Dienstag, 16. Juni 2009

Der Juni, CROPS UNDER STRESS AS TEMPERATURES FALL




Teheran

Kästner im Garten, als es im Juni noch warm war



Erich Kästner

Der Juni

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.

Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.

Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weil's zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.

Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist's bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.

Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.

Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.

Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
ob's Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.

- - Hoffentlich ! ! Heute 13-17° Sch
- - CCNet 93/2009 - 15 June 2009 -- Audiatur et altera pars
CROPS UNDER STRESS AS TEMPERATURES FALL
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For the second time in little over a year, it looks as though the world may be heading for a serious food crisis, thanks to our old friend "climate change". In many parts of the world recently the weather has not been too brilliant for farmers. After a fearsomely cold winter, June brought heavy snowfall across large parts of western Canada and the northern states of the American Midwest. In Manitoba last week, it was -4ºC. North Dakota had its first June snow for 60 years. There was midsummer snow not just in Norway and the Cairngorms, but even in Saudi Arabia.
--Christopher Booker, The Sunday Telegraph, 14 June 2009

- Bert Brecht
Maßnahmen gegen die Gewalt
Als Herr Keuner, der Denkende, sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und sah hinter sich stehen - die Gewalt.
"Was sagtest du?" fragte ihn die Gewalt. "Ich sprach mich für die Gewalt aus", antwortete Herr Keuner.
Als Herr Keuner weggegangen war, fragten ihn seine Schüler nach seinem Rückgrat.
Herr Keuner antwortete: "Ich habe kein Rückgrat zum Zerschlagen. Gerade ich muß länger leben als die Gewalt."
Und Herr Keuner erzählte folgende Geschichte: In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte, nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent, der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im Namen derer, die die Stadt beherrschten, und auf dem Stand, daß ihm gehören soll jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte, ebenso sollte ihm auch jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder Mann dienen, den er sähe.
Der Agent setzte sich in einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: "Wirst du mir dienen?"
Herr Egge deckte ihn mit einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf, und wie an diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: das war, ein Wort zu sagen.
Als nun die sieben Jahre herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, starb der Agent.
Da wickelte ihn Herr Egge in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte die Wände, atmete auf und antwortete: "Nein."
- Nicht alles, was Brecht geschrieben hat, war marxistischer Blödsinn. In dieser schönen Keuner-Geschichte von 1932 treffen sich der Opportunist Brecht, der stets auf seinen persönlichen Vorteil bedacht war, und der reflektierte Brecht auf konstruktive Weise.
- - Marc Bloch : hätte diese Keuner-Geschichte lesen können, und eigentlich, er war ja nicht blöd, hätte er auch selbst darauf kommen können, statt sich dieser dämlichen, von Stalinisten dominierten Resistance anzuschließen und sich in überflüssige Gefahr zu begeben und darin am 16. Juni 1944 umzukommen. Militärische Mätzchen konnten andere besser, als Historiker hätte er den vielen, stets zu hohlem nationalem Pathos neigenden Franzosen mehr genutzt, sich selbst und seiner Familie ebenfalls. Christoph Vormweg beginnt sein Zeitzeichen mit der opernhaften Aussage eines Bloch-Schülers, er habe einen Helden als Lehrer gehabt. Ansonsten sind die Linken ja immer gegen Helden. Zu recht. Die gehören auf die Opernbühne. Blochs kulturelle Ausweitung des Geschichtsverstehens war vielversprechend.
- Marc Bloch: "Aus der Werkstatt des Historikers"
"Ursprünglich hatte Marc Bloch, der sich eher als Historiker denn als Mediävist verstand, wie Urs Hafner berichtet, einen Band mit eigenen Texten unter diesem Titel publizieren wollen. Statt eines abgeschlossenen monografischen Werks sollte die Leserschaft Einblick in das Handwerkszeug des Historikers gewinnen. Nach Hafner enthält der Band Texte aller Genres: von Lexikonartikeln über Rezensionen bis zu Vorträgen und großen berühmten Aufsätzen Blochs. Bloch erwärme sich "weniger für theoretische Höhenflüge", meint der Rezensent, sondern erweise sich vielmehr als jemand, der Interesse hat an problemorientiertem, quellenbezogenem Arbeiten. Beeindruckend findet Hafner, wie weit Bloch bereits damals über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinausschaute und Neuerscheinungen der Ethnologie, Psychologie und Soziologie zur Kenntnis nahm. Welch ein scharfzüngiger und rationalistischer Geist, schwärmt Hafner." NZZ 25.7.01

