Sonntag, 3. Mai 2009

Vergesellungen, kooperative Systeme




Strizz, Reiche, FAZ

- Vergesellungen, kooperative Systeme: Ich denke, es ist sinnvoll, drei Ordnungen kooperativer Systeme anzunehmen:
VITALSYSTEME : Lebende Systeme aller Art (Menschen, Tiere, Pflanzen) und ihre Subsysteme (Gewebe, Nervensysteme etc.)
SOZIALE SYSTEME 1. ORDNUNG : Familien, Familienverbände, Stämme, persönlich geprägte Arbeitsgemeinschaften und Gruppen
SOZIALE SYSTEME 2. ORDNUNG : Unpersönliche Großgruppen, Organisationen

Wenn man den Menschen in modernen Gesellschaften betrachtet, so ist er allen drei System-Ordnungen verbunden, wobei das Vitalsystem Körper mit seinen Bedürfnissen und Trieben (Nahrung, Wohnung, Sexualität, Sicherheit, Unterhaltung) die stärksten Impulse setzt, die auch in die unpersönlichen Bereiche hineinreichen und dort dominieren können. Sie haben eine Vorrangschaltung, die nur durch den langwierigen Aufbau und die Übung von Disziplin beherrscht werden kann. In sozialen Ausnahmesituationen, in denen die Disziplin zusammenbricht oder sogar durch andere Imperative ersetzt wird ("Mänadenzug" als Stichwort), können jederzeit primitive, körperlich bestimmte Verhaltensweisen Platz greifen. Die ständige Vielzahl von Unterhaltungsangeboten mit den Themen Tod / Tötung sowie Erotik / Sexualität in modernen Gesellschaften (in vormodernen Gesellschaften wird es ausgelebt), die einer einschlägigen Nachfrage antwortet, legt nahe, eine solche soziobiologische Vorrangschaltung anzunehmen, da eine Vorstellung wie die "Interpenetration" zwischen den sozialen Systemen zu schwach erscheint, um viele menschliche Verhaltensweisen zu erklären. Im Bereich der sekundären Bedürfnisse und Moden aller Art, die recht fluid und austauschbar sind, etwa: ob man gerade existenzialistisch denkt oder strukturalistisch, in diesen beliebigen Bereichen läßt sich gut mit Luhmann analysieren.

