Montag, 27. April 2009

Das Neue, Spanien, Microsoft, Elektroauto



10-15° b/h

Der Welt Herr

> Morgenstund hat Gold im Munde,
> Denn da kommt die Börsenzeit
> Und mit ihr die süße Kunde,
> Die des Kaufmanns Herz erfreut:
> Was er Abends spekulieret
> Hat den Kurs heut regulieret,
>
> Elend ziehen die Kuriere
> Mit dem kleinen Kursbericht,
Dass er DIESE WELT regiere
Von der ANDERN weiß ichs nicht:
Zitternd sehn ihn Potentaten
Und es bricht das Herz der Staaten.

(Achim von Arnim, 1828)


- Das Neue: Der Katholizismus hat sich immer schwer getan, Neuerungen zu verstehen, da macht Arnim keine Ausnahme; es fiel ihm, dem Katholizismus, im Vergleich zum Islam bis heute allerdings sehr sehr leicht. Das sind so die Unterschiede zwischen den Geisterreichen.
Carl Chr. v. Weizsäcker wies übrigens gerade in seinem Vortrag "Theoretisches zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrie" vor der Nordrheinwestf. Akademie d. Wiss. am 24.4.09 darauf hin, daß Finanzinnovationen in der Geschichte stets Krisen bewirkten (wie zB Wechsel und Aktie)( die bis heute den den allg. Wohlstand befördern), aber sehr stimulierten. Was, im Unterschied zur Biologie, sich mit Lu. gut begreifen läßt. Glaube ich.

- Spanien: Regierung Zapatero hat Aznars Erbe abgewirtschaftet: 17,4% Arbeitslos.

- Wackelt WINDOWS wirklich? Microsoft mit Gewinnrückgang.
Der Softwarekonzern Microsoft Corp hat in seinem dritten Geschäftsquartal erstmals in seiner 23-jährigen Geschichte einen Umsatzrückgang verbucht. Auch der Gewinn fiel. ..." 24.4. FAZ

- Elektroauto: " Mehr Fragen als Antworten. Von Christian Bartsch FAZ 27. April 2009 ...
Wie Bernd Bohr, Vorstandsmitglied von Bosch, kürzlich bei einer Pressekonferenz hervorhob, kostet allein der elektrische Antrieb ohne die Batterie so viel wie der Einsatz eines Verbrennungsmotors. Der Preis für einen Batteriesatz (für heute noch zu geringe Reichweiten) liege zwischen 8000 und 12000 Euro. Um Reichweiten bis 200 Kilometer zu ermöglichen, die als untere Grenze der Akzeptanz durch die Käufer gesehen werden, müsste die heutige Lithium-Ionen-Batterie um den Faktor drei verbessert werden. VW nannte kürzlich den Faktor zehn, um den die Li-Batterien besser werden müssten, damit der Elektroantrieb zur echten Konkurrenz des Verbrennungsmotors heranwachsen könnte. Bis dahin werden nach den Worten von Bernd Bohr wohl noch 20 Jahre vergehen, wobei hinter dieser Zahl ein großes Fragezeichen steht, denn niemand weiß, in welcher Richtung sich Wirtschaft und Politik dann bewegen. ..." FAZ // Sehr interessante Zahlen! Die meisten Journalisten erwecken den Eindruck, als ob das Elektroauto eine reale Alternative zum Benzin- bzw. Dieselauto sei. Bartsch sei Dank!
- " Andreas Frick . Der Elektroantrieb beim Auto lohnt sich eigentlich nicht die Bohne. Ein Dieselmotor schafft etwa 40 % thermodynamischen Wirkungsgrad, das ist in Dampfkraftwerken nur schwierig zu übertreffen. Wenn man das alles mal überschlägt, ist es wesentlich effizienter, das Auto direkt mir einem Dieselmotor zu betreiben, als die Batterien durch die Gegend zu kutschieren. Brennstoffzellen brauchen auch große Pufferbatterien und sind nur für gleichmäßigen Betrieb geeignet. Evtl. kann man mit dieselelektrischem Antrieb einen besseren Wirkungsgrad erreichen, bei Eisenbahnen ist das eigentlich das beste System, auch wenn die DB das kaum nutzt. Man muß außerdem mal endlich den Gesamtaufwand rechnen, die Batterien müssen auch produziert werden. Dann sieht ein Hybrid Auto auch gegen ein SUV energetisch sehr alt aus. Und woher kommt bei einem Elektroauto der Strom? Da wir aus der Kernenergie aussteigen, vermutlich dann aus einem französischen Kernkraftwerk." LB FAZnet

- Ford macht weniger Verlust
- Deutsche Konsumstimmung bleibt erhalten.

- ! 69 Prozent des Spritpreises sind Mehrwert-, Energie- und Ökosteuer ! Benzinpreis 1,24 € : 0,39 € bekommt davon die Mineralölwirtschaft für ihre Arbeit, die Staatsbürokraten vereinnahmen 0,20 € Mst., 0,65 € Energiest. und 0,15 € Ökost. ! !

