Donnerstag, 1. August 2013

“Kanaillen, wollt ihr ewig leben?”








„Die Athener richteten alle erwachsenen Melier hin, so weit sie in ihre Hand fielen, die Frauen und Kinder verkauften sie in die Sklaverei. Den Ort gründeten sie selbst neu, indem sie später 500 attische Bürger dort ansiedelten.“
Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges, V. 116.

Die massenweisen Vergewaltigungen im Kongo begannen, als nach dem Völkermord in Ruanda vor fast zwanzig Jahren viele der Mörder über die Grenze in den benachbarten Ostkongo flüchteten. Inzwischen gibt es unzählige, auch kongolesische Rebellengruppen, die nachts oder bei Morgengrauen die Menschen in den Dörfern überfallen, entführen, vergewaltigen und oft auch töten. Solanges Ehemann musste hilflos mit ansehen, wie die Rebellen seine Frau verschleppten. Solange hofft, dass er mit der Zeit vergessen und ihre kleine Tochter lieb gewinnen kann. …”  DLF, Hillauer, Kinder mit Rebellenblut, 25.7.13

Wenn der Staat zusammengebrochen ist oder nie Stabilität erlangt hat, dann herrschen so furchtbare Verhältnisse wie im Kongo, wie sie hier aus der Gegenwart berichtet werden. Sie waren in der Geschichte der Normalfall. Erst eine Zentralgewalt kann dem Einhalt gebieten. Oder ein Hegemon. Im besten Falle. Ein Hegemon kann sich allerdings auch so verhalten wie Athen gegenüber Melos. Die Insel weigerte sich, ihre Unabhängigkeit aufzugeben, wurde von Athen erobert und die Bevölkerung 416 vuZ massakriert. (S. Melier-Dialog d. Thukydides). Aus der Bundeskasse des Attischen Seebunds bediente sich Athen nach Belieben; Prunktempel in Athen bezahlten die Bundesgenossen. Zu einer großen Pax Romana brachte es das Römische Imperium, das tatsächlich ein Imperium war. So lobte Ailios Aristeides 143, daß selbst in Kilikien Frieden herrsche durch die römischen Armeen. Aufstände wurden jedoch mit aller Härte niedergeschlagen, so der jüdische Aufstand. Ähnlich verhielt es sich im Osmanischen Imperium. Und noch 1945 war es Ziel des konventionellen Krieges, Zivilisten zu Abertausenden zu verbrennen (deutsche und japanische Städte). Durch den totalen Zusammenbruch der deutschen und japanischen Aggressoren wurde eine längere Friedenszeit möglich, die fälschlich auch Pax Americana genannt wurde. Die USA waren und sind jedoch zu schwach für ein Imperium, es fehlt ihnen auch der Wille dazu. Im Koreakrieg zeigte sich schon früh diese amerikanische Schwäche gegenüber den kommunistischen Angreifern aus dem Norden, die von Moskau und Peking unterstützt wurden. Wo die römischen Armeen bis Peking marschiert wären, begnügte sich Washington mit einer Waffenstillstandslinie in Korea. Dabei ist es geblieben. Südkorea prosperierte, Nordkorea darbt heute noch. Die beabsichtigte tausendfache Vernichtung von Zivilisten, probates und wichtiges Kriegsmittel der Militärgeschichte, gilt auf einmal nach zehntausend Jahren seit 1945 nicht mehr als legitim. Und wo Friedrich II. von seinen Grenadieren den Tod verlangte (“Kanaillen, wollt ihr ewig leben?”), dort gilt heute das Prinzip der peniblen Schonung der eigenen Soldaten. Dies gilt aber nicht anderswo. Die nordvietnamesischen Aggressoren opferten ihre Soldaten massenhaft bedingungslos ohne die geringste Rücksicht, wie sie auch ihre eigenen Untertanen versklavten. Das wäre auch von China zu erwarten gewesen.
Die Zeiten der Imperien, die aus einem Zentrum heraus befehlen konnten, was sie wollten, sind vorbei. Die Atommächte bilden eine Gruppe, die im UNO-Sicherheitsrat bemüht ist, große Kriege zu vermeiden. Das Zivilistenschonungsgebot hat inzwischen sogar dazu geführt, daß auch sehr schwache Gegner wie in Afghanistan sich in einem jahrelangen Guerillakrieg behaupten, ja sogar eine Zentralregierung angreifen können. Dadurch sind auch für die Zukunft sehr viele kleine militärische Konflikte zu erwarten.
Die chinesische Diktatur wäre allerdings grundsätzlich noch zu einem großen konventionellen Krieg mit riesigen eigenen Verlusten in der Lage. Hier gibt es jedoch ein historisches Novum, das dagegen arbeitet: das Zusammenwachsen der chinesischen und amerikanischen Wirtschaft. Auf vielen Produkten steht zu lesen: designed in California, assembled / produced in China. Südostchina ist eine große Werkbank der USA geworden. Zu beider Nutzen, obwohl natürlich einfache amerikanische Arbeiter nur den indirekten Vorteil billiger chinesischer Produkte verbuchen können, jedoch weniger Lohnerhöhungen. Daher stammt das große Außenhandelsungleichgewicht zwischen den USA und China.
Eine interessante, nie dagewesene Verflechtung zweier eigentlich feindlicher Großmächte. Die Geschichte ist immer neu.  

