Donnerstag, 2. Mai 2013
Freundin des Himmels
Mittwoch, 1. Mai 2013
Fälschungen für die gute Sache
Schneiderssohn, Sattler, Reichspräsident: Friedrich Ebert.
Sein früher Tod 1925 war ein schwerer Schlag für die Weimarer Republik. (Bild: Bundesarchiv / Wiki.)
Im Mai, im Mai hat jeder Vogel ein Nest und ein Ei, lautet ein alter Kinderspruch. Das gilt allerdings schon für den April, und es sind gleich mehrere Eier, die ein Vogel sein eigen nennt. Im April und Mai gibt es auch die Frühlingsfeste, und die Arbeiterbewegung hat sich im 19. Jahrhundert den 1. Mai als Tag für Aufzüge und Märsche ausgesucht. Ostern war ja bereits belegt von der Konkurrenz. Hitler hat für Deutschland dann den 1. Mai zum staatlichen Feiertag erhoben und über den Ostermontag gestellt, denn dieser neue Feiertag wurde erstmalig bezahlt. Das war ein Zeichen, dem viele weitere folgten und das viele KPD- und SPD-Mitglieder, auch Funktionäre, zur Nationalsozialistischen Arbeiterpartei wechseln ließ.
Auch heute gibt’s noch den bezahlten 1. Mai, obwohl alle Regierungen seit langem auch sozialistische Politik machen. Entsprechend müde und überflüssig fallen die Gewerkschaftsrituale heutzutage aus, obwohl sie von den Medien bevorzugt behandelt werden.
In Einstimmung auf den 1. Mai suchte man sich den pfiffigen Einzelhändler amazon aus und sendete einen ARD-Angriff mit erfundenen Damen. Eine Polin wurde da als Ausbeutungsbeispiel präsentiert, aber die gab es gar nicht:
“Frau Lewandowska arbeitet hier nicht mehr. Eine einstweilige Verfügung gegen den Amazon-Dokumentarfilm "Ausgeliefert" Agnieszka Lewandowska hat nie als Leiharbeiterin bei Amazon gearbeitet. Zumindest nicht die Frau dieses Namens, von der im Fernsehen die Rede war ...” . (FAZ 9.4.13, Medienseite)
Auch die rotgrüne FAZ-Fraktion, geführt von Feuilletonchef und Herausgeber Schirrmacher, schickte eine Studentin zu amazon und stellte ihr dann eine ganze Seite zur Verfügung.
Da kamen schlimme Dinge ans Licht: das Frühstück wurde in den Gästehäusern in Bad Hersfeld nicht am Bett serviert und Sicherheitsschuhe gab es auch nicht, obwohl vorgesehen. Und so ein Buch kann richtig schwer sein!
Auch die rotgrüne FAZ-Fraktion, geführt von Feuilletonchef und Herausgeber Schirrmacher, schickte eine Studentin zu amazon und stellte ihr dann eine ganze Seite zur Verfügung.
Da kamen schlimme Dinge ans Licht: das Frühstück wurde in den Gästehäusern in Bad Hersfeld nicht am Bett serviert und Sicherheitsschuhe gab es auch nicht, obwohl vorgesehen. Und so ein Buch kann richtig schwer sein!
Der Verfasser bekommt heute noch einen Schreck, wenn er daran denkt, daß er nicht einmal als Bauhelfer im Tiefbau Sicherheitsschuhe für die zarten Schülerfüße bekommen hat. Glück gehabt, die Füße blieben heil, und auch der Studentin fiel nichts auf die Füßchen.
Ja, das Leben der Gewerkschaftsbonzen
und Gewerkschaftsfreunde ist schwer geworden, obwohl sie natürlich immer noch auf den Wunsch nach dem Mehr setzen können: mehr Lohn, mehr Weihnachtsgeld, mehr Urlaub etc. Der Wunsch nach Mehr hat bekanntlich die Form einer Spirale. Darauf setzt auch Verdi, die amazon bestreiken will. Kandidat Steinbrück absolvierte schon einen Wahlkampfauftritt für die Gewerkschaft in Bad Hersfeld. 97,6% seien für Streikmaßnahmen, berichtete der ebenfalls rötlich eingefärbte DLF, unterschlug aber, daß es sich um 97% der Verdi-Mitglieder handelt. Wie viele Prozent der Belegschaft das aber sind, das interessiert den Tendenzjournalisten nicht. Die Gewerkschaft selbst verweigert dazu jede Auskunft. Möglicherweise sind das ja nur 5%. Dann sind 97% von 5% eben nur 160 Personen von 3300 Mitarbeitern, die amazon in Bad Hersfeld beschäftigt. Eine unerhebliche Zahl also. Da braucht Verdi schon die Genossen in den Redaktionen, damit das Ganze nicht als Trick auffliegt.
