Donnerstag, 8. April 2021
Klimaschau #26: Bundeswirtschaftsministerium erhält Note "mangelhaft" fü...
Neue GeWalt in Belfast
Erstaunliche historische Fernwirkungen im Hintergrund?
„ Dergestalt bildet sich ein fränkisches bzw. fränkisch beeinflußtes Kerneuropa und ein Randeuropa, das Irland, Wales, Schottland, Osteuropa östlich der Linie Petersburg/Triest, den ganzen Balkan, das ehemalige byzantinische Süditalien sowie das ehemalig maurische Südspanien beinhaltet. “Im Anschluß an abweichende Traditionen der Agrarverfassung hat sich in vielen Regionen ‘Randeuropas’ die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung anders gestaltet.”
(Mitterauer, Warum Europa? S. 66)
Die vorherrschende Viehwirtschaft in Irland bewirkt eine andere Entwicklung: die zweigeteilte Grundherrschaft durch die Vergetreidung im fränkischen Bereich unterbleibt und damit die Hausgemeinschaft und die Vasallität. Diese Lockerungen der Abstammungsgesellschaft unterbleiben in Irland; Entwicklungsimpulse kommen erst später durch den eindringenden Protestantismus der Engländer.
Mittwoch, 7. April 2021
Lehenswesen und Ständeverfassung
Die Kombination von adeliger Höhenburg und ummauerter Stadt ist ein europäisches Spezifikum. … In Europa wurde - im interkulturellen Vergleich betrachtet eine Besonderheit - durch ein dichtes Netz befestigter Herrensitze und Bürgerstädte ein hohes Maß an Sicherheit und Stabilität erreicht. Seit dieses System in spät- und nachkarolingischer Zeit entwickelt wurde, blieb Mittel- und Westeuropa von Nomadeninvasionen verschont.
Die Adelsburg als Mittelpunkt der Bannherrschaft ist sinnfälliger Ausdruck eines Herrschaftssystems, in dem die militärische Komponente einen integrierenden Bestandteil ausmacht. Das gilt insgesamt für das Lehenswesen. Funktionen der Heeresorganisation, der Wehrverfassung, des Gerichtswesens, der Verwaltung, der politischen Mitbestimmung erscheinen in ihm untrennbar miteinander verbunden.”*
Diese Kleinteiligkeit der Herrschaften besaß ihre Repräsentanz in Parlamenten. Montaigne (1533-92) war ein solcher Standesvertreter im Parlament von Bordeaux. Die Ständeverfassung stand gegen den Ausbau der Zentralisierung der Königsmacht, wie er schon früh in Frankreich von dem Kapetinger Ludwig XI. schlagkräftig betrieben wurde. Die Ständeversammlungen (Generalstände) verloren an Macht und Mitsprache und wurden nur noch nach Bedarf des Monarchen einberufen. Die absolute Monarchie obsiegte überall, aber die Widerstände waren besonders in England beträchtlich. Das Londoner Parlament ließ 1649 den Stuart Karl I. vor seinem Palast hinrichten.
*Mitterauer, Warum Europa? S. 148
Dienstag, 6. April 2021
Machtfragen - von Cromwell bis Putin
Hobbes’ analysiert in “Behemoth’ den englischen Bürgerkrieg und seine Gewalt. Das taten auch andere.
“Clarendon, der auf eine gemischte Verfassung setzt, in der die Krone eine ausgleichende und regulierende Funktion hat, der Kopf des Ganzen ist und gerade deswegen den Teilen ihre eigenen Aufgaben und Zuständigkeiten überläßt; Harrington, der eine Korrespondenz zwischen der sozio-ökonomischen Entwicklung und der politischen Einstellung und Mentalität entdeckt zu haben glaubt und im England Oliver Cromwells die Möglichkeit zur Neuerrichtung einer Republik nach antikem Muster sieht; und schließlich Thomas Hobbes, für den der Bürgerkrieg mit brutaler Konsequenz gezeigt hat, daß allein ein mit absoluten Machtbefugnissen ausgestatteter Souverän in der Lage ist, der permanenten Drohung des Rückfalls in den Naturzustand, d.h. dem Bürgerkrieg, erfolgreichen Widerstand zu leisten.
Es hat den Anschein, als hätten diese drei Antworten auf die erste große Revolution der Neuzeit bis heute ihren paradigmatischen Charakter nicht verloren - in Illusion und Scheitern, Hoffnung wie Resignation.”
(Münkler in “Behemoth”, S. 238)
Wenn wir heute erleben, daß Putin sich seine Macht durch viele Tricks nunmehr bis 2034 gesichert hat, dann liegt auf der Hand, welcher Logik er folgt. Daß Schröder und Merkel ihm dazu die Einnahmen aus dem Gasgeschäft von Nordstream 2 sichern wollen, liegt in der geistigen Verwirrung deutscher Politik begründet.
Samstag, 3. April 2021
Die Regel: Bete und arbeite
“Die Bedeutung der Regel brachte ein Autor des 10. Jahrhunderts in der Formulierung zum Ausdruck, daß Gott nach der ‘Offenbarung des natürlichen, des mosaischen und des Gesetzes Christi eine vierte Offenbarungsstufe hinzufügte, durch die das vollkommene Gesetz bekräftigt werden sollte, nämlich die Regel des hl. Benedikt’. In der Byzantinischen Kirche oder in einer anderen der östlichen Christenheit wäre eine solche Bewertung völlig undenkbar gewesen.” (Mitterauer, Warum Europa? S. 193)
Johannes Fried kommt zum Ergebnis, daß es Benedikt von Nursia nicht gegeben habe. Dann ist auch die Namensgebung eine fragliche. Wie diese Regel nun immer benannt sei - nennen wir sie ARBEITSREGEL - entscheidend ist die Tatsache, daß sie die zentrale Regel eines Reformmönchstums wurde und den westlichen europäischen Sozialraum beeinflußte oder doch bei der Hervorbringung nicht im Wege stand. Die Arbeitsverachtung im katholischen Südamerika deutet darauf hin, daß eine Arbeitsregel noch keine ausgreifende Arbeitsgesinnung bewirkt.