Montag, 15. Juni 2009

Erkenntnisprobleme: Ackermann, Sarrazin, Ehrhardt



14-17°C

- Grossdemonstration der Opposition in Teheran
Mindestens ein Toter – Khamenei ordnet Überprüfung des Wahlresultats an

- Ackermann als IIF-Chef : "Finanzkrise. Ackermann warnt Politik vor Eingriffen
IIF-Chef Ackermann ruft dazu auf, "nach vorne zu schauen"
11. Juni 2009 Die Großbanken gehen wieder in die Offensive. Von Demut aufgrund ihrer Rolle in der Finanzkrise ist auf der Jahrestagung des Branchenverbandes Institute of International Finance (IIF) in Peking nichts zu spüren. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“, sagte Josef Ackermann, Vorsitzender des Direktoriums des IIF. Er warnte vor einer Überregulierung durch die Politik und einem Verfall der Chancengleichheit auf den Finanzmärkten durch staatliche Eingriffe. Eine Beeinflussung des Geschäftes und der Aufstellung der Banken lehnte der Verband am gestrigen Donnerstag kategorisch ab: „Lassen Sie mich unterstreichen, dass wir es als nicht hilfreich empfinden, Reformen etwa auf Themen wie die Größe einzelner Banken oder den Zweck ihres Geschäftes auszurichten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank in seiner Rolle als IIF-Chef.
Der Verband war 1983 als Antwort auf die internationale Schuldenkrise gegründet worden und zählt mehr als 370 Mitgliedsunternehmen. Seinem Anspruch, Krisen künftig verhindern zu können, wurde er indes nicht gerecht: „Niemand hat das vorhergesehen. Wir haben nicht geahnt, dass das Vertrauen in so kurzer Zeit zusammenbricht und Investoren in einen vollkommenen Streik treten würden“, sagte Ackermann mit Blick auf den Tiefpunkt der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers Mitte September vergangenen Jahres. ..." FAZ // Auch die nächste Krise wird uns überraschen, denn Leben ist Krise. Aber die Krisen des Finanzkapitalismus sind vor allem Buchgeld-Krisen. Hat sich da ein Subsystem FINANZMÄRKTE ausdifferenziert? So sieht es aus.

