Mittwoch, 13. Januar 2010

Saarland 1935, Personen in der Geschichte



Täte not? Nein, umgekehrt, warmer Föhn und heiße Wanne: -4/-1°C


- Saarland, Volksabstimmung im Saargebiet am 13. Januar 1935.
Zeitlebens führte Ludwig IV. Krieg und eroberte westliche Rheinstädte und Rheingebiete, um sie seinem Herrschaftsgebiet einzuverleiben: Saarbrücken, Straßburg, Trier, Luxemburg, Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und hunderte von kleinen Ortschaften. Insbesondere die Pfalz verwüstete er auf das Schlimmste. Noch de Gaulle dachte an eine französische Pfalz. 1920 waren Rheinland und Saarland von französischen Truppen besetzt, wobei nominell der "Völkerbund" die Oberhoheit hatte. Nach 15 Jahren sollte eine Volksabstimmung an der Saar stattfinden. Nach dem Locarno-Vertrag 1925 traf Stresemann 1926 in Thoiry erneut Briand und sprach ihn auch auf die Räumung von Rheinland und Saargebiet an, die dieser sich auch vorstellen konnte. In Paris wurde das dann hintertrieben und Stresemann nicht unterstützt gegenüber der Kritik und Agitation der nationalistischen deutschen Organisationen und Parteien. Es wäre eine große Chance gewesen, die Frankreich nicht nutzte, um dann später Hitler alles zu schenken, worum sich Stresemann aufgerieben hatte. Die Volksabstimmung konnte Paris nicht mehr verhindern, und der Sieger stand bereits vorher fest. Mit 90,5% votierten die Saarländer für Deutschland.

- Welche Rolle spielen Personen in der Geschichte, wie wichtig sind Strukturen und Regierungssysteme? Eine Frage, die man immer nur neu stellen, aber nie entscheiden kann, weil einmal Personen entscheidend sein können, ein andermal andere Faktoren. Die Pariser Politiker fanden nicht aus Ludwigs Generallinie heraus, es fehlte ihnen jedes Format, es mangelte an Vorstellungskraft, aber nicht an Bosheit. Stresemann hatte dagegen eine recht erstaunliche Entwicklung genommen und gerade mit Briand neue Perspektiven erschlossen. Doch die französische Seite konnte sich nicht zu einer größeren Unterstützung Stresemanns entschließen, spielte auf Zeit und spielte den größten Kritikern Stresemanns in die Hände,
solange, bis Hitler die Stärke gewann, die es ihm erlaubte, Paris vor vollendete Tatsachen zu stellen, wodurch er weiter an Machtausstrahlung gewann. Nach jahrzehntelanger französischer Bösartigkeit konnte der Diktator dann auch den Vertrag von Locarno zerreißen, und das erschien dann in der europäischen Öffentlichkeit sogar als legitim, so daß Paris und London auf das Einrücken der Wehrmacht in das Rheinland nicht militärisch zu handeln wagten, was wiederum die Person Hitler stärkte und ihn zu neuen Untaten trieb.

- Große Männer machen Politik, Stalin, Hitler, Mao schufen Tatsachen, grauenhafte Tatsachen; in der Regel sind die großen Politikmacher Diktatoren, deren Willen ein stark zentralisierter Apparat zur Verfügung steht. Deng Xiaoping gelang nach Darstellung Helmut Schmidts nach mehreren Niederlagen doch noch der Durchbruch - Mao mußte dafür bereits tot sein - zu einer wirtschaftlichen Neuorientierung der KP China und stieß damit ein neues Stadium der Globalisierung an.

