Sonntag, 22. März 2009

„Die Finanzkrise ist nur ein Unfall“, Elisabeth Blackburn und Carol Greider




Eingefärbte Telomere von Chromosomen.

Elisabeth Blackburn (links) und Carol Greider
posieren am Samstag vergangener Woche mit der Büste Paul Ehrlichs in der Frankfurter Paulskirche.

- Blackburn, Greider: "Altersforschung
Ausfransende Chromosomen
Menschen altern, Menschen sterben. Diktieren Gene den Zeitplan der Vergreisung, oder gibt die Umwelt den Ton an? Beginnt das Leben mit einer hochgeordneten Embryonalentwicklung, und endet es in einem Durcheinander aus zufälligen Schäden, die den Tod besiegeln? Mit der Entdeckung eines Unsterblichkeitsenzyms haben die beiden Preisträgerinnen des diesjährigen Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preises eines der aufregendsten Forschungsfelder begründet, das die Wissenschaft zu bieten hat." 17.3. FAZ

- Im Gespräch: George Friedman, Stratfor
„Die Finanzkrise ist nur ein Unfall“
George Friedman, CEO von Stratfor in Austin
FAZ 20. März 2009 Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist nicht nur einer Erfahrung, sondern auch ein publizistisches Phänomen. Wollten sie viele zunächst nicht wahrhaben, so bietet sie ihnen heute eine gute Plattform, um selbst abstruse Thesen vertreten zu können.
„Die Krise markiere das Ende des Kapitalismus,“ heißt es beispielsweise - oder sie „beende die wirtschaftliche und militärische Dominanz der Vereinigten Staaten“. Solche Thesen weist jedoch George Friedman weit von sich. Denn das Gegenteil sei der Fall, erklärt der Gründer der im texanischen Austin beheimateten Denkfabrik Stratfor. Die nächsten 100 Jahre würden sogar von ihnen dominiert werden.
Zumindest aus längerfristiger, geopolitischer Sicht seit die laufende Finanzkrise nicht mehr als ein im Kapitalismus vorgesehener, immer wieder vorkommender aber vorübergehender Unfall. Wer erinnere sich schon noch an die amerikanische Finanzkrise von 1982, an den verlorenem Vietnam-Krieg oder die Demütigungen in Iran, fragt er provozierend.
Herr Friedman, der Kapitalismus habe sich überlebt, erklären kritische Stimmen aus dem linken Lager mit Verweis auf die aktuelle Krise. Haben sie recht?
Nein. Der Kapitalismus zeichnet sich grundsätzlich durch konservative Anleger aus, die auf der Suche nach höheren Renditen sind, ohne zusätzliche Risiken in Kauf nehmen zu wollen. Auf der anderen Seite stehen die Banken, die ihnen genau das bieten. …

… wir sehen die Risiken gerade …

… ja, aber lassen sie uns beispielhaft auf die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts schauen. Die Insolvenz der Staaten in der dritten Welt und das Ende der Kreditvergabe schien damals die Weltwirtschaft zu zerstören. Viele Banken sind kollabiert. Im Jahr 1982 lag die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten etwa bei elf Prozent, die Inflationsrate lag bei zehn Prozent und der Häusermarkt lag vollständig am Boden.

Das internationale System intervenierte und kreierte die so genannten Brady Bonds. Sie waren in Kern nichts anderes als ein Konsortium von Staaten, die die problematischen Kredite garantierten. Das war vor 25 Jahren. Wenn Sie nun heute in den Zeitungen lesen, „das ist die Schlimmste Krise seit 25 Jahren“ - so war die damals schlimmer. Aber auch damals hieß es schon, der Kapitalismus habe versagt.
Ich kann mich noch an die 70er-Jahre erinnern, in welchen in Amerika der Markt für Kommunalanleihen kollabierte. Damals musste die Bundesregierung New York City vor der Pleite retten. Es war übrigens die Zeit, in der Chrysler zum ersten Mal vor dem Bankrott bewahrt werden musste.