Mittwoch, 31. Juli 2013

Einzig in der Moderne angekommen



Tête-à-tête wie zu Zarenzeiten: Herr Putin mit Patriarch Kirill, dessen orthodoxe Kirche noch lange nicht in einer rationalen Gegenwart angekommen ist.   



«Viele empfinden das traditionelle Gottesbild als Last», meint die calvinistisch  erzogene Schweizer Pfarrerin aus Holland, Ella de Groot. (NZZ 26.7.13) Und: «Gott» ist für mich Geist und Energie. Diese Kraft entfaltet sich in der Liebe, die ich im Zusammensein mit anderen Menschen spüre. An ein Leben nach dem Tod glaube ich nicht. Wenn ich sterbe, gibt es mich nicht mehr. Das, was ich im Leben bewirkt habe, wird aber weitergehen.”


Ein solches Gottesverständnis bahnt sich schon bei Spinoza an und spinnt sich fort bei den Protestanten Lessing und Schleiermacher. Man kann eine solche Entwicklung nur hochschätzen, denn sie vermindert den kriegerischen Impuls von Religion. Bis hin zu dieser Position gibt es ein breites Angebot im Protestantismus, wobei das individuelle Element, das es bei anderen Religionen nicht gibt, fruchtbar bleibt und verstärkt wird. Nur in der Schweiz und den USA leben diese Mentalitäten in der Breite, teilweise noch in Holland, während in Deutschland der Moralismus Raum gegriffen hat. Das aber sei eine endlose Spirale, meinte schon Lessing. Zudem eine fruchtlose und destruktive, kann man hinzufügen. Denn die Moral-Maulhelden können sonst nichts, außer mit ihrem Maulheldentum die Geister zu verwirren. Siehe Nikolaus Schneider etc.   

Dienstag, 30. Juli 2013

Ausflug nach Amsterdam


WIR ENTSCHEIDEN - muß es heißen, WIR, die Machtträger - wir haben da noch ein paar hinter uns und neben uns, mit denen wir uns gut verstehen, auch wenn wir zwischendurch ein bißchen Wahlkampf machen müssen, sonst gibt es den Blankoscheck nicht für 4 Jahre - ein paar Posten mehr wollen wir immer haben - Macht tut gut, äh, macht Gutes.

WELT 29.07.13

Missbrauch

Zwölfjährige entkommt ihren Vergewaltigern

Eine Zwölfjährige in Baden-Württemberg wurde auf dem Heimweg in einen Transporter gezogen: Mehrere Männer wollten sie vergewaltigen, doch das Mädchen konnte sich mit aller Macht wehren und fliehen. …”

