Dienstag, 5. März 2013

Jacke wie Hose und Massenbetrieb




Netter Fund im Netz:

Damit ich es nicht vergesse

...wieviele Momente habe ich schon verpasst im hektischen Treiben des Lebens!
Wie oft die zarten Stimmen nicht gehört,
denn das Getriebe ist soo laut,
in dem ich ein Rädchen bin.....
Damit ich es nicht vergesse:

...... ich geh mit meinem kleinen Mädel,
meinem Augenstern,dem Nesthaken,
meinem letzten großen Wunder

durch die kalte Nacht.
Sie lacht und hüpft und wir schauen
in den Sternenhimmel.

Groß ist sie,
ein Schulkind,
sie hat eine Armbanduhr,
und eine feste Meinung,
und findet einen Jungen süß.

Nie wieder wird sie klein sein,
ein Baby an meiner Brust,
händchenhaltend bis zum Einschlafen,
sich bockend auf den Boden werfen,
tapsige erste Schritte,
Spaghettisoße bis zum Haaransatz,

aber weich ist sie noch, ganz ganz weich,
und die Haare sind noch etwas dünn,
aber die Augen, braun und tief,
eine Seele dahinter, die zu mir kam,
deren Stimme ich schon hörte als
ich noch nicht einmal wusste,
da ist was in meinem Bauch.

Lieber Gott,
beschütze sie,und alle alle um mich herum,
und lass mich nicht einen Moment vergessen,

denn sie sind so flüchtig,
wie der laute Zug der Gänse am Himmel,
wie das Wirbeln eines Herbstblattes,
wie ein Wort, das kaum gesprochen,
doch schon wieder fort.


Nanu, die Kindertagesstätte kommt ja gar nicht vor! Dort geht man sachlicher um mit den Kleinen, Mäxchen und Paula sind da Jacke wie Hose und die Betreuer besitzen volles Streikberecht.

Montag, 4. März 2013

Abmarsch







Drei Vivaldi-Fagott-Konzerte mit Bural Özdemir am Fagott; gibt's bei amazon





Der Sunnit und Islamist Erdogan, von seiner Sunnitengemeinde demokratisch gewählter Staatschef, erdreistete sich, vor einem UNO-Gremium den Zionismus als “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” zu bezeichnen.
Gleichzeitig beklagen sich deutsche Patriot-Soldaten, die von der türkischen Regierung im Rahmen der NATO angefordert wurden, über ihre Behandlung in Anatolien. Besonders grotesk ist, daß die deutsche Fahne nicht neben der NATO-Fahne gehißt werden darf. Da sollten die Soldaten doch ihre Rückreise antreten aus der Barbarei Anatoliens.

Wo das Positive bleibt? Burak Özdemir (nicht zu verwechseln mit dem grünen Fiesling) spielt nicht nur schön Fagott, er schreibt auch hübsche Stücke dafür. Er plant dieses Jahr eine Zusammenarbeit mit Fazil Say, der gerade in Istanbul wegen “Blasphemie” (als ob es das gäbe!) vor den Erdogan-Schergen steht.

Und noch etwas Positives füe Fleischfresserinnen: “Zuletzt zeigte eine Studie von Anna Bardone-Cone (UNCCH), daß eßgestörte Patientinnen eher Vegetarier sind oder es waren als gesunde Vergleichsgruppen.” (Vegetarismus, Hucklenbroich, FAZ 19.12.12)

Ja, und noch ein Lob für amazon: seit ich einmal in streng wissenschaftlichem Rahmen den sog. “Push-Up-BH” recherchierte, bekomme ich bei jeder amazon-Bestellung nette Exemplare angeboten. Ob ich mir mal einen kaufe?

Sonntag, 3. März 2013

Erhöhungskosmetik










Rasenmäher vor Staatsausgaben - ob der da durchkommt?






Präsident Obama will seine Ausgaben um 1,7 Billionen USD erhöhen. Ja, wirklich. Erhöhen. Ist der Mann verrückt? Das macht ganz den Eindruck. Er will nicht die Alt-Schulden abbauen, sondern neue Schulden machen. Ganz offenbar ist der Mann verrückt.
Zur geringfügigen Verminderung der Neuverschuldung sollen die oberen Einkommensklassen 800 Mrd. USD mehr Steuern zahlen. Eine Ausgabenkürzung hat Obama nicht vorgelegt.

Das paßt zum “Clownskandidaten” Steinbrück, der höhere Einkommensteuern, mehr Abgaben auf Kapitalerträge und eine neue Vermögensteuer einführen will. Ein Schreckenskandidat, der auch nicht sparen will.

Die Zentralbanken spielen eine völlig neue Rolle. In der EU, den USA und Japan weiten sie die Geldmenge aus. Es wundert nicht, daß die Zweifel am Zentralbanksystem und seiner willkürlichen Geldschöpfung aus dem Nichts und der Zwangsniedrigzinsen zunehmen (“Währungsprivatisierungen gegen Notenbankexzesse?” NZZ 2.3.13).
Auch wenn man annimmt, daß währungspolitisch eine neue Zeit beginne, so ist doch unübersehbar, daß die Billig-Geld-Politik zu Immobilienblasen wie in Spanien führt und in deutschen Städten die Immobilienpreise hochtreibt, weil Zinsanlagen fast keine Zinsen mehr erbringen. Geld ist nicht nur ein liquides Tauschmittel, sondern auch ein Wertaufbewahrungsmittel.

