Mehrere Zeitungen, darunter die beiden wichtigsten des Landes, die liberale "Gazeta Wyborcza" und die konservative "Rzeczpospolita", veröffentlichten ganzseitige Gastbeiträge, in denen Bartoszewskis Erfolg als Pyrrhussieg erscheint: als "Erpressung" des wichtigen Partners Deutschland, die Polen noch werde bezahlen müssen - und darüber hinaus als inhaltlich und moralisch zweifelhafter Irrweg.
Ein Argument ist dabei die These der Zeitung "Polska", dass die polnische Regierung durch ihre Angriffe auf Frau Steinbach Bundeskanzlerin Merkel vor die "fatale Wahl" gestellt habe, zwischen der Freundschaft mit Polen und der Unterstützung von "zwei Millionen Vertriebenen" zu wählen. "Die deutsche Regierungschefin wird der polnischen Regierung mit Sicherheit nicht so schnell vergessen, wie sie an die Wand gedrängt wurde", schreibt der Kommentator Andrzej Godlewski. Frau Steinbach habe in Deutschland durch die Angriffe Ansehen gewonnen, und Polen werde dafür "zur gegebenen Zeit" die "Rechnung" bekommen.
In der "Rzeczpospolita" geht der Auslandschef der katholischen Wochenzeitung "Tygodnik Powszechny", Wojciech Pieciak, ein Stück weiter. Er stellt fest, in dem ganzen Streit sei es nur um "Prestige- und Symbolfragen" gegangen, da das geplante deutsche Vertriebenen-Zentrum garantiere, dass die Geschichte nicht im revisionistischen Sinn "neu geschrieben" werde. Das Mittel der "Erpressung" gleiche in der Politik einer "Atomwaffe". Es erfülle seinen Zweck nur dann, wenn es niemals verwendet werde, weil es "gefährliche Nebenwirkungen" nach sich ziehe: die Beschädigung "des Vertrauens, des guten Willens, der Empathie". Aus "strategischer" Sicht sei der taktische Erfolg Bartoszewskis deshalb nichts Geringeres als "eine Niederlage der polnischen Deutschland-Politik".
Den moralisch-inhaltlichen Aspekt des Streits beleuchtet in der "Gazeta Wyborcza" Waldemar Kuczynski, der in der ersten demokratisch legitimierten polnischen Regierung nach der Wende Minister war. "Genau wie wir und wie jede Nation haben die Deutschen das Recht, ihre eigene Geschichte selbst zu schreiben, und niemand sollte versuchen, ihnen vorzuschreiben, wie sie sie zu schreiben haben", stellt er fest. Es gebe keinen Zweifel, dass die Mehrheit der Deutschen akzeptiert habe, dass ihr Volk die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und die darin verübten Verbrechen trage. "Lassen wir Steinbach in Frieden", folgert Kuczynski deshalb: "Denn wenn wir auch Opfer sind, so sind wir doch nicht ohne Schuld, wie das schon vor vielen Jahren die polnischen Bischöfe wussten", schreibt er in Anspielung auf den Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder aus dem Jahr 1965, der in der Formulierung "Wir vergeben und bitten um Vergebung" mündet. " Text: F.A.Z., 07.03.2009

- Was so in der Unterhose steht: Made in Vietnam, in Slovakia .

- Cebit : Der Herr Terminator eröffnet die Ausstellung mit seinem Bodybuilder-Schauspielerfreund Ralf Möller und trägt als kalifornischer Gouverneur Totenkopfgürtelschnalle.

- Wie sollte es anders sein angesichts höherer Fluktuation: "Digitale Welt: Ohne Handy und Internet geht nichts .
Handy und Internet sind jungen Menschen wichtiger als Liebe: Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland würde einer Studie zufolge eher auf den aktuellen Partner oder das Auto verzichten als auf Handy und Internet. Das alarmierende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage verdeutlicht, wie das digitale Zeitalter das Leben vieler Jugendlicher langsam aber sicher verändert. " Allg. Nachrichten // Die allgemeine Ersetzbarkeit der Individuen hat durch den Wohlstand zugenommen, aber auch durch die Betonung naturgemäß unstabiler emotionaler Bindungen. Man trägt Emotion, aber Emotionen sind nicht sehr langlebig.

