Dienstag, 11. November 2008

Flach & gut


Reiche, FAZ; könnte Strizz eigentlich ein Sproß des Halbbruders von Ex-Taxifahrerminister Fischer sein?
Nahe dem rheinland-pfälzischen Berg haben sich Demonstranten an einen unter den Gleisen befindlichen Betonblock gekettet. "Nichts ist teuflischer als ein aufrührerischer Mensch", meinte Luther.

- Wunderbar ist das und schwächt auch nicht die Binnennachfrage:
"Flach & gut.
Eine gute Idee setzt sich durch - auch gegen viele Widerstände. Vor einem Vierteljahrhundert haben die amerikanischen Ökonomen Robert E. Hall und Alvin Rabushka eine Idee in die steuerpolitische Arena geworfen, die so revolutionär wie anziehend ist: die "Flat Tax". Gemeint ist eine Einkommensteuer mit einem einzigen flachen (nichtprogressiven) Tarif, der alle Einkommen gleichmäßig erfasst. Im Gegenzug sollten alle Ausnahmen und Absetzungsmöglichkeiten bis auf einen Familienfreibetrag entfallen. Mit einer "Flat Tax" passe die Steuererklärung auf eine Postkarte, warben Hall und Rabushka. Sie bedeute eine enorme Vereinfachung, spare Hunderte Milliarden an Verwaltungskosten, unterstütze Steuerehrlichkeit und die Bildung von Kapital und sporne Wirtschaft und Bürger zu mehr Leistung an, wenn die Steuerlast mit steigendem Einkommen nicht immer mehr zunehme.
Die Idee der "Flat Tax" hat viele Freunde gewonnen und ist in der Praxis erprobt worden: Halb Osteuropa hat mittlerweile mehr oder weniger konsequente Varianten eingeführt, freut sich Rabushka im Vorwort zur deutschen Übersetzung seines Steuerkonzepts. Estland hat 1994 eine Einheitssteuer beschlossen, deren Satz auf 18 Prozent gesenkt wurde; es folgten Lettland und Litauen, dann Russland, Serbien, die Ukraine und die Slowakei, die Einkommen, Gewinne und Konsum seit 2004 einheitlich mit 19 Prozent besteuert. Jüngst kamen "Flat Tax"-Reformen in Georgien, Rumänien, Kirgistan und Mazedonien hinzu. Von Osten schieben sich die niedrigen Einheitssteuern immer näher an die alte EU heran (eine gewisse Ironie ist, dass eine Liechtensteiner Stiftung das "Flat Tax"-Buch herausgibt, die gute Kontakte zum Fürstenhaus und zur LGT-Bank hat, die noch ganz andere Steuersparmodelle anbietet). Rabushka hebt aber hervor, dass die Einheitssteuer zu höheren Steuereinnahmen geführt habe, weil die Wirtschaft sich - auch dank der Reform - sehr dynamisch entwickelt.
Neben all den ökonomischen Vorteilen, die Hall und Rasbushka überzeugend darstellen, bemühen sie sich auch um den Nachweis, dass ihre "Flat Tax" durchaus fair sei. Sie wollen den Einwand entkräften, dass es nicht gerecht sei, "wenn der Chef und die Sekretärin dasselbe zahlen" - so hieß es in Deutschland, als Kirchhofs Variante diskutiert wurde. Zum einen ist diese Kritik sachlich falsch, weil auch mit einer proportionalen Steuer der Großverdiener sehr viel mehr zahlt; zum anderen gibt es gute ethische Argumente für eine proportionale Steuer. Vor allem entspricht die Einheitssteuer dem Prinzip der Gleichheit vor dem Recht weit mehr als "Progressionsraten, mit denen eine Minderheit diskriminatorisch besteuert wird", wie Kurt Leube in der lesenswerten Einleitung schreibt."
PHILIP PLICKERT Buchtitel: Flat Tax
Buchautor: Hall, Robert E.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2008, Nr. 216 / Seite 10

Montag, 10. November 2008

Luther, Obama


- Luther: Geburtstag 10. November 1483; Prototyp eines innengeleiteten Menschen, wie er Riesman vor Augen stand; mit seiner Bibelneuübersetzung wirkt er bis heute auf das Deutsche, das zu verhunzen sich der protestantische Bibelverschnitt "in gerechter Sprache" heutzutage bemüht.

