Mittwoch, 22. April 2015

Mehr ist mehr


Konzertierte Aktion: Gauck + FAZ-Bähr + MIT: 
„Soziale Unterschiede
Kleinhirn an Großhirn
Dass Kinder aus wohlhabenden Familien sich in der Schule leichter tun, ist hinlänglich bekannt. Aber bislang waren noch nicht alle Gründe dafür aufgedeckt. Eine neue Studie zeigt: Reiche Kinder haben größere Gehirne.
20.04.2015, von JULIA BÄHR“ 

Zum ersten April wäre der Artikel sicher ok. Aber danach? Eigentlich reicht schon diese Feststellung:

„The study included 58 students“ (MIT News) 58 Teilnehmer sind wenig hinweiskräftig. 1300 wären es. Zum anderen, und das ist weit wichtiger, zählt bei Gehirnen die Zahl der Verbindungen, der Synapsen - nicht das Gewicht. Sonst sähe es etwa für weibliche Gehirne schlechter aus, weil sie etwas kleiner sind. 

Dienstag, 21. April 2015

„ Gauck: Bildung immer noch von Herkunft abhängigBundespräsident Gauck hat kritisiert, dass die Schulbildung in Deutschland in vielen Fällen immer noch von den familiären Verhältnissen abhängig ist. Gauck sagte bei einer Veranstaltung zum Thema "Starke Schule" in Berlin, die Herkunft bestimme in der Regel, welchen Abschluss jemand schaffe und welche Talente er entfalten könne. Dies sei zutiefst ungerecht. Der Bundespräsident rief die Unternehmen auf, stärker mit den Schulen zusammenzuarbeiten, um die Schüler über berufliche Möglichkeiten zu informieren.“ DLF 21.4.15 Nachrichten Herr Gauck ist Prediger. Trotzdem könnte er sich psychologisch belesen. Zumal er in einer Diktatur aufgewachsen ist, in der es keine empirische Psychologie an den Hochschulen gab. Und er sollte einfach überlegen: Wenn der Schulerfolg von 2 Dingen abhängt, nämlich von Begabung und Unterricht, der Unterricht bereits ein Höchstmaß an Förderung miteinschließt und in der Schule kaum noch steigerbar ist - dann muß die Bedeutung der Begabungsunterschiede zwischen den Schülern stärker hervortreten. Da inzwischen die soziale Schichtung durch die riesenhafte Förderung und die große Aufstiegs-Mobilität weitgehend eine IQ-Schichtung geworden ist, ist das Begabungspotential in der sog. Unterschicht nicht sehr groß. Ein Beispiel für Aufstieg stellt VW-Chef Winterkorn dar, der aus einfachen Verhältnissen stammt. Vor hundert Jahren wäre dieser Aufstieg für Winterkorn zwar auch möglich gewesen - Alfried Krupp hatte weder Abitur noch Studium, nur Schulden des Vaters, und stieg trotzdem auf - aber der Aufstieg war doch sehr viel schwieriger, als er es heute ist. Bezogen auf Mischels klassischen Keks-Test heißt das, daß man mit diesem Test Begabungen wie Krupp und Winterkorn - und zwar unabhängig von der sozialen Lage! - früh erkennen kann, und natürlich auch die schwachen Begabungen, für die man spezielle, auf Aufmerksamkeitssteuerung abgestellte, psychologisch basierte Trainings früh anbieten sollte. Damit lassen sich zwar keine Krupps und Winterkorns herstellen, aber doch gewisse Verbesserungen erreichen. (Vgl. Kahneman, Denken, S. 65f.) Die Schule kann das nicht, dort geht es um die Vermittlung von Lehrstoff. Herr Gauck, studieren Sie doch bitte mehr, und reden Sie bitte weniger. WD /// Walter Mischel on his Marshmallow Experiment

Montag, 20. April 2015

Atul Gawande, Being mortal



„ … Mit der Veröffentlichung von Atul Gawandes Buch „Being Mortal“ (Sterblich sein) im Oktober 2014 aber rückten die Grenzen der Medizin plötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit amerikanischer Leser. Gawande, Jahrgang 1965, ist praktizierender Chirurg am Brigham und Women’s Hospital und Professor für Chirurgie an der Harvard Medical School. Außerdem ist er seit 1998 Essayist für den „New Yorker“ und Autor von hervorragend geschriebenen Bestsellern über seine tägliche Arbeit und die Notwendigkeit, seine Leistung als Arzt und die medizinische Praxis insgesamt zu perfektionieren. „Better: A Surgeon’s Notes on Performance“ hieß sein Bestseller von 2007.
Und jetzt das Gegenteil: ein Plädoyer für die Anerkennung des Todes und die Integration des Todesbewusstseins in die medizinische Praxis. Denn, so Gawandes Fazit in „Being Mortal“, abringen kann man dem Tod fast nichts. Aber man kann ihm etwas von der bitteren Brutalität nehmen, die jene erfahren, die sich ihm zu lange und zu verzweifelt widersetzen. Damit kommt Gawande bei jener alten Kunst des Sterbens, der Ars Moriendi, an, die er als eine hohe Kunst der Selbstbestimmung preist und die mit dem technologischen Fortschritt seit etwa 1950 überflüssig geworden zu sein schien. …“ (FAZ 15.04.2015)