Was sagt uns das?
Das Modell der Kapitalismus macht es möglich, durch Staatseingriffe den Nettowert eines Landes zu monetarisieren, um die Wirtschaft zu retten. Wenn man an die persönliche Insolvenz denkt, so blickt man weniger auf das Arbeitseinkommen, als vielmehr auf die Vermögenslage. Stehen Schulden in Höhe von 10.000 Dollar bei einem Einkommen von 1.000 Dollar ein Vermögen von 2.000.000 Dollar gegenüber, so ist das kein Problem. Überträgt man diese Denkweise auf die Vereinigten Staaten, so haben die Vermögenswerte des Landes im Moment einen Gegenwert von 339 Billionen Dollar. Die extremsten Schätzungen für Not leitende Kredite liegen zwischen drei und fünf Billionen Dollar. Selbst wenn sie das Mehrfache betragen sollten, ist das lösbar. Denn der Staat kann sein Vermögen gegen die Verbindlichkeiten stellen. Sei es, indem er Geld druckt oder indem er Steuern erhebt.

… aber das hat doch Konsequenzen!
Sicherlich, indem Eingriffe den Cashflow beziehungsweise die Geldströme beeinflussen. Aber selbst die lassen sich lösen. Abgesehen von Ausnahmen wie Island - dort ist die Lage hoffnungslos - oder Ungarn, wo es schwierig ist, natürlich.

… als Folge ihres Missmanagements.
Man kann auch sagen, es war die Folge davon, dass die europäischen Regierungen ihr Bankensystem haben aus dem Ruder laufen lassen. Manche argumentieren, die Amerikaner seien Schuld an der Finanzkrise. Die Antwort ist: Das mag sein, aber ihr Europäer habt sie euch hereingeholt! Finanzielles Versagen ist mit dem Kapitalismus systemimmanent verbunden. Meistens trifft es die konservativen Anleger am stärksten.
Blickt man aus geopolitischer Sicht auf die vergangenen 300 Jahre zurück, so sahen wir verschiedenste schwierige Phasen. Angefangen von der großen wirtschaftlichen Depression bis hin zur aktuellen Krise. Sie haben jedoch die grundlegende Entwicklung im 20. Jahrhundert nicht wirklich verändert. Es ist von drei Entwicklungen dominiert worden: Vom Verfall und dem Untergang des europäischen Imperialismus, der Vervierfachung der Weltbevölkerung sowie von der technologischen Revolution in Kommunikations- und Transportwesen.

Und wie sieht der Blick nach vorne aus?
Das einundzwanzigste Jahrhundert wird von der amerikanischen Übermacht im wirtschaftlichen und militärischen Bereich geprägt werden. Während weltweit die Geburtenraten zurückgehen, legen sie in den Vereinigten Staaten zu. Das Land bietet zudem viel Raum für weitere Zuwanderungen. Amerikas Macht kommt aus dem Land selbst, aus seiner überragenden Wirtschaftsmacht, aus der Kontrolle des Weltraums und aus seiner Fähigkeit, nachwuchsfreudige Einwanderer zu integrieren. Selbst das Energieproblem lässt sich lösen. Die Nasa arbeitet längst an Plänen, um Solarkraftwerke im Weltraum zu errichten und um die gewonnene Energie auf die Erde zu transferieren.
Das Gespräch führte Christof Leisinger
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Das Ganze klingt ein bißchen vollmundig, insbesondere der Hinweis auf Nasa-Pläne für Solarkraftwerke, da die Erde noch voller Öl steckt und die Kernkraftwerke bereits bestens funktionieren. Aber die zeitgeschichtliche Perspektive gibt einen guten Maßstab an die Hand. Die amerikanische Wirtschaft wird die produktivste der Welt bleiben und die Arbeitlosenrate weiterhin eine der sozialsten ( im Januar betrug die Arbeitslosigkeit in den USA 7,6 Prozent, in Frankreich 8,3%, Deutschland 8,5%, Spanien 14%) . In den USA suchen die Leute Arbeit, in Frankreich haben sie gerade einen Generalstreik mit den angeschlossenen Krawallen angezettelt. Die Krisen der Marktwirtschaft werden köstlich bleiben im Vergleich zu den jahrzehntelangen Hunger- und Massenmorddiktaturen von Moskau bis Peking.

