Sonntag, 1. Dezember 2013

Nicht mehr Wissenschaft, bessere


Sie hält es mit der Flamme, keinesfalls aber so wie Nietzsche:

Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich.

Nein, die Physiko-Chemikerin Katharina Kohse-Höinghaus ist eine effiziente Arbeiterin im Steinbruch der Naturwissenschaft. Sie sprach auf dem interdisziplinären Forum der Akademie der Wissenschaften NRW zur Planbarkeit des wissenschaftlichen Erfolgs. Eingangs präsentierte sie ein großes 12500 Tonnen-Teil des CERN mit dem dem kleinen Higgs, der aber sein kleines Higgs-Teilchen nicht der Kamera entgegenstreckte. Ja, Physiker-Spiellust und Ingenieursfleiß bringen einiges zustande, auch riesige Beschleuniger für kleinste Teilchen. Fleiß und Professionalität sind für solche Taten nötig, und historisch sah Kohse-Höinghaus den europäischen Porzellanerfinder Böttger als Beispiel, ebenso den Alfred Wegner.
Zu Fleiß und Professionalität gehöre aber auch der glückliche Zufall, Serendipität benannt (das aus dem Englischen stammt und sich über den Soziologen Robert K. Merton verbreitete).


Die Serendipität hatte natürlich ihre Hand im Spiel bei Porzellan-Böttger, denn eigentlich sollte er für seinen Sklavenhalterherrn August der Fette von Sachsen-Polen Gold machen. Und Columbus entdeckte ungeplant Amerika, und Hoffmann das LSD. Und auch der Schulabbrecher Liebig fummelte so herum und schuf den welternährenden Phosphatdünger in schweren Hungerzeiten. Aber wie plant man Forscher und Erfinder vom Rang der Böttiger, Liebig und Röntgen? 

Kohse-Höinghaus ging implizit davon aus, daß sich diese automatisch und von selbst in den Wissenschaftsapparaten einfinden, wo sie dann fleißig arbeiten. Der schöpferische Genius kam bei ihr nicht vor. Der spielt aber nach wie vor eine entscheidende Rolle. Und er besitzt oft nicht die quadratisch-praktisch-gute Apparate-Paßform. Um Unternehmen wie SUN und CISCO zu befeuern, braucht es Leute wie Bechtolsheim (Gates, Jobs, McKnealy etc.), und die wollen nicht unbedingt der Ordnung eines Studiengangs, eines ordentlichen Werdegangs dienen, sondern ihrem individuellen Forscherdrang nachgehen. Von seiten der Gesellschaft aus gesehen, gibt man ihnen am besten viel Freiraum. Der Rest findet sich ungeplant. Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschft (heute Max-Planck-Gesellschaft) war ein frühes institutionelles Angebot an große Talente, die (privaten) amerikanischen Forschungslabors ebenfalls.
Ob die aktuellen Exzellenz-Initiativen in Deutschland und solche Kreationen wie caesar (Bonn) den Spitzentalenten genug Raum geben oder nur dem Mittelmaß dienen, also der Verstetigung, nicht dem Neuen, das bleibt abzuwarten. 
Deutschland verfügt nach dem Verlust der Kerntechnik, Mikroelektronik und Grüntechnik über keine nennenswerte Zukunftstechnik mehr. Und die grünen Ausgeburten der PhilFak unter Führung einer zweitklassigen Ex-Physikerin legen bereits die Axt an die verbliebene erfolgreiche Automobiltechnik.