Sonntag, 26. April 2009

US-Wirtschaft, Stammzellforschung, Geschichten aus dem universalsozialdemokratischen Deutschland



11-19°

- "Amerikas Wirtschaft: Obama auf schmalem Grat. Von Claus Tigges, Washington
FAZ 24. April 2009 Barack Obama, Tim Geithner und Ben Bernanke wissen um die geringe Zuverlässigkeit von Konjunkturprognosen in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Die große Unsicherheit, die Unternehmen, Haushalte und Finanzmarktakteure beherrscht, macht die Vorhersage der ökonomischen Entwicklung noch schwieriger als gewöhnlich. Darum äußern der amerikanische Präsident, sein Finanzminister und auch der oberste Währungshüter nur vorsichtig ihre Hoffnung, dass die schwere Rezession, in der Amerika seit Dezember 2007 steckt, in diesem Jahr zu Ende gehen und 2010 zum Jahr einer behutsamen konjunkturellen Erholung werden könnte. ...
Glücklicherweise scheinen die Haushalte aus den bitteren Erfahrungen gelernt zu haben: Sie sparen mehr und bemühen sich um einen Abbau ihrer Schulden. Die niedrigen Volumina neuer Kredite sind nicht nur die Folge der Zurückhaltung der Banken, sondern auch einer geringeren Kreditnachfrage. Die gesunkenen Werte von Immobilien und Aktienportfolios hinterlassen Spuren in der Finanzplanung vieler Familien und lassen sie zögern, sich neues Geld zu leihen. Diese Entwicklung ist durchaus heilsam, und sie trägt dazu bei, die amerikanische Wirtschaft, wie Obama sagt, auf ein solideres Fundament zu stellen.
Umso wichtiger ist es, dass Regierung und Notenbank nicht den Boden bereiten für einen abermaligen auf Pump finanzierten Konsumrausch. Beide wandeln derzeit auf einem recht schmalen Grat: Denn so notwendig und wünschenswert eine Belebung der Kreditvergabe ist, so gefährlich wäre es, wenn die umfangreichen Bemühungen Washingtons Haushalte und Unternehmen letztlich doch nur wieder tiefer in den Schuldensumpf führten. Sie dürfen nicht durch staatliche Garantien und andere Anreize dazu verleitet werden, Kreditverträge zu schließen, die die finanziellen Möglichkeiten der Schuldner übersteigen und unkalkulierbare Risiken heraufbeschwören. Das ist das große Übel, das die aktuelle Krise ausgelöst hat und das nicht zuletzt die Federal Reserve und der amerikanische Kongress zu verantworten haben. Die Fed, weil sie viel zu viel Liquidität in die Wirtschaft gepumpt hat, und der Kongress, weil er sich einer Reform der Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae widersetzt und die perversen Anreize zum Hauskauf aufrechterhalten hat.
Der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft, ob er nun gegen Ende dieses Jahres oder etwas später einsetzt, wird dann dauerhaft tragfähig sein, wenn der Konsum wieder mehr im Einklang mit der Einkommensentwicklung steht und nicht durch riskante, variabel verzinste Darlehen angeheizt wird, die auf den gestiegenen Buchwert des Hauses aufgenommen werden. Die Steuersenkungen für Millionen Haushalte, die Obama als Teil des fast 800 Milliarden Dollar teuren Konjunkturpakets durchgesetzt hat, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Was noch fehlt zu einer gesunden Stärkung des privaten Konsums - er trägt immerhin rund zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung bei -, ist eine glaubwürdige Verpflichtung zu einer Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Das laufende Budgetjahr wird die Regierung wohl mit einem atemberaubenden Defizit von rund 1,8 Billionen Dollar abschließen. Doch solange der Präsident sogar Pläne für zusätzliche Milliardenausgaben schmiedet, sind die Steuererleichterungen kaum etwas wert. Denn die Menschen im Lande verstehen durchaus, dass die hohen Schulden eines Tages zurückbezahlt werden müssen. Wachstumsschädliche Steuererhöhungen in erheblichem Umfang lassen sich nur dann vermeiden, wenn Schulden durch Ausgabenkürzungen abgebaut werden.

