Sonntag, 11. Oktober 2009

Siebenbürger Sachsen, Nicht zuviel zurücksehen



Reiche, FAZ

- - Tassilo grüßt:

Bunter die Blätter

Laut fallen die Bucheckern

Hörbar sinkt das Laub


- Herta Müller ist eine ganz sympathische Person, jeder Preis ist ihr zu wünschen, schon als Trostpreis für die schweren Jahre im rumänischen Banat als überlebende Diasporaostdeutsche, daß sie den Nobelpreis nach der gräßlichen Jelinek bekam, verwundert, die norwegische Akademie ist auf Linksliteratur spezialisiert. Ich fühle mich dem "Deutschtum" nicht gerade verbunden, aber das Schicksal der in die Fremde ausgewanderten Deutschen, meist aus konfessionellen Gründen nach der Reformation, aber auch zu bestimmten Projekten zur Landkultivierung gerufen, oft auch beides, ist doch recht interessant, schon soziologisch, seien es die Amisch oder die Siebenbürger Sachsen (die gar keine Sachsen waren, sondern nur so genannt wurden, ähnlich verhielt es sich bei den Banater "Schwaben"). Den Siebenbürgern habe ich auch in FLIMMERFREI am Rande nachgespürt, nachdem ich zufällig in Oberhausen-Osterfeld mit einem ins Gespräch gekommen war; das nationalistische und totalitäre Kriegsjahrhundert hat ihnen übel mitgespielt. In ihrem letzten Buch ATEMSCHAUKEL, inspiriert durch die Lagerhaft des Siebenbürger Pastiors, beschwört sie berührend die schreckliche Zeit (s. Podcast hr2 Doppelkopf 8.10.09).- Aber die Gegenwart, die Zukunft verlangen auch Beachtung. Der Rückblick sollte den Blick nach vorn nicht verhindern.
Die frühe DIE SCHWÄBISCHE FAMILIE der Müller erregte Leserwiderspruch in der "Neuen Banater Zeitung", weil die Autorin sich darüber mokierte, daß die ganze Familie nacheinander im gleichen Badewasser badete. Gleiches berichtete zufällig letzte Woche Schwarzenegger, und man darf vermuten, daß das stets und überall in allen armen Familien so war. Ich kenne das ebenfalls in Bezug auf die Kinder.

- Nicht zuviel zurücksehen, nicht jede alte Klamotte pflegen, jede alte Bude oder Landschaft, nicht irgendeine verblichene Sprache der Vorväter oder ein Brauchtum aus alter Zeit. Alles hat eben seine Zeit. Musealität kann sinnvoll nur ein Sonntags-Hobby sein. Mit dem Gummiphänomen IDENTITÄT hat das wenig zu tun. Man kann sogar ohne Heimat aufwachsen, ich etwa begann meinen Erdenweg in München und hatte mit drei Jahren schon drei Orte gesehen, mit acht vier, mit neun fünf, mit 12 sechs, mit 15 sieben, mit 17 acht usw. , Bezugspersonenwechsel inbegriffen.

Samstag, 10. Oktober 2009

Luhmann, Ailanthus und Regen




Ailanthus altissima im Oktober - und auch im Regen schön


10-12°C, Regen, Regen, Regen - kein goldener Oktober, sondern so gemischt und kühl wie der Sommer war. Ob noch Besseres kommt? So vielleicht:
Golden wehn die Blätter nieder
Sonne glüht den späten Wein
Südwind strömt herein und wieder
Blühet auf Terrassen-Sein.
Oder so.

