nachts -1°, mi 2° R
- In der Ukraine: mit dem kollektiven Wasserzähler verbrauchten die angeschlossenen Haushalte pro Kopf ca. 800 l; nach dem Einbau von Einzelzählern sank der Verbrauch auf etwa 100 l: so funktioniert Sozialismus. (arte-Dokum.)
- "Seit 1970 verlor der Amazonas-Regenwald bereits knapp 700.000 qkm." NZZ 26.1.08
- CCNet: POOR EUROPE: RUSSIA CLEARS WAY FOR CARBON PROFITS
- "Standpunkt: Thorsten Grenz (Mobilcom)
Lehren aus Bochum
Die politisch orchestrierte Emotionalisierung und Skandalisierung der von Nokia beschlossenen Schließung des Handy-Werkes in Bochum offenbart, daß große Teile der deutschen Politik mit unternehmerischen Notwendigkeiten und Entscheidungen nicht rational umgehen können oder wollen ..." 29.1. FAZ
Mittwoch, 30. Januar 2008
Dienstag, 29. Januar 2008
Unter erschwerten Bedingungen
5° b Hunger? Obwohl es kühl ist und kälter werden soll: Der Igel ist aufgewacht und sucht noch bei Tageslicht nach Freßbarem. In China hätte er noch etwas gewartet: Kältester Winter seit 50 Jahren hat China fest im Griff (-17° im Nordosten, -11 im Nordwesten).
- "Unter erschwerten Bedingungen. Die Wahl am Sonntag war kein Beitrag zu einer besseren Qualität oder gar zu mehr Verlässlichkeit der deutschen Wirtschaftspolitik. Zu den Konjunkturrisiken von außen tritt nun hausgemachte Unsicherheit hinzu. ... " FAZ
- "Unter erschwerten Bedingungen. Die Wahl am Sonntag war kein Beitrag zu einer besseren Qualität oder gar zu mehr Verlässlichkeit der deutschen Wirtschaftspolitik. Zu den Konjunkturrisiken von außen tritt nun hausgemachte Unsicherheit hinzu. ... " FAZ
Montag, 28. Januar 2008
Moralisierungskräfte: SED-Freundesverein in Hessen und Niedersachsen
6° b Erste Schneeglöckchen blühen.
- ... gestatten Sie mir den Hinweis auf einen Aufsatz von Otfried Höffe „Drei Pioniere der Moderne, Machiavelli, Bacon, Hobbes“ im eben erschienenen Dezemberheft der Monatszeitschrift MERKUR.
Alle Listenfreunde der Luhmannschen Gedankenwelt wird es interessieren, wie Höffe – nicht zentral, eher en passant – Luhmanns Entmoralisierungsthese der Moderne als unvollständig kritisiert. Originalton Höffe: „… überprüfe man Luhmanns Modernisierungsthese: Ist sie so nüchtern triftig, wie der Soziologe behauptet? Gute Gründe sprechen dagegen. Denn neben einer gewissen Entmoralisierung findet in der modernen Gesellschaft auch eine Remoralisierung statt, sichtbar in der immer noch ungebrochenen Konjunktur angewandter und grundlegender Ethik. […] Die Moderne zeichnet sich durch zwei gegenläufige Bewegungen aus. Da sie häufig (fast) zeitgleich verlaufen, bilden sie zusammen ein fragiles Gleichgewicht, das von Entmoralisierung und Remoralisierung.“
- In der Postmoderne setzt der Wohlstand Moralisierungskräfte frei, sogar
können Moralisierungspositionen zu Stimmengewinnen führen, wenn sie medial freundlich vermittelt werden, und das marxistische Weihnachtsmannsyndrom des himmlische Gaben gratis austeilenden Gutundgernemenschen kann neuen Auftrieb erhalten.