Diese steigende Reisekriminalität erstreckt sich inzwischen auf alle Gebiete. Gibt es noch Gemeinden in Europa, die nicht von Reise-Einbrechern besucht werden? Dabei geht es nicht nur um Diebstahl und Einbruch, sondern auch um Raub und Totschlag. Besonders ältere Menschen werden Opfer von Wohnungsräubern. Die Aufklärung solcher Reisekriminalität stellt besondere Anforderungen an die Überwachung des Datenverkehrs. Jüngst konnte durch Mobilfunkdatenauswertung ein Amsterdamer Fall aufgeklärt werden. Zwei junge, sportliche Männer aus Rumänien hatten einen Ausflug nach Holland gemacht und in Amsterdam mehrere Picassos und Matisse’s im Wert von rund 100 Mio. aus dem Museum geraubt. Es gelang, vielleicht mit Hilfe der NSA?, jedenfalls über Mobilfunkdatenspeicherung, die Räuber namhaft zu machen und die Reste der Bilder zu finden, die die Mutter zur Tatvertuschung verbrannt hatte. Der Frau waren die Malernamen unbekannt. Schon dieser harmlose Fall zeigt die Bedeutung der Datenspeicherung. Bei Sexualverbrechern, Totschlägern und Mördern geht es aber um Schwersttäter, die sehr schnell ergriffen werden müssen, um weitere Opfer zu verhindern. Dem steht die deutsche Polizei allein relativ hilflos gegenüber, leitende Stellen sind von Verharmlosern besetzt, die Vorratsdatenspeicherung darf nur unzureichend genutzt werden, selbst in großen Bahnhöfen fehlen Videokameras und die LKW-Mautsysteme dürfen gar nicht benutzt werden. Die von Rotgrün kastrierte Polizei brauchte deswegen Jahre, um einen Lastwagen-Schützen und einen Autobahn-Serienmörder zu fassen, die man bei Auswertung der Mautsysteme schneller gefunden hätte. Neulich berichtete die Lokalzeitung, von einem Polizisten, der einen Einbrecher gestellt hatte, der den Polizisten aber mit Pfefferspray außer Gefecht setzte und ihm die Pistole abnahm. Die Polizisten vor Ort sind verunsichert und wenig verläßlich.(Vgl. auch Kirsten Heisig, Das Ende der Geduld) Es handelt sich um eine gefährliche Entwicklung für Besitz, Leib und Leben der Bürger, die, im Falle reisender Islamisten, sogar massenhaft Opfer werden können. Amtshilfe über alle Grenzen hinweg kann daher nur begrüßt werden. Das Post- und Fernmeldegeheimnis ist dabei nur berührt, wenn Verbindungsdaten von richterlicher Seite zur weiteren, inhaltlichen Recherche bestimmt werden. Das Abhören von Politikern ist ein Sonderfall. Es dient der Vertrauensbildung, da Politikern wegen der Macht sucht und der Machtverführung grundsätzlich nicht zu trauen ist. Staaten haben Interessen, auch bei Freunden. Spionage ist ein uralter Hut, auf dem Wiener Kongreß sollen sich zeitweise mehr Nachrichtenleute befunden haben als Diplomaten. Das war 1648 in Münster auch nicht anders. Für Deutschland gelten zudem nach wie vor die Privilegien der Siegermächte. Das könnte man als eine Rückversicherung betrachten, weil der EU-Zug in Richtung einer sanften Quasi-Diktatur fährt, England und die USA aber diese Entwicklung skeptisch verfolgen. 

Zur gegenwärtigen Datenschutzhysterie hat der ehemalige Innenminister Otto Schily (SPD) passende Worte gefunden. Diese Datenschutzhysterie ist allerdings von politisch interessierter Seite aufgeblasen worden, um von den eigenen dunkelgrünen Machenschaften abzulenken und um das alte, antiamerikanische Roß zu reiten. Der Klimaklamauk wird demnächst in den USA kippen. Da wollen Trittin, Merkel und Gabriel stimmungsmäßig ein bißchen vorsorgen. Deutschland soll Vorreiter beim Klimaklamauk bleiben. Auch ganz allein bis zum Endsieg.

Montag, 29. Juli 2013

Das geht seinen edlen chinesischen Beamtengang












Wer schreibt, der bleibt, heißt es. Konfuzius hat es auch ohne geschafft, seine Schüler haben einiges hinterlassen. Sprüche wie:
„Konfuzius sprach: »Zum Weg des Edlen gehört dreierlei, aber ich bewältige es nicht: Richtiges Verhalten zu anderen Menschen − es befreit von Sorgen. Weisheit − sie bewahrt vor Zweifeln. Entschlossenheit − sie überwindet die Furcht.« Zi-gong bemerkte: »So beurteilt der Meister sich selbst.«“[4] (Wiki.)
Da wird schon deutlich, daß sich nur Menschen mit Abstraktionsvermögen angesprochen fühlen können - die meisten also nicht.
Dagegen bietet die bunte Textsammlung der Christen für jeden etwas: für die Dummies die Mose-Bücher, für Intellektuelle das spätantike BUCH DES PREDIGERS und für Frauen das Neue Testament (etwas vereinfacht). Die Texte selbst fördern durch ihre Widersprüchlichkeit den hermeneutischen Wettstreit und damit geistige Beweglichkeit. Diese u.a. hat die Reformatoren und die Reformation hervorgebracht, während das konfuzianische Denken eher der Beharrung das Wort redet, insbesondere auch in dem dominierenden Motiv der Ahnenverehrung. Solches Denken wertet das lebende Individuum ab. Mit „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht“ kann man sich die europäische Geschichte in ihrer Vitalität nicht vorstellen, mit „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht“ läßt sich nicht einmal ein Hammer schmieden. Deswegen wurde zwar in China von Einzelnen viel erfunden, aber wenig damit angefangen. In der strikten Untertanenordnung entschieden die jeweiligen Gebietsherren willkürlich über Erfindungen und ihren Einsatz. Ein freies Geistesleben der Individuen und ein vermittelnder Markt konnten so nicht entstehen. Das chinesische  Kaiserreich erstarrte in beamtischer Trägheit, rigider Ordnung und literarischer Bildung. So stellt auch Max Weber fest: “Der Konfuzianismus war – obwohl die Schule auch eine Kosmogonie entwickelt hat – an sich von jedem metaphysischen Interesse in sehr hohem Grade frei. Nicht minder bescheiden waren die wissenschaftlichen Ansprüche der Schule. Die Entwicklung der Mathematik, einst bis zu trigonometrischen Erkenntnissen vorgeschritten302, verfiel früh, weil sie nicht gepflegt wurde303. Konfuzius selbst hat offenbar von der Präzession der Aequinoktien, die in Vorderasien längst bekannt war, nichts gewußt304. Das Amt des Hofastronomen (d.h. des Kalenderordners, wohl zu scheiden von dem Hofastrologen, der zugleich Annalist und einflußreicher Berater war) ging, als Träger von Geheimwissen, im Erbgang über; aber irgend erhebliche Kenntnisse können kaum entwickelt worden sein, wie der große Erfolg der Jesuiten mit ihren europäischen Instrumenten beweist.” (M. Weber, Die Wirtschaftsethik d. Weltreligionen, Konfuzianismus u. Taoismus, in: Ges. Aufs. zur Religionssoziologie I, UTB 1988, S. 443)
Und da das wirtschaftliche Handeln Unruhe mit sich bringt wegen der damit verbundenen Risiken, bevorzugt der Konfuzianismus das Beamtentum. Das hat er mit vielen Deutschen aller Geistesrichtungen gemeinsam.

