Freitag, 6. Juni 2014

Eifrig und erbarmungslos










Calvin (1509-64) war ein strenger Zuchtmeister, alles und jedes und alle wollte er der Kirchenzucht unterwerfen und tat es. 
Ins Auge fällt dabei – wie schon bei Savonarola (1452-98) in Florenz – das Verbot von weltlichem Gesang und Tanz. Nach ihrem Sieg 1994 taten die Taliban desgleichen. Die kriegerische Seite jeder Religion entdeckt sich hier, und natürlich in der Ermordung der Abweichler.

Allen Glaubensbrüdern ist dabei, neben dem Gotteswahn, auch eine kaum glaubliche Selbstverblendung zu eigen. Sie erfinden nicht nur Götter, sondern phantasieren sich auch zusammen, göttliche Werkzeuge zu sein.
Phantasien sind also ihrer Natur nach grenzen-, verantwortungs- und skrupellos. Die Grenzen müssen von außen gezogen werden, von einem säkularen Staat, der auch Eiferer zur Verantwortung zieht. Und natürlich gilt allgemein Luhmanns Wort, daß guter Geist trocken sei.

Bei Calvin vermischen sich Eiferertum, Kollegialitätsprinzip und erbarmungslose soziale Kontrolle. Das Kollegialitätsprinzip der Pfarrerversammlung kann man als Vorlage für eine Demokratisierung werten, die soziale Kontrolle wiederum implantiert ein dauerhaft schlechtes Gewissen, das der Individualisierung Vorschub leistet.  


Rüdiger Achenbach hat im DLF ein fünfteilige Calvinreihe veröffentlicht, die dort mit Gewinn nachgelesen und –gehört werden kann. Ebenso am gleichen Ort empfehlenswert ist Astrid Nettlings SENECA-Sendung. (http://tinyurl.com/nud8z9d)

Donnerstag, 5. Juni 2014

Mal so gesagt


Also, d-day 6.6.44, das ist ein Datum, das man besser den historischen Sachbearbeitern überläßt. Mit  dem inszenierten Klamauk dient man nicht der Gegenwart und der Zukunft. Besonders abgeschmackt erscheint, wenn Despot Putin als der Nachfolger Stalins, wie Hitler einer der größten Polit-Verbrecher nach Mao und Pol Pot, an der Kirmes teilnimmt. 
Wenn Franzosen, Briten und Amerikaner still dieses Tages gedenken, dann hat das seinen guten Sinn. Gehobenen Pomp mit Putin aufzuführen, ekelt an.











Mittwoch, 4. Juni 2014

Voodoo-EZB

"Saufen müssen die Pferde selber", kommentierte Wirtschaftsminister Karl Schiller seinerzeit. 

Er meinte, daß Investoren mit Sinn und Verstand investieren müssen, nicht, weil gerade die Zinsen niedrig sind. 
Heute sind die Leit-Zinsen nicht niedrig, sondern NULL, ZERO. EZB-Draghi meint aber, man müsse die Investoren so mit Liquidität aufpumpen, daß ihnen Sinn und Verstand vergehen. Man glaubt es nicht. It's Voodoo. 
Draghi macht das Ganze aber noch fescher, indem er warnt, nicht riskante Investitionen einzugehen. 
Und auf die vielen faulen Kredite in den Bankbilanzen der Südländer geht er gar nicht erst ein.







Dienstag, 3. Juni 2014

Skurrile ärztliche Vorstellungen







Hippokrates vertrat eine Säftelehre die besagte, daß die Körpersäfte in einem bestimmten Verhältnis stehen müßten, sonst werde der Mensch krank. Diesen Blödsinn schrieben die Arzt-Quacksalber und Mönche 2000 Jahre lang ab und brachten durch den "reinigenden" Aderlaß zahllose Menschen um. Der Aderlaß bei Mozart kurz vor seinem Tod könnte ursächlich für denselben gewesen sein.
Hier ein "Arzt" bei der gewohnten Untat (James Gillray, Der Aderlaß, ca. 1805, Wiki.)


Der Arzt Heinrich Huebschmann (1913-95) war kein Freund Galileis. Die elende Messerei stumpfe den Menschen ab und mache aus dem Arzt einen Mechaniker, wo es um tiefe Einfühlung in den kranken Menschen gehe. Im Nachgang Galileis habe Virchow 1862 das ärztliche Physikum eingeführt, dem ersten großen Abschnitt des Arztstudiums. So beginne auch die ärztliche Gefühllosigkeit.
Damit vergaß der brave Arzt allerdings, daß die Gefühllosigkeit der allgemeine Zustand in früheren Zeiten war, nicht nur bei den Ärzten und Chirurgen, die mit Aderlaß und Knochensäge viele gesunde Menschen töteten, sondern ganz allgemein in der breiten Bevölkerung. In den primitiven Ländern läßt sich das auch heute noch ablesen:
“Unterdessen wurde am Montag aus der Nähe von Badaun ein neuer Vergewaltigungsfall gemeldet. Nach Angaben der Behörden wurde dort eine 22 Jahre alte Frau vergewaltigt und getötet. Ihr Leichnam sei nackt auf einem Feld gefunden worden, um den Hals ein Plastikstrick, im Gesicht Verbrennungen. Eine Autopsie am Montag habe gezeigt, dass die Frau vor ihrem Tod noch gezwungen worden sei, Säure zu trinken.
Der Distrikt Badaun liegt im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Allein in der vergangenen Woche wurden dort zwei ähnliche Verbrechen verübt: In Azamgarh wurde eine Minderjährige Opfer einer Gruppenvergewaltigung, ihr Zustand ist kritisch. In Etawah wollte die Mutter eines Vergewaltigungsopfers Anzeige erstatten und wurde von Familienangehörigen des mutmaßlichen Täters schwer verletzt.” (FAZ 2.6.14)  
Die Fähigkeit zu schlimmster Grausamkeit ist der ursprüngliche menschliche Zustand, der erst im Laufe der Jahrtausende durch den europäischen Prozeß der Zivilisation langsam, sehr langsam abgebaut wurde, jedoch phylogenetisch latent weiterhin vorhanden ist. Noch ein sehr frommer, sehr gebildeter und sehr intelligenter Mann wie Jean Calvin fand nichts dabei, seinen Kollegen Michael Servetus der Hinrichtung wegen abweichender Meinung zu überantworten.

Mit den Naturwissenschaften hat das alles nur insofern etwas zu tun, als allein durch sie das alte Ärzteunwesen der hippokratischen Art aus Aberglauben, Erfahrungswissen, grauenhafter Chirurgie und Hokuspokus überwunden wurde. Mit dem Physikum.




Montag, 2. Juni 2014

Wissenschaftsbeschwerden










“Verachte nur Verstand und Wissenschaft,
Des Menschen allerhöchste Kraft”, sagt Mephisto nach Pakt und Wette dem abgehenden Faust hinterher. (Studierzimmer II)

Wir erinnern uns: Faust hat alles studiert, lehrt es jetzt und ist sehr unlustig:

“Und ziehe schon an die zehen Jahr,
Herauf, herab und quer und krumm,
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, daß wir nichts wissen können!” (Eingangsmonolog)

Hut ab, Herr Faust, kann man da nur sagen, denkt man an Existenzen wie Prof. Dennis Meadows, Großdoktor Sigmund Freud oder Prof. Hans Joachim Schellnhuber.


Lit.:
Freud: Dieter E. Zimmer, Tiefenschwindel
Meadows: Krohn, FAZ 23.1.10
Schelli: Watts, WUWT