- Obama wird Präsident: Amerika rückt nach links. Von Claus Tigges
FAZ 05. November 2008 Einen Vorwurf muss sich John McCain nicht gefallen lassen: die miserable Verfassung der Wirtschaft und ihre Bedeutung im Rennen um das Weiße Haus unterschätzt zu haben. „It’s the economy, stupid!“: Jener berühmt gewordene Slogan Bill Clintons aus dem Wahlkampf gegen George H. W. Bush, er trifft auf den Republikaner aus Arizona nicht zu. Dass es am Ende nicht gereicht hat für McCain, hat seinen Grund nicht nur in taktischen Missgeschicken und Unzulänglichkeiten seines wirtschaftspolitischen Programms; die Zuspitzung der Finanzkrise hat es Barack Obama leichter gemacht, mit seiner Botschaft vom „Wechsel“ bei den Wählern durchzudringen und den republikanischen Widersacher in Mithaftung zu nehmen für die Politik von Präsident George Bush. Den Sieg hat der Demokrat auch deshalb davongetragen, weil viele Amerikaner am Dienstag ein vernichtendes Urteil über die Wirtschaftspolitik der vergangenen acht Jahre gefällt haben.
Obama ist um den Zeitpunkt seiner Wahl nicht zu beneiden. Das Finanzsystem des Landes steht am Abgrund, der Häusermarkt liegt darnieder, und die durch die Vertrauenskrise an den Märkten verursachte Kreditklemme hat die Wirtschaft wohl endgültig in die Rezession getrieben – zum ersten Mal seit acht Jahren.
„New Deal“bildet noch heute den Sockel des amerikanischen Sozialsystems
Die Stimmung im Land ist so schlecht, dass in der öffentlichen Diskussion über die Ursachen der Krise und mögliche Auswege oft der Vergleich zur Großen Depression gezogen wird, jener schlimmen Zeit in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in der Tausende von Banken zusammenbrachen, Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren und vielerorts Not und Elend herrschten. Davon sind die Vereinigten Staaten glücklicherweise ein gutes Stück entfernt, und die Gefahr einer Wiederholung ist gering, nicht zuletzt weil die Notenbank ihre Aufgabe als „Kreditgeberin der letzten Instanz“ ernst nimmt.
Die Erwartungen an Obama sind gleichwohl äußerst hoch gesteckt. Viele Amerikaner erhoffen sich ähnlich Wegweisendes wie den „New Deal“, jenes Bündel von Reformen, die unter dem Eindruck der Depression von Präsident Franklin D. Roosevelt ins Werk gesetzt wurden und die noch heute den Sockel des amerikanischen Sozialsystems bilden: Die staatliche Rentenversicherung, der gesetzliche Mindestlohn und eine Arbeitslosenversicherung, sie alle sind Teil des „New Deal“.
Umverteilung, nicht Chancengleichheit lautet Obamas Parole.
Die große Verunsicherung vieler Amerikaner schlägt sich in dem Wunsch nach einer stärkeren Hand des Staates und mehr organisierter Solidarität nieder. Dafür steht Obama, nicht McCain. Sein Plan für eine umfassende Krankenversicherung setzt auf staatlichen Zwang, die vorgesehenen Steuererhöhungen für Spitzenverdiener auf eine Verschärfung der Progression in der Einkommensteuer. Und sein Versprechen, das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada „nachzubessern“, zielt auf höhere Handelsbarrieren – zum vermeintlichen Schutz amerikanischer Arbeiter. Umverteilung, nicht Chancengleichheit lautet Obamas Parole, die er in dem Versprechen ausgegeben hat, „den Wohlstand zu verteilen“.