- Finanzkrise 08/09 Sarrazin Focus 1.11.08
" Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wundert sich über die deutschen Banker und warnt vor einer dauerhaften Staatsbeteiligung.
Focus: Wer ist schuld an der Finanzkrise?
Sarrazin: Letztlich die Bankmanager. Wer sonst?
Focus: Was haben die falsch gemacht?
Sarrazin: Sie haben Risiken falsch eingeschätzt. Die Amerikaner haben ein jährliches Leistungsbilanzdefizit von 500 bis 600 Milliarden Dollar, das sich über die Jahre auf Billionen Dollar summierte. Über dieses Geld, das sie nicht selbst erwirtschaftet haben, konnten sie zusätzlich verfügen. Finanziert hat ihnen das vor allem China, aber auch das Exportland Deutschland.
Dieses Geld drängte in die Vermögensanlage. Das hat die Aktienmärkte, die Immobilienpreise und den Handel mit Kreditforderungen angeheizt.
Focus: ... und jede kaufmännische Vorsicht ausgeschaltet?
Sarrazin: Das ging so lange gut, wie die Risiken eines Ausfalls unverbunden, also vereinzelt blieben. Einem einzelnen 80-Jährigen kann keine Bank einen Kredit mit sieben Jahren Laufzeit geben. Aber 1000 80-Jährigen kann ich einen Kredit über sieben Jahre geben, wenn die 1000 eine durchschnittliche Lebenserwartung von weiteren acht Jahren haben. Wenn aber die Hälfte der 80-Jährigen auf einmal an der lebensgefährlichen Hongkong-Grippe erkrankt, habe ich als Bank plötzlich ein verbundenes Risiko und damit ein Problem.
„Je dümmer einer ist, umso mehr wächst das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten“
Focus: Dann ist die Finanzkrise eine Art Naturkatastrophe, die man nicht vorhersehen konnte?
Sarrazin: Das Ganze hat schon etwas Einmaliges. Der ehemalige Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard Fischer sagte mir kürzlich, noch nie seien auf allen US-Regionalmärkten gleichzeitig die Preise derart eingebrochen. Bislang waren immer nur Teilmärkte betroffen. Das hat keiner erkannt, geschweige denn geglaubt.
Focus: Und plötzlich waren all die schönen AAA-Ratings Makulatur.
Sarrazin: Exakt. Weil es keine Käufer mehr gab, waren auch die tollen Papiere, die sich einzelne Landesbanken auf Pump für ihre Zweckgesellschaften in Irland angeschafft hatten, nichts mehr wert. Gleichzeitig brach auch die kurzfristige Refinanzierung weg. Diese Kombination ungünstiger Umstände hat niemand vorausgesehen.
Focus: Vielleicht wollte es ja keiner sehen, weil alle gut damit verdienten.
Sarrazin: Die Selbstgewissheit der Verantwortlichen war in der Tat sehr groß, wenn wir es nicht Arroganz nennen wollen.
Focus: Besonders risikofreudig waren ausgerechnet die Vorstände öffentlich-rechtlicher Banken.
Sarrazin: Wenn die kleine SachsenLB riskante Papiere für 20 Milliarden Euro in einer Zweckgesellschaft in Dublin parkt und mit diesem gewaltigen Brocken selbst in guten Zeiten jährlich nur 20 Millionen Euro Überschuss macht, ist das eine lächerliche Rendite. Trotzdem hat von diesen Produkten weltweit niemand so viel gekauft wie deutsche Landesbanken.
Focus: Warum?
Sarrazin: Diese Leute haben offenbar nicht verstanden, was sie da machen. Und sie haben nicht verstanden, dass sie es nicht verstanden haben. Der Dummheitskoeffizient scheint leider in deutschen Banken besonders hoch zu sein. Generell gilt ja die Regel: Je dümmer einer ist, umso mehr wächst das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das Ganze ist systemisch im öffentlich-rechtlichen Bankenbereich, obwohl beispielsweise die Landesbank Baden-Württemberg das offenbar ganz gut überstanden hat.
Focus: Hat da die Kontrolle versagt?
Sarrazin: Ja. Und zwar sämtliche Kontrollinstanzen – die Aufsichtsräte, die Wirtschaftsprüfer, die staatliche Bankenaufsicht, die Rating-Agenturen. Auf Betreiben der Amerikaner galt ja noch kein Basel II, das schärfere Bilanz- und Eigenkapitalrichtlinien vorsieht.
Focus: Was lernen wir daraus?
Sarrazin: Alle Banken brauchen mehr Eigenkapital. Eine Quote von mindestens zehn Prozent. Und alle Bankgeschäfte gehören in die Bilanz. Wenn eine Bank Risiken weitergibt, muss sie außerdem einen spürbaren Teil des Risikos in den eigenen Büchern behalten. Diese Regeln müssten allerdings weltweit gelten, sonst wandert das Geschäft dahin, wo es am wenigsten reguliert wird.
Focus: Wenn Sie eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent verlangen, müssten die deutschen Banken beim Staat Schlange stehen. Denn viele weisen deutlich weniger auf.
Sarrazin: Die Briten und Amerikaner geben diesen sinnvollen Standard vor. Deshalb können sich deutsche Banken solchen Anforderungen nicht entziehen. Die zehn Prozent sind ein Muss. Das bedeutet: Deutlich mehr Banken als bisher bekannt werden beim Staat Kapital aufnehmen müssen.