- Bisher unveröffentlicht aus Luhmanns Nachlass
"Das Deutsch der Geschlechter


... Geradezu zwanghaft erscheint dann auch die Epidemie sprachpolitischer Empfindlichkeiten. Sie ist, wie die neue, sozusagen postgrammatikalische Aufmerksamkeit für Sprache überhaupt, eine Konsequenz der Strukturen moderner Gesellschaft. Die Frauen können nichts dafür. Sie selbst sind das Opfer. Man muss ihnen helfen.
Frauen neigen nämlich zur Übertreibung, wie man in einer alten Tradition männlicher Beschreibungen sagen könnte. Wenn sie fromm sind, sind sie zu fromm. Wenn sie grausam sind, sind sie zu grausam. Wenn sie in Geschäften hart und rigide führen, gehen sie auch darin zu weit. Und wenn sie Sprachpolitik treiben, dann ohne hinreichende Rücksicht auf Sprache.
Fast muss man befürchten, dass sie demnächst die Unsinnin auf die Gipfelin treiben. Aber auch, wenn man derartige Vorahnungen beiseitelässt, gibt es genügend Missgriffe zu kritisieren. Am deutlichsten erscheint das Problem aus Gründen, die nur eine statistische Analyse klären könnte, an Worten, die mit Mi anfangen. „Ministerin“ ist zum Beispiel ein solcher Fehlgriff. Es handelt sich um ein lateinisches Wort, und Ministra steht als gut etablierte Fassung zur Verfügung. Aber auch „Mitgliederinnen“ (was man es zuweilen in Anreden wie „liebe Mitglieder und Mitgliederinnen“ schon hören kann) ist unerträglich. Was wäre der Singular? Und überhaupt: Mitglied ist, wie übrigens das Glied auch, sächlich. Es besteht also gar kein Anlass, eine Überschätzung des Männlichen abzuwehren. Wenn es dann doch geschieht, müssten die Männer schließlich verlangen, als Mitgliederer angesprochen zu werden. "
„Postgrammatikalische Aufmerksamkeit“: Ein bislang unveröffentlichter Text aus dem Nachlass des 1998 verstorbenen Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann zur Logik politischer Korrektheit und ihrer sprachlichen Gleichstellungsversuche.

Freitag, 9. Oktober 2009

Homo irrationalis, 19 Mrd. € für Brüssel, Solaranlagen: Hoch subventioniert, Nachschlagewerk über Unwetter



Ein bißchen Magritte-Dialektik - fabelhaftes Wetter, aber nur 5-13°C .

Der Mond ist ja auch beschienen von der Sonne - da könnte man doch auch noch ein paar Solarbretter installieren?

- 19 Mrd. € für Brüssel, 7,8 Mrd. netto, Schluß damit: "Europäische Union
Deutschland bleibt der größte Nettozahler.
Deutschland hat auch im vergangenen Jahr den größten Nettobeitrag zum Haushalt der EU geleistet. Das geht aus dem jüngsten Finanzbericht der Kommission hervor. Griechenland und Polen profitierten dagegen am meisten. ..." FAZ 2.10.

- Norwegen haben die UN-Wichtel zum Land mit der höchsten Lebensqualität erklärt - wie mögen sie das Wetter und die Suizidrate von 10,84 auf 100.000 Einwohner (D=10,94; Rangplatz 29) gewichtet haben?

- Homo irrationalis. Weswegen es immer Krisen aller Art geben wird: "Berns, der rein empirisch und, wie er sagt, völlig unideologisch forscht, konnte mit Hilfe von Hirnuntersuchungen zeigen, dass Menschen in ihren Entscheidungen äußerst abhängig von den Meinungen anderer sind. Das könne zu panikartigen Massenverkäufen führen. Auch ließen sich Menschen, die auf den Finanzmärkten investierten, stark von Beratern beeinflussen, egal wie gut deren Rat sei. Sobald sie Vertrauen zu einem vermeintlichen Experten entwickelt hätten, schalteten sie buchstäblich den Verstand aus. ..." FAZ 14.9.09 /// Das gilt natürlich für alle Bereiche!

- Sogar die Gaslaternen ("Schinkel-Laternen") haben die sozialistischen Marodeure in den Westen verkauft, die Honecker, Bisky und Gysi: " Das alte Haus am Ende der Straße
Äußerlich beinahe unverändert überstand die im Kaiserreich gebaute Cöthner Straße in Leipzig-Gohlis zwei Kriege und die Abrisswut sozialistischer Stadtplaner. ..." Stefan Locke, FAZ 2.10.09

- Regenwald: "Der Klimaforscher Mojib Latif erinnerte auf der VfS-Tagung daran, dass mehr als 15 Prozent der CO2-Emissionen durch Brandrodungen entstehen. Vor allem in Südamerika werden gigantische Regenwälder abgeholzt, um Platz für Futtermittelanbau oder Weideflächen zu schaffen. „Die Brandrodung der Regenwälder müsste man sofort stoppen“, forderte Latif." Wie man Milliarden fürs Klima verbrennt, ppl., FAZ 14.9.09

- " FOCUS: Sie haben ein Nachschlagewerk über Unwetter geschrieben. Nehmen diese in Deutschland zu?
Brandt: Ich kenne keine Studie, die das seriös untermauern kann. Mit Sicherheit aber werden immer häufiger Unwetterwarnungen laut. Ihre Zahl hat in den vergangenen fünf Jahren um etwa ein Fünftel zugenommen.

FOCUS: Wen machen Sie dafür verantwortlich?