Die Wohltaten, die der Demokrat dem amerikanischen Volk in Aussicht gestellt hat, kosten Geld, viel mehr, als sich durch den tieferen Griff in die Taschen der Reichen holen lässt. Hinzu kommen seine Pläne für ein milliardenschweres Konjunkturpaket, das über Investitionen in die Infrastruktur der Wirtschaft auf die Sprünge helfen soll. Auch haben die Aufräumarbeiten im Finanzsystem gerade erst begonnen. Obama muss sie fortsetzen, und es ist noch nicht klar, wie sehr sie den Staatshaushalt letztlich belasten werden. Es ist bedauerlich, dass der Demokrat bisher kein Wort über eine Verringerung des schwindelerregend hohen Haushaltsdefizits verloren hat. Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen tut not, damit mehr Kapital für private Investitionen bleibt und nicht so viele Milliarden als Zinszahlungen an ausländische Gläubiger fließen müssen.
Obama muss erkennen: Auch der amerikanische Staat hat versagt.
Amerika rückt durch die Wahl Obamas nach links. Das gilt umso mehr, als sich der Demokrat auf eine komfortable Mehrheit der eigenen Partei im Kongress stützen kann. In dem Bemühen, nun vieles anders und vor allem besser zu machen für die breite Mittelschicht, sollte der 44. Präsident der Vereinigten Staaten nicht dem Trugschluss erliegen, die aktuelle Krise sei ausschließlich der Zügellosigkeit freier Märkte zuzuschreiben. Auch der amerikanische Staat hat versagt, indem er das Wohneigentum über die Maßen gefördert und damit entscheidend zur Preisblase auf dem Immobilienmarkt beigetragen hat. Diese Einsicht ist wichtig, damit die notwendige Adjustierung des marktwirtschaftlichen Rahmens nicht zu einer die Wachstumskräfte erstickenden Überregulierung gerät.
Man mag George Bush einiges vorhalten, auch in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Doch in einem hat der Texaner, dessen Amtszeit sich nun dem Ende zuneigt, ganz gewiss recht: Ein demokratischer Kapitalismus ist das beste Wirtschaftssystem, das Menschen je erdacht haben.
- Lars Vollmar, Kommentar zum Komm.: Amerika rückt nach deutschen Verhältnissen in die Mitte.
Für amerikanische Verhältnisse - v.a. im Vergleich zu den Republikanern - ist die Programmatik Obamas sicherlich links. Nach deutschen Maßstäben kann man jedoch höchstens von liberal sprechen. Die Gleichsetzung des amerikanischen mit dem deutschen Links-Rechts-Schema funktioniert nicht. Es ist erstaunlich, dass sich deutsche Politiker in Obamas Glanz sonnen wollen und dass Menschen Obamas Wahl bejubeln, die das von ihm vertretene Programm bei einer deutsche Partei als "neoliberal" kritisieren würden. Obama fordert - einen Einkommenssteuer-Spitzensatz von 36% - steuerliche Entlastungen für die Mittelschicht (was laut Programm ein Monatseinkommen bis 16.000 Euro umfasst) Die Krankenversicherung soll dadurch erschwinglich für alle Amerikaner werden, dass mehr echter Wettbewerb zwischen den Versicherungen geschaffen wird. Auch die von Obama geplante staatliche Versicherungskammer tritt in Wettbewerb mit den Privaten. Der von Claus Tiggens erwähnte "staatliche Zwang" sind in Wahrheit vom Staat vorgegebene Regeln für den Wettbewerb im Versicherungsmarkt. Es gibt aber weiterhin keine Versicherungspflicht.

