Samstag, 18. Januar 2014

Und dazu einen schönen St. Emilion




Im Zeichen der "Bill of Rights" 1689 geboren, geschrieben und gelebt: Montesquieu




Es gibt so viele Skribenten, die gar nichts zu sagen haben, man denke nur an Arno Schmidt, da ist es erfreulich, daß es ein paar Ausnahmen gibt. Wie etwa Montesquieu, der just an einem 18. Januar geboren wurde, 1689, im Bordeaux-Gebiet, wo auch Montaigne bereits vor ihm dachte und schrieb und am Parlament tätig war.

"Wir Privatleute wundern uns über die Inbrunst, mit der sich die Minister ihren Geschäften widmen, ebenso die Großen und der Hof: Wir wissen nichts von dem Genuß, den sie dabei haben."

Notierte Montesquieu in seinen "Gedanken" (wb S. 101). Ja, es ist ein besonderer Genuß besonderer Leute, den man sich als ordinärer Mensch auch nur schwer vorstellen kann.   

Donnerstag, 16. Januar 2014

Dian Fossey, Digit's death // Die Zufälligkeit des 16. Januar nennt zwei Persönlichkeiten, die verschiedener kaum denkbar sind: Augustus und die Gorilla-Zoologin Dian Fossey. Damit wird auch die ganze Spannbreite der Conditio humana verdeutlicht: auf der einen Seite der hemmungslose Gewaltmensch Octavian, der am 16.1.27 vor Seneca den Titel "Augustus" verliehen bekommt, und die eremitische Amerikanerin, die mit den Berg-Gorillas in Ruanda lebt und ihr Sozialverhalten erforscht, aber auch eine emotionale und kommunikative Verbindung zu diesen Primaten herstellt. Keine andere Spezies auf dem Globus besitzt so viele Verhaltensmöglichkeiten wie der Mensch. Und kann seine Verhaltensweisen mit dem Lebensalter stark verändern. Der brutale Jungmann Octavian machte später einen langen Frieden nach innen und außen, was ihm den Titel des "Erhabenen" eintrug, der dann dem "Augustäischen Zeitalter" seinen Namen gab. Das gelingt nicht jedem Diktator, man denke nur an den greisen Robert Mugabe, der seit Jahrzehnten sein Land immerfort weiter ruiniert. Heißt es von Augustus, er habe Rom von einem Weideplatz für Ziegen zu einer Marmor-Haupstadt gewandelt, so gilt für Zimbabwe das Gegenteil. Nicht gar so weit von Zimbabwe entfernt, in Ruanda, massakrierten 1994 Hutus massenhaft Tutsis mit Knüppeln, Keulen und Macheten - ein kaum glaubliches Blutbad mit entsetzlichen Greueltaten. Und gerade dort, weit entfernt von ihrer Heimat Kalifornien, freundet sich eine ehemalige Ergotherapeutin mit einer anderen Spezies an, mit den Berggorillas, und wird dabei zur Zoologin. Diese mentale Offenheit - ein Merkmal der differentiellen Psychologie in den Großen Fünf (s. Asendorpf) - besitzen die meisten Menschen nicht, einige aber doch. Auch in den verschiedenen Kulturen ist sie unterschiedlich beheimatet. Regelmäßig gibt es Proteste um den Besuch der japanischen Yakusuni-Kriegsgedenkstätte, weil japanische Spitzenpolitiker dort immer wieder ritualhaft gedenken, was die japanischen Nachbarländer ebenso regelmäßig rituell erzürnt. Da fehlt es an mentaler Offenheit, die Verhaltensänderungen ermöglicht, auf beiden Seiten. Es fällt auf, daß es sich bei der Offenheit für Verhaltensänderungen um eine eher westliche Eigenschaft handelt, die sonst ziemlich unbekannt ist. Die Gorillafreundin Fossey wurde 1985 mit 53 Jahren in ihrer Waldhütte in Ruanda ermordet.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Conquest, Ukraine 1929-33






"Vor rund 50 Jahren glichen die Ukraine und die weiter östlich liegenden ukrainischen und kosakischen Territorien der Sowjetunion - ein großes Gebiet mit über 40 Millionen Einwohnern -  einem einzigen, riesigen Bergen-Belsen. Ein Viertel der Landbevölkerung - Männer, Frauen und Kinder - war tot oder lag im Sterben. Die übrigen hatte der Hunger teilweise so entkräftet, daß sie nicht einmal ihre Angehörigen oder Nachbarn begraben konnten. Zur selben Zeit überwachten - wie in Bergen-Belsen - wohlgenährte Polizei- oder Parteiverbände ihre Opfer." 

So R. Conquest in der Einführung; das Buch erschien 1986, da lehrte Conquest Geschichte an der Stanford University; englischer Originaltitel: The Harvest of Sorrow - Soviet Collectivization and the Terror-Famine.