- Geschichten aus dem universalsozialdemokratischen Deutschland: "Ausgesetzte Kinder
Deutsches Paar bei Aosta aufgespürt.
Die Mutter der Kinder
23. April 2009 Vier Tage, nachdem sie drei kleine Kinder allein in einer Pizzeria im italienischen Aosta-Tal zurückgelassen haben, sind die Mutter und ihr Lebenspartner am Donnerstag von der Polizei gefunden worden. Die beiden waren in einem Waldgebiet rund zehn Kilometer von der Stadt Aosta entfernt unterwegs, als die Einsatzkräfte sie am Nachmittag aufspürten. Sie seien festgenommen worden und sollten im Polizeipräsidium vernommen werden, sagte ein Sprecher der Polizei.
Bislang hätten sie sich noch nicht zu den Gründen ihres Verschwindens geäußert. Es sei Anzeige wegen Aussetzung von Minderjährigen erstattet worden. Auch die Staatsanwaltschaft Siegen hat Vorermittlungen gegen die Mutter aufgenommen.
Der Partner der Mutter
Die 26 Jahre alte Frau aus dem sauerländischen Finnentrop und ihr 24-jähriger Lebensgefährte hatten nach den Worten des Polizeisprechers in Aosta nicht versucht, vor der Polizei zu flüchten. Sie hätten auch keinerlei Widerstand geleistet. Auf die Spur des Paares seien die Ermittler durch mehrere Hinweise gekommen. Die beiden seien auf einem Weg in einem Waldgebiet gelaufen. Italienischen Medienberichten zufolge sind sie bei guter Gesundheit.
Geld- und Rauschgiftprobleme
Am Donnerstag machten sich zwei Jugendamtsmitarbeiter des Kreises Olpe auf den Weg nach Italien, um die Kinder aus einem Heim in Aosta nach Deutschland zurückzuholen. Der Mutter wurde das Sorgerecht vorläufig entzogen. Die Staatsanwaltschaft Siegen leitete ein Vorermittlungsverfahren gegen die Mutter ein. Oberstaatsanwalt Johannes Daheim sagte, man prüfe, ob die Frau ihre Fürsorge- oder Erziehungspflicht verletzt habe. Das setzt allerdings erhebliche Gefahren oder Schäden für die Kinder voraus. „Das Zurücklassen der Kinder in einer Gaststätte scheint diese Voraussetzungen eher nicht zu erfüllen“, so Daheim. Zudem werde geprüft, ob die Mutter ihre Unterhaltspflicht verletzt hat.
Immer weitere Details über die familiären Hintergründe
Unterdessen werden immer weitere Details über die familiären Hintergründe von Ina R. bekannt. So handelt es sich bei ihrem Lebenspartner, dem ledigen und kinderlosen Sascha S. aus Bad Laasphe, um einen flüchtigen Häftling. Er war bis Anfang April unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Senne wegen schwerer räuberischer Erpressung inhaftiert. Sascha S. kehrte am 2. April nicht mehr aus einem Urlaub in den offenen Vollzug in die Justizvollzugsanstalt Oelde zurück. Nach einem Bericht der „Westfalenpost“ war S. ein Zellengenosse des leiblichen Vaters der nun im Aostatal ausgesetzten Kinder. Der Mann war wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er im November 2006 seine damals sieben Wochen alte Tochter Summer Rose so heftig geschüttelt hatte, dass sie kurz darauf starb. Ina R. bekam dennoch ein weiteres Kind von ihm, den heute acht Monate alten Junes.
In Italien hielten sich Ina R., Sascha S. und die drei Kinder wohl seit Mitte April auf. Am Wochenende strandeten die fünf im Aostatal, als ihrem Kleinwagen der Sprit ausgegangen war. Die „Westfalenpost“ zitiert den Wirt der Pizzeria „Il Capanno“ mit den Worten, die fünf hätten gewirkt wie normale Touristen, die von einem Regenschauer triefend nass geworden sind. Als die junge Mutter und ihr Freund nach dem Essen kurz nacheinander den Gastraum verließen, habe er zunächst geglaubt, sie seien eine Zigarette rauchen gegangen. Als die beiden dann nicht mehr auffindbar waren, sei ihm klargeworden, dass sie in der Pizzeria einen sicheren Ort für die drei Kinder gesucht hätten." FAZ 23.4.09 // Was läßt sich aus dieser Kindernamenwahl schließen?