- "Die Beine eines Hasen, scheu wie ein Reh, das Gedächtnis eines Elefanten und die Seele eines Lemmings - ganz klar: Bei unserem Kapitalmarktwolpertinger handelt es sich um nichts anderes als um das Kapital selbst. Wer es als Unternehmen, Investor oder Regierung anlocken will, tut gut daran, es nicht zu verschrecken mit Verhaltensweisen wie Bilanztricksereien, konfiskatorischen Steuern, regulatorischen Bärenfallen oder ideologiegetriebener Wirtschaftspolitik. Denn eines ist unser Kapitalmarktwolpertinger nicht: ein Esel." HANNO BECK
Text: F.A.Z., 28.01.2008, Nr. 23 / Seite 26 // Und für tüchtige Unternehmer gilt Ähnliches: während an einfachen Arbeitern meist kein Mangel besteht, kann man gute, an die Sicherung der Zukunft denkende Unternehmen durch hohe Steuern, staatlich verteuerte Energie und hohe Löhne vertreiben. Gute Unternehmer aber sind immer knapp und nicht so leicht zu ersetzen. Und Unternehmen müssen handeln, bevor es ihnen geht wie Benq und Motorola etc.
- Die PIN-Muttergesellschaft meldet nach dem Mindestlohnbeschluß der vereinigten Sozis Insolvenz an: die PIN-Mitarbeiter, die sich nicht in die soziale Hängematte gelegt haben, sollten den federführenden Bonzen Beck entsprechend bedenken.
- Natascha Kampusch (Focus 1/08): ein merkwürdiges Phänomen. Sie macht einen gescheiten und reifen Eindruck trotz ihrer Gefangenschaft von 10 bis 18 Jahren. Sie ist nicht depraviert oder traumatisiert, wie das die immer noch grassierende Milieutheorie jedem sich ritzenden Mädchen andichtet. Die genetische Disposition scheint zu dominieren, wobei offenbar auch äußerst negative Zumutungen wie die Freiheitsberaubung und die nötigende Interaktion mit ihrem Entführer eine stabile Entwicklung zulassen, vielleicht sogar weniger desorientieren als die Reizüberflutung im üblichen Alltag einer Jugendlichen, die verschiedenen Adressen genügen muß als da sind: Elternhaus, Gleichaltrigengruppe, Schule.
- ... gestatten Sie mir den Hinweis auf einen Aufsatz von Otfried Höffe „Drei Pioniere der Moderne, Machiavelli, Bacon, Hobbes“ im eben erschienenen Dezemberheft der Monatszeitschrift MERKUR.
Alle Listenfreunde der Luhmannschen Gedankenwelt wird es interessieren, wie Höffe – nicht zentral, eher en passant – Luhmanns Entmoralisierungsthese der Moderne als unvollständig kritisiert. Originalton Höffe: „… überprüfe man Luhmanns Modernisierungsthese: Ist sie so nüchtern triftig, wie der Soziologe behauptet? Gute Gründe sprechen dagegen. Denn neben einer gewissen Entmoralisierung findet in der modernen Gesellschaft auch eine Remoralisierung statt, sichtbar in der immer noch ungebrochenen Konjunktur angewandter und grundlegender Ethik. […] Die Moderne zeichnet sich durch zwei gegenläufige Bewegungen aus. Da sie häufig (fast) zeitgleich verlaufen, bilden sie zusammen ein fragiles Gleichgewicht, das von Entmoralisierung und Remoralisierung.“
- In der Postmoderne setzt der Wohlstand Moralisierungskräfte frei, sogar
können Moralisierungspositionen zu Stimmengewinnen führen, wenn sie medial freundlich vermittelt werden, und das marxistische Weihnachtsmannsyndrom des himmlische Gaben gratis austeilenden Gutundgernemenschen kann neuen Auftrieb erhalten.
- "Die Beine eines Hasen, scheu wie ein Reh, das Gedächtnis eines Elefanten und die Seele eines Lemmings - ganz klar: Bei unserem Kapitalmarktwolpertinger handelt es sich um nichts anderes als um das Kapital selbst. Wer es als Unternehmen, Investor oder Regierung anlocken will, tut gut daran, es nicht zu verschrecken mit Verhaltensweisen wie Bilanztricksereien, konfiskatorischen Steuern, regulatorischen Bärenfallen oder ideologiegetriebener Wirtschaftspolitik. Denn eines ist unser Kapitalmarktwolpertinger nicht: ein Esel." HANNO BECK
Text: F.A.Z., 28.01.2008, Nr. 23 / Seite 26 // Und für tüchtige Unternehmer gilt Ähnliches: während an einfachen Arbeitern meist kein Mangel besteht, kann man gute, an die Sicherung der Zukunft denkende Unternehmen durch hohe Steuern, staatlich verteuerte Energie und hohe Löhne vertreiben. Gute Unternehmer aber sind immer knapp und nicht so leicht zu ersetzen. Und Unternehmen müssen handeln, bevor es ihnen geht wie Benq und Motorola etc.