So, wie immer das Murmeltier grüßt, gibt es beim DLF montags in der Rezensionssendung ANDRUCK linke Bücher. Heute wurde das Buch eines protestantischen Funktionärs (Bedford-Strohm) zur Sterbehilfe besprochen. Diese Glaubensfuzzis wollen stets Einfluß nehmen und anderen, wie beim Religionsunterricht alter Sorte, ihre windige Meinung aufzwingen. Und bei den linken Redakteuren finden sie dann Aufmerksamkeit. Denn heutzutage hat die Linke, früher war sie antiklerikal, ein Bündnis mit den Aberglaubensfunktionären geschlossen: zusammen lassen wir den Sozialismus wiederauferstehen von den Toten. 

Die Aberglaubensbrüder waren immer gegen den Freitod - nicht gegen das Verbrennen von Dissidenten - heute auch; wenn man diesen Jungs eine Rezension widmet, sollte man auch die andere Position darstellen, zB Jean Amery, „Hand an sich legen“; oder aktuell: Atul Gawande, Being mortal.

Sonntag, 19. April 2015

Wunder durch Bildung?


Das BGB tut's auch






Da werden Schulen in Afghanistan, Mali und Peru von Europa aus betrieben oder unterstützt, um dem Fanatismus das Wasser abzugraben und Wohlstand zu schaffen. Dann kommen die Taliban, Touareg oder die Maoisten des "Leuchtenden Pfades".

Und daheim hört man von recht oft von Gymnasiasten, die nach dem Abitur eine Weltreise machen, oder irgendwelche Praktika in Australien oder sonstwo absolvieren, oder jahrelang als Au-Pair-Mädchen arbeiten.
Hat die lange Schulzeit diese Absolventen „gebildet“? Oder hat die Schule  ihre Schüler eher beschäftigt und dann orientierunglos entlassen? Man muß zu diesen Desorientierten ja auch noch diejenigen zählen, die ein paar Semester frei auf Bafög herumstudieren, um dann abzubrechen und eine Lehre zu beginnen. 
Diese nicht so kleine Gruppe konnte sich auch nicht selbst „bilden“, wie es dem klassischen Bildungskonzept entspricht, denn „sich bilden“ ist eine subjektive Anstrengung, zu dem von außen nur eine Hilfestellung erfolgen kann. Und zu dieser Bildungsanstrengung gehört auch eine Veranlagung. Ohne diese nützt keine äußere Hilfestellung. Der Dr. Jekyll bleibt ein Mr. Hyde. 

Hier wird deutlich, daß das klassische Bildungskonzept stets an eine Verbesserung, einen Fortschritt, eine Zivilisierung, Befriedung und an Erziehbarkeit glaubt. Die Erfahrungen der Geschichte zeigen aber keinen Automatismus, und die Absolventen der Koranschulen setzen in Syrien, Pakistan und anderswo ein großes Bildungsfragezeichen. Das tun auch die aus Akademia stammenden Aberglaubenvereine Greenpeace, NABU, WWF und IPCC. 
Man sollte es vielleicht mehr mit praktischer Ausbildung versuchen, die schafft Wohlstand, und dem Corpus iuris, das schafft Stabilität.  


PS: Der "Leuchtenden Pfad" Perus wurde etwa 1960 von dem Philosophieprofessor Abimael Guzman gegründet. 







Samstag, 18. April 2015

VW, China und TTIP



Porsche-Enkel Piech ist ein Techniker, der aber auch als Vorstandschef von VW keine gravierenden Fehler gemacht hat. Jedenfalls keine, die sich bis heute gezeigt haben. Gefährlich werden könnte das starke Engagement VWs in China, wenn die Diktatur glaubt, sie müsse VW in die Zange nehmen. Daher legt Piech großen Wert auf eine Absatzverbesserung in den USA, wo Winterkorn, der jetzige VW-Chef, nicht gut vorankam. Dieser Umstand, und auch das Alter Winterkorns und seine Eingewöhnung in den Erfolg, dürfte Piech bewegen, wenn er jetzt die Ablösung Winterkorns betreibt.
Kein Vorstandsvorsitzender sollte in der Regel lange in der gleichen Position bleiben, Betriebsblindheit droht immer. Die wichtige Stärkung des US-Geschäfts gelang ihm nicht. Könnte das dem Schwaben und ehemaligen VW-Vorstand Wolfgang Bernhard gelingen? Bernhard, 55, jetzt bei Daimler, war bei Chrysler und Cerberus, und er hat seinen Master in NYC gemacht. Man wird sehen. Jedenfalls gilt auch hier wie auf vielen anderen Feldern, daß das schwächelnde Europa enger mit dem Verwandten jenseits des Atlantiks zusammenarbeiten sollte.