- Großartig: "Stammzellforschung
Reprogrammierung ohne Gentransfer

Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, dessen Arbeitsgruppe einer der Schrittmacher bei der Entwicklung von iPS-Zellen ist.
FAZ 23. April 2009 Einem deutsch-amerikanischen Forscherteam ist ein weiterer Durchbruch in der Stammzelltechnik gelungen. Die Biologen, darunter Hans Schöler vom Max- Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, programmierten Mäusezellen in pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen: induzierte pluripotente Stammzellen) zurück, ohne dafür Gene in die Zellen einzuschleusen. Die Reprogrammierung wurde lediglich durch die Zugabe einiger Proteine bewerkstelligt. Diese Technik könnte einmal die Nutzung der umstrittenen embryonalen Stammzellen ersetzen.
Dafür müssten diese Technik bei menschlichen Zellen erprobt und aus den neuen piPS-Zellen (protein-induzierte pluripotente Stammzellen) einzelne Gewebe entwickelt werden.Da die deutsch-amerikanische Gruppe im Gegensatz zu anderen Forschern keinerlei zusätzliche Gene in die Hautzellen einsetzte, umging sie geschickt die potenzielle Gefahr von Krebs bei einem möglichen späteren medizinischen Einsatz. „Bei den genetischen Eingriffen kann es zu einer Inaktivierung anderer Gene oder sogar zu einer Entartung der Zelle kommen“, erläuterte Schöler.
Ziel jahrelanger Versuche
„Die Zugabe von Proteinen dagegen stellt nach heutigen Kenntnissen kein Risiko für das Erbgut dar.“ Die nun gewonnenen piPS-Zellen entwickelten sich in die drei grundlegenden Keimblätter, aus denen in der Embryoentwicklung alle Organe und Gewebe hervorgehen. Das Team unter Leitung von Sheng Ding vom Scripps Research Institute in Kalifornien beschreibt die Arbeit im Journal „Cell Stem Cell“ (online vorab).
Auf dieses Verfahren haben viele Forscher jahrelang hingearbeitet. Der nächsten Schritt sei natürlich die Übertragung der Technik auf menschliche Zellen, sagte Schöler, und warnte vor verfrühten Hoffnungen. Der Einsatz solcher Zellen als alternative Quelle für Zellersatztherapien liege in fernerer Zukunft.
Patientenspezifisch Therapien im Blick
Mit den piPS-Zellen lassen sich laut Schöler auch Krankheitsentwicklungen analysieren und patientenspezifische Therapien optimieren. „Es ist möglich, eine Reihe von Krankheiten quasi in die Kulturschale zu bringen“, sagte der Stammzellforscher. Da die piPS-Zellen im Gegensatz zu den seit 2006 üblichen iPS-Zellen ohne genetische Eingriffe erzeugt wurden, „sind sie unbelasteter, und die Aussagen, die man aufgrund der Untersuchung solcher Zellen treffen kann, sind genauer.“
Das Forscherteam hatte zunächst vier Kontrollproteine zu den Zellen gegeben. Die Zellen nahmen die Proteine auf, verdauten sie aber nach kurzer Zeit. Daher musste der Zyklus viermal wiederholt werden, bis die Zellen vollständig zurückprogrammiert waren. Die Kontrollproteine ließen die Forscher von Bakterien produzieren. Bei diesen waren genau jene vier Gene angeschaltet, die zuvor zur Rückprogrammierung von Zellen dienten.
Eine rasante Entwicklung
Damit hat sich die Reprogrammierung von Zellen in den vergangenen drei Jahren rasant entwickelt: 2006 gelang es Biologen erstmals, Zellen mit Hilfe von vier Kontrollgenen in iPS-Zellen zurückzuentwickeln. Später benötigten sie immer weniger Gene oder setzten sie nur noch vorübergehend in die Zellen ein. Nun ist der Schritt zur genfreien Reprogrammierung gelungen.

Samstag, 25. April 2009

Nichts Genaues weiß man nicht



Kann Theorie so schön sein? Pollocks Beitrag zur Systemtheorie? Man beachte den Beobachter!

- Luhmannia: „ Von Emergenz zu reden, deutet eher die
Verlegenheit an: Nichts Genaues weiß man nicht.“
So ist es,
es könnte sogar noch schlimmer kommen: „Alles Stroh“, meinte Albert zuletzt; davor kann nur der frühe Krebstod sicher bewahren.-
Bei Alzheimer-Patienten ist es in der Tat so, daß die Hirnrinde schrumpft und die Reichweite der Zusammenschaltungen drastisch zurückgeht.
(Ich darf hier einmal auf das segensreiche Wirken der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft hinweisen sowie auf das sehr schöne LEXIKON DER NEUROWISSENSCHAFT im Spektrum-Verlag.)

„ was es für die Naturwissenschaften bedeutet, wenn man sie als Sinnunternehmen versteht. Eine solche Aussage ist aus der Systemtheorie heraus schnell formuliert, aber welche Konsequenzen dies für diese Wissenschaften hat, wenn sie sich auf diese Weise irritieren lassen, fände ich spannend. Vielleicht war dies eine Sollbruchstelle zwischen Maturana und Varela. Ich könnte mir gut einen Diskurs mit Quantenphysikern vorstellen, meine erste Erfahrung war allerdings nicht fruchtbar, der Kollege konnte mit meiner Frage nach Sinn nicht viel anfangen.“ (Hafen)
Diese Erfahrung kann ich nur bestätigen!
Ja, die Naturwissenschaft kommt gut ohne Luhmann aus. Die Naturwissenschaftler vertrauen auf ihre spezifisch-empirisch-nachstellbare Beobachtung.
Man sollte sie zur Belehrung in Monty-Pythons Film schicken:
"There is everything in this movie, everything that fits / from the meaning of life in the universe to girls with great big tits." So fängt Eric Idles Prolog zu dem Monty-Python-Film "Der Sinn des Lebens" an.“
Danach sollten sie in Klausur DIE WISSENSCHAFT DER GESELLSCHAFT lesen. Ob sie danach noch arbeitsfähig sein werden?

- Geschichte: "Die Geschichte rät ab.

Mit dem Brief von Golo Mann und den darin enthaltenen Reflexionen über das Lernen aus der Geschichte hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Ausgabe vom 7. März) ein interessantes Dokument zu einem unverändert aktuellen Thema vorgelegt. Begründen doch im Irak-Konflikt sowohl Befürworter als auch Gegner eines Militärschlags ihre jeweilige Position mit der Notwendigkeit, aus der Geschichte zu lernen. Auch Manns Schreiben läßt keine eindeutigen Schlüsse zu. Seine Feststellung, daß die Amerikaner "immer wieder großen Blödsinn" machen, scheint der einen Seite recht zu geben - seine Würdigung von Henry Kissinger, der bekanntlich der jetzigen Regierung nahesteht, als "bei weitem beste(n amerikanischen) Außenminister", der anderen Seite. Soll man nun aus diesem Beispiel folgern, daß man aus der Geschichte jede beliebige Lehre ziehen kann? Mir erscheint in diesem Zusammenhang eine Fußnote in José Ortega y Gassets "Der Aufstand der Massen" bedeutsam, "daß es geboten ist, von der Vergangenheit, wenn auch keine positive Führung, so doch gewisse negative Ratschläge anzunehmen. Die Vergangenheit kann uns nicht sagen, was wir tun, wohl aber, was wir lassen müssen." Demnach müßte die historische Erfahrung für die politischen Entscheidungsträger genau das sein, was das berühmte "Daimonion" für den antiken Weisen Sokrates war: eine warnende Instanz, die nicht zu einem Tun aufruft, sondern vielmehr dazu anhält, unverantwortbares Handeln zu unterlassen.
Im Lichte dieser Überlegungen läßt sich daher auch in der Irak-Frage nicht die Anwendung militärischer Mittel, sondern nur ein Verzicht auf diese mit dem Argument "Lehre aus der Geschichte" legitimieren."
Dr. Peter Moser, Salzburg, LB FAZ 25.3.03

