Sonntag, 31. Oktober 2010

Ahornbrand








So brennt er einmal nur im Jahr

So grell, die Glut so rot

Es ist ein Rausch, der schnell verweht

Schon morgen steht er tot

Samstag, 30. Oktober 2010

-tum und tümlich; Zukunft braucht keine Herkunft

Da - in der Mitte (Bild durch Daraufklicken vergrößern) - ein weibliches Wintergoldhähnchen (Wintersänger) 

Juden, ja, aber was sind sie? "Türkentum" (Vergehen gegen das Türkentum werden in der Türkei staatsanwaltlich verfolgt), "Deutschtum" (was soll das sein? Nicht erst seit der Völkerwanderung hat sich in Mitteleuropa alles mögliche vermischt.), "Judentum" (Hat sich Marx als Jude gefühlt? In seiner Schrift "Zur Judenfrage" hat er zur ganz großen Anti-Juden-Keule gegriffen. Der deutsche Historiker Hans Rothfels, Einstein etc.?) Wäre ich jüdischer Herkunft, würde ich mich keinesfalls dem "Judentum" zurechnen, so wenig, wie ich mich als Deutscher mit vermutlich ungarischer Herkunft einem "Ungarntum" zurechne, so wenig wie dem "Sachsentum", weil meine Eltern Sachsen waren (mein Vater allerdings war Sohn eines Österreichers und einer Sauerländerin). Natürlich gibt es genetische Dispositionen. Bei der Genetik ist, wie bei allen Begriffen, daran zu denken, daß es sich dabei um eine Denkkonstruktion handelt, um Vererbungsphänomene zu erfassen. Es gibt keine Gene, wie es Tische gibt. Das komplexe Zusammenspiel von genetischen Schaltern ist weitgehend unverstanden, und es könnte sein, daß man zielführendere Begriffe findet für das, was heute unter dem Denkkonzept des GENS verstanden wird. Chaim Noll machte jüngst in der FAZ darauf aufmerksam, welch große Rolle die mütterliche Abstammung bei Juden spielt. Aufgrund dieser mütterlichen Exklusivität konnten (jüdisch-amerikanische) Genetiker die genetische Spur bis zu einer Ur-Gruppe im Nahen Osten zurückverfolgen (Meldung vor etwa 2 Jahren in der FAZ). Zusammen mit dem religiösen Auserwähltheitsaberglauben stellen die Juden also eine besondere Bevölkerungsgruppe dar, von der sich viele "Reformjuden" abwandten. Säkulare Deutschisraelis grenzen sich so scharf von dem Jahwe-Aberglauben ab, wie ich es als Deutschungar gegenüber dem christlichen und jedem anderen religiösen Aberglauben tue. Von reformjüdischer Seite wurde ich vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, daß der sog. "Zentralrat der Juden in Deutschland" sich zu unrecht anmaße, "die Juden" zu vertreten. Es handele sich um laute, dreiste Religionsjuden, die durch ihr aufdringliches Oberlehrertum mehr für den Antisemitismus täten als sonst jemand im Lande. Und viele Israelis lehnen es ab, sich von rabbinischen Dunkelmännern in unheiliger Allianz mit dem israelischen Staat eine religiöse Heirat aufzwingen zu lassen; sie nehmen die Kosten in Kauf und lassen sich in Zypern zivil trauen. Im Ausland geschlossene Zivilehen werden in Israel anerkannt. Diese Beimengungen religiösen Wahns in Israel stoßen ab. Das ändert aber nichts daran, daß Israel der einzige zivilisierte, demokratische Rechtsstaat im Nahen Osten ist (die israelischen Beduinen besitzen ein aus der britischen Mandatszeit stammendes, von der Scharia inspiriertes Sonderrecht). Als zivilisierter und säkularer Araber bzw. Palästinenser könnte ich mir nur wünschen, daß Israel das Westjordanland unwiderruflich annektiert und diesem Gebiet einen Autonomiestatus einräumt. Islamistischen Fanatikerbanden wie der Hamas wäre dann der Zugang versperrt und die unzuverlässige, wirtschaftlich unfähige und völlig korrupte Fatah würde Nichtanhänger nicht mehr ungestraft wie bisher schikanieren und liquidieren können. Auch der israelische Wohlstand könnte sich besser in die arabisch besiedelten Gebiete ausbreiten. Bis auf nationalistische und islamistische Araber gäbe es nur Gewinner. Aber es bliebe natürlich zu wünschen, daß Israel ein normaler säkularer Staat würde, in dem Juden und Araber (in der Antike ohnehin ununterscheidbar) siedeln, und daß es sich auf die Dauer nicht als religiös gefärbter Judenstaat definiert. Im übrigen gilt: Das Individuum zählt vor der Herkunftsgruppe. So wie ein Spinoza vor denen zählt, die ihn 1665 aus der jüdischen sephardischen Gemeinde ausgeschlossen haben. Da war er 23 und hatte noch nichts veröffentlicht. In der gegenwärtigen Ausstellung SPINOZA IM KONTEXT in Halle ist die Mitgliederliste mit dem durchgestrichenen Namen Spinozas zu besichtigen. Er war so frei, darauf seinen Vornamen 'Baruch' in 'Benedictus' zu latinisieren. Wie treffend.