Sonntag, 9. November 2008

Hoher Herbst, Shakespeare, Nietzsche, Spiegelneuronen, Berliner Mauer

Die Bucheckern fallen, das Laub haftet. 8-10° regn.

- Herr O. soll heute auf dem Michigan-See gewandelt sein, Donnerwetter, he can.

- Wir sind solcher Stoff
Als wie zu Träumen
Und dies kleine Leben
Umfaßt ein Schlaf.

Shakespeare, Sturm IV,I

- Bayer bestätigt Prognose für 08 und erhöht für 09. Wincor N. erwartet stagnierendes Geschäft. HR Jan.-Sept. mit Verlust, streicht D.

- Nietzsche Die fröhliche Wissenschaft Anhang. Lieder des Prinzen Vogelfrei
Nach neuen Meeren

Dorthin — will ich; und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, in's Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit
Nur dein Auge — ungeheuer
Blickt mich's an, Unendlichkeit!

- Auch erfreulich: Ludwig Jäger kramt nicht mehr in der Soziolinguistik alter Kiste wie seinerzeit in Duisburg:
'07. November 2008 Den Verächtern der visuellen Kultur wird momentan das Leben schwer gemacht. Denn auch von akademischer Seite springt man ihr längst bei. Am verblüffendsten vielleicht der Aachener Philologe Ludwig Jäger im Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte „Nach Feierabend“. Unter Rückgriff auf evolutionsbiologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse rollt er die Frage nach Herkunft und Natur der Sprache auf. Allgemein anerkannt ist längst die These, dass die Aufrichtung des Gangs ein entscheidender Moment für die Entwicklung der menschlichen Spezies war.
Überraschender ist die Einsicht, dass das Freiwerden der Hand nicht nur die technische Entfaltung des Menschen möglich machte, sondern auch die Entwicklung einer vielschichtigen Gebärdensprache. Erst nach vermutlich vielen hunderttausend Jahren „fand dann offenbar mit der Auslagerung der Sprache aus dem gestisch-visuellen in das vokal-auditive System eine zweite Befreiung der Hand statt: Sprachliche Instruktion und technisches Handeln konnten nun in ein neues komplexes Verhältnis treten, das offensichtlich zu einem revolutionären kulturellen Schub führte.“
Wort gegen Bild, ein hegelianisches Erbe
Für die Gestensprache, zu der man Ansätze schon bei Primaten findet, macht Jäger die Spiegelneuronen verantwortlich, jene Hirnzellen, die nicht nur bei Tätigkeiten ihres Besitzers aktiv werden, sondern auch, wenn er Handlungen seiner Artgenossen beobachtet. Hier liegen die Wurzeln für eine „gemeinsame Kodierung von Rezeption und Aktion“ und damit für eine symbolische Darstellung von Handlungszusammenhängen.
Genau dieses Vermögen zur Nachahmung führte zur Gebärdensprache, die als Inszenierung im Ausdrucksbereich der Hand nicht weniger begrifflich und abstrakt war, als die heutige Wortsprache seit jeher an impliziten Bildern reich ist. Jäger erinnert daran, dass das medienkritische Ressentiment gegenüber der „Aufdringlichkeit des Piktoralen“ auf Hegel und den deutschen Idealismus zurückgeht, der das Wort im Namen der befreienden Abstraktion gegen das Bild in Stellung brachte. ..." FAZ

- Da war doch noch was?: Die Berliner Mauer „fiel“ in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz. Es wird fast totgeschwiegen. Man sollte sich aus diesem psychotischen Land verabschieden.

- Wenigstens das: "Freiheitspreis
Der Bekenner: Frankfurt feiert Mario Vargas Llosa
Vom Geschmack der Freiheit: Mario Vargas Llosa während seiner Dankesrede
09. November 2008 Freiheit ist ein Erfrischungsgetränk. Wer wissen will, wie sie schmeckt, sollte ein Glas Kola Real probieren, wenn er Südamerika bereist. Denn diese Limonade, die vor zwanzig Jahren in einer der ärmsten Gegenden Perus von einem gewissen Jorge Añaño entwickelt und von seiner Familie in der Küche des Hauses in Ayacucho abgefüllt wurde, hat seither den Durst von Millionen Menschen gestillt - nicht nach Zuckerwasser, sondern nach Veränderung. Der Zauber des Tranks lag in der Erkenntnis: Das, was ist, kann anders werden. ..." FAZ

Samstag, 8. November 2008

Anna Jacobson Schwartz zu Bernanke; SUN, Sunstein, Gedächtnisbildung


Anna Jacobson Schwartz

Golden weh'n die Blätter nieder.

Weiter sonnig! 5-11°

- Gut für SUN! : " Bechtolsheim hält Sun die Treue . Andreas von Bechtolsheim wird weiterhin für Sun Microsystems arbeiten. Darüber hinaus ist der deutsche Mitbegründer des amerikanischen Computer- ..." 25.10. FAZ

- " Der geröntgte Patient "strahlt" nicht.
Leser Thomas Springsguth unterliegt in seiner Replik ("Das Röntgen erzeugt auch strahlenden Müll", F.A.Z. vom 22. Oktober) auf Robert Spaemann ..." 6.11.