- "Prof. Dr. Werner Abelshauser hinterfragt in seiner Publikation für das ROMAN HERZOG INSTITUT unter dem Titel "Des Kaisers neue Kleider?" kritisch die Geschichte der Sozialen Marktwirtschaft.
Die Soziale Marktwirtschaft ist gegenwärtig einer Zerreißprobe ausgesetzt. Einerseits ist sie als Konzept so attraktiv, dass sich nahezu alle wirtschaftspolitischen Akteure in unserem Lande zu ihr bekennen. Andererseits sinkt ihr Ansehen bei den Bürgern seit geraumer Zeit dramatisch, sodass nur noch jeder dritte Deutsche vorbehaltlos hinter ihr steht. Gleichzeitig muss das Modell der Ordnungspolitik vor dem Hintergrund der globalen Finanzmarktkrise wachsenden Ansprüchen gerecht werden, die gerade von ihr einen Lösungsansatz erwarten.
Umso dringender ist es, nach dem Zustand der Sozialen Marktwirtschaft zu fragen, wie er heute ihre Möglichkeiten und Grenzen bestimmt. Nur eine klare Diagnose kann zu einer Therapie führen, die ihr Ansehen stärkt und ihre Wirksamkeit verbessert. In dieser Publikation nimmt sich Prof. Dr. Werner Abelshauser der historischen Perspektive der Sozialen
Marktwirtschaft an." www.romanherzoginstitut.de/

Freitag, 24. April 2009

Der Sinn des Lebens, Nietzsches Nächster




- Nietzsches 2. Buch der Morgenröthe:


118. Was ist denn der Nächste! Was begreifen wir denn von
unserem Nächsten, als seine Grenzen, ich meine, Das, womit er
sich auf und an uns gleichsam einzeichnet und eindrückt? Wir
begreifen Nichts von ihm, als die Veränderungen an uns,
deren Ursache er ist, - unser Wissen von ihm gleicht einem hohlen
geformten Raume. Wir legen ihm die Empfindungen bei,
die seine Handlungen in uns her vorrufen, und geben ihm so eine
falsche umgekehrte Positivi tät. Wir bilden ihn nach
unserer Kenntnis von uns, zu einem Satelliten unseres eigenen Systems:
und wenn er uns leuchtet oder sich verfinstert,
und wir von Beidem die letzte Ursache sind, - so glauben wir doch das
Gegenteil! Welt der Phantome, in der wir leben!
Verkehrte, umgestülpte, leere, und doch voll und gerade geträumte
Welt!

- Da war noch was: "Drei Nobelpreisträger im F.A.Z.-Gespräch
„Deutschland tut noch nicht genug“