- Die PIN-Muttergesellschaft meldet nach dem Mindestlohnbeschluß der vereinigten Sozis Insolvenz an: die PIN-Mitarbeiter, die sich nicht in die soziale Hängematte gelegt haben, sollten den federführenden Bonzen Beck entsprechend bedenken.
- Natascha Kampusch (Focus 1/08): ein merkwürdiges Phänomen. Sie macht einen gescheiten und reifen Eindruck trotz ihrer Gefangenschaft von 10 bis 18 Jahren. Sie ist nicht depraviert oder traumatisiert, wie das die immer noch grassierende Milieutheorie jedem sich ritzenden Mädchen andichtet. Die genetische Disposition scheint zu dominieren, wobei offenbar auch äußerst negative Zumutungen wie die Freiheitsberaubung und die nötigende Interaktion mit ihrem Entführer eine stabile Entwicklung zulassen, vielleicht sogar weniger desorientieren als die Reizüberflutung im üblichen Alltag einer Jugendlichen, die verschiedenen Adressen genügen muß als da sind: Elternhaus, Gleichaltrigengruppe, Schule.
Sonntag, 27. Januar 2008
Wahnsinnsprogramm, Marc Aurel, iPod
5° b
- "Frau Ypsilantis Karte sticht nicht . Was Clement kritisiert: Hermann Scheers Energieprogramm für Hessen / Von Stefan Dietrich 23.1.08 FAZ / Es war die erste Trumpfkarte, die Andrea Ypsilanti auf den Tisch legte, nachdem sie die Spitzenkandidatin der SPD in Hessen geworden war: Hermann ..." Scheer, Lobbyist der Solarindustrie, die von Steuergeldern lebt, will gleichzeitig aus Kernkraft und Kohle aussteigen: ein Wahnsinnsprogramm. Daß eine beschränkte Sozialarbeiterin Ministerpräsidentin werden will, ist aberwitzig genug; daß sie einen Ökofanatiker zum Wirtschaftsminister machen will, das kann es wohl nur in einem Land geben, in dem auch ein beschäftigungsloser Kunstmaler Reichskanzler werden konnte.
- Auch eine Verrücktheit: Der kluge Marc Aurel macht seinen mißratenen Sohn zum Nachfolger auf dem Kaiserthron.
- Der kleine iPod, Apples Retter: seit Jahren verlor Apple Marktanteile an die schlechtere, aber billigere Microsoft-Welt, und 1994 etwa überlebte der Mac sogar nur mit einer Vorzugsaktienbeteiligung durch Bill Gates; was die leistungsfähigen und zuverlässigen Computer nicht schafften, das bewirken die kleinen, hübschen Unterhaltungskünstler: wieder steigende Marktanteile und gute Gewinne. Gut so, wenn auch kein Nachweis für die sapientia des homo sapiens sapiens.
- "Frau Ypsilantis Karte sticht nicht . Was Clement kritisiert: Hermann Scheers Energieprogramm für Hessen / Von Stefan Dietrich 23.1.08 FAZ / Es war die erste Trumpfkarte, die Andrea Ypsilanti auf den Tisch legte, nachdem sie die Spitzenkandidatin der SPD in Hessen geworden war: Hermann ..." Scheer, Lobbyist der Solarindustrie, die von Steuergeldern lebt, will gleichzeitig aus Kernkraft und Kohle aussteigen: ein Wahnsinnsprogramm. Daß eine beschränkte Sozialarbeiterin Ministerpräsidentin werden will, ist aberwitzig genug; daß sie einen Ökofanatiker zum Wirtschaftsminister machen will, das kann es wohl nur in einem Land geben, in dem auch ein beschäftigungsloser Kunstmaler Reichskanzler werden konnte.