Focus: Ist es ein Fehler, den Banken die Entscheidung freizustellen?
Sarrazin: Ja. Weil es damit für die Bank zu einer Prestigefrage wird, das Geld zu nehmen. Es ist aber auch eine Überlebensfrage. Wer das Geld nimmt, wird am Markt sofort mit Misstrauen abgestraft. In Amerika und England hat man das besser gelöst. Dort mussten die Banken das Geld nehmen.
Focus: Den deutschen Bankern würde die Entscheidung vielleicht leichter fallen, wenn sie nicht mit Gehaltskürzungen und Einmischung des Staates in ihre Geschäftspolitik rechnen müssten.
Sarrazin: Die Wut unter der Bevölkerung ist nicht nur in den USA quer durch alle politischen Lager groß. Deshalb muss man das staatliche Rettungspaket ein bisschen populistisch abfedern. Obergrenzen für Vorstandsgehälter bringen in der Sache nichts. Sie erhöhen aber die Akzeptanz für die Hilfsaktion in der Bevölkerung.
Focus: Wann werden wir wissen, wie viel die Rettungsaktion die Steuerzahler kostet?
Sarrazin: In den nächsten ein bis zwei Jahren wird der Anteil des Staates an den Banken hierzulande auf 30 bis 35 Prozent steigen. Verkaufen kann der Staat diese Beteiligungen erst, wenn sich die Banken spürbar von der Krise erholt haben und wieder Gewinne machen. Die Platzierung dieser Anteile, die der Staat jetzt übernimmt, wird kaum vor 2013 möglich sein und muss marktverträglich erfolgen. Erst muss die gegenwärtige Rezession vorbeigehen, und die Bankgewinne müssen wieder aufblühen. Der Staat wird also eine Weile Aktionär bleiben müssen, weil niemand so schnell wieder in Bankaktien investieren will. Außer vielleicht Staatsfonds, an die man wiederum nicht verkaufen will.
Focus: Wie lange kann sich der Westen seine Vorbehalte gegenüber den Staatsfonds aus Nah- oder Fernost noch leisten?
Sarrazin: Ich weise auf das Risiko hin. Die meisten Staatsfonds sind nicht in der Hand demokratisch legitimierter Regierungen. Sie werden auch für politische Zwecke eingesetzt.
Focus: Könnte sich der Westen verheben, wenn er die eigene Rettung allein versucht und die Staatsverschuldung irrwitzig steigt?
Sarrazin: Wenn der Staat mit den vorhandenen Instrumenten die Finanzmarktkrise abwendet, wird ihn die ganze Operation unter dem Strich wenig bis gar nichts kosten. Wenn man aber wie in Frankreich sein Heil in der dauerhaften Reverstaatlichung sucht, dann wird das ein Rückmarsch in die 50er-Jahre. Nur weil Teile der privaten Wirtschaft versagt haben, sind die Repräsentanten des Staates ja nicht über Nacht kompetenter geworden. Der Staat ist nur das letzte Mittel. Hinter ihm beginnt das Chaos.
Focus: Was bedeutet die drohende Rezession für die öffentlichen Haushalte?
Sarrazin: Für die der Länder kurzfristig noch gar nichts. Konjunkturprogramme sind wenn dann Sache des Bundes. Er muss sie deshalb auch allein bezahlen. " (Focus 1.11.08)
-
Thilo Sarrazin, 63, saniert Berlins Schuldenhaushalt. Der promovierte Volkswirt verantwortete 1990 im Bundesfinanzministerium die Durchführung der deutsch-deutschen Währungsunion. Als Finanzsenator im Berliner rot-roten Senat setzt er seit 2002 in der mit 60 Milliarden Euro verschuldeten Bundeshauptstadt einen rigiden Sparkurs durch. Er wechselt demnächst zur Bundesbank.
- - So kann man es sehen. Wenn die Aufsichtsräte, die Wirtschaftsprüfer, die staatliche Bankenaufsicht, die Rating-Agenturen die Probleme nicht gesehen haben, nicht in der angemessenen Dimension, dann stellt sich eben die Frage, ob man es überhaupt voraussehen konnte. Ich denke, man konnte es in der Masse nicht. Individuell konnte man alarmiert sein, wenn man die Praxis der freien Kreditvermittler in Kalifornien, in Florida kannte, wenn man wußte, wie die Fannies damit umgingen, aber daß sich ein vergleichsweise kleines Problem so auswirken würde, das war offenbar nicht vorhersehbar. Diese Massenreaktion mußte ja auch nicht erfolgen, sie ist nichts anderes als die altbekannte Reaktion der Herde, in diesem Fall einer riesigen, weltweiten Buchgeld-Herde. Die Verunsicherung dauert an, auch, weil man die Maßnahmen der Fed und der Regierung Obama für falsch halten kann (Zerstörung der Geld- und Fiskalpolitik vgl. "Nur Ölaktien und die Börsen der Schwellenländer drängen sich auf
Jens Ehrhardt hält Staatsanleihen für zu teuer. hbe. FRANKFURT, 5. Juni 09. Viele Gewissheiten scheinen sich in den Turbulenzen einer in dieser Form nie dagewesenen Krise aufzulösen und lassen ... Was wir derzeit sehen, ist einmalig, das hat keiner von uns so schon jemals erlebt ... ")
- - Übrigens hat der Dax seit Jahresbeginn 35% zugelegt.