- THOMAS : "Der Todestag des Philosophen und Theologen Thomas von Aquin. 7. März 1274
Mitten in seinem epochalen Meisterwerk, mitten drin in der „Theologischen Summe“, brach Thomas von Aquin alle Arbeit ab. Wohl kam er, wie gewohnt, morgens nach der Messe zu seinem Sekretär Reginald von Piperno. Doch er sagte kein Wort. Er diktierte keinen Satz. „Ich kann nicht“, war seine einzige Erklärung. Als Reginald das lähmende Schweigen nicht mehr ertrug und bestürzt in ihn drang, fügte der 48jährige nur diesen Satz hinzu: „Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir vor wie Stroh.“
Vier Monate später, am 7. März 1274, starb Thomas von Aquin. Der Heilige, dem sein eigenes Werk vorkam wie Stroh, war ein Gelehrter von immenser Kreativität. Er gilt als der bedeutendste Theologe der katholischen Kirche.
Das jähe Ende seines Schaffens aber hatte keiner vorausgesehen, am wenigsten er selbst. Was war der Grund dafür? Burn-out oder mystisches Erlebnis?" WDR5 Zz; vielleicht waren es ja Glaubenszweifel, wer weiß? Hans Conrad Zander war etwas matt in seinen kleinen Provokationen, die Theologie des Thomas wurde nicht deutlich. Unsinnige Behauptungen wie "die Araber dachten damals europäischer als wir" werden durch Wiederholung nicht zutreffender. Gemeint ist die Aristoteles-Rezeption, die über einzelne Araber wie Ibn Ruschd (Averroës) lief, die dann vor der islamischen Orthodoxie fliehen mußten. Aristoteles, gut, hat sich Mühe gegeben, zweifellos logischer als diverse Religionsbücher; aber das hatte seine Grenzen: "Von Natur sind jedenfalls Frau und Sklave unterschieden ... bei den Barbaren nehmen dagegen Frau und Sklave den gleichen Rang ein ... Deswegen sagen die Dichter: 'Es ist wohlbegründet, daß Hellenen über Barbaren herrschen', da Barbar und Sklave von Natur dasselbe ist." (Arist., Politik, Buch 1, Kap. 2) Ich würde doch den Epikur und den Zenon, den Pyrrhon und Karneades weniger missen wollen als Platon und Aristoteles, bei denen der Staatsaberglaube beginnt und die Anmaßung des Wissens. Vor allem aber gründet das Europäische auf der Ablehnung der orientalischen Despotie bei den Griechen, wie sie im Abwehrkampf gegen die persische Despotie welthistorische Bedeutung erlangt hat. Sonst würden wir heute noch als Hausmeister oder sonstiger Abhängiger vor dem großen Patron niederknien und den Ring küssen, wie das in der Türkei noch oft vorkommt. Und natürlich sind wir die Erben der attischen maritimen Technikorientierung (attischer Seebund). Die Erfindung der Brille und ihre massenhafte Verbreitung ab Endes des 13. Jh. wiegen schwerer als der Platon und Aristoteles zusammen. Intelligente Erfindungen gab es überall auf der Welt, namentlich in China, aber nur in Europa gab es einen breiten Markt, der die vielen technischen Erfindungen vermarktete und der nicht von einem Zentraldespoten abhängig war wie im Orient. Technik malgamiert mit protestantischer Arbeitsethik sind dann das globale Wohlstands- und auch Freiheitsmodell Europas und Neu-Europas (USA) geworden.-

Freitag, 6. März 2009

Kierkegaard: totaler Bankrott, Darwins Orang-Utan



Wenn schon nau, dann doch Akopalüze im Buick!