- Auch eine Verrücktheit: Der kluge Marc Aurel macht seinen mißratenen Sohn zum Nachfolger auf dem Kaiserthron.
- Der kleine iPod, Apples Retter: seit Jahren verlor Apple Marktanteile an die schlechtere, aber billigere Microsoft-Welt, und 1994 etwa überlebte der Mac sogar nur mit einer Vorzugsaktienbeteiligung durch Bill Gates; was die leistungsfähigen und zuverlässigen Computer nicht schafften, das bewirken die kleinen, hübschen Unterhaltungskünstler: wieder steigende Marktanteile und gute Gewinne. Gut so, wenn auch kein Nachweis für die sapientia des homo sapiens sapiens.
Samstag, 26. Januar 2008
Orient und Okzident
mi 8° s Und pausenlos schlägt der Fink in der schon recht warmen Sonne.
- Wir sind zum Glück nicht Kinder des Orients
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2008, Nr. 21, S. 41
Im intellektuellen Rummel, den die These von Raoul Schrott über Homer als Schreiber in assyrischen Diensten auslösen wird, droht der Leitartikel von Dieter Bartetzko "Wir sind Kinder des Orients" (F.A.Z. vom 29. Dezember), der die ideologischen Konsequenzen von Schrotts "Entdeckung" zu ziehen versucht, unbemerkt zu bleiben. Dabei ist das, was einer Ihrer führenden Mitarbeiter auf Seite 1 Ihrer angesehenen Zeitung schreibt, möglicherweise wichtiger als Schrotts Sensations-These.
Daher ist es nicht müßig, auf drei Denkfehler in Bartetzkos Artikel hinzuweisen. Der erste besteht darin, dass suggeriert wird, es gebe einen einheitlichen "Orient" von der Hochkultur der Sumerer bis heute, von Gilgamesch bis Chomeini, Bin Ladin und Saddam Hussein. Man kann eine gewisse Kontinuität von den Sumerern über die Babylonier zum neuassyrischen Reich konstatieren, doch was dann folgte (Perserreich und Hellenisierung durch den Alexanderzug), war etwas ganz anderes. Dieses ganz andere wurde vollends militärisch erobert und kulturell fast vollständig verdrängt durch die kriegerische Kultur der arabischen Beduinen, die Mohammed als den Propheten Allahs ansahen. Auch wenn wir, der Okzident, "Kinder des Orients" im Sinne von Schrott und Bartetzko wären, wären wir dadurch noch nicht kulturgeschichtliche Zwillinge der Muslime, deren Herrschaft einen vollständigen Bruch mit dem, was im Nahen Osten vom Alten Orient übriggeblieben sein mag, brachte.
Der zweite Irrtum besteht in der Annahme, dass Thesen wie die von Schrott "ins allgemeine Bewusstsein von Abend- und Morgenland" eindringen könnten. Da der Islam nichts entwickelt hat, was als kritische Geisteswissenschaft und komparatistische Geistesgeschichte in unserem Sinne gewertet werden könnte, besteht absolut keine Gefahr, dass Homer und seine Beziehung zum Gilgamesch-Epos, das ja schließlich auch von Ungläubigen stammt, für Muslime irgendeine Bedeutung haben könnte.
Und drittens kann man nicht genug staunen über die Naivität der Annahme, die Erkenntnis, dass wir Westler "Kinder des Orients" sind, könnte zu "gegenseitigem Respekt" führen. Der Fehler steckt in "gegenseitig": Respekt gebührt dem Vater, also dem "Orient", die "Kinder", also wir, hätten uns allein in Gehorsam zu üben. Das erste und Wichtigste, was wir hinsichtlich der islamisch-westlichen Kulturbeziehungen verstehen müssen, ist die totale Verweigerung der Reziprozität: Wenn wir den Islam bei uns aufnehmen, ihn schützen und fördern, ihn Moscheen und Kulturzentren in großer Zahl bauen lassen, dürfen wir nicht erwarten, dass der Islam seinerseits dem Christentum denselben Respekt zollt, weder im Nahen Osten noch auch nur hier in unserem eigenen Land. Reziprozität ist ein Grundzug der homerischen Ethik. Im Gilgamesch-Epos findet sich einseitige Dominanz des Super-Helden Gilgamesch. Wir sind zum Glück nicht Kinder des Orients.