- - "Die vertrackte Psychologie des Subprime-Debakels. Um die Beantwortung der Frage, was die wichtigsten Ursachen der Finanzkrise sind, herrscht schon seit einiger Zeit ein intellektueller Wettlauf. Jüngst haben mit George Akerlof und Robert Shiller zwei Schwergewichte der Wirtschaftswissenschaften argumentiert, dass die Psychologie der Menschen eine bisher weit unterschätzte Rolle gespielt habe. So seien gerade im US-Subprime-Markt viele Entscheidungen nicht so vernünftig gefallen, wie es Ökonomen meist annehmen. Im Gegenteil: Millionen von Subprime-Schuldnern hätten sich Hypotheken aufschwatzen lassen, die sie sich längerfristig niemals leisten konnten. Berüchtigt waren vor allem die «adjustable-rate mortgages», die häufig am Anfang tiefe Lockvogel-Zinsen boten, über die Zeit aber für viele zu teuer wurden. Doch die Psychologie des Subprime-Debakels ist etwas komplizierter, wie Nachforschungen von Stephan Meier (Columbia University) und Lorenz Götte (Universität Genf) ergeben haben. In einer Umfrage ermittelten sie, wie gut sich US-Hausbesitzer in Finanzdingen auskannten. Es zeigte sich, dass Personen mit niedrigem Finanzwissen nicht häufiger «adjustable-rate mortgages» erhielten als die in finanziellen Dingen besser Beschlagenen. Es scheint also nicht so zu sein, dass vor allem den «Dummen» Hypotheken angedreht wurden. Doch gleichzeitig zeigte sich auch, dass die Finanz-Unkundigen meist gar nicht wussten, dass sie wohl auf einer Problem-Hypothek sassen. Die möglichen psychologischen Ursachen der Subprime-Krise scheinen demnach einiges komplexer zu sein, als sich manche das vorstellen." NZZ 6.6.09