- Es ging ihnen hundertfach besser als dort, woher sie kamen und sie genossen das bestialische Quälen und Töten drei unglaublich lange Wochen lang :
"Frankreich. Foltermord: Youssouf Fofana fand problemlos Helfer.
Von Michaela Wiegel, Paris, FAZ. 27 Menschen folterten einen Juden, weil er Jude war. In Paris stehen sie nun vor Gericht.
29. April 2009 FAZ. Youssouf Fofana hat sich einen Bart wachsen lassen, trägt einen weißen Trainingsanzug und begrüßt den Gerichtssaal mit einem lauten „Allahu Akbar“. Am Mittwoch ist der Prozess gegen den in der Elfenbeinküste geborenen 28 Jahre alten Franzosen eröffnet worden, drei Jahre nach der Entführung und dem Foltermord, die das Land erschütterten. Fofana nannte sich damals „the brain of the barbarians“ (das Hirn der Barbaren), auf Englisch, als sei er einem Computerspiel entstiegen. Das Verbrechen, das er mit seiner „Bande der Barbaren“ in einem Pariser Vorort beging, war freilich alles andere als ein Spiel. Sein Opfer, Ilan Halimi, wurde in der Nähe eines Bahndamms gefunden, halbnackt und blutend, übersät mit Brand- und Schlagwunden. Ilan Halimi starb noch im Krankenwagen.
Wegen „Entführung, Folter und Mord“ vor dem Pariser Schwurgericht.
Jetzt müssen sich Fofana und 26 mutmaßliche Mittäter wegen „Entführung, Folter und Mord“ vor dem Pariser Schwurgericht verantworten. Bei der Prozesseröffnung weigerte sich Fofana, seinen Namen zu nennen. Er heiße „afrikanische barbarische Armee der salafistischen Revolution“, sagte er. Als Geburtsdatum nannte er den 13. Februar 2006, jenen Tag, an dem Ilan Halimi den Tod fand. In die Anklage gegen Fofana wurde als erschwerender Umstand Antisemitismus aufgenommen. Denn das damals 23 Jahre alte Opfer Fofanas war Jude. Musste Ilan Halimi sterben, weil er Jude war?
Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte das zunächst bezweifelt und den Tätern einen „Nullpunkt des Denkens“ unterstellt. „Hätte man denen gesagt, dass Marsmenschen reich seien, dann hätten sie versucht, einen Marsmenschen zu entführen“, formulierte ein Untersuchungsrichter seine Eindrücke nach den ersten Vernehmungen. Aber schließlich setzte sich auch in der Staatsanwaltschaft die vorherrschende öffentliche Wahrnehmung durch, dass antisemitische Motive bei dieser Erpressung im Spiel waren. Fofana hatte ausgesagt, Halimi sei entführt worden, weil „Juden reich sind“. Als sie später brennende Zigaretten auf den Unterarmen ihres gefesselten Opfers ausdrückten, sagten Halimis Folterer: „Wir mögen keine Juden.“ Das gab einer der Angeklagten im Polizeiverhör zu Protokoll.
Auch in Bagneux macht sich ein neuer Rassismus bemerkbar.
Der Prozess, das glauben nicht nur jüdische Interessenverbände, wird ein Schlaglicht auf die allgemeine Verrohung in der Einwanderungsgesellschaft richten, von der besonders die verarmten Vororte betroffen sind. Bagneux im Süden von Paris, wo Halimi drei Wochen lang in einer Wohnung, später in einem Kellerverlies gefoltert wurde, zählt nicht zu den schlimmsten Problemvierteln. Bei den Vorstadtkrawallen im November 2005 brannten dort nur drei Autos. Aber auch in Bagneux macht sich ein neuer Rassismus bemerkbar, der das Spiegelbild der gewohnten Erscheinungsform ist. So fiel es Fofana offenbar leicht, Helfer für seinen Plan zu finden, Halimi in die Falle zu locken und Geld von seiner Familie zu erpressen. Die 17 Jahre alte Emma etwa, ein hübsches, aus Iran stammendes Mädchen, war sofort bereit, Halimi mit einer Scheinverabredung in die Gewalt der „Bande der Barbaren“ zu locken. Sie konnte sich nicht durchringen, die Polizei zu benachrichtigen, was sie jetzt zu bereuen angibt.
Ruth Halimi, die Mutter des Opfers, fordert eine öffentliche Gerichtsverhandlung, um eine „pädagogische Wirkung“ zu erzielen. Doch weil einige der Angeklagten zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, hält das Gericht bislang daran fest, die Öffentlichkeit auszuschließen. In einem Buch „24 Tage, die Wahrheit über den Tod von Ilan Halimi“ hat Ruth Halimi eine Debatte über Ermittlungspannen und angebliche Justizfehler herbeigeführt. Weitere Aufmerksamkeit zieht der Prozess wegen Fofanas Anwälten auf sich: der Ehefrau des Terroristen „Carlos“, Isabelle Coutant-Peyre, und Saddam Husseins Verteidigers Emmanuel Ludot. Der Prozess soll am 10. Juli enden. " FAZ 30.4.09 //
Wer aus einer vormodernen Gesellschaft wie der der Elfenbeinküste kommt, kann eine moderne Gesellschaft nicht verstehen, es gibt keine kommunikative Anschlußfähigkeit, es kann im günstigsten Fall nur eine verständnislose Anpassung geben. Bei jungen Männern mit hohem Testosteronspiegel liegt das nicht sehr nahe. Im vorliegenden Fall der 27 Foltermörder schlägt die männliche Lust an Gewalt, Folter und Mord über die soziobiologische Vorrangschaltung alle zivilisierten Gebote und Muster der modernen französischen Gesellschaft aus dem Feld. Und zwar so nachhaltig, daß der Mordanführer vor Gericht sein Verbrechertum lautstark bekräftigt und in eine konsequent vormoderne Religion einkleidet. - Auf der gleichen, primitiven Geschlechtshormonebene funktionierte die Die 17 Jahre alte Emma, ein hübsches, aus Iran stammendes Mädchen, das wahrscheinlich / vielleicht ohne den geringsten Verstandesfunken seine archaische Verführerrolle lustvoll zelebrierte, auf die das Mordopfer auf das gleiche, primitive Erotikschema einklinkte / hereinfiel. - Mit Luhmann (von Pappnasen wie Habermas nicht zu reden) kann man ein solches Geschehen nicht recht verstehen, weil alle sozialen Kommunikationen über Systemgrenzen hinweg sich gleich mächtig auf gleicher Ebene begegnen. - Das ist jedoch nicht der Fall, die 'soziale Vernunft' hätte das Mord- und Folteropfer bei einer persischen / orientalischen Physiognomie alarmieren müssen, stattdessen hat ihn die 'hormonelle Vernunft' in unsägliche, endlose, wochenlange Schmerzen und dann in den Tod gelockt.- So etwas hominidenhaft entsetzlich Normales konnte sich der brave Bielefelder Bildungsbürger Luhmann wahrscheinlich gar nicht vorstellen.- In diesen islamischen Parallelgesellschaften mit dem in Grausamkeit verliebten Koran (wenn es um die "Ungläubigen" und die Unbotmäßigen geht) ist das aber gar nicht unvorstellbar, es ist anschlußfähig. Allerdings widerspiegelt der Koran in seinen kriegerischen Teilen nur das männliche, stammesgeschichtliche Erbe. Bei dem Hauptverbrecher handelt es sich aber ganz offenbar um einen ganz extremen Sadisten, für den der Koran oder der jüdische Status des Mordopfers nur völlig austauschbare Bezüge sind.

- BASF : "in den vergangenen zehn Jahren stieg der Wert des Unternehmens durchschnittlich um mehr als 9 Prozent. Im Jahr 2008, das am Ende bereits stark von der Krise gezeichnet war, hat der Konzern eine Eigenkapitalrendite von 22,4 Prozent erzielt - nach Steuern! Das stellt übrigens das Ziel von "25 Prozent vor Steuern" für die Deutsche Bank in den Schatten. ..." Krisenchemie, FAZ 3.5.09

- Trivial, muß aber im Mutterland der Primitivsozialismen stets wiederholt werden: "Wer Wohlstand für alle will, wird das ohne unternehmerischen Geist nicht hinbekommen." Im Gespräch: Martin Kannegiesser: „Gewerkschaften haben in der DDR nur Ferienplätze verteilt“, FAZ 1.5. // Natürlich haben die sog. Gewerkschaften in der DDR noch mehr getan: sie haben in den Betrieben alle ans Messer von SED und Stasi geliefert, die nicht die richtige Knechtsgesinnung gezeigt haben. Sie waren nicht nur Wohlstandsvernichter, sondern auch Henker.

