Sonntag, 24. Dezember 2017

Vom Mythos zu Logos?












Johannes Fried resümiert seinen Abschnitt 9.2 “Wer war Benedikt von Nursia?”:

“Auch der Blick auf Benedikts Leben läßt durch erinnerungskritische Textanalyse anderes hervortreten, als bisher gesehen wurde: Wie nämlich eine ideale Mönchs- und Abtsgestalt entstand, … wie sie dann von Fremden literarisch aufgenommen wurde und dabei historisch zu wirken begann, indem ihre Fiktionalität nicht mehr erkannt und für Wirklichkeit gehalten wurde, und wie diese irreale Realität endlich an ihren Ursprungsort zurückkehrte, um dort verspätet ins Leben zu treten. Auch dieser Weg läßt - nicht anders als Chlodwigs Taufe - das kulturschöpferische Zusammenspiel von Vergangenheitsbildern und Gegenwartsgestaltung, von individuellem und kulturellem Gedächtnis in seiner nimmer endenden Modulationsfreude erkennen und nicht zuletzt, daß der Historiker in dieses Spiel hineinleuchten kann, auch wenn er dessen Regeln (noch) nicht kennt.










Samstag, 23. Dezember 2017

Es kommt aber drauf an, etwas Nützliches zu erfinden

Die Röntgenstrahen entstehen beim Aufprall stark beschleunigter Elektronen auf Metall mit hohem Atomgewicht.
Bild: Wikip.

“Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.”

So heißt es bei Kant in seinem legendären Aufsatz zur Aufklärung. Dabei sieht er auf Religion, Wissenschaft, Herrschaft und Gesellschaft, was notgedrungen - das liegt an der Distanz der Makroskopie - etwas unscharf ausfällt. Er denkt leider gar nicht an die Mechanik der Wissenschaft, an die Technik, an das Experiment. Gerade hier leistet aber die aufklärerische Perspektive am meisten. Im Großen und Ganzen bleibt es in der Philosophie und der politischen Philosophie bei Marxens Diktum: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Nichts anderes ist für die Zukunft zu erwarten. Es kommt aber drauf an, etwas Nützliches zu erfinden. Zum Beispiel die Röntgenröhre.
















Vijay Iyer Trio: NPR Music Tiny Desk Concert

Freitag, 22. Dezember 2017

Michael Denhoff - Gegen-Sätze (1. Saxophonquartett) 1/2

Wahrlich, wahrlich, eine frohe Botschaft





Foto: Wikip.




Wahrlich, wahrlich, eine frohe Botschaft für alle Patienten! 

Am 22.12.1895 hatte Conrad Rönten nach anderthab Monaten intensiver Arbeit seine zufällige Entdeckung der x-Strahlen durchuntersucht und auf die Reihe gebracht in der Schrift “Über eine neue Art von Strahlen” und reichte sie zum Druck ein. Diese nach ihm benannten Röntgen-Strahlen revolutionierten die medizinische Untersuchung und machte sichtbar und heilbar zum Beispiel Herzfehler und Tuberkulose. Keine ärztliche Praxis kommt heute ohne ein Röntgengerät aus.
Keine Theorie leitete Röntgen bei diesen bahnbrechenden Experimenten, keine Dogmen standen im Hintergrund. Seine Arbeit folgte einem Paradigma neuer Art, das sich erst spät entwickelt hat, im 17. Jahrhundert nämlich, und dafür stehen zunächst niederländische und englische Namen:
William Harvey (1578-1657), Christian Huygens (1629-1695), Jan Swammerdam (1637-1680), Antoni van Leeuwenhoek (1632-1723) u.a.m.
Auch der Italiener Marcello Malpighi (1628-1694) sei erwähnt.