Im Gespräch: Bert Sakmann, Nobelpreis Medizin | Projekt Zukunft - Sie hält es mit der Flamme, keinesfalls aber so wie Nietzsche: Ja, ich weiß, woher ich stamme, Ungesättigt gleich der Flamme Glühe und verzehr’ ich mich. Licht wird alles was ich fasse, Kohle alles, was ich lasse, Flamme bin ich sicherlich. Nein, die Physiko-Chemikerin Katharina Kohse-Höinghaus ist eine effiziente Arbeiterin im Steinbruch der Naturwissenschaft. Sie sprach auf dem interdisziplinären Forum der Akademie der Wissenschaften NRW zur Planbarkeit des wissenschaftlichen Erfolgs. Eingangs präsentierte sie ein großes 12500 Tonnen-Teil des CERN mit dem dem kleinen Higgs, der aber sein kleines Higgs-Teilchen nicht der Kamera entgegenstreckte. Ja, Physiker-Spiellust und Ingenieursfleiß bringen einiges zustande, auch riesige Beschleuniger für kleinste Teilchen. Fleiß und Professionalität sind für solche Taten nötig, und historisch sah Kohse-Höinghaus den Porzellanerfinder Böttger als Beispiel, ebenso den Alfred Wegner. Zu Fleiß und Professionalität gehöre aber auch der glückliche Zufall, Serendipität benannt (das aus dem Englischen stammt und sich über den Soziologen Robert K. Merton verbreitete). Die Serendipität hatte natürlich ihre Hand im Spiel bei Porzellan-Böttiger, denn eigentlich sollte er für seinen Sklavenhalterherrn August der Fette von Sachsen-Polen Gold machen. Und Columbus entdeckte ungeplant Amerika, und Hoffmann das LSD. Und auch der Schulabbrecher Liebig fummelte so herum und schuf den welternährenden Phosphatdünger in schweren Hungerzeiten. Aber wie plant man Forscher und Erfinder vom Rang der Böttiger, Liebig und Röntgen? Kohse-Höinghaus ging implizit davon aus, daß sich diese automatisch und von selbst in den Wissenschaftsapparaten einfinden, wo sie dann fleißig arbeiten. Der schöpferische Genius kam bei ihr nicht vor. Der spielt aber nach wie vor eine entscheidende Rolle. Und er besitzt meist nicht die quadratisch-praktisch-gute Apparatpaßform. Um Unternehmen wie SUN und CISCO zu befeuern, braucht es Leute wie Bechtolsheim (Gates, Jobs, McKnealy etc.), und die wollen nicht unbedingt der Ordnung eines Studiengangs, eines ordentlichen Werdegangs dienen, sondern ihrem individuellen Forscherdrang nachgehen. Von seiten der Gesellschaft aus gesehen, gibt man ihnen am besten viel Freiraum. Der Rest findet sich ungeplant. Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschft (heute Max-Planck-Gesellschaft) war ein frühes institutionelles Angebot an große Talente, die (privaten) amerikanischen Forschungslabors ebenfalls. Ob die aktuellen Exzellenz-Initiativen und solche Kreationen wie caesar (Bonn) den Spitzentalenten genug Raum geben oder nur dem Mittelmaß dienen, also der Verstetigung, nicht dem Neuen, das bleibt abzuwarten. Deutschland verfügt nach dem Verlust der Kerntechnik, Mikroelektronik und Grüntechnik über keine nennenswerte Zukunftstechnik mehr. Und die grünen Ausgeburten der PhilFak unter Führung einer zweitklassigen Ex-Physikerin legen bereits die Axt an die verbliebene erfolgreiche Automobiltechnik.

Samstag, 30. November 2013

Mal ‘ne Frage





Wer macht die Politik - die Galionsfiguren oder die Spin-Doktoren im Ministerium? Oder beide?








"Es ist durchaus wahr und eine ... Grundtatsache aller Geschichte, daß das schließliche Resultat politischen Handelns oft: nein, geradezu regelmäßig, in völlig unadäquatem, oft in geradezu paradoxem Verhältnis zu seinem ursprünglichen Sinn steht."
(Max Weber, 'Politik als Beruf', Reclamausg. S. 64f. )



Ganz in diesem Sinne benannte der australische Historiker Christopher Clark seine Monographie zur Entstehung des ersten Weltkriegs “Die Schlafwandler”.
Auf der interdisziplinären Tagung “Inhalte und Grenzen der Planbarkeit”
führte der Kölner Politologe Thomas Jäger als Hauptmotiv der Außenpolitik der Staaten an, ihre Umwelt gestalten zu wollen. So strebten die EU-Mitglieder an, die EU zu formieren und zu einem globalen Akteur gegenüber den USA zu promovieren. In der Überführung von Plänen in außenpolitisches Handeln träten jedoch immer unvorhergesehene Ereignisse und Gegenspieler auf, und dies habe der ehemalige britische Außen- und Premierminister Macmillan, befragt, was die Pläne der Politiker stets an der Ausführung hinderten, auf die lakonische Kürzestformel gebracht: Ereignisse.