- " .. Im Jahre 1836 notierte Søren Kierkegaard – er war damals gerade dreiundzwanzig Jahre alt – in sein Tagebuch: «Man befürchtet im Augenblick nichts mehr als den totalen Bankrott, dem, wie es scheint, ganz Europa entgegengeht, und vergisst dabei die weit gefährlichere Zahlungsunfähigkeit in geistiger Hinsicht, die vor der Tür steht.» Nun ist der Untergang des Abendlandes schon so oft zu Unrecht vorhergesagt worden, dass man sich Schreckensszenarien sparen kann. Und doch ist die Welt, in der wir heute leben, mindestens so ungemütlich wie zur Zeit Kierkegaards. Für den Kampf gegen den «Bankrott» heisst dies: Er muss an ganz verschiedenen Fronten geführt werden." Ausserkapitalistisches Material 21. Februar 2009, Neue Zürcher Zeitung, Dieter Thomä. " Auch die Wirtschaft lebt von Voraussetzungen, über die sie selbst nicht verfügt.
«Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.» – So lautet ein berühmtes Diktum des Rechtsphilosophen Ernst-Wolfgang Böckenförde. Der Ökonom Joseph Schumpeter hat von «ausserkapitalistischem Material» gesprochen, aus dem die Pfeiler der kapitalistischen Ordnung bestünden. Lassen sich daraus Fingerzeige für die gegenwärtige Situation gewinnen? ..."

WD: Die Welt von 2009 ist mental weit "ungemütlicher" als 1836 zu Kierkegaards Zeiten, der Mensch ist also außerordentlich flexibel - zugleich lebt der Zeitgenosse in einem großen Güterluxus, der seine Lebensspanne bei guter Gesundheit verdoppelt hat. Keine so schlechte Entwicklung, zumal durch die stärkere Individualisierung nach 1945 auch die Kriegsbereitschaft im Dienste kollektiver Entitäten zurückgegangen ist.

- FAZ-Darwin-Serie: "Down House (18) Darwins Orang-Utan. Von Oliver Hochadel.
06. März 2009 Am 28. März 1838, einem ungewöhnlich warmen Frühlingstag, ritt Charles Darwin in den Londoner Regent's Park. Im dortigen Tiergarten sah er zum ersten Mal in seinem Leben einen Menschenaffen: Jenny. Der Zoo hatte den etwa dreijährigen Orang-Utan im November 1837 für die stolze Summe von 105 Pfund erworben und im eigens geheizten Giraffenhaus untergebracht.
Darwin besuchte Jenny noch zwei weitere Male. Er brachte eine Mundharmonika mit, die die Orang-Dame prompt an ihre Lippen setzte, und untersuchte, ob ihr Pfefferminze und Eisenkraut schmeckten. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten nutzte er den Londoner Zoo immer wieder als privates Versuchslabor. Die - heute würde man sagen - vergleichende Verhaltensforschung wurde ein Lebensthema Darwins. In seinem Notizbuch beschrieb er eindringlich nicht nur die Intelligenz - „als ob er jedes Wort verstünde“ -, sondern auch das breite Spektrum an Emotionen des Orang-Utans, das von Erstaunen beim Blick in den Spiegel, Zufriedenheit, Zuneigung, Traurigkeit und Trotz bis hin zur Wut reichte. Und ein paar Seiten später notierte er: „Der Mensch hält sich in seiner Überheblichkeit für ein großartiges Werk. Mir jedoch erscheint es wahrhaftiger, ihn als einen Abkömmling der Tiere zu betrachten. ...“