Freitag, 29. Oktober 2010

"Gebot zu vergessen"






Eine südliche Strömung lockt den Igel noch einmal aus seinem Winterquartier; vor der Haustür hinterläßt er gern etwas als Gruß von Art zu Art




- Picht, Latein- und Griechischlehrer sowie Platon-Zettelkasten-Anleger vermeinte, das Studium der Humaniora führe zum Heil.

Sehen wir einmal nach. Gerade hat der Althistoriker Meier einen Essay veröffentlicht, darin reflektiert er das antike "Gebot zu vergessen" (Chr. Meier, Siedler 2010):

" 494 vor Christus entfachte eine Tragödie über die Zerstörung der Stadt Milet durch die Perser eine so große Diskussion unter den Bürgern Athens, dass sie umgehend von der Bühne genommen wurde. Das Leid von Milet sollte auf gar keinen Fall öffentlich memoriert werden. Am Ende des Jahrhunderts, nach der Niederschlagung der sogenannten Tyrannis der Dreißig in Athen, wurde das Gebot zu vergessen dann erstmals rechtskräftig. Nach zeitgenössischen Berichten wurden damals zweieinhalbtausend Menschen ermordet, unter ihnen 1500 Bürger im rechtlich-politischen Sinn, das entsprach fünf Prozent der Athener Bürgerschaft. Mit dem Beschluss, diese Vergangenheit ruhen zu lassen und nicht mehr öffentlich an sie zu erinnern, sollten mögliche Rachefehden verhindert werden. Und damit neue Bürgerkriege. Dieses Rechtsverständnis hat die europäische Geschichte mehr als zwei Jahrtausende lang geprägt."

1918 galt das bei dem Versailler Diktatfrieden nicht mehr, worauf Lloyd George (ab 1916 englischer Premierminister) bereits 1919 feststellte: "Wir haben ein schriftliches Dokument, das uns Krieg in zwanzig Jahren garantiert." (Dieses Zitat wird auch Marschall Foch zugeschrieben, Golo Mann zitiert ähnlich einen amerikanischen Journalisten, s. G.M., Dt. Geschichte, S. 671ff.)
Das war ein Fehler. Ob es immer ein Fehler ist, die antike Methode des Vergessens nicht zu praktizieren, sei dahingestellt. Man wird wohl von Fall zu Fall spezifisch entscheiden müssen, vielleicht mit der Folie attischer Geschichte im Hintergrund, was aber dem Herrn Picht in dieser Frage gar nicht gefallen hätte. (Vgl. Schmoll, FAZ 6.10.10, Zettel- und Setzlingsarbeit gegen Bildungskatastrophe)

Wie stehts mit Platon? Platon war Pichts besonderes Steckenpferd. Wie sieht zB Platon Tyrannis und Demokratie?