- Bestimmte Tonfolgen scheinen einen direkten Aschluß an das Belohnungs- / Limbische System zu besitzen

Sonntag, 14. Juni 2009

Finanzkrise, Aristoteles, Platon, Hayek



So schön war es heute nur zwischendurch, aber schwüle 15-20°C

- Finanzkrise ideologisch: "Im Brennpunkt sozialer Verantwortung
Die Finanzkrise im Spiegel der Soziallehre Johannes Pauls II." . Jetzt ist die Finanzkrise im Katholischen unterwegs, die Tagung Thomas-Morus-Akademie kommt ohne einen Ökonomen aus, die avisierten Philosophen haben also schon alles verstanden. Da hat wohl der Hl. Geist geholfen. "Wie wird durch sie die soziale Gerechtigkeit konkret?" ist eine der akuten Fragen.
- - ' Deswegen sagen die Dichter: " Es ist wohlbegründet, daß Helenen über Barbaren herrschen", da Barbar und Sklave von Natur dasselbe ist. ' Auch eine Sicht sozialer Gerechtigkeit, die Aristoteles da in seinem 1. Buch der Politik äußert.
- - " Jedesmal, wenn uns ein Kind geboren wird, nehmen es die hierzu bestellten Behörden in Empfang. ... Die Kinder der tüchtigen Eltern werden sie dann nehmen und in die Anstalt bringen ... Die Kinder der untüchtigen Eltern und etwaige verkrüppelte Kinder der tüchtigen werden sie an einen geheimen und unbekannten Ort bringen. So ziemt es sich.' " So ziemt es sich, so ist es also gerecht im Staate Platons (Politeia, 5. Buch IX, S. 164)
- - "Die völlige Inhaltslosigkeit des Begriffs »soziale Gerechtigkeit« zeigt sich an der Tatsache, daß es keine Übereinstimmung darüber gibt, was soziale Gerechtigkeit im Einzelfall erfordert; daß ferner keine Kriterien bekannt sind, nach denen entschieden werden könnte, wer recht hat, wenn die Leute verschiedener Ansicht sind, und daß kein im voraus ausgedachtes Verteilungssystem auf eine Gesellschaft tatsächlich angewendet werden könnte, in der die einzelnen in dem Sinne frei sind, daß sie ihr eigenes Wissen für ihre eigenen Zwecke nutzen dürfen. Die moralische Verantwortung des einzelnen für seine eigenen Handlungen ist in der Tat mit der Realisierung eines solchen angestrebten, allumfassenden Verteilungssystems nicht vereinbar.
Obwohl viele Leute mit dem derzeitigen System der Verteilung unzufrieden sind, hat niemand von ihnen, wie eine kleine Nachprüfung zeigen würde, eine wirklich klare Vorstellung davon, welches System der Verteilung als gerecht anzusehen wäre. Alles, was wir finden können, sind individuelle Urteile über als ungerecht empfundne Einzelfälle. Niemand hat bis jetzt eine einzige allgemeine Regel herausgefunden, aus der wir für alle Einzelfälle, auf die sie anzuwenden wäre, ableiten könnten, was »sozial gerecht« ist – ausgenommen die Regel »gleicher Lohn für gleiche Arbeit«. Freier Wettbewerb, der jegliche Berücksichtigung von »Verdienst« oder »Bedürfnis« und ähnlichem ausschließt, worauf die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit beruht, tendiert dazu diese Regel zu erzwingen. ... " Friedrich August v. Hayek, Der Atavismus »sozialer Gerechtigkeit«, in: Hayek, Die Anmaßung von Wissen, Neue Freiburger Studien, hg. von Wolfgang Kerber, S. 182-85, Mohr/Siebeck 1996

Samstag, 13. Juni 2009

"Diebe an der Macht"



Reiche, FAZ 13.6.09 : Metaethik der Staatsverschuldung

- "Sloterdijk rechnet mit dem Steuerstaat ab
Die Revolution der gebenden Hand
Die kapitalismuskritische Linke definiert das Eigentum als Diebstahl. Der größte Nehmer ist aber der moderne Staat. Wir leben in einem steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus - und niemand ruft zum fiskalischen Bürgerkrieg auf. ..." FAZ 13.6.09

- Zurück zur Renaissance
Minus 6% für die merkeldenaturierte, entbürgerlichte, sozialdemokratisierte CDU - allein das ist bereits ein erfreuliches Ergebnis der EU-Wahl; noch mehr natürlich, daß die Zahl der Gegner des Lissabon-Vertrages im neuen EU-Parlament zunehmen wird. Das Minus für die SPD-Genossen kann kaum betrüben, zumal ein gerne geifernder Jakobiner den SPD-Spitzenkandidaten gegeben hat.
Die Lissabon-Vertragsgegner sollte die FAZ aber nicht Euro-Skeptiker nennen, die angestrebte Lissabon-EU und Europa sind zwei Schuhe. Es gibt sogar vorbildliche europäische Staaten, die nicht der EU angehören, die Schweiz vor allem. Ich lehne die angestrebte Lissabon-EU ab, ich lehne eine forcierte Zentralisierung der EU ab und ich befürworte eine Renaissance Europas durch eine Besinnung auf die europäische Renaissance, eine Zeit der Hochblüte der europäischen Kultur, als Polyzentrismus und Wettbewerb der europäische Lebensquell waren.

Insofern ist die gestiegene Zahl der Lissabon-Vertragskritiker erfreulich: rund 66 Sitze.