- - Nicht nur Darwin: Geoffroy Saint-Hilaire, Etienne, 1772-1844 . In der Philosophie anatomique (1818-22) entwickelte Geoffroy die Theorie, dass der Körperbau von Wirbeltieren und Wirbellosen einen gemeinsamen Grundbauplan aufweist. Da es - nach seiner Ansicht - in der Entwicklung der Arten keine Sprünge gegeben hat, müssten selbst überflüssig gewordene Organe heute noch als Rudimente aufzufinden sein (wie etwa das os intermaxillare, das Goethe beim Menschen entdeckte). Sein früherer Mitstreiter Cuvier dagegen vertrat die Ansicht, dass es vier verschiedene Grundbaupläne im Tierreich gebe, auch war er Verfechter der Katastrophentheorie. Der sich daraus im Jahr 1830 entwickelnde Disput wurde als Pariser Akademiestreit bezeichnet. Er wurde europaweit verfolgt, auch Goethe - mit dessen Ansichten Geoffroy weitgehend übereinstimmte - schaltete sich ein.

- Originell und Kerosin sparend: Herr Obama fliegt zum Fernsehgespräch schlappe 3000 Meilen.

- Eiseshauch aus West, -2°C bis 10°

Samstag, 21. März 2009

Frühling noch zögerlich, Robert Wesson und der Darwinismus




Die einen sind schon verblüht, die anderen hält die Kälte noch zurück.

- Da bin ich ja beruhigt: "Auch polares Meereis speichert Kohlendioxid
Auch im polaren Meereis wird, wie die Forscher bisher nur vermutet haben, Kohlendioxid gebunden. Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für ..." 18.3. FAZ hra.

- Robert Wesson: Die unberechenbare Ordnung. Chaos, Zufall und Auslese in der Natur.
Robert Wesson (1920 – 1991) hält den Darwinismus für unzulänglich, denn seiner Meinung nach reichen Mutation und Auslese nicht aus, um die Evolution zu erklären. Zufall und Selektion sind nach Wesson nur zwei Faktoren in einem komplexen Zusammenspiel, in dem Chaos, Rückkoppelung und Selbstorganisation mindestens genauso wichtig sind.Originalausgabe: Beyond Natural Selection. Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, 1991 .
In allgemein verständlicher Weise legt Robert Wesson seine Theorie über die bei der Evolution wirksamen Faktoren dar. Helmut Mayer schrieb in der FAZ vom 1.6.1993 eine schöne Rezension.

- Unsinnskiste PhilFak: " ... von Bertaux verbreitete Mythe über die Geisteskrankheit Hölderlins als Tarnung auf Berichte Sinclairs zurückführt" ... Rez. Gerh. Schulz FAZ vom 1.6.1993: Ursula Brauer, Isaac von Sinclair, 1993 // Bertaux hat man damals allen Ernstes diskutiert!

Magersucht




Links: Strukturelle Magnetresonanztomographie einer akut magersüchtigen Patientin, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in stationärer Behandlung war.
Rechts: Vergleichsbild einer gleichaltrigen gesunden Versuchsperson

- Magersucht: "Hungern mit fatalen Folgen. Magersucht scheint zu irreversiblen Schädigungen des Gehirns und langfristig wirksamen psychischen Störungen führen zu können. Das legen neuere Untersuchungen nahe. Gleichzeitig gibt es für die Ursachen der Erkrankung nach wie vor keine fundierten wissenschaftlichen Erklärungen. Von Inka Wahl. "...Rund 0,5 bis ein Prozent der Jugendlichen erkranken an Anorexie, in 90 Prozent der Fälle Mädchen. Die Krankheit hat die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Störungen. Todesursachen sind etwa der plötzliche Herzstillstand oder Nierenversagen. Die Patientinnen zeichnen sich häufig durch unverbrüchlichen Ehrgeiz aus und haben ein Auftreten, das überzeugend Normalität vortäuschen kann, wenn der dünne Körper längst das Gegenteil signalisiert. Für die Ursachen gibt es bislang kaum wissenschaftlich fundierte Erklärungen. Angenommen wird ein Zusammenspiel von Erbanlagen und Einflüssen der Familie und Gesellschaft. Gewisse Charakteristika habe sie bei jugendlichen Magersüchtigen aber immer wieder festgestellt, berichtet Hildegard Horn, psychodynamisch orientierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin aus Heidelberg. ..." FAZ 18.3.09

Freitag, 20. März 2009

Preußens Fritz, Skinner, Schulmassakerstudie




Die Schneeheide blüht noch.

Wäre Burrhus Frederic Skinner doch bei seiner Kiste geblieben, die auch heute noch verwendet wird!