"Wohlan denn, mein lieber Freund, welches ist der Charakter der Tyrannis? Denn was ihre Entstehung anlangt, so ist so viel gewiß, daß sie aus der Demokratie durch deren Ausartung vor sich geht.
Ja, gewiß.
Entsteht also nicht auf dieselbe Weise, wie Demokratie aus Oligarchie, so Tyrannis aus Demokratie?
Wie denn?
Was die Oligarchie, sprach ich, sich als das größte Gut vorsteckte und wodurch sie auch zustande kam, das war doch Reichtum, nicht wahr?
Ja.
Der unersättliche Hunger nach Reichtum also und die Vernachlässigung aller anderen Dinge um des Gelderwerbs willen waren ihr Verderben?
Richtig, sagte er.
Nicht wahr, auch die Unersättlichkeit in demjenigen Gute, was sich die Demokratie als Ziel bestimmt, richtet auch diese zugrunde?
Welches Gut bestimmt sie sich aber nach deiner Meinung als Ziel?
Die Freiheit, antwortete ich; denn davon wirst du in einem demokratisch regierten Staate immer hören, wie sie das allerschönste Gut sei, und wie deshalb in solchem Staate allein ein Freigeborener würdig leben könne.
Ja freilich, sagte er, gar oft wird diese Sprache geführt.
Ist hiernach, fuhr ich fort, anzunehmen - das ist nun die Frage, die ich vorhin folgen lassen wollte -, daß die Unersättlichkeit in diesem Gute (der Freiheit) auch diese Verfassung umwandelt und in die Lage versetzt, daß sie eines Tyrannen bedürftig wird?"
(Platon, Staat, 8. Buch XIII-XIV; s. snipurl.com/1dbmdz)

Die Diktatur wird nötig, weil die Demokratie der Freiheit keine Grenzen setzt, "und es bleibt nicht allein, fuhr ich fort, bei diesen Freiheitserscheinungen, sondern es ereignen sich auch noch andere Kleinigkeiten folgender Art: Der Lehrer fürchtet und hätschelt seine Schüler, die Schüler fahren den Lehrern über die Nase und so auch ihren Erziehern." (Pl., ebd.)

Eine "Elementarlehre des ganzen menschlichen Daseins" hat Picht die griechisch-römische Antike genannt, und Platons Demokratie-Kritik zu kennen, kann nicht schlecht sein, sie zu bedenken, ebenfalls nicht, doch gibt es sehr viel Bedeutenderes zur Sache, Francis Bacon etwa, Montesquieu, Röpke, Hayek (Die Verfassung der Freiheit, 1971).

Kluge antike Autoren zu lesen, so weit kann man Picht zustimmen, regt an zu Vergleich und Urteil; der Antike aber einen zu großen Platz einzuräumen, kann sich so dumm auswirken wie bei Picht selbst: er wurde zu einem verwirrten Bildungsideologen, der zu allem und jedem schwadronierte.


- Nach den von Picht verlangten Bildungsreformen: ' Den Unterricht in seiner Klasse beschreibt derselbe Hauptschullehrer so: "Spätestens nach der zweiten Unterrichtsstunde erwarten mich meist ein Chaos von Unruhe, Störungen jeglicher Art, Gezanke, Gezerre, Aggressionen, Tritten, Tränen; Beleidigungen, Hyperaktivität, Impulsivität und eine sexualisierte Drohsprache. Einzelheiten werden im Unterricht nicht beachtet, ohne Ende müssen Flüchtigkeitsfehler korrigiert werden, fast kaum ein Kind der gesamten Klasse kann richtig von der Tafel abschreiben, und an der ständig mangelnden Daueraufmerksamkeit sehr vieler Kinder scheitern Ermahnungen, Lob und Tadel. Einige Kinder führen Aufträge nie zu Ende, zappeln fast immer, lenken andere oder oft die ganze Klasse in einer Unterrichtsstunde mehrmals ab und lassen sich selbst wiederum von anderen immer ablenken. Es gibt Kinder, die laufend aufstehen und in der Klasse herumlaufen oder sogar eigenmächtig den Klassenraum verlassen und einfach nach Hause gehen, weil ihnen irgend etwas nicht paßt." ' FAZ 20.4.02

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Blauer Dunst






Milliardenbelastungen für den Stromkunden durch Umlagenanhebung um 70%: Aus 6,9 Mrd. im Jahr 2000 werden 22 Mrd. in 2011 - für den Durchschnittshaushalt 60-70 Euro mehr





- Klimaerwärmung: "Die Zahl der gesperrten Alpenpässe nimmt weiter zu. Mittlerweile sind 23 Passstraßen gesperrt, 10 Pässe mehr als noch vor einer Woche, teilt der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart mit."


- "Am falschen Ideal des Wissens lässt sich leicht rütteln .
Naomi Oreskes und Erik Conway führen vor Augen, wie Wissenschaftler sich von Lobbys einspannen lassen. Fred Seitz, Fred Singer und Bill Nierenberg waren ein bemerkenswertes Trio von Wissenschaftlern. Ob es um die Risiken des Rauchens und Passivrauchens, ..." 27.10.10 Das Schwätzen höret niemals auf!

Es fehlt ein Buch, das darstellt, wie Wissenschaftler große Werberinge bilden, um den Steuerbürgern Abermilliarden aus der Tasche zu ziehen für ihre wissenschaftlichen Hobbies bzw. für ihre Wichtigtuerei als Helden- und Weltrettungswissenschaftler.

Dieser Tage ist die Frau von Schmidt-Schnauze gestorben, mit 91! Wie ihr noch lebender Helmut war sie starke Raucherin.
Jeder, der einmal Leistungssport betrieben hat, weiß, daß auch nur geringfügiges Rauchen sich sofort bei der Leistungsfähigkeit der Lunge bemerkbar macht. Ich habe das Rauchen aus gesundheitlichen Vorsorgegründen aufgegeben und ich freue mich, daß die Stinkerei in Restaurants ein Ende hat.
Aber man muß doch feststellen, daß die tausend medizinischen Raucherstudien maßlos übertreiben, sonst gäbe es keine Kettenraucher wie Schmidt, die mit 90 immer noch leben und sogar noch ziemlich klar im Kopf sind; daß Schmidt nach vielen Gefäßoperationen immer noch raucht, wirft natürlich ein bezeichnendes Licht auf seine Persönlichkeit. Die Schmidts und andere Fälle belegen aber, daß Rauchen bis in das höchste Alter individuell erstaunlich gut vertragen werden kann.
Man gewinnt den Eindruck, daß mehr und mehr Wissenschaftler maßlos in Alarmismus machen, am liebsten mit statistischen Tricks, um Aufmerksamkeit und Geld zu schinden. Dabei helfen ihnen viele Medien, von denen ein Großteil in zweifelhaftem Licht erscheint. Bei vielen Wissenschaftlern sieht es genau so aus, sie sind längst unseriös geworden, teilweise oder auch gänzlich.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Denkt und spricht und noch viel mehr





Schläge auf die Schläfe findet es nicht gut





"Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. ..."
(Kleist, Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden)

Allein: wie kodiert das Gehirn, wenn ihm auffällt, daß etwas gar kein SEIN ist, sondern etwas ganz Anderes, und daß dort, wo die Sprache ein solches Sein nahelegt, es sich tatsächlich um zB kommunikative Phänomene handelt?

Oder um den "Aufbau interner Komplexität", wie Luhmann meint:
"Die Sprache hat vielleicht nicht so sehr nur eine kommunikative Funktion, sondern gerade auch eine Funktion des Aufbaus interner Komplexität. Ohne Sprache könnten wir niemals sehr komplexe psychische Prozesse haben."
(N. L., Archimedes und wir, 1987; s. auch Soz. Systeme, Vorwort S. 12f.)

Ich habe den Eindruck, das Gehirn ist mit seinem Operationmodus der vorgefundenen Sprachumwelt immer ein Stückchen voraus, wenn es zB befindet:

"Es ist eine Schande, die meisten unserer Wörter sind mißbrauchte Werkzeuge, die oft noch nach dem Schmutz riechen, in dem sie die vorigen Besitzer entweihten. Ich will mit neuen arbeiten oder ... nur mit mir selbst in alle Ewigkeit sprechen." (Lichtenberg, Sudelbücher, Heft B, 341)

Auf weitere Klärungen darf man gespannt sein. Da im Gehirn alles mit allem verbunden ist, und noch der ganze Körper daranhängt, dürfte auch alles zusammenwirken in einer Generalsprache, einem Zeichensystem, in dem der kleine Zeh unten links sich mit dem Sehhirn oben hinten unterhält.

"Die Verteilung der Moleküle in den angrenzenden Hirnregionen legt zudem den Schluss nahe, dass die Organisation der Sprachbildung auch dem Broca-Areal angrenzende Hirngebiete im prämotorischen und im präfrontalen Kortex einschließen. Die feinkartierten molekularen Landschaften lassen darauf schließen, dass das Broca-Areal nicht nur motorische Aufgaben der Laut- und Sprachbildung übernimmt, sondern dass auch andere kognitive Funktionen des Gehirns hier angesiedelt sind. Welche das sind, muss erst noch geklärt werden." (Wenn Worte Wurzeln schlagen, FAZ 6.10.10)