- Strukturen und Systeme: "Otfried Höffe hat ein ausgeruhtes Buch über die Demokratie geschrieben, das aber zu schnell und beschönigend über die Schwierigkeiten dieser Regierungsform hinweggeht", meint der Rezensent Wolfg. Kersting in der FAZ v. 13.1.10. Er kommt dann aber zu dem Schluß: " Und an ihre Stärken kann der Autokratismus nicht heranreichen: "eine engagierte Bürgerschaft, ein hohes Bildungs- und Ausbildungsniveau, soziale und kulturelle Fundamente und nicht zuletzt eine politische Ordnung, die auf neue Herausforderungen flexibel zu reagieren vermag".
Schaut man genauer hin, dann zeigt sich, dass genau die Elemente, die die legitimationstheoretische Vorzüglichkeit der Demokratie begründen, sich in ihrer empirischen Gestalt auch als Ursachen größerer Problemlösungseffizienz erweisen. " Da kommt man ins Grübeln, wenn man an die Problemlösungseffizienz des Klimawahns mit seinen kapitalen Fehlinvestitionen denkt und an die chinesische Haltung, die IPCC-Politik zu unterstützen, China aber von Maßnahmen auszunehmen, auch, um möglichst viel Produktion ins Land zu locken, die in Europa vertrieben wird. Auf die Führerauswahl in Wohlfahrtsstaaten kommt Höffe gar nicht erst zu sprechen. Zur Demokratie gibt es keine Alternative, und die Legitimation durch Wahl ist unverzichtbar - aber wie wirkt es sich aus, wenn immer mehr Politiker "aus dem Kinderzimmer" kommen, die nie einen Beruf außerhalb der Politik ausgeübt haben? Die mit Nichtregierungsorganisationen Bündnisse eingehen, die durch Massenmedienjournalisten vermittelt und gepflegt werden? Solche Verselbständigungen werden zudem erleichtert in repräsentativen 4-Jahre-Blankoscheck-Demokratien. Diese drittklassige Demokratieform thematisiert der brave Beamte Höffe gar nicht erst. Dafür wird er reichlich belohnt, indem ein Organ der politischen Klasse, die Bundeszentrale für politische Bildung, sein Buch in ihre Schriftenliste aufnimmt.

- Wohlfahrtsstaatdemokratieproblem:
Des Menschen Tätigkeit
kann allzuschnell erschlaffen
er liebt sich bald die unbedingte Ruh.
Goethe, Faust I, Vers 340 ff.

- Wer wird Politiker?
Denn jeder, der sein inn‘res Selbst
Nicht zu regieren weiß, regierte gar zu gern
Des Nachbars Willen.
Goethe, FAUST, 7015ff.

- - Nebenbei: Die Atmosphäre enthielt ursprünglich über 25% CO2 und keinen Sauerstoff - nicht einmal als Spurengas, sonst hätte Leben nicht entstehen können -, dann sind die fossilen Brennstoffe Erdgas, Erdöl und Kohle durch Assimilation entstanden.

Dienstag, 12. Januar 2010

Semmelweis, Wissenschaftswahn und Verschwörungstheorien




Her mit dem Mittelalteroptimum! Heizen wird dieses Jahr teuer. (http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de//project/lv-twk/002-holozaen-2000jahre.htm)

Kreuzungsverkehr Katze - Maus (-5/-2°C)

- heute abend um 17:10 & 23:10 Uhr bei ntv: Winter in Deutschland - vom Klimawandel keine Spur - Bremer diskutiert live mit EIKE Beiratsmitglied Prof. Dr. Malberg ehem. Chef des meteorologischen Instituts der freien Universität Berlin - www.n-tv.de/ntvintern/kontakt/ -

- Klimadiskussion: Prof. Lüdecke beim mdr -
Ich fand Prof. Lüdeckes Auftreten und Wirken sehr gut, im Fachlichen wie in der Art sich zu präsentieren.
Zum wahrscheinlich ersten Mal hat so ein großer Zuschauerkreis unsere Argumente in gut verständlicher Form hören können.
Wenn es ein Schauprozess war, dann eher für die andere Seite der Klimadebatte.
Den Klima-Argumenten von Lüdecke wurde nicht widersprochen. Die beiden anderen Diskutanten zogen sich schnell zurück auf das Argument, dass, auch, wenn das mit dem Klima so sei, die Maßnahmen zur CO2-Verhinderung trotzdem im Wesentlichen richtig wären. Und damit ist die beste Voraussetzung gegeben endlich einmal über eine Bilanz der Klimapolitik zu reden, was längst überfällig ist." Klaus Öllerer, www.KlimaNotizen.de
/// Lüdecke hat das Beste daraus gemacht bei schwieriger Situation: vier, die ihn nicht ausreden ließen, gegen ihn; allerding ist ein Physiker kein Medienkasper wie etwa der Ex-Außenminister F. Besonders perfide war der Moderatorentrick mit dem Anruf bei einem Mitspieler auf KING-GEORGE-ISLAND, einem Inselchen weit im Nordwesten der West-Antarktis nahe zu Südamerika; in der kleinen West-Antarktis gibt es verschiedene Bereiche mit leicht höherer Temperatur, während in der riesigen Ost-Antarktis das Gegenteil gilt. Beide Temperaturschwankungen sind völlig unerheblich und liegen wahrscheinlich ohnehin innerhalb der Fehlertoleranz (vgl. für die kleine Arktis Christian Haas, Meereis oder weniger Eis?, Alfred-Wegener-Institut, Report 2000/01, S. 24 ff.)