24. April 2009 Schlechte Zeiten, gute Seiten? Robert F. Engle III bekam den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften im Jahr 2003 zugesprochen, Edmund S. Phelps 2006 und Eric S. Maskin 2007. Ein Gespräch mit den drei Wissenschaftlern über den Weg zur wirtschaftlichen Genesung.
Haben wir den schlimmsten Teil der Krise überstanden, oder sollten wir uns auf noch Schlimmeres gefasst machen?
Robert F. Engle III: Ich hoffe, dass der schlimmste Teil hinter uns liegt, und ich glaube auch, dass er hinter uns liegt. Denn durch die einschneidenden Veränderungen des Finanzsystems und die innovativen Eingriffe der Notenbank hat es eine substantielle Verlagerung des Risikos vom privaten Sektor auf den öffentlichen gegeben, und diese Verlagerung hat den Banken erlaubt, wieder aktiv zu werden. Die Folge ist, dass sich der Rest der Wirtschaft, wie ich meine, auf dem Weg der Genesung befindet.
Eric S. Maskin: In vielen Ländern, auch in den Vereinigten Staaten, setzt sich der Verfall der Wirtschaft fort. Das Schlimmste liegt deshalb immer noch nicht hinter uns. Wie viel schlimmer es wird, ist nur schwer vorauszusagen.
Edmund S. Phelps: Die Krise scheint in ihren Ausmaßen zu schrumpfen. Aber wir brauchen im Finanzsektor noch einen starken Schub, um zu einem normalen Grad der ökonomischen Aktivität zurückzukehren. Dazu muss, wie ich meine, der Finanzsektor von Grund auf neu gestaltet werden.
Sind Politiker und Ökonomen überhaupt noch in der Lage, eine Krise einzudämmen oder gar zu überwinden, die immer mehr eine eigene Dynamik zu entwickeln scheint?
Phelps: Ich liebe es, mich mit deutschen Journalisten zu unterhalten! Sie sind so pessimistisch! Das muss wohl mit der deutschen Seele zusammenhängen. Aber auch mir macht es Sorgen, dass vor allem der amerikanischen Wirtschaft schwere Zeiten bevorstehen könnten, und zwar, weil die Verbraucher herausgefunden haben, wie man Geld spart. Es wird für die amerikanische Industrie nicht leicht sein, von den Märkten zu Hause auf die überseeischen zu wechseln. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Wir sind da ganz dem Finanzsektor ausgeliefert, der es fertigbringen muss, Investitionsaktivitäten zu finanzieren, wenn wir die gewohnte Dimension des Wohlstands wieder erreichen wollen.
Engle: Ich glaube an die Möglichkeit der Politik, die Krise zu überwinden. Die Regierung ist jetzt ein weiterer ökonomischer Player, und sie hat eine Position eingenommen, die sich dahin gehend auswirkt, dass jeder sein Verhalten ändern muss.
Maskin: Ja, es sollte möglich sein, durch Reparatur des Bankensystems und Stimulierung der Makroökonomie die Folgen der Rezession rückgängig zu machen oder zumindest zu entschärfen.
Ist Präsident Obama mit seiner Wirtschaftspolitik auf dem richtigen Weg?
Engle: Im Großen und Ganzen ja.
Maskin: Ja, er ist auf dem richtigen Weg, wenn auch seine Maßnahmen noch nicht weit genug gehen.
Phelps: Ich habe den Eindruck, dass es in der Regierung Tendenzen gibt, die wirtschaftliche Erholung als ein mechanisches Problem aufzufassen, also als Aufgabe, die Verbraucher- und Investitionsnachfrage anzuheizen. Diese Sachen sind aber nicht leicht unter Kontrolle zu bringen. Die Regierung neigt dazu zu vergessen, wie ungeheuer wichtig Innovation ist, um Arbeitsplätze und Investitionsmöglichkeiten zu schaffen und Wachstum zu erzielen. Das beunruhigt mich etwas.
Fehlt etwas in Obamas Rettungspaket? Was würden Sie ihm raten?
Engle: Sein Finanzprogramm funktioniert ziemlich gut. Ich fürchte allerdings, dass die Initiative zu öffentlich-privaten Partnerschaften nicht besonders erfolgreich sein könnte. Wir kennen noch nicht die Ergebnisse dieser Stresstests. Ich bin da nicht sehr optimistisch. Bevor wir’s aber nicht ausprobiert haben, werden wir auch nicht wissen, ob es funktioniert.
Maskin: Das Bankensystem noch mehr reparieren, die Wirtschaft noch mehr stimulieren.