- Buick: "Der Todestag des amerikanischen Unternehmers David D. Buick. 5. März 1929
Er trug einen berühmten Namen – und starb verarmt an Krebs in einem Detroiter Krankenhaus. Im Jahr vor seinem Tod wurde bereits der zweimillionste Wagen der Marke „Buick“ verkauft – doch der Gründer und Namensgeber verdiente keinen Cent daran.
Die Lebensgeschichte von David D. Buick scheint die des „ewigen Versagers“ zu sein, der gute Ideen und guten Willen mitbrachte; dem aber die Fortune fehlte, die aus einem Unternehmer einen erfolgreichen Unternehmer macht.
Der 1855 geborene Buick verkaufte sein Patent zur Beschichtung von Badewannen, um mit 46 Jahren noch einmal umzusatteln. Er setzte auf das Automobil als Fortbewegungsmittel der Zukunft. 1901 war er in der Autoentwicklung weiter als Ford und andere Konkurrenten. Doch als die Motorisierung in den USA den Durchbruch schaffte, hatten die anderen aufgeholt. Buicks Mittel waren aufgezehrt. Er fand Geldgeber – und die fanden Buick bald überflüssig. Ob im Öl-Geschäft oder mit Immobilien: Auch danach klebte ihm Pech an den Fingern. Nicht jeder Tellerwäscher wird in den USA zum Millionär..." WDR5 Zz

- "Wie glücklich würde mancher leben, wenn man sich um anderer Leute Sorgen ein wenig kümmerte." Lichtenberg 1790
Wieviel besser ginge es manchem, wenn er sich um anderer Leute Sorgen ein wenig weniger kümmerte. Do. 2009

Donnerstag, 5. März 2009

Gefälschte Fernsehbilder: Mohammed al-Dura



Jamal Al-Dura und sein Sohn Mohammed verbergen sich am 30. September 2000 hinter einem Fass in Netzarim

Gefälschte Fernsehbilder
Lebt Mohammed al-Dura?
FAZ 03. März 2009 In seinem Namen wurden Attentate verübt. In der arabischen Welt sind Plätze, Straßen, Schulen nach ihm benannt. Auf Briefmarken wird er als Märtyrer verehrt: der Palästinenserjunge Mohammed al-Dura. Er sei vor laufenden Kameras von der israelischen Armee erschossen worden. So war es zunächst im französischen Fernsehen zu sehen. Und von Paris aus gingen die Bilder um die Welt.

Auf Mohammed al-Dura berief sich die Intifada. Dabei war alles nur eine Inszenierung - eine Manipulation für die Medien. Jahrelang hat sich der Korrespondent des französischen Senders France 2, Charles Enderlin, geweigert, den Tatsachen ins Gesicht zu schauen. Der Medienkritiker Philippe Karsenty, der in Frankreich die Manipulation aufdeckte, wurde vor Gericht gezerrt. Bei den Verhandlungen sagte auch die deutsche Journalistin Esther Schapira aus. Sie ist die Autorin des preisgekrönten Films „Drei Kugeln und ein totes Kind. Wer erschoss Mohammed al-Dura?“ aus dem Jahre 2002. Sie kam zum Schluss, dass al-Dura keineswegs von der israelischen Armee getötet wurde.
In ihrer neuen Dokumentation, die am 4.3.09 unter dem Titel „Das Kind, der Tod und die Wahrheit“ ausgestrahlt wird, präsentiert Frau Shapira Indizien dafür, dass er damals überhaupt nicht erschossen wurde, also auch nicht von der Hamas, und durchaus noch am Leben sein kann. Mit Hilfe von Kurt Kindermann, dem führenden Experten der biometrischen Gesichtsvermessung, hat sie herausgefunden, dass an der Stelle von Mohammed ein anderes Kind beerdigt wurde, womöglich dessen Cousin Rami. Ein bereits gestorbenes Kind wurde am 30. September 2000 morgens um zehn Uhr ins Shifa-Krankenhaus gebracht, die fragliche Schießerei fand aber erst um 14 Uhr statt. „Es gibt“, lautet ein Resümee der Autorin, „jedenfalls keinen Beleg dafür, dass Mohammed al-Dura tot ist“. Rez. FAZ //
LB : Bei der Mohammad-ad-Dura-Story geht es nicht um gefälschte Bilder,
TOBIAS RÜGER
es geht um gefälschte Wahrheit. Der kindhafte Gedanke, dass Bilder Wahrheiten abbilden ("Ich habe es mit eigenen Augen gesehen!") ist der Grund dafür, dass Bilder wie die der berüchtigten Schießerei an der Nezzarim-Kreuzung vermarktet werden. Als wenige Tage nach dem Vorfall bekannt wurde, dass die Eltern des Kindes eine Autopsie verweigern würden, war klar, dass an der Sache etwas faul sein musste. Die Frage, ob Mohammad ad-Dura noch lebt, wirkt in diesem Zusammenhang nahezu zweitrangig - entscheident ist gewesen, dass weite Teile der Öffentlichkeit die Geschichte glauben wollten, es gewissermaßen einen gesellschaftlichen Bedarf an der Geschichte gegeben hat. Sonst hätte man auch das Schicksal eines der vielen anderen von tausenden Kindern, die jedes Jahr durch kriegerische Ereigniss - z.B. im Sudan, in Algerien, in Nigeria, Tschtschenien usw. uswf. - zu Tode kommen öffentlich machen können.