- Anna Jacobson Schwartz: http://www.boersennotizbuch.de/die-fed-fuehrt-den-falschen-krieg.php
"Die Fed führt den falschen Krieg? 21. Oktober, 2008
Die Generäle führen bekanntlich immer den letzten Krieg… Tut das auch die Fed? Bekämpft die US-Zentralbank die Finanzkrise mit den Mitteln und Strategien, die früher — genauer: zu Zeiten der Großen Depression 1929 — geeignet gewesen wären, heute aber nicht?
So klingt zumindest Anna Schwartz, eine der letzten lebenden Zeugen jener Zeiten, die außerdem (erwiesenermaßen) höchsten Sachverstand mitbringen kann. Die 93-jährige Dame “wurde bekannt, als sie mit ihrem Mentor Milton Friedman das Buch A Monetary History of the United States, 1867–1960 verfasste, in dem der Keynesianismus kritisiert und der Monetarismus begründet wird” (Wikipedia). Heute ist sie Ökonom bei The National Bureau of Economic Research.
Für The Wall Street Journal äußert sie unverhohlen Kritik an die Handlungsweise der Fed in der Krise. Den ganzen Text kann ich nur empfehlen: Bernanke Is Fighting the Last War.
Für die Ungeduldigen:
Wir haben es nicht mit Liquiditätskrise zu tun, sondern mit Krise der (faulen) Bilanzen
Die Krise ist wahrscheinlich am deutlichsten am Interbankenmarkt zu spüren — die Banken leihen sich kaum Geld, die Zinsen dort weisen extreme Aufschläge auf… Das Problem ist jedoch nicht fehlende Liquidität, so Anna Schwartz, das Problem ist Zweifel an der “Gesundheit” bzw. “Glaubhaftigkeit” der Bilanzen. Auch wenn die Fed die Märkte mit Liquidität “flutet” (was sie in der Tat gemacht hat), kommt es zu keiner Entspannung, eben weil die Liquidität wenig Grundsätzliches für die Genesung der Bilanzen beigetragen hat.
In den 30er gab es eine Liquiditätskrise und lehrbuchmäßige Bank Runs. Damals ist die Fed weitestgehend untätig geblieben und hat damit Panik zugelassen, die selbst solvente Finanzinstitute in den Bankrott trieb… Die Große Depression ist eine direkte Folge dieser verfehlten Zentralbankpolitik gewesen. Ben Bernanke kennt die Geschichte der 30er ausgezeichnet. Er habe wiederholt betont, dass die Fed ihre Lektion gelernt habe und ein ähnliches Desaster nie wieder zulassen würde.
Mit den Liquiditätsinjektionen hat die Fed alles nur in die Länge gezogen
Und die Fed unternimmt Vieles, um ein solches Desaster abzuwenden. Aber leider ist das, was uns jetzt bedroht, nicht die gleiche Krise wie in den 30er. Es ist eine andere, die andere Gegenmittel verlangt. Mit ihren massiven Liqiditätsinjektionen habe die Fed die Krise nur verlängert und ungesunde Banken unnötig am Leben erhalten.
Die Fed handelt unstrukturiert, scheinbar willkürlich, was den Markt verwirrt
Die Fed handelt, das stimmt. Doch Anna Schwartz vermisst klare Struktur und Prinzipien in den Handlungen. Sie sieht auch eine viel zu große Angst, Banken fallen zu lassen. Das ständig wiederholte, ja angedrohte “systemic risk” hält sie eigentlich für überzogen. Eine klare Linie, selbst wenn diese mehr Pleiten bedeuten sollte, wäre hilfreicher.
Erst müssen die Bilanzen ausgemistet werden
Ein großer Schritt wäre also, wenn die Banken (irgendwie) die schlechten Papiere los werden könnten. Wenn die Bilanzen bereinigt wären. Das würde echte Entspannung bringen.
Der ursprüngliche Plan von Henry Paulson sah nicht zufällig vor, die “toxischen Papiere” von den Banken aufzukaufen. An sich keine schlechte Sache. Aber mit einem unangenehmen Aspekt — zu welchem Preis soll die Regierung die Papiere kaufen? Sollte man einen aktuellen Marktpreis ansetzen, würde dies bedeuten, die Verluste (die noch nur auf dem Papier stehen) realisieren zu lassen und auf diese Weise mit einem Schlag etliche Institute direkt in die Insolvenz zu schicken. Ganz zu schweigen, dass für die Problempakete praktisch kein Markt existiert.
Deswegen wechselte auch Paulson die Richtung und wird eher (bzw. auch) den “europäischen” Weg gehen und den Staat bei den Banken mit Eigenkapital beteiligen. Es ist ein Umweg, den Anna Schwartz als “Rettungsplan für die Banken” und nicht mehr als “Rettungsplan für das Finanzsystem” bezeichnet. Es bestehe ein Unterschied.
Und, ja, Alan Grenspans zu expansive Geldpolitik ist eine der wichtigsten Ursachen für die Krise…
Das war die Kurzfassung. Besser jedoch unter dem Link unten, den ganzen Text zu lesen…" : http://online.wsj.com/article/SB122428279231046053.html
(Anna Jacobson Schwartz (* 1915) ist eine amerikanische Ökonomin.
Sie wurde bekannt, als sie mit ihrem Mentor Milton Friedman das Buch A Monetary History of the United States, 1867–1960 verfasste, in dem der Keynesianismus kritisiert und der Monetarismus begründet wird.)