- "Preußen wurde der erste Staat Europas mit allgemeiner Schulpflicht ... Friedrich Wilhelm schien es undenkbar, daß sein Nachfolger anderen Tugenden huldigen könne. So war er entschlossen, den Sohn nach seinem Ebenbild zu formen. Doch Kronprinz Friedrich wollte ihm nicht entsprechen. Die Mutter - eine stolze, verwöhnte Welfin - die ihren groben Mann verachtete und der auch dessen Lebenswerk fremd blieb - nahm den Sohn rasch gegen den Vater ein. Ihre Bosheiten steckten an und wurden von dem Knaben begierig aufgegriffen. Friedrich widerstrebte harter Zucht. Er neigte zu höfischen Tändeleien, zu einem Leben in seidenen Gewändern, zu Flötenspiel und Versemacherei." Bodo Scheurig, Friedrich der Große, in: Preußische Portraits, Hamburg 1969

- Skinner: "Geburtstag des amerikanischen Verhaltensforschers Burrhus Frederic Skinner 20. März 1904.
Der Versuchsaufbau ist denkbar einfach: Man nehme zum Beispiel eine Ratte und setze sie in eine Schachtel. In der Schachtel befindet sich nichts außer einer Lampe, einem Hebel und einem Futterspender. So lange die Lampe leuchtet, bekommt die Ratte jedes Mal etwas Futter, sobald sie den Hebel betätigt. Schon nach kurzer Zeit ist klar: Ohne dass jemand eingreifen muss, hat die Ratte schnell gelernt, wie das System funktioniert.
Burrhus Frederic Skinner hat durch diesen Versuch mit der Skinner-Box gezeigt, dass man das Verhalten von Tieren ganz einfach kontrollieren kann – am besten durch eine Belohnung. Skinner übertrug diesen Gedanken auch auf die menschliche Welt und träumte von einer gewaltlosen Gesellschaft, hervorgerufen durch die absolute Verhaltenskontrolle. ..." WDR5 Zz // Man versuche einmal, Hunde nur durch Belohnung stubenrein zu bekommem. Lorenz hat das schon zurechtgerückt: erwünschtes Verhalten läßt sich am besten durch Belohnung ansteuern, unerwünschtes Verhalten wird durch Bestrafung ausgesteuert.
Das Prinzip der Verhaltenslenkung von außen spitzte Skinner zur fixen Idee zu, indem er den Kopf zur Blackbox erklärte und damit das Gehirn zur Tabula rasa.
Angeborene Verhaltensweisen gab es für diesen Ideologen nicht, der konsequent alle Intelligenz (en) zur Frage des Milieus machte. Seine Erklärung, er könne durch Stimulation von außen aus jedem Dummkopf einen Einstein machen, verursachte einen bis heute anhaltenden pädagogischen Schaden. Die Skinner-Schule des Behaviorismus nahm massiv Einfluß auf die Schulpolitik, Programme wie HEADSTART verschlangen Unsummen und scheiterten sämtlich.

- Schulmassakerstudie: "Eine Studie aus dem Jahr 2006, die neunundneunzig Amokläufe an Schulen auf der ganzen Welt seit 1974 aufgeschlüsselt hat, zeigt, dass es viermal Täterinnen waren. " Was treibt junge Mädchen in den Tod? FAZ 20.3.09
- Unter Menschen: ' „Die Welt wäre ein besserer Ort ohne Dich“ .
Natürlich hat Jay Asher von den Ereignissen in Winnenden gehört, die Bilder waren auch auf CNN zu sehen, weil jedes „High School Shooting“ außerhalb des Landes die Amerikaner offenbar darin versichert, nicht allein mit diesem Phänomen zu sein (sie führen die eingangs genannte Statistik von 2006 mit großem Vorsprung an). Asher versteht auch, warum sein Jugendbuch in eine ungefähre Nähe zu dem Unglück rückt, er selbst aber sieht Parallelen zu einem ganz anderen Fall: Megan Meier, ein Mädchen mit Zahnspangen aus einem Vorort von St. Louis, erhängte sich im Oktober 2006 in ihrem Kleiderschrank, nachdem sie auf ihrer MySpace-Seite von einem Jungen namens Josh Evans gemobbt worden war.
„Die Welt wäre ein besserer Ort ohne Dich“, lautete Joshs letzter Eintrag. Vorher hatte er über eine längere Zeit im Netz mit Megan geflirtet. Nur: Diesen Jungen gab es gar nicht. Eine Nachbarstochter hatte sich „Josh Evans“ gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Bekannten ausgedacht. Dass Megan Psychopharmaka nahm, hatten die Beteiligten offenbar gewusst. Die Nachbarsmutter ist im vergangenen November wegen Computerbetrugs verurteilt worden - es war der erste amerikanische Prozess gegen „Cyberbullying“ überhaupt. ' Ebenda.