Palliwood live
Stefan Pohl
Unabhängige Blogs berichten seit langem darüber, daß es in »Palästina« eine Filmindustrie gibt, die möglichst tränentreibendes Medienmaterial bereitstellt. Und das Geschäftsmodell funktioniert ja ganz famos, wie man an den mehr als 5 Milliarden Dollar sieht, die gerade wieder nach Hamastan gepumpt werden (und unter denen sich auch ein namhafter Betrag deutscher Steuergelder befindet). Man könnte meinen, die Bewohner von Gaza müßten Israel erfinden, wenn sie es nicht schon zum Nachbarn hätten, aber manchmal erfinden sie sich halt noch ein Stück mehr Israel dazu.

- Es war ein präzise argumentierender Film, sehr überzeugend.

Eifer macht, und das gilt immer, Alle Dinge nur noch schlimmer.


Leider ist es heute nicht so schön wie vorgestern, naßkalt heute, 3°C

- Übrigens: Kleist hat im KOHLHAAS ein schönes Beispiel für Fanatismus gegeben.
Man sollte sich bei jeder Aufgabe ganz an Montaigne halten:
"Lebhaftigkeit und Heftigkeit des Verlangens hindert die Ausführung dessen, was wir übernehmen, mehr, als es solche befördert. Es erfüllt uns mit Ungeduld nach dem Ausgang, der entweder widrig sein oder sich verzögern kann, und mit Bitterkeit und Argwohn gegen diejenigen, mit welchen wir zu tun haben. Wir führen niemals eine Sache wohl, welche uns ängstlich im Kopfe liegt und treibt:
Male cuncta ministrat impetus. (Statius, Theb. X, 704: Ein übler Ratsmann ist die Heftigkeit.)(Stilett übersetzt frei:
Eifer macht, und das gilt immer,
Alle Dinge nur noch schlimmer.
Wer dabei nichts anwendet als kalten Verstand und Geschicklichkeit, kommt weit leichter zurecht. Er verstellt sich, biegt ein, gibt nach mit Leichtigkeit, so wie es die Gelegenheit verlangt. Er harrt, ohne sich zu quälen, ohne sich zu betrüben, und ist fertig und bereit zu einem neuen Unternehmen. Ein solcher Mann hält immer den Zügel fest in der Hand. Der hingegen, welchen die Heftigkeit und Gewalt seiner Absicht berauscht, begeht notwendigerweise viel Unbesonnenheit und Ungerechtigkeit. Die Gewalt seines Verlangens reißt ihn fort. Es sind gewagte Bewegungen, die, wenn das Glück nicht viel dabei tut, nichts fruchten." Essais 3,10