Freitag, 12. Juni 2009

Philosophie des Geldes, Qatar, Bewertungsprobleme




10-17°C s

- " Emir von Qatar: Autofreund. FAZ 10. Juni 2009 Seine Frau Mouza Bint Nasser Al Missned ist in den konservativen Golfmonarchien die einzige First Lady, die öffentliche Aufgaben wahrnimmt. Ihrem Mann, Scheich Hamad Bin Khalifa Al Thani, ist sie die erste Beraterin, und den Frauen von Qatar ist sie ein Rollenvorbild. Welchen Einfluss sie auf die Entscheidung der Herrscherfamilie nimmt, ob sie sich zum Beispiel an Porsche beteiligt, dringt nicht an die Außenwelt. In Berlin aber, das sie vor zwei Wochen besucht hat, bestätigte sie, dass Qatar natürlich an Porsche interessiert sei und mit dem Sportwagenhersteller verhandle.
Der Emir und seine Frau stehen für die Modernisierung eines kleinen Staats, der halb so groß ist wie Hessen, weniger als 1 Million Einwohner zählt, nach Russland und Iran aber über die drittgrößten Gasreserven der Welt verfügt. 14,4 Prozent aller bekannten Gasvorkommen liegen unter dem Boden von Qatar. Das macht die Untertanen des Emirs mit einem durchschnittlichen Einkommen von 100.000 Dollar pro Kopf zu den reichsten Bürgern auf dem Planeten.
Jährlich 20 Milliarden Dollar für Einkaufstouren im Ausland.
Den Grundstein dazu legte Scheich Hamad Bin Khalifa, als er 1995 seinen Vater, der gerade in der Schweiz weilte, mit einem unblutigen Putsch absetzte. Der Vater wollte alles beim Alten lassen, der Sohn aber wollte in einer Region, die zu einem großen Sprung ansetzte, nicht länger das Schlusslicht sein. Als neuer Emir gab er den Befehl, mit der Ausbeutung der sagenhaften Gasvorkommen zu beginnen. Seither hat Qatar in die Gasförderung und in die petrochemische Industrie insgesamt 120 Milliarden Dollar investiert. Qatar ist seit Jahren eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften überhaupt. 2008 erreichte das Bruttoinlandsprodukt erstmals fast den Wert der seit 1995 getätigten Investitionen.
Die Gasbonanza spült Beträge, die das Land gar nicht absorbieren kann, in die Schatulle des Emirs. Er beauftragte seinen Cousin, den Ministerpräsidenten Hamad Bin Dschassim Al Thani, den er an die Spitze des Staatsfonds QIA berief, das Geld für die Zukunft anzulegen. Erst 2005 hatte Qatar seinen Staatsfonds gegründet. Seit dem Beginn der Krise erwarb die QIA auch 16 Prozent an der Bank Barclays und 10 Prozent an der Credit Suisse. Der Wert der QIA-Beteiligungen erreichte Mitte vergangenen Jahres 75 Milliarden Dollar. Davon ließ die Krise ein Drittel vorläufig wegschmelzen. Fachkreise schätzen aber, dass dem Emir und seinem Cousin für Einkaufstouren im Ausland weiter in jedem Jahr 20 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen. Mit einem Zehntel davon könnten sie sich mit 25 Prozent an dem hoch verschuldeten Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche beteiligen.
Geboren im Jahr 1950 und ausgebildet an der britischen Militärakademie Sandhurst, ist der Emir heute mehr Diplomat und Unternehmer denn Militär. Verteidigungsminister war er noch unter seinem Vater. Als er selbst Staatsoberhaupt wurde, machte er sich mit einer eigenwilligen Außenpolitik einen Namen, die mit vielen Tabus brach. Er scherte aus dem Israel-Boykott der arabischen Welt aus und pflegt seither gleichzeitig gute Beziehungen zu Israel und zu Iran. Er und sein Cousin, der Regierungschef, mischten sich in die Beilegung vieler regionaler Krisen ein, vernachlässigten dabei aber nicht die Wirtschaft. „Wir werden mit Sicherheit in die deutsche Automobilindustrie investieren“, sagte er jüngst. Auch Qatar habe über Daimler diskutiert. Investitionen in die Automobilindustrie machten Sinn, da Autos weltweit verkauft würden. Auch Hochtechnologie interessiere ihn, denn Qatar wolle ein Forschungsstandort werden.
Das ist wiederum das Dossier seiner Frau Mouza, die ihm sieben Kinder geboren hat. Im Hintergrund ist sie der Motor für die innenpolitischen Reformen, zu denen auch die Einführung des Frauenwahlrechts gehört. In der Öffentlichkeit leitet sie die Qatar Foundation, die das kleine Land zu einem Hochschul- und Forschungszentrum machen will. Da setzt der Emir ganz auf seine Frau: „Öl und Gas werden irgendwann zu Ende gehen. Das Wissen bleibt. Ich sehe Qatar langfristig mehr als Bildungsstandort denn als Energielieferant.“ Sechs amerikanische Spitzenuniversitäten hat First Lady Mouza bereits auf dem Campus angesiedelt. Scheich und Scheichin beklagen, dass deutsche Wissenschaftler zwar willkommen seien, aber kein Interesse zeigten.
Deutsche Wissenschaftler sind in Qatars Hauptstadt seltene Gäste, der Porsche-Chef Wendelin Wiedeking war dagegen schon wiederholt in Doha. Dort hat er im Fuhrpark des autovernarrten Emirs eine eindrucksvolle Palette seiner Fahrzeuge gesehen. Einen weiteren aus der Baureihe Panamera hat der Emir bestellt. Wenn der Wagen ausgeliefert wird, ist der Emir möglicherweise schon an Porsche beteiligt." FAZ