Phelps: Es gibt da ein großes Loch im Regierungsprogramm. Kein amerikanischer Ökonom hat bisher verstanden, in welch erstaunlichem Ausmaß der Staat alles subventioniert, was nur vorstellbar ist: vom Import- und Exporthandel über die Landwirtschaft und den Eigenheimbau bis zu winzigen Unternehmen, bei denen es keinerlei Innovation gibt. Nicht subventioniert aber wurden die Wirtschaft im Allgemeinen und langfristige Investitionen im Besonderen, will heißen: Investitionen, für die der Innovationsprozess maßgeblich ist.
Ihr Kollege Paul Krugman ist einer der schärfsten Kritiker der europäischen Krisenmaßnahmen. Tun die Europäer und unter ihnen insbesondere die Deutschen genug, um die Krise in den Griff zu kriegen?
Engle: Ich glaube nicht, dass sie genug tun. Die Welt hat mehrere Billionen Dollar an Vermögen verloren, zum Teil durch Ereignisse an der Börse und auf dem Immobilienmarkt. Rund um die Welt haben sich darum Verbraucher und Investoren zurückgezogen. Es ist also nur sinnvoll, wenn Regierungen nun gegensteuern. Dass Deutschland nicht willens ist, dies zu tun, bedeutet wohl, dass Ihr Land hofft, der Rest der Welt werde die Nachfrage nach deutschen Exporten genug stimulieren. Dabei entstand ein Teil des Problems ja gerade dadurch, dass die Exportländer für ein großes Ungleichgewicht sorgten. Sie sollten jetzt auch einen Beitrag zur Gesundung der Weltwirtschaft leisten. Deutschland sollte die inländische Nachfrage stimulieren. Wer sonst sollte es tun? Ich kann mir nicht recht erklären, warum Deutschland sich derart dagegenstemmt.
Maskin: Ich stimme Paul Krugman in dieser Hinsicht zu. In Europa, insbesondere in Frankreich und Deutschland, muss viel mehr getan werden, um den Verbrauch zu stimulieren.
Phelps: Ich habe einiges Verständnis für die Betrachtungsweise, dass die Amerikaner an dieser Misere schuld seien und sich und die Welt nun auch daraus befreien sollten. Es ist begreiflich, wenn deutsche Steuerzahler gegen die Vorstellung rebellieren, Deutschland habe die Verpflichtung, den Verbrauch anzukurbeln. Aber andererseits sollte die deutsche Regierung darauf vorbereitet sein, im Falle einer substantiellen Verschlechterung der Lage zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Wie die aussehen sollten, vermag ich auch nicht zu sagen. In seinem eigenen Interesse müsste Deutschland sie jedoch jederzeit ergreifen können. Im Übrigen schätze ich das Wort „Stimulus“ nicht. Es könnte uns glauben machen, dass jede gute Maßnahme notwendigerweise stimuliert. Darüber wird, wie ich bereits ausgeführt habe, allzu leicht die Bedeutsamkeit von Innovationen vergessen.
Könnte die Krise schließlich auch ihre guten Seiten haben?
Engle: Ja, das halte ich für möglich. Der Bankensektor wird verbessert, und es wird stärkere regulatorische Kooperationsmaßnahmen als in der Vergangenheit geben. Wir brauchen eine kooperative, aber starke globale Initiative, und wie ich meine, haben die Deutschen dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Sie sollten sie jetzt auch übernehmen.
Maskin: Öffentliche Investitionen werden seit langem dringend benötigt. Nun können sie in den Vereinigten Staaten und anderswo endlich vorgenommen werden. Ohne die Krise wäre das wahrscheinlich nicht geschehen.
Phelps: Ich wollte zunächst nein sagen, aber das kann ich dann doch nicht, wenn ich meinem amerikanischen Optimismus gerecht werden will. Seit mindestens einem Jahrzehnt hat der Finanzsektor meiner Meinung nach dem Wirtschaftssektor immer schlechtere Dienste geleistet. Die Obsession mit Default Swaps und Proprietary Trading, also mit Derivaten aller Art, war fast geschmacklos – als ob darüber vergessen worden wäre, Unternehmen Kredite zu gewähren. Das musste sich ändern, und eine solche Veränderung war schwer herbeizuführen, solange der Finanzsektor Riesengewinne machte und Washington zu riesigen Steuereinnahmen verhalf. Jetzt sollte die Reform leichter durchzusetzen sein.
Robert F. Engle III, Jahrgang 1942, lehrt an der Stern School of Business der New York University. Eric S. Maskin, Jahrgang 1950, ist der Albert O. Hirschman Professor of Social Science am Institute for Advanced Study in Princeton. Edmund S. Phelps, Jahrgang 1933, lehrt an der Columbia University und leitet dort auch das Center on Capitalism and Society.
Die Fragen stellte Jordan Mejias.