- ARD: Öffentlich-rechtlicher Krimi-Dreck zur Familien-Abendunterhaltung: Ohne das Cassius-Clay-Bild wäre mir die Kritik gar nicht aufgefallen, so aber muß ich wahrnehmen, daß die öffentlich-rechtlichen Geschmacklosigkeiten, die ich auch noch mit Zwangsgebühren finanziere, weil ich Bloomberg und arte sehe, inzwischen, zur 20h-Zeit, ins Ungeheuerliche, Unzivilisierte gewuchert sind : "Einer gegen alle. Von grausamsten Verbrechen: Im neuen "Tatort" aus Münster ist nichts, wie es war. ...
Eine Frau, den Mund mit Paketband verklebt, liegt gefesselt auf dem Bett ihrer Wohnung und erwartet - nicht zum ersten Mal -, dass ihr Peiniger wiederkommt. Der macht Pause, fühlt sich im anderen Zimmer wie zu Hause, guckt Fernsehen und benutzt die Toilette im Stehen, bevor er sich seelenruhig seinem Opfer zuwendet. Statt Zeuge einer körperlichen Vergewaltigung allein wird der Zuschauer Zeuge einer bis in Einzelheiten ausgekosteten Erniedrigung. Es ist ein Machtspiel mit dem Ziel der psychischen und physischen Vernichtung der weiblichen Zielscheibe, das sich hier während der nächtlichen Wolfsstunde vor dem Grauen des Morgens abspielt. Das Opfer, eine junge Jurastudentin, wird am nächsten Tag erwürgt aufgefunden. Wer die ersten zwei Minuten schaut, wird zwar sehen, wie Kommissar Thiel (Axel Prahl) um drei Uhr nachts auf dem Sofa schläft, während auf dem Schirm ein Porno läuft ... "

- "Obamas Berater Cass Sunstein. Der Knoten im Netzwerk. ... Was er denkt, wofür er steht? Nicht leicht zu sagen, denn Sunstein steht gar nie. Er schreibt, mit anderen Worten, zu schnell, als dass man zu einem gegebenen Zeitpunkt genau feststellen könnte, ob er gerade konservativ oder liberal oder neoliberal oder wohlfahrtsstaatlich argumentiert. Sein eigenes Wort dafür ist „libertärer Paternalismus“, was wohl so viel heißt wie: mal so, mal anders.
Das passt zu seiner Produktivität, Sunstein hat mehr Bücher publiziert, als er sich merken kann, und über mehr Themen, als alle anderen sich merken können, darunter das genetische Klonen, reaktionäre Richter, den Versicherungsstaat, die Todesstrafe - die er befürwortet, weil auf jeden Hingerichteten siebzehn durch Abschreckung verhinderte Morde kämen -, ..." 7.11. FAZ

- Gedächtnisbildung: "Hippokampale Östrogensynthese und synaptische Plastizität, Lars Fester et al. ... daß nicht das Ovar die Quelle für Östrogen induzierte synaptische Plastizität im Hippocampus ist, sondern dieses aus dem Hippokampus selber stammt ... und haben damit einen Paradigmenwechsel eingeleitet, der Östrogen als Neuromodulator unabhängig vom Geschlecht identifiziert. ... Die Hemmung der Östrogensynthese zieht einen Synapsenverlust nach sich und die Langzeitpotenzierung ist nicht mehr induzierbar. ..." Neuroforum Nov. 2007, S. 127, Organ der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft

Freitag, 7. November 2008

Die Erbschaftsteuer vernichtet gezielt Kapital


Der Herbst hat wirklich noch ein paar schöne Tage!