Samstag, 2. Mai 2009

Jürgen Stark beim FRANZ-BÖHM-KOLLEG




"Gewalt am 1. Mai 09
Straßenschlachten in Berlin und Hamburg
Schon am frühen Abend des 1. Mai kam es - anders als in den Vorjahren - in Berlin-Kreuzberg zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und der Polizei. Es gab Verletzte auf beiden Seiten. Auch in Hamburg flogen Steine und Flaschen." (In Frankreich werden Hartgummigeschosse eingesetzt.)

"Eat the Bankers!" G20 Anarchist Protesters at the Bank of England., on Wednesday 1st April 2009.

- Mob-Zeichen: AIG-Rohstoffe-Chef Jake DeSantis kündigt fühlt sich nicht nur vom Mob bedroht, sondern auch vom öffentlichen Hetzgeschwätz des Generalstaatsanwalts von NYC und kündigt bei AIG.- Zornige junge Männer lassen sich an jeder Ecke für jede Lumperei rekrutieren, das ist nichts Neues; wenn Amtsjuristen rechtlich nicht mehr differenzieren, dann ist das besorgniserregend. (Offener Brief an die NY-Times www.nytimes.com/2009/03/25/opinion/25desantis.html?_r=1&ref=opinion / FAZ 27.3.09)
- - In der Urhorde gab es stets Konkurrenten, die jede Gelegenheit für Raub, Mord und Totschlag wahrnahmen. Früher, als noch nicht rote Gartenzwerge wie Günter Grass in der Literatur dominierten, gab es gelegentlich kluge Romane wie William Goldings "Herr der Fliegen" (1954), in denen z.B. der dünne Firnis der Zivilisation thematisiert wurde.

-Chrysler beantragt (mal wieder!) Gläubigerschutz und will nun mit FIAT zusammengehen.

- "No signs of accelerated sea-level rise in recent years are detectable from the available data for the Central Aegean region. The estimate of sea-level rise in the Aegean Sea for 2100 AD, on the basis of the Attico–Cycladic curve and presuming that the present trend will persist, is approximately 9 cm, which is significantly lower than the 49 cm, predicted by the IPCC (2001)."
-- S. E. Poulos et al., Geomorphology, June 2009 / CCNet 68/2009 – 1 May 2009

- Es gibt sie noch, die schönen alten Dinge: Das FRANZ-BÖHM-KOLLEG Bodo Gempers gehört dazu. Längst emeritiert organisiert und gestaltet er immer noch ordnungsökonomische Vorträge mit Musik, diesmal war es eine Harfinistin, die Vortrag und Diskussion einrahmte. Und was für ein Hauptvortrag hier in der Siegener Provinz ein kaum glaublich großes Publikum in der Siegerlandhalle fand! EZB-Direktor Jürgen Stark, der Nachfolger Ottmar Issings sprach über KRISENBEWÄLTIGUNG: MARKT VERSUS STAAT . Es war ein großer Vortrag. Stark bestätigte die Zwei-Säulen-Strategie, die er gegenüber der Doppelaufgabe der Banque de France, der Fed und der Bank of England eindeutig bestätigt sah. Die amerikanische Zentralbank habe jahrelang zu viel Geld in den Markt gegeben. Er warnte vor politischem Aktionismus und der Belastung der Zukunft durch Verschuldung. Großer Beifall.

- Haydn und Mozart: der väterliche Freund: was für ein Geschenk.

10-20°C, blauer 2. Mai, sehr erfreulich.
Hz.öl 48,20 (50,45)

Freitag, 1. Mai 2009

Der Mai ist gekommen mit 20°, Gentechnik



Emmanuel Geibel

Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;
Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,
Mein Herz ist wie'ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein da kehr' ich durstig ein:
"Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust'ger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel sing' ich dazu."

Und find' ich keine Herberg', so lieg' ich zu Nacht
Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht:
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh' das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

*

- Pech gehabt, die Antarktis: "ANTARCTIC ICE INCREASING

The sea ice around the continent is far above average. Also, note the colder than average sea surface temperatures around Antarctic. If the media is going to discuss the Wilkins Ice Shelf, they should also discuss this other data. The expansion of the sea ice coverage implies a cooling."
--Roger Pielke Sr., University of Colorado, 30 April 2009
CCNet 68/2009 – 1 May 2009 -- Audiatur et altera pars

- Die Mama weiß schon, warum sie den Prinzen warten läßt: "...nach Potsdam reisen. Der Prinz beehrt dort das Institut für Klimafolgenforschung. Camilla geht den Tag sorgloser an: Sie besichtigt währenddessen Schloss Sanssouci." Bundespräsident Köhler würdigt Prinz Charles bei dessen Besuch in Berlin für seine nachhaltige Umweltfreundlichkeit. // Durchhalten, Elisabeth!