- Verschwörungstheorien: Manchmal erfährt man viele Jahre später, wer sie erfunden hat und wie sie weiterverbreitet wurden: "Im Februar 1987 hatte die "taz" ein Interview des Schriftstellers Stefan Heym mit dem Biologen Professor Jakob Segal von der (WD: damaligen SED-) Humboldt-Universität veröffentlicht, in dem das Märchen verbreitet wurde, das Aids-Virus sei ein "künstlich geschaffenes Produkt der US-amerikanischen biologischen Kriegsvorbereitung". Nach Experimenten an Strafgefangenen in Fort Detrick habe sich die Seuche unter Homosexuellen in New York verbreitet und sei von dort auf den afrikanischen Kontinent eingeschleppt worden. In linken westdeutschen Kreisen glaubte man Segals These sofort und gerne. Dagegen kamen die Argumente renommierter Fachwissenschaftler nur schwer an. ..." FAZ 12.1.10
///
Man kann praktisch alles unter die Leute bringen, für alles gibt es jederzeit genug Gläubige, das liegt an der irrationalen Grundausrichtung des Menschen, das gilt auch für Wissenschaftler (Die Wissenschaftsgeschichte ist eine Geschichte der Irrtümer, beispielhaft der Fall Ignaz Semmelweis, 1818-1865).
Gelegentlich bekommt man den Unsinn sogar zugeschickt: "Mich würde interessieren,ob sie noch einer der ganz wenigen sind,die die Mär vom 11.9.abkaufen. In Focus Money ist ein grosser Beitrag über die Lügen des 11.9. zu lesen.400 US-Wisssenschaftler erklären öffentlich,dass alles nur inszeniert,ohne Rücksicht auf Tausende unschuldige Menschen,ist. Haben sie schon einmal ein Flugzeug ohne Tragflächen und Höhenleitwerk gesehen?Das Ding,das ins Pentagon geflogen ist,hatte nachweislich beides nicht,wie sie unschwer an den Trümmern erkennen können.Bei den Türmen,wieso stürzten die Innentürme ein? Wieso war tagelang flüssiges Metall-wie bei einer Termitsprengung-vorhanden?Warum stürzten die unbeschädigten WTC 7+8 plauz-plauz ein?Doch nur,weil beim Bau Asbest verwendet wurde! Warum verschwand das Flugzeug 93 ohne Trümmer im Erdboden? War da Rumpelstilzchen an Bord??? Warum lesen sie nicht die Bücher von Hufsmith und Wischnewski? Haben sie Angst vor der Wahrheit??"

Montag, 11. Januar 2010

Wetter + Klima, Lüdecke im mdr




Eike-Pressesprecher (www.eike-klima-energie.eu/) Horst Lüdecke - offenbar in wärmeren Tagen

- "Winter wie im Bilderbuch – wo bleibt der Klimawandel?" FAKT ist ...! am 11.01.2010 | 22:05 Uhr / www.mdr.de/fakt-ist/6994370.html
mit: Horst-Joachim Lüdecke
"Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, Jahrgang 1943, ist Diplomphysiker und war anfänglich in der kernphy¬si¬ka¬lischen Forschung tätig. Nach seiner Tätigkeit in der chemischen Industrie als Entwickler numerischer Computer-Modelle für Chemie-Anlagen und Strömungsvorgänge in Pipelines und Versorgungs-Rohrnetzen folgte er einem Ruf als Professor für Physik und Informatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Er ist Autor des deutschsprachigen Standardwerks "Strömungsberechnung für Rohrsysteme“ und hat das Buch "CO2 und Klimaschutz – Fakten, Irrtümer, Politik" geschrieben. Nach seiner Pensionierung wurde er Pressesprecher von EIKE und hat zahlreiche EIKE-Veröffentlichungen verfasst. " mdr