Entsprechend wird eine Stimme aus der Belegschaft zitiert:
“Mehrere Mitarbeiterinnen in Bad Hersfeld berichteten am Montag, dass das Meinungsbild in der Belegschaft gespalten sei. Ein Teil der Beschäftigten sei zufrieden mit Bezahlung und Arbeitsbedingungen. „Für mich als ungelernte Kraft gibt es hier wenig zu klagen“, sagte eine Mitarbeiterin der Abteilung, die für Retoursendungen von Paketen zuständig ist. So wie sie würden das viele Ungelernte sehen, die aus der Gastronomie und anderen Branchen weitaus schlechtere Löhne gewohnt seien. Amazon bezahlt Kommissioniererinnen nach zwei Jahren 11,48 Euro Stundenlohn.” (FAZ 30.4.13, Seite Unternehmen (sic!))
Solche Stimmen beeindrucken Verdi natürlich nicht. Die Gewerkschaftsfunktionäre haben stets auch ihre eigenen Stellen im Blick. Sie besitzen inzwischen fast alle Abitur und einen Hochschulabschluß. Und viele Arbeiter haben es ihnen gleich getan und sind heute gar keine Arbeiter mehr. Die Älteren, wie der Verfasser, haben das Abitur auf dem 2. Bildungsweg nachgeholt, die Jüngeren wurden ohnehin, wenn sie ihren Namen richtig schreiben konnten, zum Gymnasium überwiesen. Die große Durchlässigkeit des Bildungssystems hat zu einer stärkeren Bedeutung des IQ geführt, während der Status der Herkunftsfamilie abgenommen hat.
Ein intelligenter Junge aus unordentlichen Familienverhältnissen wie amazon-Gründer Jeff Bezos kann es zu großem Wohlstand und führender Position bringen, während viele Kinder aus erfolgreichen Familien mangels IQ den Status nicht halten können. Ein großer Strukturwandel spiegelt sich da wieder. Für die sog. Arbeiterbewegung bedeutet das, ganz anders als um 1900, daß heute ein niedriger IQ zu einer Arbeitertätigkeit führt. Intelligente Arbeiter wie Friedrich Ebert oder Otto Wels wurden Arbeiter aus Familientradition, entfalteten sich aber in der Gewerkschaft und der SPD und wurden dort auch politische Führer und zusätzlich über diese Organisationen hinaus.
Heute hat die SPD einen Beamtensohn und Lehrer als Vorsitzenden und einen Architektensohn und Volkswirt als Kanzlerkandidaten. Das alte Intelligenzreservoir der Arbeiterschaft ist erschöpft. So wie die Arbeiterbewegung auch. Da helfen auch keine Maireden und Traditionsrituale.
Dienstag, 30. April 2013
Da hätte Popper mit den Ohren gewackelt
Wenn Karl Popper für den Kritischen Rationalismus stand und steht, dann steht Windkraft für irrationale Landschaftsverschandelung!
Der i3 von BMW ist als Elektro-Auto für große Städte gedacht, in denen schlechte Luft herrscht, also für Peking, Kairo, Delhi etc.
Hoffentlich wird er ein Erfolg, er ist sehr teuer. Kein Erfolg dürfte die Schmierenkomödie sein, die BMW in Leipzig als Produktionsstandort aufführt. Die Karbonproduktion für den i3 findet nämlich in den USA statt zu günstigen Strompreisen. Den blöden Windbeuteldeutschen in Leipzig stellt BMW 4 Windmühlenmonster hin als Potemkinsche Energieerzeuger. Man kann gar nicht soviel kotzen angesichts soviel Verlogenheit auf seiten BMWs und soviel Schwachsinn der Windbeuteldeutschen.
Montag, 29. April 2013
An der Steuer vorbei mit Belohnung
" Von meinem Urgroßvater stammte der Brauch, nicht in die öffentlichen Schulen zu gehen, sondern zu Hause bei guten Lehrern etwas Rechtes zu lernen, sowie die Erkenntnis, daß man für solche Zwecke nicht genug Geld ausgeben kann. " Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, 1. Buch
Ein Schaf bleibt ein Schaf. Ein Herdentier bleibt ein Herdentier. Es hat da keine Auswahl, so wenig, wie eine Katze ein Herdentier werden kann. Beim Menschen, dem erfolgreichsten Herdentier, verhält es sich nicht anders. Allerdings ist der individuelle Spielraum größer als beim Schaf. Doch die stammesgeschichtlichen Module im Kopf begrenzen allen Individualismus. Schafe haben ihre Alpha-Böcke, Menschen ihre Führer. Manchmal sind sie schlimm, wie Nero, manchmal gutartiger, wie Marc Aurel. Der war ja sogar ein kluger Mensch, wie seine auch heute noch lesenswerten “Selbstbetrachtungen” belegen. Trotzdem machte er seinen problematischen Sohn Commodus zum Nachfolger, der sich noch zu Lebzeiten zum Gott erhob und orientalische Hofsitten einführte. Verstand vererbt sich eben nicht linear und Erziehung reicht nicht weit. Nero hatte Seneca zum Lehrer und Mentor. Marc Aurel blieb trotz aller Weisheit beim dynastischen Prinzip, es lag ihm phylogenetisch nahe, so wie den Untertanen der Führer naheliegt. Dem ist auch in der europäischen Moderne so, wie besonders die noch bestehenden Monarchien belegen. Auch wenn es nur noch Puppenstubenmonarchien sind wie die holländische. Sie kostet die Niederländer immerhin - steuerfrei ! ! - 40 Millionen jährlich. Herdentiere haben es intus. Im Genom.