Sonntag, 28. Juli 2013

TRUMPF sein Milljöh






Frühwaise, völlig ohne Abitur, dafür aus dem calvinistisch-pietistischen Reutlingen und für weitreichende technische Revolutionen gut:
Wilhelm Maybach (1846-1929), aus dem pietistischen Brüderhaus nach Deutz, auf die “protestantische” Rheinseite

(Bild: Wiki.)



Bei Siemens tut sich was. Mir gefiel der fesche, stromlinienförmige Vorstandsvorsitzende Löscher noch nie. Jetzt wird er endlich zurücktreten. Im Aufsichtsrat sitzt Dr.phil. Nicola Leibinger-Kammüller, protestantische Tochter des pietistischen Unternehmers Bertold Leibinger und Erbin von TRUMPF, sie soll dort eine gute Arbeit verrichten, flankiert von kompetenten Ingenieuren. Das geisteswissenschaftliche Studium hat sie, wohl aufgrund ihrer pietistischen Erziehung, relativ unbeschadet überstanden. Vermutlich ist auch ihre Rolle bei Siemens positiv zu sehen, Allüren und dumme Eitelkeiten sind nicht bekannt. Hat Peter Löscher nicht einen katholischen Milieuhintergrund? Aufsichtsratschef Cromme hat bei Thyssen-Krupp gezeigt, daß er kein guter Aufseher ist, er sollte gleichfalls zurücktreten. Eine Frau mit pietistischem Hintergrund wäre keinesfalls ein schlechterer Aufsichtsratschef als Cromme.  
Des calvinistischen Kesselflickers und Predigers John Bunyans Frage “It will not be said: did you believe? - but: were you Doers, or Talkers only?” (John Bunyan (1628-88), Eines Christen Reise nach der seeligen Ewigkeit) wurde besonders produktiv im protestantischen Schwaben, wo der Maschinenbauer TRUMPF sitzt.
Dort tauchte öfters ein Pfarrer auf, der auch Mechaniker war wie Philipp Matthäus Hahn (1739-90), der die Rechenmaschinen seiner Zeit verbesserte. Bäckerssohn Daimler lernte den Frühwaisen Maybach in der Werkstatt des pietistischen Brüderhauses im calvinistisch-pietistischen Reutlingen kennen, das hatte automobilindustrielle Folgen, wie man weiß. Leibinger ist eine Pflanze aus diesem gewerbefleißigen Milieu, das jetzt durch den rotgrünen Protestantismus der Gegenwart tödlich bedroht wird.
Ein Vehikel der rotgrünen Ideologie ist die völlige Geschichtsvergessenheit und historische Desinformation im Hinblick auf Goethes Forderung:

"Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben." Goethe, Divan, Buch des Unmuts

Nie war er so wertvoll wie heute. Jedenfalls trifft das für diesen Spruch zu. Die letzten zweitausend Jahre sind zu wenig.

Aber die herrschende Kaste der leitenden Journalisten bespielt die täglichen Informationskanäle und die kennen keine Geschichte und Wirtschaftsgeschichte und die protestantische Rolle dabei. Auch die EKD hat sie vergessen. Es bleibt nur die amerikanische Hoffnung. Dort ist das protestantische Element noch produktiv und nicht rotgrün verkommen.