- Skiunfall: "Natasha Richardson ist tot". Wer immer das sein mag: Schulen sollten Schüler keinesfalls an eine Risikosportart heranführen.

Donnerstag, 19. März 2009

Nobelpreis schützt vor Torheit nicht, Kunisch und das Tabakskollegium



Das Tabakskollegium: Hat der dämliche Maler doch die Zeitungen vergessen!

- Nobelpreis schützt vor Torheitnicht: Die Ökonomen haben die Krise nicht nur nicht vorhergesehen, sie äußern sich auch völlig konträr zu den Heilungsaussichten und -maßnahmen. Gefährlich sind solche Apostel wie Krugman, die in ihrem verblendeten Staatsglauben Heilung durch Zentralisierung erwarten und damit die Macht der Staatsbürokraten erweitern wollen.

- Tabakskollegium des friedensfreundlichen "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713-1740): "... Worum es FW dabei eigentlich ging (und was auch heute noch ausgesprochen modern anmutet), war die tägliche Presseschau. ... Die für das Tabakskollegium gehaltenen Zeitungen waren die BERLINER, die HAMBURGER, die LEIPZIGER, die BRESLAUER, die WIENER, die FRANKFURTER BLÄTTER, außerdem noch französische und holländische. ..." Gerhard Prause, Tratschkes Lexikon für Besserwisser, ZEIT 11.6.1982
- Johannes Kunisch fühlt in seinem Vortrag über Friedrich II. und seine Ode über das VERGESSEN ganz mit dem jungen Fritz mit und läßt den Vater alt aussehen. Auch auf Anfrage sieht er das Kollegium nur rauchen und saufen.

- ODE AUF DAS VERGESSEN
...
So läßt du gleich und gleich verwesen
Den Schurken und den Ehrenmann.
Verdienste haben, Macht besitzen,
Das alles nützt nicht gegen dich.
Wie eitel, ach, ist unsere Größe!

FRITZ 2 1737 Rheinsberg (Der eitle Geck hat die Ode auf Französisch geschrieben, Deutsch war ihm bekanntlich zu barbarisch; Übersetzung Weinrich)
http://books.google.com/books?id=Wuvtsj5AOsMC&pg=PA113&lpg=PA113&dq=Friedrich+II.++Ode++VERGESSEN&source=bl&ots=TSQKrmreuM&sig=AP50idSAXyazlTjqhZwBksfHPho&hl=de&ei=mVnCSaLhOYTH-AbG--T5Bg&sa=X&oi=book_result&resnum=1&ct=result#PPA116,M1

- Zu dieser Ode im konventionellen Stil paßt gut Friedrichs Verachtung militärischer Grundregeln (der etwa, das Leben der Soldaten möglichst zu schonen).

- Wenn die Sphärenmusik den Turbolader dazuschaltet: Man lernt doch immer etwas dazu, wenn man eine Rezension von Herrn Hinck liest : ' Sollen wir es mit Thomas Mann halten, den der „österreichische Snob“ Rainer Maria Rilke anwiderte? „Sein Ästhetizismus, sein adliges Getu’, seine frömmelnde Geziertheit waren mir immer peinlich und machten mir seine Prosa ganz unerträglich.“ ' FAZ 19.3.09 Dieses schöne Zitat Manns kannte ich noch nicht, ich muß sagen, es gefällt mir gut, und es bezieht sich ja gar nicht auf Rilkes Lyrik, wo es sicher Eindrucksvolles gibt. Auch Rilkes Sympathisieren mit Mussolini war mir nicht bekannt, es erinnert mich an eine Passage in Muriel Sparks "The Prime of Miss Jean Brodie", wo Mussolini ebenfalls positiv bedacht wird. Raddatz hatte ich seit seinem unsterblichen Goethe-Bahnhof eher unter DAMPFLOK rubriziert, aber Hincks Titelverleihung als "Turbo unter den deutschen Essayisten" trifft besser diesen Pfeifton, den der Turbolader erzeugt, und den man bei Raddatz gut hinzuhören kann.

- Oft hört man das Wort 'Kunst' aussprechen wie 'Heiliger Geist'.