- Verzicht auf Erziehung, Adorno, Habermas & Co.: "Noch nie hat es so viele registrierte Verkehrssünder in Deutschland gegeben wie im vergangenen Jahr. "Rund 8,9 Millionen Menschen waren zum Stichtag 1. Januar 2009 im Verkehrszentralregister gemeldet", sagte am Mittwoch der Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg, Ekhard Zinke." FAZ

- Homo sap. irrationalis leibhaftig:
"In der Klosterzelle eines 60 Jahre alten Mönches in Innsbruck ist ein Waffenarsenal entdeckt worden. Der österreichische Ordensmann bunkerte im Stift Wilten mehrere Faustfeuerwaffen und Gewehre samt Munition, die bei Renovierungsarbeiten gefunden wurden. Die Polizei beschlagnahmte die Objekte. Der Mann sei schon seit seinem 15. Lebensjahr ein leidenschaftlicher Waffensammler. Der Mönch gab zu, die Waffen größtenteils auf Trödelmärkten und bei Bauern erstanden zu haben. Er wird jetzt wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz angezeigt." FAZ
- - ' "Prozesse-Dieter" zu Freiheitsstrafe verurteilt.
RATINGEN, 29. April (dpa/ddp). "Prozesse-Dieter", ein prozessfreudiger 73 Jahre alter Sozialhilfeempfänger aus Ratingen, ist abermals zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Ratinger Amtsgericht sprach den ehemaligen Sportlehrer wegen 44 Beleidigungen von Amtsträgern schuldig. Auf Postkarten hatte der Mann einen Bürgermeister, einen Landrat, Beamte, Richter und Rechtspfleger mit Ausdrücken wie "Zementkopf", "Vollidiotin", "Sesselfurzer", "Rechtsbeuger", "Doppel-Null" überzogen. Der Staatsanwalt listete minutenlang Obszönitäten auf. Der Verteidiger kündigte Berufung an. Er hatte einen Freispruch gefordert.
Das Amtsgericht hatte zunächst das Problem gehabt, einen unbefangenen Richter zu finden, der noch keine Strafanzeige gegen den Mann gestellt hatte und noch nicht von ihm beleidigt worden war. Das Gericht setzte sich über den psychiatrischen Gutachter hinweg, der den Angeklagten als schuldunfähig eingestuft und ihm eine "paranoide Persönlichkeitsstörung" attestiert hatte. Der Angeklagte, der seit seinem 39. Lebensjahr von staatlicher Stütze lebt und sich unter anderem eine Klobürste erstritten hatte, habe einen hohen Intelligenzquotienten von 130, sei freundlich, humorvoll und garniere Gespräche auf hohem intellektuellen Niveau mit Zitaten von Feuerbach und Schiller. Nur wenn es um Behörden gehe, "rastet er aus". Noch während der Verhandlung wurde "Prozesse-Dieter" am Mittwoch rückfällig und titulierte den Staatsanwalt als "Dummkopf" und "Idiot". '
Text: F.A.Z., 30.04.2009, Nr. 100 / Seite 7

- Gentechnik: ' Im Gespräch: Nestlé-Verwaltungsratschef Peter Brabeck

"Wir können nicht auf Gentechnik verzichten"


Peter Brabeck-Letmathe, der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Nestlé, will bei dem Schweizer Lebensmittelkonzern das gesellschaftliche Engagement in den Vordergrund rücken.
Von Ruhestand kann bei Peter Brabeck-Letmathe keine Rede sein. Vor fast genau einem Jahr hat er den Vorstandsvorsitz bei Nestlé an Paul Bulcke abgegeben. Der 64 Jahre alte Brabeck steht aber noch immer an der Spitze des Verwaltungsrats. Er ist nicht mehr so eng ins Tagesgeschäft eingebunden, stattdessen tritt er oft als eine Art Konzernbotschafter für ernährungspolitische Themen auf. So machte er mit seiner wiederholten Warnung vor einer weltweiten Wasserverknappung von sich reden. In New York stellte Brabeck jetzt Initiativen vor, mit denen Nestlé sich als Unternehmen präsentieren will, das gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und nicht nur die Interessen der Aktionäre im Blick hat. Dazu gehören der Bau eines Forschungszentrums in der Elfenbeinküste und eine auf 100 Länder ausgeweitete Aufklärungskampagne für Schulkinder zum Thema Ernährung.
Herr Brabeck, Sie attackieren die Philosophie des reinen "Shareholder Value" und sehen darin eine Ursache für die Wirtschaftskrise . . .
Ich meine damit, dass viele Unternehmen zu sehr auf den schnellen Erfolg aus waren. Das gilt natürlich vor allem für die Finanzindustrie, aber ich habe das auch in unserer Branche beobachtet. Es geht immer nur um den nächsten Quartalsgewinn, und dabei wird vergessen, auch für die Gemeinschaft Werte zu schaffen. Deswegen sprechen wir bei Nestlé vom "Shared Value", dem gemeinsamen Wert. Für ein Unternehmen muss das Interesse sowohl der Aktionäre als auch der Gesellschaft zählen. Nur so kann es erfolgreich sein.
"Shared Value" klingt hübsch, aber ist es mehr als ein Werbegag?
Es ist eben gerade keine Kampagne für die Öffentlichkeit, und es ist auch mehr als reine Wohltätigkeit. Wir haben den Ansatz fest in unserer Strategie verankert. Jede größere Entscheidung wird unter zwei Gesichtspunkten getroffen: Was bringt es den Aktionären? Aber auch: Was bringt es der Gemeinschaft?
Es gibt auch etliche andere Unternehmen, die sich Engagement für das Gemeinwohl auf die Fahnen schreiben. Wie heben Sie sich ab?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Angenommen, wir wollen in eine neue Fabrik investieren. Es stiftet einen viel größeren Nutzen, wenn die Fabrik in Afrika steht und nicht in Europa. So kann in Afrika zum Beispiel viel eher Infrastruktur geschaffen werden, die vorher nicht vorhanden war. Zum Beispiel eine mit dem Werk verbundene Abwasseranlage, die der ganzen Region zugutekommt.
Aber Sie sagen ja, Sie investieren nicht aus reiner Wohltätigkeit . . .
Genau, weil sich das nämlich auf der anderen Seite auch für Nestlé rechnet. Sehen Sie, wir verkaufen zum Beispiel jedes Jahr 19 Milliarden Maggiwürfel in Afrika. Es ist für uns wirtschaftlich viel sinnvoller, die Ware vor Ort zu produzieren und nicht zu importieren. Afrika ist heute ein wichtiger Markt für uns, und deshalb haben wir dort 27 Werke.
Sie unterstreichen das Verantwortungsbewusstsein von Nestlé, aber viele Ihrer Produkte sind auch anfällig für Kontroversen. Ein wichtiges Geschäft für Nestlé ist Wasser, das in Plastikflaschen abgefüllt wird. Kritiker werfen Ihnen vor, das sei nicht umweltfreundlich.
Das ist aber völlig überzogen: Die Kritiker sehen abgefülltes Wasser immer nur im Verhältnis zu Leitungswasser. Vergleichen Sie es aber doch einmal mit fast allen anderen Getränken, von Bier bis hin zu Limonade: Dann verbraucht die Produktion von abgefülltem Wasser viel weniger Ressourcen. Ich finde die Kritik ungerecht. Es beschwert sich ja auch niemand, wenn mexikanisches Bier in Glasflaschen nach Deutschland exportiert wird.
Ein anderes Beispiel: Sie führen Aufklärungskampagnen zur Bekämpfung von Fettleibigkeit, aber Ihre Produktpalette ist voll von Dickmachern, von Eiscreme bis Schokolade.
"Dickmacher" klingt mir zu einseitig. Schokolade zum Beispiel ist vom Nährwert her ein großartiges Produkt. Sie decken damit 80 Prozent ihres Tagesbedarfs an Magnesium. Wenn Sie Schokolade essen, können Sie sich Nahrungsergänzungsmittel sparen. Das Problem ist doch nicht das Produkt Schokolade, sondern eine weitverbreitete schlechte Ernährung. Darüber wollen wir Jugendliche aufklären.
Sie haben mit Ihren Warnungen vor einem Wassernotstand für viel Aufsehen gesorgt und gesagt, Wasser werde der Menschheit schneller ausgehen als Öl.
Wir haben für die nächsten 130 Jahre Erdöl, aber die Wasserreserven werden schon früher erschöpft sein. Wir verbrauchen heute viel mehr Wasser, als uns die Natur in Form von Regen liefern kann. Deshalb greifen wir die Vorräte an fossilem Wasser an, die vor allem in Amerika und in der Sahara lagern.
Ist diese Entwicklung aufzuhalten? Wasser ist heute zu billig, und es ist kein Wunder, dass die Leute es verschwenden, um ihre Swimmingpools aufzufüllen. Wasser muss seinen gerechten Wert bekommen. Vor allem brauchen wir ein Umdenken in der Landwirtschaft. Auf die entfällt heute 93 Prozent des Wasserverbrauchs.
Deutschland hat gerade mit dem umstrittenen Verbot zum Anbau einer gentechnisch veränderten Maissorte für Aufsehen gesorgt. Halten Sie solche Verbote als Befürworter der Gentechnik für einen Fehler?
Auf globaler Ebene können wir auf Gentechnik nicht verzichten. Ich verstehe ja in gewisser Weise die Einstellung in Deutschland. Hier gibt es keinerlei Lebensmittelmangel, und Bauern werden sogar dafür bezahlt, wenn sie Felder nicht bewirtschaften. Aber weltweit sieht es wegen der Bevölkerungsexplosion anders aus. Wir müssen die landwirtschaftliche Produktion bis 2025 verdoppeln. Wir können aber die Anbaufläche nicht unbegrenzt erweitern. Also müssen wir Pflanzen entwickeln, die einen höheren Ertrag abwerfen, und dazu brauchen wir die Gentechnik.
Das Gespräch führte Roland Lindner.

Donnerstag, 30. April 2009

Vornamen Summer Rose, Junes, Lilian




Der lustige Herr Blüm! Der listige Herr Blüm! Immer für einen Spaß gut! Der IG-Metaller Blüm. (War ich auch als junger Metallarbeiter, bin später, anders als Blüm, ausgetreten!) Rentengauner Blüm? Rentenversprechen als Stimmenkaufprogramm, obwohl die demographische Entwicklung in Deutschland doch langfristig berechenbar war? Oder war's nur ein Spaß?

Charles Manson, Fahndungsfoto, Januar 1971

bis 18°C !

- "... Die Rede ist vom Vornamen. Zwei amerikanische Soziologen haben die erstaunliche Frage gestellt, ob man das Abgleiten in eine kriminelle Karriere etwa mit dem Vornamen eines Jugendlichen erklären könnte (David Kalist, Daniel Lee: First Names and Crime: Does Unpopularity Spell Trouble? Social Science Quarterly 1, 2009). In einem sozialpsychologischen Umfeld ist das gar keine so ungewöhnliche Frage. Dass Vornamen einen Einfluss haben auf die Wahrnehmung einer Person, ist hinreichend belegt. Die Autoren suchten allerdings nach einem viel einfacheren Zusammenhang. Sie zählten zunächst die Häufigkeit von Vornamen in der Gesamtbevölkerung von jungen Männern in einem Bundesstaat aus. Unter den 15 000 Namen war Michael der häufigste, David lag in der Mitte, während so unbescholtene Namen wie Alec, Ernest oder Malcolm eher selten vorkamen. Diese Häufigkeit wurde dann mit der Häufigkeit der Vornamen bei straffällig gewordenen jungen Männern dieses Staates verglichen. Es stellte sich heraus, dass es unter Letzteren deutlich mehr Personen gab, die einen seltenen Vornamen trugen. Der Befund der Studie ließe sich dahin gehend deuten, dass ein ungewöhnlicher Vorname die Neigung zum Einstieg in die Kriminalität begünstigt. ..." FAZ 29.4.09
- Namen der ausgesetzten kleinen Kinder: "... Unterdessen werden immer weitere Details über die familiären Hintergründe von Ina R. bekannt. So handelt es sich bei ihrem Lebenspartner, dem ledigen und kinderlosen Sascha S. aus Bad Laasphe, um einen flüchtigen Häftling. Er war bis Anfang April unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Senne wegen schwerer räuberischer Erpressung inhaftiert. Sascha S. kehrte am 2. April nicht mehr aus einem Urlaub in den offenen Vollzug in die Justizvollzugsanstalt Oelde zurück. Nach einem Bericht der „Westfalenpost“ war S. ein Zellengenosse des leiblichen Vaters der nun im Aostatal ausgesetzten Kinder. Der Mann war wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er im November 2006 seine damals sieben Wochen alte Tochter Summer Rose so heftig geschüttelt hatte, dass sie kurz darauf starb. Ina R. bekam dennoch ein weiteres Kind von ihm, den heute acht Monate alten Junes. ..." FAZ "Ausgesetzte Kinder. Deutsches Paar bei Aosta aufgespürt." FAZ 23. April 2009 / S. Blog 26. April 2009 //
Summer Rose, Junes, Lilian - ist das die Kreativität des Psychotizisten / Kriminellen ? Vgl. Blog 26.3.09 : " - Empirische Psychologie: ' Den typischen Psychotizisten sieht Eysenck “als Einzelgänger, der sich nichts aus Menschen macht; er ist oft unangenehm, paßt nirgend hinein. Er kann grausam und unmenschlich sein, es kann ihm an Gefühl und Einfühlungsvermögen mangeln, er kann ganz und gar gefühllos sein. Er ist anderen, sogar seinen eigenen Verwandten und Bekannten, feindlich gesinnt, und aggressiv selbst denen gegenüber, die er liebt. Er hat eine Schwäche für sonderbare und ungewöhnliche Dinge und ist gleichgültig gegenüber der Gefahr, er liebt es, andere zum Narren zu halten und aus der Fassung zu bringen (Eysenck, 1976, S. 31). ' http://freenet-homepage.de/oliverwalter/Psychologie/Personlichkeit/Gesamtsysteme/gesamtsysteme.htm

- Die ausgefallene Namensgebung dürfte über die Vererbung eine Rolle spielen: "... Antisoziales Verhalten teilweise erblich
Untersuchungen an Zwillingen und adoptierten Kindern haben bereits gezeigt, daß antisoziales Verhalten wohl teilweise erblich ist. Bei eineiigen Zwillingen verhalten sich beide mit höherer Wahrscheinlichkeit antisozial als andere Geschwisterpaare. Die Kinder von Kriminellen werden überdurchschnittlich oft selbst kriminell, selbst wenn sie im frühen Kindesalter von Familien adoptiert wurden, in denen es weder Kriminalität noch Mißhandlungen gibt.
Nun reagieren Kinder aber auf schlechte Behandlung sehr unterschiedlich - ein Phänomen, das Moffitt, Caspi und Kollegen in einer Arbeit von 2002 untersuchten: „Zwar vergrößern erlittene Mißhandlungen das Risiko, später kriminell zu werden, um 50 Prozent“ schreiben sie, „aber die meisten mißhandelten Kinder werden als Erwachsene nicht kriminell“. Um das zu erklären, gingen die Forscher Hinweisen nach, daß Neurotransmitter - Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin - eine wichtige Rolle beim Entstehen von Stimmungen, Verhalten und allgemeiner geistiger Gesundheit spielen. Moffitt und Caspi vermuten einen der Faktoren für eine Veranlagung zu antisozialem Verhalten in einem Gen, das für die Bildung des Enzyms Monoaminoxidase A (Maoa) verantwortlich ist. Dieses Enzym steuert die Pegel der Neurotransmitter im Gehirn. Eine seiner Aufgaben ist es, überschüssige Botenstoffe zu beseitigen, damit die neuronalen Schaltkreise ordnungsgemäß funktionieren können.
Genetische Ursachen
Tatsächlich sind heute fünf verschiedene Varianten (auch Allele genannt) des Maoa-Gens bekannt; drei davon treten allerdings selten auf. Die Autoren der Studie von 2002 untersuchten nun die beiden Haupttypen. Eines ist das sogenannte Low-Activity-Allel. Es verursacht einen niedrigen Spiegel des Maoa-Enzyms und findet sich bei etwa einem Drittel aller Männer. Die meisten anderen besitzen das sogenannte High-Activity-Allel. Um ihre Hypothese zu testen, betrachteten die Forscher noch einmal die Teilnehmer der Dunedin-Studie. Deren Lebensgeschichten waren bereits untersucht, so daß man wußte, daß 11,8 Prozent dieser Männer als Kind Mißhandlungen erlitten hatten und bei zusätzlichen 28 Prozent Mißhandlungen vermutet wurden. Die Forscher wußten, welche Studienteilnehmer durch antisoziales Verhalten aufgefallen waren - und wann. Deren Erbgut schauten sie sich nun auf die Maoa-Allele hin an. ..." Serientäter. Gibt es den geborenen Verbrecher?
Von David Rose, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 5.11.2006, http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~E4D11A6942DEA471CA1A4AB8333D0746B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