- " ' Nordpol weg! ' lautete die Schreckensmeldung in den Medien, die im Sommer 2000 die Öffentlichkeit verunsicherte. Die Meldung wurde durch Beobachtungen von Bord eines Touristen-Eisbrechers veranlaßt, der große Flächen offenen Wassers von einigen Kilometern Durchmesser am Nordpol antraf. Es wurde dabei allerdings ignoriert, daß diese Beobachtung für sommerliche Verhältnisse durchaus typisch ist. ..." Christian Haas, Meereis oder weniger Eis?, Alfred-Wegener-Institut, Report 2000/01, S. 24
/// Wohlstand treibt nicht nur teure Eisblüten, sondern verlangt auch nach immer neuen Katastrophenunterhaltungsspielen .

- Wilhelm Schickard hat übrigens schon vor Pascal 1623 die erste mechanische Rechenmaschine erfunden, meint Thomas de Padova in der Rez. des Buches: Ian Stewart, Meilensteine der Mathematik, 2010 . (FAZ 11.1.10)

Sonntag, 10. Januar 2010

Orientalist Tilman Nagel, Helmut Schmidt im Gespräch



Sieht doch recht nett aus, der verhinderte nigerianische Flugzeugmassenmörder von Detroit

- Scharia-Gericht in Nord-Nigeria in der Provinz Bauchi hat sechs Personen zum Tod durch Steinigung verurteilt und bei 46 weiteren Amputationen angeordnet. Lagos, Reuters/FAZ 15.2.09

- Orientalist Tilman Nagel im Doppelkopf-Gespräch auf hr2 : " Die Mutter Mohammeds kehrte nach der Zeugung zu ihrem Stamm zurück, wie das üblich war. ... Daß sogar Allah und die Engel ihn verehren ... durchdrungen von der Idee, daß die ganze Welt islamisch werden muß ... Fliegen ganz in das Wasser, ein Flügel sei positiv, einer negativ ... Erde um die Sonne, Mufti in Saudi-Arabien ... islamisches Überlegenheitsgefühl ... Frau Schimmel hat immer sehr schwärmerische Vorlesungen gehalten ... sehr gerne in Kairo und Syrien. " hr2 Doppelkopf 8.1.

- Helmut Schmidt im NZZ-Interview auf 3sat: Er ist immer noch ein guter Darsteller seiner selbst, mit 91, inzwischen im Rollstuhl, aber immer noch starker Raucher, der im Gespräch raucht und hustet. Er ist ein lebendes Beispiel dafür, daß auch Intelligenz und Alter gegenüber den Leidenschaften und Süchten das Nachsehen haben können. Er spricht eindringlich und mit wohlgesetzten Pausen, begleitet von strengem Blickkontakt. Konzentriert auf die großen Fragen, die zu bedenken immer lohnt, hört man ihm gern zu. Die deutsche Nation läßt er reichlich früh im Mittelalter beginnen, ohne den Begriff selbst zu befragen. Mitglied im Deutschen Reich waren auch nichtdeutsche Fürsten, und die Konkurrenz zwischen Berlin und Wien machten es zu einem merkwürdigen und ohnmächtigen Gebilde, das Napoleon ohne große Mühe beendete. Auch sehr undifferenziert seine Sicht auf den Islam, ohne dessen zahlreiche Variationen und die traditionelle Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten zu beachten. Sein Freund Sadat hat ihn seinerzeit ein wenig über den Koran aufgeklärt, er selbst scheint seitdem keinen Blick in denselben geworfen zu haben. Sehr wahrscheinlich leitet sich der Monotheismus vom Sonnenkult Echnatons her und war schon damals gegenüber den anderen Gottheiten des Alten Reiches gewaltstiftend. Eine weltweite Gleichberechtigung der Religionen wünscht sich Schmidt; auf die Verfolgung der Bahai in Persien, die Diskriminierung aller nichtmohammedanischen Religionen in der islamischen Welt kam er dabei nicht zu sprechen. Hätte er nicht, alterskühn, den Monotheismus als prinzipiell kriegstreibend überhaupt in Frage stellen können? Das alte Ägypten wurde von den mohammedanischen Eroberern kulturell völlig ausgelöscht, und auch der jüdische und der christliche Monotheismus waren gewaltbereit und intolerant, letztere haben sich allerdings gewandelt, beide haben einen zivilisierenden und wohlstandsfördernden Weg beschritten. Der Polytheismus, etwa in der griechischen Antike, hat die 'natürliche' menschliche Gewaltbereitschaft nicht zusätzlich gestärkt. Zweifellos recht hat er mit dem explosionsartigen Wachstum der Bevölkerung in den Entwicklungsländern als einem der größten Weltprobleme.