- - Bewertungsprobleme: Ein interessanter Fall, der Emir. Die Verflechtung von Rohstoffländern und Industrieländern nützt sicher beiden Seiten. Allerdings gibt es eine Schieflage: die Förderung von Erdgas und Erdöl wurde von den wunderbaren großen US-Schwestern entwickelt und bis heute perfektioniert, so wie Porsche und Daimler schöne, und im Falle Daimler, sogar nützliche Autos bauen. Erstrebenswert wäre da eine Holding, an der beide Parteien beteiligt wären; für Qatar sicher sehr vorteilhaft, weil es nach Feierabend keinen Porsche bauen könnte, Porsche aber jederzeit eine Erdgassparte auf die Beine stellen.

- Immerhin erfreut es, daß kapitalistische Umtriebe dieser Art auch in traditionalen mohammedanischen Gesellschaften, wo man gerne prügelt und schießt, privilegienabbauend und friedensstiftend wirkt.
- - Die Tradition scheint bei Morus (1478-1535) auf, im Kriegskapitel der UTOPIA von 1516: " Den Krieg verabscheuen die Utopier als etwas geradezu Bestialisches, womit sich gleichwohl keine Gattung wilder Tiere so häufig zu schaffen macht wie der Mensch. " Zoologisch war Morus völlig ungebildet, aber den homo s. i. kannte er. (Die anderen Kapitel sind überwiegend ziemlich blödsinnig und mit dem zeitgleichen FORTUNATUS zu lesen.) Oder mit Georg Simmels "Philosophie des Geldes" (1907):
"... aus der Produktion, dem Produkte, dem Umsatz tritt das personale Element mehr und mehr zurück. Dieser Prozeß aber entbindet die individuelle Freiheit. ... Das Geld ist der absolut geeignete Träger eines derartigen Verhältnisses; denn es schafft zwar Beziehungen zwischen den Menschen, aber es läßt die Menschen außerhalb desselben ..." (S. 321; Ende 4,1)
Auf diese Weise wirkt auch der entwickelte Geld- und Kapitalverkehr im Nahen Osten, doch braucht das seine Zeit; in den großen Flächenländern mit noch zahlreicher Bauernbevölkerung kann es noch viele Wiederholungen und Renaissancen islamischer Archaik geben wie in der Türkei seit den neunziger Jahren.

- Bewertungsprobleme: " Sarrazin: Ich weise auf das Risiko hin. Die meisten Staatsfonds sind nicht in der Hand demokratisch legitimierter Regierungen. Sie werden auch für politische Zwecke eingesetzt."
Das Problem ist viel schwerwiegender: Die Hochlohnpolitik der Gewerkschaften führt zu mehr Automation und zu weniger Beschäftigung, die Automation führt zu höherer Produktivität und zu Überkapazitäten, das drückt auf Bilanz und Bewertung, und dann steigt die russische Halbdiktatur über die Sberbank und Gaz bei Opel ein und bezieht Hochtechnik und bezahlt mit primitiven Rohstoffen.