- - Als Faustformel für Strom-Erzeugungs-/Beschaffungskosten gilt: -KKW-Strom: ca. 2.6 Ct.
-Kohle je nach Bezug 4,0-5,0Ct
-Braunkohle 2,5 Ct.
-Gas 5,0 Ct.
-Windstrom ca. 9,0 Ct.
- Solarstrom 43 Ct.
In Deutschland kostet die Kilowattstunde Strom für private Haushalte inzwischen 22 Eurocent, in den USA (umgerechnet) 8 Eurocent. ( www.naeb.info/ )

- - Hank, Rainer: Der amerikanische Virus: "02. März 2009 In der Krise wittern viele die große Chance, endlich ihr Ressentiment gegen den Kapitalismus auszuleben. Doch mit Empörungsrhetorik ist niemandem gedient. Es ist an der Zeit, der Frage nachzugehen, warum alle Welt - und nicht nur die Banker - die prekäre Instabilität des Finanzsystems übersehen konnten. Rainer Hank, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, erklärt, warum wir das Geld nicht im Griff haben, warum die Gier ansteckend ist und warum wir weniger rational sind, als uns lieb ist. Das alles ist kein hinreichender Grund, gleich die ganze Marktwirtschaft abzuschaffen, zumal auch die Staaten sich schnell als labil erweisen können. Gescheiter ist es, dass wir uns besser auf die nächste Krise vorbereiten."
Rainer Hank: Der amerikanische Virus. Wie verhindern wir den nächsten Crash? Karl Blessing Verlag. München 2009. 238 Seiten. 16,95 Euro.

- "Markt braucht Moral.
Gelegentlich hört man, die Finanzkrise sei auch eine moralische Krise. Dem würde Franz Kromka sofort zustimmen. In seinem Buch "Markt und Moral" ruft der Hohenheimer Soziologieprofessor in Erinnerung, dass eine funktionierende Marktwirtschaft auch auf außerökonomischen Fundamenten ruht, wie die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft stets betont haben. ..." // Ich würde doch meinen, daß Regeln ausreichen. Allerdings sind die Regeln kulturspezifisch gelagert. Die athenische Kultur mit ihrer maritimen Technikorientierung (attischer Seebund) amalgamiert mit protestantischer Arbeitsethik sind das globale Wohlstands- und auch Freiheitsmodell. Für die Unterschicht ist eine protestantische Bindung mit deren Klugheitslehren optimal disponierend, mit höherem IQ darf die religiöse Bindung vielleicht etwas lockerer oder gar säkular stoisch ausfallen. Moral (und das Christentum überhaupt) hat die negative Eigenschaft, moralisch hochzudrehen und die Welt in eine Sonntagsschule verwandeln zu wollen. Das aber vernichtet leider auch Wohlstand und Freiheit.

- HSBC in 2008 mit 5,7 Mrd. (Vj. 19) vergleichsweise gut unterwegs, EK-Kernquote 8,9% .

- Hochleistungssport: "Helfer tragen Sebastian Faißt auf einer Liege vom Spielfeld.
Der erst 20 Jahre alte Profi war bem WM-Vorbereitungsspiel der deutschen U 21-Auswahl gegen die Schweiz zusammengebrochen und trotz schneller medizinischer Hilfe später gestorben. ..." // Von der Piste bis zur Halle mehr Tote.