Samstag, 9. Januar 2010

Friedrich Ebert, Wilhelm Marx, Gasphantasien, Schneeflöckchen




Scheuen den Schneefall nicht: Ringeltauben in der Esche

Wilhelm Marx, zweimaliger Kanzler der Weimarer Republik


- Schneeflöckchen: " Jedes Jahr dasselbe Theater ...
...ein paar Schneeflocken mehr als im Sommer üblich und schon haben wir eine mittelmäßige Katastrophe. Endlich verstehe ich, wie Polit- und Medienbetrieb funktionieren. Ich verstehe aber nicht, warum zB in Stuttgart der Schnee in den Haupt-Straßen der Innenstadt nicht geräumt wird und wieso trotz eindeutiger Schnee-Wettervorhersage über mehrere Tage jetzt das Streu-Salz knapp wird." Michael Meier, faz.net 8.1.

- Gasphantasien: „Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchenrats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, daß sie einen bitteren, qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie es so wollen, ohne es zu wollen.“
Kurt Tucholsky, Werke Bd. 5, (Dänische Felder, Weltbühne 1927)

Wen mag der am 9. Januar 1890 geborene Tucho. 1925 gewählt haben? Den zweimaligen Kanzler Wilhelm Marx, den Reichspräsidentenkandidaten des "Volksblocks"? Den 78jährigen Kandidaten des "Reichsblocks" Hindenburg bestimmt nicht. Aber sehr wahrscheinlich den Zählkandidaten Thälmann, den die KPD boshaft gegen die Republik aufstellte. Hätten die Kommunisten darauf verzichtet, hätte der Zentrumspolitiker Marx eine Stimmenmehrheit erreichen können. Er war ein Republikaner, Hindenburg ein Monarchist, der das Amt gar nicht anstrebte und mehrmals die Kandidatur abgelehnt hatte. Er ließ sich umstimmen, um die Zerrissenheit der politischen Verhältnisse zu überbrücken, und er hat als Reichspräsident loyal zur Weimarer Verfassung gestanden. Marx war aber ein Politiker, der vielleicht die immer schlimmer werdende Endphase der Republik besser gemeistert hätte. Niemand weiß das, aber er hätte sicher die besseren Berater zur Seite gehabt als der alte Militär, der u.a. seinem Sohn zuviel Vertrauen schenkte.- Zurück zu Tucho. . Golo Mann charakterisiert ihn so: " Die hellsichtige Bosheit, mit der Kurt Tucholsky die Republik verspottete, alle ihre Lahmheiten und Falschheiten, erinnerte von ferne an Heinrich Heine. Von Witz und Haß des großen Dichters war ein Stück in ihm, nur leider wenig von seiner Liebe. Die radikale Literatur konnte kritisieren, verhöhnen, demaskieren, und erwarb sich eine leichte, für die Gediegenheit des eigenen Charakters noch nichts beweisende Überlegenheit damit. Sie war ihr Handwerk gewöhnt von Kaisers Zeiten her und setzte es fort unter der Republik, die es an Zielscheiben für ihren Hohn auch nicht fehlen ließ. Was half es?" (Golo Mann, Dt. Geschichte, S. 727) Es half leider nichts, es war destruktive Selbstbefriedigung, die die Zerrissenheit der politischen Landschaft beförderte - und die Dynamik solcher vorbürgerkriegsähnlichen Zustände kann niemand kalkulieren. Die Größe des stets bis zur Selbstverleugnung um Konstruktivität bemühten Friedrich Ebert, dessen viel zu früher Tod die Neuwahl des Reichspräsidenten erst nötig gemacht hatte, erscheint neben solchen "ungebundenen Linksliteraten" (G. Mann) umso imposanter.