“Es wäre verrückt, der amerikanischen Regierung für 30 Jahre Geld zu leihen”, meinte der bekannte Investor Jim Rogers vor etwa 2 Jahren im Interview (FAZ 27.5.11).
Das würde er vermutlich heute auch noch sagen. Gut, daß wenigsten jetzt in Washingston eine kleine Generalkürzung zwangsweise erfolgt. Seit 1. März wird ein ganz kleines bißchen nach der Rasenmähermethode gespart, um die Erhöhung von 1,7 Billionen zu verringern.

Samstag, 2. März 2013

Lieber klein und zurückgeblieben





Amthauer entwickelte den Intelligenz-Struktur-Test (IST)



Schon interessant, was der rer.nat.-Psychologe Rudolf Amthauer in seinem Buch “Test für Bildung und Beruf” (1985) präsentiert:

“Bei Leistungsuntersuchungen erreichen die in ihrer Entwicklung Vorsprüngigen, die Akzelerierten, im allgemeinen bessere Ergebnisse. Sie haben bessere Schulzeugnisse und erreichen höhere Schulabschlüsse. Die Retardierten, die in ihrer Entwicklung verzögerten, werden weniger günstig beurteilt.  … In früheren Arbeiten konnten wir jedoch nachweisen, daß körperlich akzelerierte Jugendliche im Denken eher gefestigt, rigide, und körperlich retardierte Jugendliche im Denken eher beweglich und flexibel sind. … Insgesamt gesehen haben nach unseren Befunden die Akzelerierten geringere, die Retardierten größere Entwicklungsmöglichkeiten.” (S. 30f.)

Die Hochleistungssportler, dürfen wir annehmen, fallen zum größeren Teil in die Gruppe der Akzelerierten, sonst können sie keine Sportkarriere machen. Wer spät beginnt, findet keinen Leistungsanschluß mehr. Hochleistungssportler sind also im Denken eher gefestigt, rigide. Dazu kommen noch die Sportschäden: Turnergelenke sehen von innen aus wie die von 70jährigen, der Cortisolspiegel von Marathonläufern liegt fast so hoch wie bei chronisch Depressiven, Gewichtheber leiden oft unter Bewußtseinsausfällen etc. Hochleistungssportler “haben statistisch gesehen die geringste Lebenserwartung”. (Biologe Manfred Reitz, Sterben Sportler früher? UNIVERSITAS 648, Juni 2000)   
Die gerade veröffentlichte Sport-Studie widerspricht dem nicht.

Was meint Kafka dazu?

Auf der Galerie


Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind - vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, rief das: Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters.
Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausrufen zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Salto mortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küßt und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will - da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlußmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

Freitag, 1. März 2013

Ägypten an 47. Stelle, nach 15 Jahren Bildungsexpansion an 48.




Der Jux "Harlem Shake" hat Kairo erreicht - hier vor der Zentrale der "Muslimbrüder", die das gar nicht witzig finden 


http://youtu.be/nZq3OczZUCI 
(s. auch inkairo.blogspot.de/2013/02/haram-shake-in-kairo.html)




“ 1980 stand Ägypten an 47. Stelle in der Liste der armen Länder, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, das bei 580 USD lag. 15 Jahre später lag es an 48. Stelle, mit knapp 2% Wachstum jährlich in dieser Zeit. Jedoch stieg die Beteiligung an der Grundschulbildung von 1970 bis 1995 auf über 90%, die an der Sekundarschulbildung von 32% auf 75% der Altershohorte; gleichzeitig stieg auch die Universitätsausbildung zwischen 1970 und 1980 von 9% auf 17% eines Jahrgangs, verdoppelte sich also fast. 

Wenn man das mit Süd-Korea vergleicht, dann zeigt sich als einzige Gemeinsamkeit die Ausweitung der Ausbildung. Süd-Korea verzeichnete ein Wachstum im Pro-Kopf-Einkommen von gut 7% jährlich von 1960 bis zur Asienkrise 1998, von der es sich inzwischen erholt hat. In diesem Zeitraum steigerte Süd-Korea die Primarbildung von gut 90% auf 100%, die Sekundarschulbildung stieg von 25% auf 100% eines Jahrgangs; und während 1979 das Ausmaß der Universitätsausbildung unter dem Ägyptens lag, so lag es 1993 viel höher. 

Es zeigt sich, daß mit dem ökonomischen Erfolg parallel auch der Ausbildungssektor wächst, oder, wie in Ägypten, daß der ökonomische Erfolg ausbleibt trotz riesiger Expansion des Ausbildungssektors.  

(Alison Wolf, Does education matter?, Myths about education and economic growth, S. 39; Übersetzung Doleys)