Ja, die unvorhergesehenen Ereignisse, und das sind die meisten, sind sehr ärgerlich und planungsresistent. In seiner Einleitung der Tagung hatte Peter Lynen schon in dieser Hinsicht Brecht zitiert:
„Ja, mach nur einen Plan, und sei ein großes Licht,
Und mach noch einen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.“
Jurist Lynen ficht das aber nicht an, er empfiehlt, noch den Plan C und D zu erarbeiten. Dann müsse es doch klappen.
Mir scheint, dies qualifiziert Lynen für den Stabs- und Ministeriumsdienst. Dort sitzen die Freunde der Pläne. Die Spin-Doktoren, die Strategien und Szenarien erfinden und formulieren. Der Rhein ein Fluß? Nur nebenbei. Tatsächlich sei der Rhein die natürliche Grenze Frankreichs. Diese Rhein-Strategie leitete die französische Außenpolitik von etwa 1650 bis 1950. Dann kommt in der französischen Revolution der Nationalismus auf, und die Spin-Doktoren sind entsprechend tätig, bis man dann den Imperialismus prima findet. Das Empire sei eine Leib- und Magenfrage, befand Cecil Rhodes. Von einzelnen Ideengebern ausgehend, die meist in der philosophischen Fakultät sitzen, verbreiten sich gängige Ideen und ihre Pläne über die Hochschulen und die Medien in Gesellschaft und Politik. Und werden systematisch in den Ministerien bearbeitet.
Wer aber sitzt in den Ministerien? Akademisch gebildete Gedankenmenschen, die die Nähe zur Macht anzieht - Prototyp Carl Schmitt - die nach Gefolgschafts- und Verhaltensregeln im großen Beamtenapparat aufsteigen und dort nach vorgefundener Logik ihre Ideenarbeit verrichten. Nun stehen Beamte in Rivalität zu Kollegen nach der Logik: bevor der Kollege an mir vorbeizieht, muß ich an ihm vorbeiziehen - ohne daß aber eindeutige Erfolgskriterien zur Bewertung ihres Tuns vorhanden wären, wie dies Umsatz- und Gewinnzahlen sind oder aber Produkte, Entdeckungen und Erfindungen. Hier entscheidet dann die Gunst der Vorgesetzten und des Behördenchefs, weswegen Ministerialbeamte stets über eine gewisse Windschnittigkeit verfügen. Füttert man den Chef mit Argumenten, die seine Vorlieben und Ziele untermauern, können sich schnell Bestätigungs- und Verstärkungsschleifen bilden, die eine Pfadabhängigkeit betonieren - die sog. “Alternativlosigkeit”. Dazu tritt Herdentrieb und universitäres Nachplappertum, und schon wird es sehr schwer, eine wohlbegründete, aber falsche Strategie zu ändern, auch wenn schon zahlreiche Fehlerhinweise vorliegen. Oft kommen die Lemminge erst wieder zu Alternativen, wenn der kühle Luftzug des Absturzes anregt.

Im Rückblick auf die Geschichte kann man dann grundsätzlich fragen, ob Beamtenapparate der beste Platz für die Planung von Außenpolitik sind.   
Dies auch im Hinblick auf den neuen Konflikt um die Felsen im Ostchinesischen Meer.

Freitag, 29. November 2013

Dörfliches




Erntedank kann man auch als Karneval feiern, und früher, als der Kalender eigentlich erlaubt - hier marschieren Biene-Maja-Freundinnen in Witzhelden (Nähe Leverkusen).

Donnerstag, 28. November 2013

Da staunt man Bauklötze







Die Leipziger Firma bot allerhand an für die Kinderbelehrung - auch, man staune, Bauklötze für Mädchen. 1902 auf dem Katalogumschlag prominent beworben!  

Lehren die Feministinnen nicht, daß das Desinteresse von Mädchen an Häuslebauerei, wie man es bei den meisten Töchtern trotz Angebot technischen Spielzeugs erleben mußte, eben durch die Erziehung zustandekomme? Und dann stößt man auf eine Abbildung, die belegt, daß es schon unerwartet früh ein alternatives Angebot gab.