- Filmtip: "There is everything in this movie, everything that fits / from the meaning of life in the universe to girls with great big tits." So fängt Eric Idles Prolog zu dem Monty-Python-Film "Der Sinn des Lebens" an.

- Interessant, daß derselbe Wein an verschiedenen Tagen unterschiedlich mundet.

Donnerstag, 23. April 2009

Politikerkompetenz, SINN



Blaues Blümchen, wie heißt du?

- "Giftige" Wertpapiere: Eine ganze Reihe von Volkswirten verwendet inzwischen diesen blödsinnigen Ausdruck, der Wertpapiere mit Gift vergleicht. Es handelt sich aber um Wertpapiere, die derzeit keinen oder nur einen geringen Marktwert haben, weil sie schwer zu bewerten sind. Eventuell muß man die Endfälligkeit abwarten, dann werden sie von den Emittenden eingelöst - oder auch nicht, wenn die Ausgabestellen insolvent sein sollten.

- Schwan-Kandidatin hetzt: hätte gerne Unruhen für ihre Wahl

- Politikerkompetenz nach Adenauer und Erhard: "Die Märchen über das große Industrieland DDR .
Zu "Als Kohl im Führerhäuschen saß" (F.A.Z., "Politische Bücher" vom 18. April): In seiner Rezension des Buchs "Die Bonner Republik 1949-1998" von Heribert Schwan und Rolf Steininger erwähnt Rainer Blasius die Antwort Helmut Kohls zur Deutschland-Politik 1983 im Zusammenhang mit dem Milliardenkredit an die DDR: ". . . Wie sehr die DDR am Ende war, wusste niemand, denn wir alle lebten ja unter dem Einfluss einer unentwegt marschierenden Propagandaglocke, wonach die DDR das zehntgrößte Industrieland der Welt war."
Schlimmer konnte sich ein Bundeskanzler nicht blamieren, der mit dieser Äußerung zeigt, wie weit er von den tatsächlichen Verhältnissen drüben entfernt war - im Gegensatz zu jedem Bundesbürger, der seine Besuchsmöglichkeiten regelmäßig wahrnahm. Für die von der Rheinschiene stammenden Kohl und Schäuble waren die Gebiete jenseits der Elbe ein fernes Land, von dem sie nicht die geringste Ahnung hatten. Dieser Verdacht drängt sich einem insbesondere aufgrund der kapitalen Fehler der Regierung nach der Wiedervereinigung auf. Hinzu kommt, dass Kohl es sträflich unterließ, die seit der Brandt/Scheel-Regierung im Zuge des "Wandels durch Annäherung" völlig eingestellten, äußerst zuverlässigen Forschungsberichte über die Entwicklungen in der DDR wieder aufleben zu lassen.
Bis zur Regierung Kiesinger wurden auf allen Gebieten der Wirtschaft, des Sozialen, der Medizin, der Arbeitswelt, der Landwirtschaft, des Schul- und Hochschulwesens, des Handels und so weiter alljährlich Forschungsberichte der dafür zuständigen westdeutschen Institute und Universitäten veröffentlicht, die man über die Bonner Ministerien kostenlos beziehen konnte. Jeder, der es wollte, konnte sich also tiefgreifend über das Geschehen in der DDR informieren.
Wenn ein früherer Bundeskanzler auch heute noch zugibt, dem von den Kommunisten verbreiteten Märchen von der zehntgrößten Industrienation der Welt aufgesessen zu sein, so zeigt das ein hohes Maß an Naivität, das Gott sei Dank Hunderttausende bundesdeutscher Besucher der DDR nicht mit ihm teilen, weil sie schon damals die erbärmlichen Verhältnisse auf allen Gebieten würdigen konnten und es deshalb besser wussten. Die eigene Bevölkerung hatte für die Lobpreisungen der Politbürokraten und ZK-Größen ohnehin nur Hohn und Spott übrig."
Joachim Kadow, Bensheim-Auerbach, F.A.Z., 23.04.2009, Nr. 94 / Seite 35 // Man muß allerdings hinzufügen: Kleingeistige, aber eloquente Westentaschenpolitiker wie Brandt und Schmidt haben diese Desinformationen in großem Stil mit der SPD-Presse verbreitet.

- Stimmenkauf: "Der Wähler und die Abwrack-Bestechung .
Zur Wirtschaftsglosse "Der Abwrack-Irrsinn" (F.A.Z. vom 9. April): Den volkswirtschaftlichen Unsinn der Abwrack-Prämie hat Holger Appel klar und deutlich beschrieben. Was aber bei all den Kommentaren bisher nicht behandelt wurde, ist die Frage, ob es sich hier nicht langsam um strafbare Handlungen der verantwortlichen Politiker handelt. In Frage kommt aktive Bestechung, der die Politiker sonst so gern bei Managern nachgehen, die zur Erlangung von Aufträgen und zur Beschäftigungssicherung ihrer Firmen zweifellos gelegentlich die Grenzen des Zulässigen überschreiten. Die Politiker der großen Koalition versuchen hier wieder einmal, diesmal sogar mit direkten Zahlungen, die Wähler zu bestechen, um ihre Wiederwahl in lukrative Ämter zu erreichen. Dass hier noch keine Staatsanwaltschaft tätig geworden ist, hängt wohl mit deren Weisungsabhängigkeit zusammen. Dass die Bestochenen offensichtlich nicht merken, dass sie mit ihrem eigenen Geld, nämlich ihren künftigen Schulden, bestochen werden, ist ein erschütternder Hinweis auf die politische Reife eines Großteils unserer Wähler.
Dr. Claus Helbig, München F.A.Z., 23.04.2009, Nr. 94 / Seite 35

- SINN : „Bewusstsein kann also
wohl kaum als Zusammenschaltungsereignis von Molekülen verstanden werden,
dadurch entstehen nur Molekülkomplexe, aber kein Sinn. An der Vermeidung der
Sinnfrage krankt m.E. die ganze neurobiologische Debatte.“
... da haben Sie natürlich recht. Und bestimmt läßt sich auch noch nicht klären, wie der Sinn emergiert, und möglicherweise sind unsere Hirne für solche Aufgaben auch grundsätzlich nicht geeignet, sowenig, wie Katzenhirne für Schrödingers Katze Sinn haben.
Allerdings ging es mir um das gleichzeitige, zusammengeschaltete, flüchtige elektrochemische Ereignis der feuernden Neuronen in verschiedenen Bereichen des Gehirns (nicht um Molekülkonfigurationen), in dessen spezifisch erzeugtem Muster der Zusammenschaltung offenbar, in einer anderen Dimension, Sinn erzeugt wird. Die Art der Zusammenschaltung entscheidet über den Sinn / Unsinn.
Dafür muß man sich nicht interessieren, weil die beiden Seiten des Geschehens so völlig verschieden sind. Das Interesse dafür könnte sich dem Bedürfnis nach einer SINNBREMSE verdanken, weil Sinnschöpfung leicht einem dschungelhaften Wachstum anheimfällt und sich solipsistisch selbstreferentiell unendlich reproduziert und vom Hölzchen auf das Stöckchen kommt und so Erkenntnis verstellt. Sinn könnte das Schattenphänomen, das Abfallprodukt des starken Kausalitätserkenntnisdrangs des homo sapiens irrationalis sein.
In der geschichtlichen Betrachtung hat noch jede Irrationalität ihre steigernden Anschlüsse erzeugt bis zu einem Waterloo. Das dann neue / alte / neualte Paradigmen stimuliert.
Wenn die Kausalitätsvermutungen nicht einem strengen, empirischen Verfahren unterworfen werden, versinnen sie sich leicht ins Grenzenlose.
Ein weites Feld.