Mittwoch, 4. März 2009

Klimamodelle, Geburtenzahlen

- Neues aus Japan: < Prof. Kanya Kusano ist Programmdirektor und Gruppenleiter des Erdsimulators derJapanischen Agentur für Meeres-Erdwissenschaft und –technologie (JAMSTEC). Er konzentriert sich auf die Unreife der Simulationsarbeiten, die vom IPCC alsBestätigung des menschengemachten Klimawandels herangezogen wurden.
„In dem 4. IPCC-Bericht wurden einige potenziell bedeutende Prozesse diskutiert,
aber weil das wissenschaftliche Verständnis zu gering war, um Entscheidungen zu
treffen, wurde die Bewertung dieser Prozesse einfach ausgespart. Es muss jedoch
gerade der Grund für das Fehlen des wissenschaftlichen Verständnisses und der
Grund der Unsicherheiten geprüft werden. Schließlich müssen diese Unsicherheiten
abgeschätzt werden.
Zum Beispiel sind die Wirkungen der Veränderung der kosmischen Höhenstrahlung
auf Wolken, die durch Sonnenflecken-Aktivität verursacht werden, die Wirkung des
Sonnenwindes und energiereicher Protonen auf die oberen Atmosphärenbereiche
sowie begleitende NOx- und Ozoneffekte nicht ausreichend verstanden – und fehlen
deshalb in den Computermodellen.
Die größten Unsicherheiten stammen von den indirekten Wirkungen der Aerosole
sowie der Aerosol-Bildung. Dies ist anerkannt, aber nicht ausreichend verstanden.
Ebenfalls ist die Diskussion der Eigenschaften und der Lebensdauer von Aerosolen
in Wolken im 4. IPPC-Bericht mangelhaft.

Im 4. IPCC-Bericht wird behauptet, dass die bisher gemessenen Daten nicht von
dem Modell (also der CO2-Hypothese) abweichen. Aber eine überzeugendere
Abschätzung seiner tatsächlichen Fähigkeiten zu einer Prognose wurde nicht
präsentiert. Dieser Praxistest fehlt. Erforderlich wäre die Reproduktion der Klima-
Vergangenheit, wie sie sich nach dem Modell ergibt und dann ein quantitativer
Vergleich mit den vorgelegten Langzeit-Klimaabschätzungen.

„Als Zusammenfassung der bisherigen Diskussion muss festgestellt werden, dass
sich die Klima-Modelle des IPCC immer noch in der Phase des Vertrauens auf
Versuch und Irrtum bei experimentellen Modellen befinden. Es gibt immer noch
keinerlei erfolgreiche Präzedenzfälle dafür.“
„Die Verwendung dieser Modelle ist mit antiker Astrologie vergleichbar.“
„Die Schlussfolgerung des IPCC, dass von jetzt an die Atmosphärentemperaturen
wahrscheinlich einen kontinuierlichen, gleichmäßigen Anstieg aufweisen werden,
muss als eine unbeweisbare Hypothese begriffen werden.“
„Stattdessen ist es notwendig, weiter zu forschen und die natürliche Variabilität zum Gegenstand von Vorhersagen über die Zukunft zu machen.“
> Bericht japanischer Wissenschaftler: Die globale Erwärmung ist nicht vom
Menschen verursacht. Die Klima-Modelliererung entspricht antiker Astrologie.
Quelle: Andrew Orlowski (andrew.orlowski@theregister.co.uk), veröffentlicht in
Environment, 25. Februar 2009, www.klimamanifest-von-heiligenroth.de/japan.pdf

- Im Spiegel der Papierqualität: 2 Handbücher zum Geschichtsunterricht ( beide alte Geschichte ), eines von 1913: das Papier zeigt kaum Alterungsspuren; eines von 1970: sehr braun und verfleckt. Das will natürlich nicht bedeuten, daß seit Willy Brandt das Niveau des Geschichtsunterricht auf das Niveau der Papierqualität von 1970 fiel.