Sonntag, 28. April 2013
Fallbeil für Elli
Die einen haben Glück, die anderen nicht. Das beginnt beim Genom, das sich noch niemand selbst ausgesucht hat. Und es gibt noch diejenigen, denen das Leben, das Schicksal, eine unglückliche Verkettung von Umständen besonders gemein mitgespielt hat. Es sind Myriaden, seit der Großkriegsverbrecher Alexander Theben zerstörte und die Thebaner versklaven ließ. Auch vor Gerichten herrschte immer Lug und Trug, mal stärker, mal weniger. Die normierte Ausbildung des Rechtswesens darf immerhin als Meilenstein im Prozeß der Zivilisation gelten. Doch gab es stets auch die Robespierres, die sich aus Gründen “höherer Gerechtigkeit” über jede Gesittung hinwegsetzten. Es blieb aber den Kommunisten und Nazis vorbehalten, eine Art von Gerichtsverhandlung hervorzubringen, die äußerlich der Rechtsfindung ähnelte, in der Sache aber reine Vernichtungsjustiz war. Und die aus Propagandagründen unglückliche Menschen ermordete wie im Falle der naiven SED-Mitglieder Elli Barczatis und Karl Laurenz.
War Robespierre ein perverser Eiferer gewesen, der aus Moralismus mordete, so scheint es sich bei den braunroten Richterfunktionären um Sadisten zu handeln, die die WIR-Abweichung der Angeklagten aus Prinzip und innerem Bedürfnis bestrafen wollen.
In dem Ostberliner Prozeß unter Anleitung der Robespierre-Figur der “Roten Guillotine” Hilde Benjamin diente der vorsitzende Richter Walter Ziegler der neuen roten Diktatur wie er zuvor der alten braunen Diktatur gedient hatte.
Beide Diktaturen verfolgten die Abweichung von der Gemeinschaft des Volkes und der Werktätigen, die Abweichung vom WIR. Die Bänder des Prozesses hat die Stasi aufgenommen, sie wurden digitalisiert und veröffentlicht:
Stiftung Radio Basel (Hg.)
Maximilian Schönherr
Featurepreis 2012 - Fallbeil für Gänseblümchen
Der Spionageprozess gegen Elli Barczatis und Karl Laurenz im Originalton
Feature
November 2012, 1 CD, Laufzeit: 53 Minuten
CHF 19.90 / € 13.90
ISBN: 978-3-85616-596-3
Ein O-Ton-Dokument aus dem Gerichtssaal über Liebe, Verrat und Verzweiflung
- Gewinner des internationalen featurepreis '12
- Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks
- Ein packendes Zeitdokument der SED-Diktatur in O-Tönen
Gütesiegel «Prädikat: Hörenswert» vom Hörspiegel (wird nur sehr selten und an die Besten unter den Besten vergeben)
23. September 1955, ein Gerichtssaal in Ostberlin: Die langjährige Sekretärin des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl und ihr Geliebter sind der Spionage für den Westen angeklagt. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen. Doch die Staatssicherheit schneidet die Verhandlung mit.
Jetzt, über ein halbes Jahrhundert später, sind die Bänder zugänglich: ein Originaldokument, das von Liebe und Angst erzählt und das die Furcht der SED-Führung offenlegt vor den Aktivitäten der westdeutschen «Organisation Gehlen», später Bundesnachrichtendienst. Zwei Menschenschicksale im Getriebe des Kalten Krieges, ehemals überzeugte Genossen vor einem unbarmherzigen Gericht.
Das Feature von Maximilian Schönherr sprengt den Rahmen deutsch-deutscher Vergangenheitsbewältigung und zeigt exemplarisch, wie Rechtsprechung in einer Diktatur funktioniert. Ein gewaltiges Stimmendrama, das unter die Haut geht.
«Fallbeil für Gänseblümchen» wurde im Rahmen des internationalen featurepreis '12 der Stiftung Radio Basel mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
‹Fallbeil für Gänseblümchen› ist in seiner Fokussierung ungewöhnlich konkret und anschaulich. Es ist ein überwältigendes Zeitdokument, das einen einzigartigen Blick in die finstere Festung der frühen DDR-Justiz gewährt. (Zeitzeichen, April 2013)
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