MR warnt erneut für 2008, bestätigt für 09, D bleibt.
SAP setzt die Weihnachtsfeiern ab; " Pfeiffer Vacuum optimistisch für 2009 . ASSLAR, 4. November (dpa). Der Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum ist nach einem Umsatz- und Gewinnplus in den ersten neun Monaten dieses ..." 5.11. FAZ
HENKEL wird von der WestLB (Kz 26) empfohlen, von UBS herabgestuft.

- Interessante Zahl: 23.000 mal atme der Mensch täglich ein, meint die VW-Werbung, deshalb baue VW so schadstoffarme Autos. Da können wir ja mehr Kerzenabgas, halbverbrannte Kohlenwasserstoffe inhalieren!

- Arktis: Eis und Kälte nehmen wieder zu . 400 000 Quadratkilometer nahm 2008 die Arktiseisfläche zu (FAZ 30.8./ "Arctic sea ice continues rebound", s. http://wattsupwiththat.com/2008/10/31/arctic-sea-ice-continues-rebound/) - tut mir leid für die Arktisanrainer! Antarktis:
"Kälterekord lässt Eisdecke wachsen" 21.4.08 FAZ . Churchill würde heute formulieren: Glaube nur den Statistiken und Computersimulationen, die du selbst fabriziert hast.

- Sklaverei ist noch längst keine Vergangenheit. Der Journalist E. Benjamin Skinner folgt den Spuren des Menschenhandels über vier Kontinente. Rez. FAZ 6.11. E. Benjamin Skinner: "Menschenhandel". Sklaverei im 21. Jahrhundert. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008. 412 S., geb., 19,95 [Euro].

- " Islamwissenschaft. Die aus Mekka fuhren nicht zur See . Am Anfang war kein Dogma: Ein Gespräch mit der Historikerin Patricia Crone über das Milieu, aus dem Mohammed kam. / / Von Rainer Hermann / / 'Wir wissen so gut wie nichts über den Ausfstieg des Islam', sagt Patricia Crone, Historikerin und Islamwissenschaftlerin in Princeton ..." 6.11. FAZ

- 'Wirtschaftswissenschaftler van Suntum:
Die Erbschaftsteuer vernichtet gezielt Kapital

Nochmal Steuern aus bereits versteuertem Einkommen zahlen? Ist das gerecht?

„Eine Erbschaft ist ein Geschenk aus voll versteuertem Einkommen“, sagt Wirtschafts-wissenschaftler van Suntum. Deshalb gehört die Erbschaftsteuer abgeschafft - aber nicht ersatzlos, so sein Vorschlag. Statt dessen fordert er höhere Einkommensteuern für Erben wie Nichterben. Ein Interview.

Herr van Suntum, Sie fordern das hierzulande Undenkbare: die Abschaffung der Erbschaftsteuer und deren Umlegung auf die Einkommensteuer. Warum?

Schweden und Österreich erheben auch keine Erbschaftsteuer. So unvorstellbar ist das also nicht. Die Erbschaftsteuer stammt schließlich aus einer Zeit, in der es noch keine richtige Einkommensteuer gab. Heute haben wir aber ein ausgebautes Einkommensteuerrecht mit entsprechend hohen Sätzen. Deshalb erübrigt sich die zusätzliche Besteuerung der Erbschaften, zumal die Erbschaftsteuer in Wirklichkeit die Leistungsfähigkeit der Erben gar nicht berücksichtigt. ...' 10. Oktober 2007 FAZ

- 7. November 1913: Geburtstag des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus: er hat nur einen gescheiten Satz geschrieben, und den zu pathetisch formuliert: Man muß sich Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen.