Freitag, 29. Juni 2012

Hoffnungszeichen






Da heißt es doch immer, die Eltern versagten bei der Erziehung, das Schulniveau sinke ständig und die Jugend habe nur noch Blödsinn im Kopf.  
Aber wird nicht gerade die Europameisterschaft der Chemie-Junioren ausgetragen? Tausende sollen die spannenden Experimente und Vorführungen der jungen Chemiker verfolgen. Und auch Flagge wird gezeigt, wie hier an dem alten Audi. Begeisterungsstürme soll es gestern abend in Wuppertal, Marl, Duisburg etc. gegeben haben, als riskante Experimente nachgestellt wurden. Leider gab es dabei zahlreiche Verletzte. Das ist tief zu bedauern. Aber festzuhalten ist doch, daß sich unsere Jugend für die Wissenschaft engagiert, daß Eltern und Schule die Liebe zur Chemie wußten zu wecken und daß von diesen Chemie-Junioren noch viel zu erwarten ist!   

Donnerstag, 28. Juni 2012

I’m the greatest


"Es ist wohlbekannt, daß Rousseau von Platon direkt beeinflußt wurde. Rousseau kannte auch Platons "Staatsmann" mit seiner Verherrlichung der primitiven Berghirten. … Es ist interessant, wie schnell Voltaire die Gefahren von Rousseaus romantischem Obskurantismus erkannte." 
Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, S. 404   





Der Größte war er, der größte Bewunderer seiner selbst. Das macht zweifellos sein stärkstes Talent aus. Bücher wie seine “Bekenntnisse” und die “Träumereien” fielen deswegen radikal subjektiv und ehrlich aus, wo andere vertuscht und verschwiegen hätten. Seine Schilderung, wie er auf der Straße hinter dem Baum onaniert, hätten andere weggelassen. Aber ein Halbgott braucht das nicht, so war seine Überzeugung. 

Auch sonst war er sehr ungeniert. Ein Erziehungsbuch zu schreiben und seine fünf Kinder direkt als Säuglinge ins Waisenhaus zu geben, das hat ihm bisher in der bunten Zunft der Erziehungswissenschaftler niemand nachgemacht.  
Auch ansonsten sieht alles sehr zwiespältig bei ihm aus: "Das Vaterland sehen und bis zum Tode nichts anderes sehen als das Vaterland" soll schon das Kleinkind - na, na, na.  
Stichwortgeber war er nicht nur für Nationalisten, sondern auch für Kommunisten (Eigentum ist pöse), Antimonarchisten (republikanische Mehrheitsdiktatur), Milieutheoretiker (der Mensch kommt als Engelchen auf die Welt und wird dann von der pösen Gesellschaft verdorben) und Grünfanatiker (zurück zur Natur).  
Was bei Rousseau selbst noch im Bereich der dichterischen und philosophischen Spinnerei bleibt, wird bei seinem Anhänger Robespierre in Ströme von Guillotinenblut getaucht.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Das Trübe in einen Topf und umrühren

(Bild: Uni Mannheim / Lehrstuhl Vaubel)





“ Die Tücken einer EU-Bankenunion

Von Roland Vaubel am 18. Juni 2012
Es mehren sich die Stimmen, die eine europäische „Bankenunion“ fordern. Die Länder, die vergleichsweise gut gewirtschaftet haben, sollen für die Banken der Länder aufkommen, die schlecht gewirtschaftet haben. Die Anreizwirkungen eines solchen Arrangements sind fatal. Der Hilfsbereitschaft müssen deshalb enge Grenzen gesetzt sein. Deutschland kann und darf sich nicht für alle maroden Banken Europas oder des Eurogebiets verbürgen. Es ist sinnvoll, die Hilfe auf diejenigen Länder zu beschränken, die sich nicht mehr selbst helfen können, weil sie zahlungsunfähig sind. Ein Staat ist zahlungsunfähig, wenn er seinen Schuldendienst nicht mehr leisten kann. Er ist nicht schon deshalb zahlungsunfähig, weil er am Kapitalmarkt erhebliche Risikoprämien zahlen muss.
Griechenland ist bankrott. Es hat die Hälfte seiner Schulden gestrichen. Es erhält von der EFSF einen Kredit, um seine Banken zu rekapitalisieren, die als Folge der Staatsschuldenkrise vor dem Konkurs stehen. …”  
Vaubel lehrt VWL an der Uni Mannheim.  

- 2011 kamen so viele Steuern ein wie noch nie in Deutschland - trotzdem stiegen die Schulden von Gemeinden, Ländern und Bund weiter um 2,1% auf 2 Billionen und 42 Milliarden - großartig, diese Politiker.
Bei den Euro-Manövern zur Stützung unsolider Schuldenregierungen haftet Deutschland jetzt mit rund 310 Milliarden. Auf diese höheren Risiken reagierte die kleine amerikanische Ratingagentur Egan-Jones mit einer Herabstufung der Bonität Deutschlands. Prima, die Politik der Bundestagsblockparteien.

Dienstag, 26. Juni 2012

Noch 3 bis 4 Jahre?





Michael Wohlgemuth (Uni Bayreuth) moderierte das Podium 




Am 22. u. 23.6.12 fanden wieder die Hayek-Tage der Hayek-Gesellschaft statt, dieses Mal in Bayreuth an der dortigen kleinen, noch recht neuen Universität auf deren sehr schönem Gelände.  

Das Programm bestand aus einer Reihe von Vorträgen rund um die ordnungspolitischen Klassiker Röpke, Eucken, Mises und Hayek sowie Themen der Gegenwart. 
Die Tagung beschloß das Podiumsgespräch  
“Wohin treibt die europäische Einigung?” mit Martin Leschke (Uni Bayreuth), Werner Mussler (FAZ Brüssel), Wolf Schäfer (Uni Hamburg), Frank Schäffler (MdB) und Roland Vaubel (Uni Mannheim). 
Alle Teilnehmer beurteilten die Entwicklung skeptisch bis sarkastisch, auch etwas ratlos, was die Zukunft betrifft, so Mussler, zurück hinter Maastricht müsse man, aber der Weg sei verbaut. Leschke und Schäffler zeigten sich überzeugt, daß es in 3 bis 4 Jahren deutlich weniger Euro-Länder geben werde, und Schäfer wies darauf hin, daß erst eine Rückkehr zur Drachme in Griechenland neue Dynamik entfalten werde, die Doleys einen real möglichen und wirksamen Marschall-Plan nannte, weil das die griechischen Investoren aus London, Singapur, Zürich und Frankfurt zurückholen würde nach Athen.

Montag, 25. Juni 2012

Nawal El-Saadawi findet das nicht lustig



 

Der Tourismus führte viele "Ungläubige" nach Ägypten, zudem sind vor allem die Nachfahren der alten Ägypter in dieser Branche aktiv, die christlichen Kopten - das fanden die Muslimbrüder doppelt bedenklich und gaben Missionsschriften wie diese heraus, die an die deutschen Touristen verteilt wurden. Diese hier stammt aus den achtziger Jahren. Ihr Fazit: Wenn endlich alle auf der Welt an die eine, wahre Religion glaubten, gebe es endlich keine Religionsstreitereien mehr.

Daß die Sunniten seit dem 8. Jahrhundert die Schiiten massakrieren und umgekehrt, bleibt dreist unerwähnt. 
Sunnitische Banden in Syrien erschießen derzeit alles, was alawitisch ist. Sie halten Busse an, lassen sich die Ausweise zeigen und ermorden die alawitischen Passagiere.



Wegen ihrer religionskritischen Romane stand die ägyptische Frauenrechtlerin Nawal El-Saadawi auf den Todeslisten der Islamisten. Jetzt fürchtet sie um den zivilgesellschaftlichen Fortschritt in Ägypten. Leider zu recht. Ein geschworener Feind individueller Freiheitsrechte - geistiger sowohl wie wirtschaftlicher - wurde Präsident, und seine erste Sorge gilt dem Schulterschluß gegen Israel mit der islamofaschistischen Diktatur in Teheran, die vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch steht. 

Seit über einem Jahr werden Streiks angezettelt, die die wirtschaftliche Lage der Ägypter weiter verschlechtert haben, zudem ging der Tourismus stark zurück. Das scheint die Brüder nicht zu kümmern. Die demokratische Entwicklung hat die Situation der arbeitslosen Jugendmassen dramatisch verschlechtert - will sie der neue Islamistenpräsident in einem Krieg gegen Israel verheizen?

- Auch in Sambia gab es einen demokratischen Machtwechsel. Der neue Präsident Sata richtete eine Verwandtenwirtschaft ein. Nachbar Mugabe gefällt das.

Demokratie scheint für Entwicklungsländer zunächst keine Lösung zu sein. Monarchien wie Marokko und Jordanien sowie Quasi-Monarchien wie die der Mubaraks und Assads scheinen die bessere Alternative im Orient zu sein. Singapur und die Familie Lee bestätigen das.