Freitag, 19. November 2021

Reichlich Wasser

Überall gab es die Sintflut, Thomas Mann sieht sie auch in China am Werke. Allerdings überschlägt er Amerika. Da gibt uns überraschend Francis Bacon Auskunft: “innerhalb von hundert oder noch weniger Jahren wurde jenes Groß-Atlantis vollständig zerstört … durch eine besondere Sintflut oder Überschwemmung.” (Francis Bacon, Nova Atlantis, 5. Die Sintflut Amerikas) Und so hat Th. Mann in “Joseph und seine Brüder” recht, daß mit der Zeit jede alte “Heimsuchung durch Wassersnot” als Sintflut galt; Bacon nimmt sie für seine utopischen Zwecke in Dienst. Heute, in ziemlich säkularen europäischen Zeiten, ist an die alte Sintflutstelle die “globale Erwärmung” getreten, die aber - bei stagnierenden Temperaturen - schnell ausgetauscht wurde durch den unauffälligeren “Klimawandel”, der Bacons insulare Neugründung Nova Atlantis durch den angeblichen Meeresspiegelanstieg bedroht; der schwedische Ozeanograph Axel Mörner hält solchen Phantasien seine Meßergebnisse entgegen, aber was vermögen die schon gegen einen Mythos. 


Dienstag, 16. November 2021

Ja, so war's! Oder so ähnlich.

 “Gewisse Funde bestimmen die Experten der Erdgeschichte, das Alter der Menschenspezies auf fünfhunderttausend Jahre zu schätzen. Das ist knapp gerechnet, erstens in Anbetracht dessen, was die Wissenschaft heute für wahr lehrt: daß nämlich der Mensch in seiner Eigenschaft als Tier das älteste aller Säugetiere sei und schon in Zeiten späterer Lebensfrühe, vor aller Großhirnentfaltung, in verschiedenen zoologischen Modetrachten, amphibischen und reptilischen, auf Erden sein Wesen getrieben habe; zweitens aber wenn man erwägt, welche unabsehbaren Zeitstrecken erforderlich gewesen sein müssen, damit aus dem halbaufrechten, traumwandlerischen und von einer Art Vor-Vernunft durchzuckten Beuteltiertypus mit verwachsenen Fingern, welchen der Mensch vor dem Erscheinen Noah-Utnapischtims, des Hochgescheiten, verkörpert haben muß, der Erfinder von Pfeil und Bogen, der Nutznießer des Feuers, der Meteoreisenschmied, der Züchter des Korns, der Haustiere und des Weines wurde – mit einem Worte das altkluge, kunstfertige und in jeder entscheidenden Hinsicht moderne Wesen, als das der Mensch uns beim ersten Morgengrauen der Geschichte bereits entgegentritt.”


Mann, Thomas. Joseph und seine Brüder, Pos. 385ff./ Vier Romane in einem Band (Fischer Klassik Plus) (German Edition) . FISCHER E-Books. Kindle-Version. 


Sonntag, 14. November 2021

Wir erzählen uns mal was

“Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen? Dies nämlich dann sogar und vielleicht eben dann, wenn nur und allein das Menschenwesen es ist, dessen Vergangenheit in Rede und Frage steht: dies Rätselwesen, das unser eigenes natürlich-lusthaftes und übernatürlichelendes Dasein in sich schließt und dessen Geheimnis sehr begreiflicherweise das A und das O all unseres Redens und Fragens bildet, allem Reden Bedrängtheit und Feuer, allem Fragen seine Inständigkeit verleiht. Da denn nun gerade geschieht es, daß, je tiefer man schürft, je weiter hinab in die Unterwelt des Vergangenen man dringt und tastet, die Anfangsgründe des Menschlichen, seiner Geschichte, seiner Gesittung, sich als gänzlich unerlotbar erweisen und vor unserem Senkblei, zu welcher abenteuerlichen Zeitenlänge wir seine Schnur auch abspulen, immer wieder und weiter ins Bodenlose zurückweichen.”


Mann, Thomas. Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band (Fischer Klassik Plus) FISCHER E-Books. Kindle-Version. 


Und je tiefer man dringt, desto mehr Mythen finden sich - mal abgelegte, mal erneuerte, mal ineinander verschlungene - und desto mehr Wurzeln der gegenwärtigen Mythen entdecken sich. Oft werden sie jetzt ungeniert Narrative genannt. 


Mittwoch, 10. November 2021

Klimaschau #78: Werden Privat-PKW bald aus Klimaschutzgründen ganz verbo...

Wenn das Bundesumweltamt träumt, wird es ein Albtraum für die Bürger. Noch zurückgehalten werden die Vorstellungen zum Wohnraum: 10qm pro Nase sind genug. Die eingesparte Fläche wird mit Gummibäumen bepflanzt. 

Montag, 8. November 2021

Religion in Detroit




Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre interviewten Gerhard Lenski und Mitarbeiter von der Uni Michigan rund 600 Detroiter in Bezug auf Religion und Lebensstil. Er fand, daß Religion in vielerlei Hinsicht einen klaren Einfluß auf das Leben von modernen Großstädtern besitzt.

“On many of the variables analyzed, the four major socio-religious groups split into two divisions: white Protestants and Jews on the one hand; Negro Protestants and Catholics on the other. This pattern is most evident in economic behavior. White Protestants and Jews have a positive attitude toward work more often than Negro Protestants or Catholics, especially in upper middle class jobs. They are liklier to believe that ability is more important than family connections; to be self-employed; to believe in intellectual autonomy; and to have small families.”*

Daher läßt sich auch verstehen, warum Südamerika und die USA sich so stark unterscheiden. 


Gerhard Lenski, The Religious Factor, 1963, S. 321