- Unbrauchbares Wissen über Geburtenzahlen
FAZ 28.2.09 LB
Zu "Vereinbarkeit stärkt Wirtschaftswachstum" (F.A.Z. vom 17. Februar): Nach der klassischen Definition von Augustinus ist eine Lüge "eine Aussage mit dem Willen, Falsches auszusagen". Das sei der Familienministerin natürlich nicht unterstellt. Aber angesichts der Jubelrufe über die Geburtenzahlen in den ersten drei Quartalen 2008 und der tuschartigen Begleitmusik in manchen Medien kommt einem der Buchtitel "Das unbrauchbare Wissen" des französischen Publizisten François Revel in den Sinn. Der erste Satz in diesem medienkritischen Buch lautete: "Die Lüge ist die stärkste aller Kräfte, die die Welt beherrschen." Das mag manchem Zeitgenossen übertrieben erscheinen. Revel dachte auch nicht an die Lüge im augustinischen Sinn, sondern an die Halb- und Viertelwahrheit, die Verzerrung, die Beschönigung, die Vorverurteilung. Da stellt sich ja auch schon die Frage nach dem Nutzen.

In der Tat: Unbrauchbar ist das verkündete Wissen der Familienministerin in Sachen Geburtenzahlen, weil die Steigerungen sich statistisch im Zufallsbereich verlieren, weil dabei nicht berücksichtigt wurde, dass wir 2008 ein Schaltjahr hatten und deshalb schon mal fast die Hälfte der Steigerung hätte herausgerechnet werden müssen, und schließlich, weil noch drei Monate fehlten, um ein halbwegs seriöses Kalkül aufzustellen. Nun kommt die erste Rechnung: Die Geburtenzahlen des Statistischen Bundesamtes für Oktober zeigen einen rapiden Abfall. Im Vergleich zum Oktober 2007 wurden im vergangenen Oktober 7701 Kinder weniger geboren. Damit sind die Jahreszahlen deutlich im Minus, wenn auch immer noch im Zufallsbereich, so dass auch hier nicht von einer Wende gesprochen werden kann. Es ist aber kaum damit zu rechnen, dass die Monate November und Dezember bessere Zahlen bringen, denn im letzten Quartal 2007 war die Krisenstimmung schon spürbar, und in Krisenzeiten werden historisch nachweisbar weniger Kinder geboren. Der Oktober deutet es ja auch schon an. Wir haben es, um ein Bild zu gebrauchen, mit einem Waschbrett zu tun, wie Hausfrauen es früher gebrauchten: Kleine Hubbel mit kurzen Wellen nach oben, insgesamt aber geht die Bewegung nach unten.

Zum unbrauchbaren Wissen gehört auch noch eine andere Behauptung, die jüngst im allgemeinen Jubel des Familienministeriums aufgestellt wurde: Die Geburtenzahlen in den neuen Bundesländern würden sich denen in den alten annähern, und dies sei auf die staatliche Betreuungsinfrastruktur zurückzuführen. Als Beleg wurden die Zahlen in Tschechien angeführt, wo die Geburtenrate bei einem Kind pro Frau verharre, ebenfalls wegen der Betreuungsinfrastruktur, die im derzeitigen Präsidiumsland der EU aber familiär und nicht staatlich ausgerichtet sei. Leider stimmt auch diese Zahl nicht. In Tschechien liegt die Geburtenquote bei 1,44, also deutlich höher als in Ostdeutschland. Richtig aber ist, dass es in Tschechien kaum Krippen gibt und die Mütter ihre Kinder lieber selbst erziehen, als sie in fremde Hände zu geben (politisch korrekt: "professionelle Hände").

Man fragt sich, wem diese Zahlenspiele zur Unzeit nutzen sollen. Der Politik sicherlich nicht, sie kosten ein gerüttelt Maß an Glaubwürdigkeit. Dem Publikum auch nicht, es wird derzeit mit anderen Zahlen belastet. Vielleicht einigen Journalistinnen oder Journalisten, die, vom Tagesgeschäft übermannt, sich nicht die Mühe machen konnten, die Zahlen aus dem Familienministerium zu hinterfragen, und nun die Stirn in Falten legen. Schopenhauer bezeichnete die Journalisten einmal als "Tagelöhner des Geistes". Der alte Pessimist hätte an dieser Debatte ein brauchbares Vergnügen gehabt.

JÜRGEN LIMINSKI, ST. AUGUSTIN