PROFESSOR DR. THOMAS ALEXANDER SZLEZÁK, TÜBINGEN
- Hätte sich Goethe auch schon denken können, immerhin hat er die Kurve in FAUST II indirekt noch bekommen, in späteren, klügeren Jahren.
- Wir sind zum Glück nicht Kinder des Orients
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2008, Nr. 21, S. 41
Im intellektuellen Rummel, den die These von Raoul Schrott über Homer als Schreiber in assyrischen Diensten auslösen wird, droht der Leitartikel von Dieter Bartetzko "Wir sind Kinder des Orients" (F.A.Z. vom 29. Dezember), der die ideologischen Konsequenzen von Schrotts "Entdeckung" zu ziehen versucht, unbemerkt zu bleiben. Dabei ist das, was einer Ihrer führenden Mitarbeiter auf Seite 1 Ihrer angesehenen Zeitung schreibt, möglicherweise wichtiger als Schrotts Sensations-These.
Daher ist es nicht müßig, auf drei Denkfehler in Bartetzkos Artikel hinzuweisen. Der erste besteht darin, dass suggeriert wird, es gebe einen einheitlichen "Orient" von der Hochkultur der Sumerer bis heute, von Gilgamesch bis Chomeini, Bin Ladin und Saddam Hussein. Man kann eine gewisse Kontinuität von den Sumerern über die Babylonier zum neuassyrischen Reich konstatieren, doch was dann folgte (Perserreich und Hellenisierung durch den Alexanderzug), war etwas ganz anderes. Dieses ganz andere wurde vollends militärisch erobert und kulturell fast vollständig verdrängt durch die kriegerische Kultur der arabischen Beduinen, die Mohammed als den Propheten Allahs ansahen. Auch wenn wir, der Okzident, "Kinder des Orients" im Sinne von Schrott und Bartetzko wären, wären wir dadurch noch nicht kulturgeschichtliche Zwillinge der Muslime, deren Herrschaft einen vollständigen Bruch mit dem, was im Nahen Osten vom Alten Orient übriggeblieben sein mag, brachte.
Der zweite Irrtum besteht in der Annahme, dass Thesen wie die von Schrott "ins allgemeine Bewusstsein von Abend- und Morgenland" eindringen könnten. Da der Islam nichts entwickelt hat, was als kritische Geisteswissenschaft und komparatistische Geistesgeschichte in unserem Sinne gewertet werden könnte, besteht absolut keine Gefahr, dass Homer und seine Beziehung zum Gilgamesch-Epos, das ja schließlich auch von Ungläubigen stammt, für Muslime irgendeine Bedeutung haben könnte.
Und drittens kann man nicht genug staunen über die Naivität der Annahme, die Erkenntnis, dass wir Westler "Kinder des Orients" sind, könnte zu "gegenseitigem Respekt" führen. Der Fehler steckt in "gegenseitig": Respekt gebührt dem Vater, also dem "Orient", die "Kinder", also wir, hätten uns allein in Gehorsam zu üben. Das erste und Wichtigste, was wir hinsichtlich der islamisch-westlichen Kulturbeziehungen verstehen müssen, ist die totale Verweigerung der Reziprozität: Wenn wir den Islam bei uns aufnehmen, ihn schützen und fördern, ihn Moscheen und Kulturzentren in großer Zahl bauen lassen, dürfen wir nicht erwarten, dass der Islam seinerseits dem Christentum denselben Respekt zollt, weder im Nahen Osten noch auch nur hier in unserem eigenen Land. Reziprozität ist ein Grundzug der homerischen Ethik. Im Gilgamesch-Epos findet sich einseitige Dominanz des Super-Helden Gilgamesch. Wir sind zum Glück nicht Kinder des Orients.
PROFESSOR DR. THOMAS ALEXANDER SZLEZÁK, TÜBINGEN
- Hätte sich Goethe auch schon denken können, immerhin hat er die Kurve in FAUST II indirekt noch bekommen, in späteren, klügeren Jahren.
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