- Fälle: Joseph Kallinger: Mißbrauchte und tötete einige seiner Kinder. Sein Sohn half ihm dabei
Carles Manson: Tötete mit seiner Kommune auf bestialische Weise die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und ihre Gäste
Ottis Toole: Grub schon als Kind nach Leichenteilen. Etwa 25 Opfer
Henry Lee Lucas: Komplize von Ottis Toole. Behauptete 100 Morde begangen zu haben
Jeffrey Dahmer: Folge einer „normalen” Kindheit waren 17 Opfer und Nekrophilie
Ian und Myra Brady-Hindley: Folterten elf Kinder und Jugendliche bis zum Tod
Anatoli Onopriyenko: 52 Opfer quer durch die Ukraine. Allein in den vier Monaten vor seiner Verhaftung soll er 42 Morde begangen haben
Kaspar Petrov: Der Lette wurde 2005 wegen Mordes in 38 Fällen verurteilt
Marianne Nölle: Der „Todesengel von Köln” tötete 17 Menschen mit einem Beruhigungsmittel und versuchte es bei 18 weiteren
Fritz Haarmann: Der „Werwolf von Hannover” tötete 24 Jungen durch Bisse in den Hals, 27 weitere mögliche Opfer blieben vermißt, 1925 enthauptet
Frederick und Rosemary West: Folterten und töteten zwölf Mädchen und mauerten die Leichenteile ein. Ihr Haus ist in Großbritannien als „House of Horror” bekannt
http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Manson
- - Die genetische Bedeutung erscheint besonders schlagend beim Geschlecht: Kriminalität ist ein fast rein männliches Phänomen, schwere Delikte sind bei Frauen besonders selten, Mörderinnen gibt es praktisch nicht. Wo sie doch vorkommen, geschieht die Tat meist unblutig und schmerzarm.

Mittwoch, 29. April 2009

Demokratie, GLOBAL WARMING, Mist der Geschichte



Bankkaufmann Ackermann hat gut lachen, er hat die Bank nicht schlecht gesteuert

Hasardeur Friedrich: mehr Glück als Verstand gehabt (Bild: FAZ)

10-15°

- POLISH ACADEMY OF SCIENCES QUESTIONS GLOBAL WARMING "CONSENSUS" : " The phenomenon observed today, in particular the temporary rise of global temperature, is the result of the natural rhythm of climate change. "
--Geological Science Committee, Polish Academy of Sciences, February 2009; CCNet 64/2009 - 24 April 2009 -- Audiatur et altera pars

- Mist der Geschichte. Der Lord von Mist Market, Dahrendorf; GESCHICHTE ist schwierig, aber noch viel schwieriger: GEGENWART ! : Der Soziologe als Spinner: "... Nicht nur vulgärmarxistisch verblendete Studenten malten 1968 die Faschismusgefahr an die Wand! Dahrendorf wusste durchaus, wovon er sprach. Er ist der Sohn des sozialdemokratischen Widerstandskämpfers Gustav Dahrendorf und hatte selbst als Fünfzehnjähriger in Gestapo-Haft gesessen. Dahrendorfs Eintritt in die FDP erregte großes Aufsehen. Die Zeitungen teilten dramatisierende Erläuterungen des Jungpolitikers mit: Er habe vor der Alternative gestanden, sich zu engagieren oder an seinem Land zu verzweifeln und zu emigrieren. Dahrendorf wollte nach eigener Auskunft die für Deutschland angeblich typische Kluft von Macht und Geist überbrücken, profitierte aber von der am Anfang der Bildungsreformen noch ungebrochenen Autorität des Professors. Undenkbar, dass demselben Schritt eines Heinz Bude heute dieselbe Aufmerksamkeit zuteil würde. Wenn Dahrendorf ausführte, in der modernen Zeit regiere in Wissenschaft und Politik dasselbe Prinzip der Rationalität, formulierte er ein Ideal, das man im Licht der Soziologie Niklas Luhmanns als vormodern einordnen kann. Nachdem Dahrendorf auf einem Auto vor der Freiburger Stadthalle mit Rudi Dutschke diskutiert hatte, prophezeite der abgelöste Parteivorsitzende Erich Mende, er werde die FDP zwei Prozent kosten. Dahrendorf hielt im "Spiegel" dagegen, vielleicht werde er auch fünf oder gar zehn Prozent einbringen. In der Bundestagswahl 1969 verlor die FDP gegenüber 1965 3,7 Prozent der Zweitstimmen. ..." FAZ 27.4.09 // Laß fahren dahin ...

- Geschichtsnebel: "Friedrich der Große.
Der Gerhard Schröder seiner Zeit. ...
Mit diesem Image kriegerischer Unerschütterlichkeit und politischer Weitsicht will die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten jetzt aufräumen. In ihrem Konzept zum Friedrich-Jahr 2012, das sie an diesem Mittwoch in Berlin vorstellt, porträtiert sie den Preußenkönig als gewohnheitsmäßigen Hasardeur. Schon als Kronprinz, heißt es in dem Thesenpapier der Stiftung, sei er bei seinem Fluchtversuch mit Hans von Katte von der „Lust am Risiko“ getrieben gewesen, und als Monarch habe er mit dem Einmarsch in Schlesien bewusst die Existenz seines Staates aufs Spiel gesetzt. Um seine Kriegsrisiken abzusichern, ließ er den Gold- und Silbergehalt des Münzgelds reduzieren; unter den „Ephraimiten“, die sein Bankier Veitel Heine Ephraim auf den Markt warf, litt die preußische Wirtschaft noch lange Zeit. Ein Zocker und „Alles-auf-Rot-Chancensucher“ auf der Bühne Europas, spielte er zuerst Frankreich und Österreich gegeneinander aus, um anschließend von beiden in die Zange genommen zu werden. Dass Preußen im Siebenjährigen Krieg nicht unterging, verdankte er wiederum einem Glücksfall: Ende 1761 starb die Zarin Elisabeth, seine schlimmste Gegnerin. Ihr Sohn und Nachfolger Peter war ein Friedrich-Fan. ..." FAZ 29.4.09

- "Mehr Demokratie! Das Parlament nicht wählen, sondern auslosen? Passives Wahlrecht für alle? Warum denn nicht, meint der Berliner Publizist Florian Felix Weyh. ... FOCUS: Klaus Wowereit ist real von knapp 18 Prozent der wahlberechtigten Berliner und sicher von vielen Alimente-Empfängern gewählt worden und wird trotzdem als Kanzlerkandidat gehandelt. Wie werden wohl solche Politiker auf Ihre Vorschläge reagieren?
Weyh: Säuerlich. Ich konnte ihn neulich bei einer Kabarettveranstaltung beobachten. An den kritischen Stellen, an denen er hätte souverän lachen müssen, verkniff er das Gesicht. Ein typisches Funktionärsproblem. ..." FOCUS Nr. 47 (2007) 19.11.07

„Unser nirgendwo auf der Welt verstandenes Wahlrecht taugt kaum zur Geeignetenauswahl“
„Wer vom Staat alimentiert wird, soll nicht bestimmen dürfen, wie hoch man ihn alimentiert“
Florian Felix Weyh, „Die letzte Wahl. Therapien für die leidende Demokratie“, Eichborn, Die Andere Bibliothek, 319 S., 27,50 Euro

- Finanzkrise: "Dem Ruf nach wachsender Staatsmacht widerspricht der Sachbuchautor Peter Krieg. Aber auch er macht das Problem an England fest. Weil das dortige Zentralbanksystem von fast allen Nationen übernommen wurde, haben wir "kein freies Marktsystem mehr, sondern ein staatlich gelenktes, im Kern planwirtschaftliches". Dass der Staat sich nicht länger an die sozioökonomischen Gesetzlichkeiten des Gesamtsystems halten müsse, sondern "über der Gesellschaft" stehe, führe zu Fehlentwicklungen. In einer Welt "des permanenten Wandels und der Unvorhersehbarkeit geht es nicht primär um korrekte Prognosen, sondern um schnelle Anpassung an Folgen überwiegender Irrtümer. Und hier bringt nicht die Zentralisierung von Entscheidungen, sondern ihre größtmögliche Dezentralisierung die besten Ergebnisse."
Für Krieg wurde der liberale Geist des Laissez-faire schon von der Französischen Revolution zu Grabe getragen: "Im kontinentalen Europa eines Rousseau, Robespierre oder Napoleon wurde Freiheit vor allem als kollektive Angelegenheit einer fiktiven volonté générale interpretiert. Der republikanische und insbesondere der demokratische Staat war und blieb hier die große Illusion, dass jedermann auf Kosten von jedermann leben könne." Obwohl Krieg mit einem autoregulativen Liberalismus Ernst machen möchte, schickt er seine Quittung für die Krise an dieselbe Adresse wie Wade: "Wenn wir heute von ,Kapitalismus' sprechen, dann sprechen wir nicht mehr von einem freien, wettbewerbsgetriebenen, eigenverantwortlichen und anarchischen Wirtschaftssystem im Sinne eines Adam Smith oder Frédéric Bastiat, sondern von einem eng mit der Staatsgewalt verflochtenen polit-finanz-industriellen Komplex aus Privilegien, Lobbyismus, Protektionismus, Nepotismus und Korruption." Dabei liegen Regulierungsprozessen oft gute Absichten zugrunde. Krieg sieht den Ursprung der amerikanischen Immobilienkrise im Antidiskriminierungsgesetz von 1977, das Banken dazu aufforderte, "in allen Vierteln ihrer Stadt zu operieren. Wer sich dennoch an seriöse und bewährte Kreditstandards hielt, dem drohten Gesetzgeber und Zentralbanken hohe Geldstrafen an." Wie die "kurze Blüte" der Konsumgesellschaft durch staatlich dekretiertes Samaritertum an ihr Ende kam, ist auch bei Wolfgang König in "Universitas" nachzulesen. Er erinnert daran, dass "der Mangel" jahrhundertelang "den Alltag und das Denken" der Menschheit bestimmte, bis Paupertas der Cupiditas wich. Erlösung "brächte nur eine Entmaterialisierung der herrschenden Vorstellungen von Lebensqualität". Immanuel Kant ist schuld an der Inflation. Vom Ende der Systeme: Kunstmessen, Finanzkrisen und die Moral von der Geschichte. FAZ 29.4.09 Harms Rez.