Brandt: Die Behörde, den Deutschen Wetterdienst; er hat die Schraube überdreht. Früher warf man dem DWD Schläfrigkeit vor. Heute sind ein Drittel seiner Unwetterwarnungen überflüssig. Entsprechend sinkt die Glaubwürdigkeit einzelner Aufrufe. Aus nicht repräsentativen Umfragen mit mehreren tausend Menschen wissen wir, dass der Alarmismus die Bürger zusehends nervt. " „Jeder dritte Alarm ist überflüssig“
Experte Brandt (donnerwetter.de) findet viele Wetterwarnungen verzichtbar, Focus 38/08

- "Solarenergie. Klimapolitik ohne Maß.
Von Holger Steltzner, FAZ
02. Oktober 2009 Die Sonne ist eine faszinierende, weil unbegrenzte Energiequelle. Die Sonne schickt uns keine Rechnung, dafür die Politik eine viel zu hohe.
Deutsche Energiepolitiker haben die Anschubhilfe für eine neue Technik in eine Dauersubvention überführt. In der Solarbranche wird jeder geschaffene Arbeitsplatz mit rund 153.000 Euro im Jahr subventioniert. Der heimische Steuerzahler fördert übrigens zunehmend Arbeitsplätze in Asien, weil dort die meisten Solarzellen gefertigt werden." FAZ 2.10.

Sonne: "Horst Trummler
Die Sonne mag absolut gesehen die grösste Energiequelle des Planeten Erde sein. Die Einstrahlung je m2 beträgt jedoch maximal 2500KWh/m2/a, oder durchschnittlich 300W/m2 im Königreich Saudi Arabien. Zum Vergleich, die Energiedichte eines Schnellen Brüters beträgt 300 Mio W/m3, die einer Kohlefeuerung bis 5 Mio W/m3. Sofern man aus religiösen Gründen versucht die Sonne für eine moderne Stromerzeugung zu nutzen so muss man gewaltige Anlagen errichten um einen sehr bescheidenen Ertrag zu erzielen. Das ist vergleichbar einem Goldabbau am Rhein. Es gibt zwar viel Gold im Rheinbett nur ist die Konzentration derart unzureichend das es besser ist anderswo zu graben.
.
Im Ergebnis erhält man mit Solarenergie in Deutschland einen wertlosen Zufallsstrom zu einem zig-fachen des Preises geeigneterer Energiequellen. Aufgrund der gewaltigen Anlagen ist es sehr naheliegend das es mehr Energie bedarf derartige Anlagen zu errichten als diese je erzeugen.

- Windstrom: "Horst Trummler
Sie schreiben das die Windstromeinspeisung einen preisdämpfenden Effekt auf die Strompreise in Deutschland habe. Der umweltschädliche und nutzlose Windstrom wird mit 9,2 + 0,5 = 9,7c/Kwh "vergütet" (subventioniert). Die Stromgestehungskosten betragen in den abgeschriebenen Kernkraftwerken etwa 1.5c/KWh und in den Kohlekraftwerken etwa 2,5c/Kwh. An der Strombörse wird Grundlaststrom mit etwa 4,7c/Kwh gehandelt. Wo Sie hier einen preisdämpfenden Effekt durch die Windstromeinspeisung zum Doppelten Preis finden können ist wohl eher Ihren mathematischen Kenntnissen geschuldet. Die Versorger die den umweltschädlichen, nutzlosen Strom übernehmen müssen belasten die Kosten der Kundschaft und geben den nutzlosen Zufallsstrom zu sehr niedrigen Preisen ab. Teilweise profitieren unsere Nachbarländer zu Lasten der Deutschen Kundschaft die die Subventionen aufbringen müssen.
Anmerkung WD: Der unberechenbare Windstrom, der zB nachts bei geringer Abnahme eingespeist wird, muß teilweise zu negativem Preis abgegeben werden, das heißt, daß die Versorger bzw. deren Kunden, wir also, nicht nur für die Erzeugung des Windstroms zahlen müssen, sondern auch noch für die Abnahme bezahlen, zusätzlich zu unseren Stromkosten.
Ausbau und Stabilisierungseinrichtungen der Stromnetze kommen noch dazu!
Windstrom nachts oft unverkäuflich mit Minuspreisen
- Kühlung durch Wolken und unsichtbaren Wasserdampf: "Klaus Ermecke
In der Tat! Es ist Zeit für den Einsatz von Intelligenz HINSICHTLICH der "Klimapolitik". Denn Klimapolitik in dem behaupteten Sinne gibt es nicht, da das Klima keinerlei politischer Beeinflussung unterliegt. Was in Wirklichkeit unter dem Vorwand der "Klimapolitik" passiert, ist die Umwandlung jedes Lebensbereichs zu einem Tummelplatz der Ideologie - und das Abzweigen gigantischer Mengen Geld. Entstanden ist ein neues parasitäres System - die Solarstromprofiteure sind nur ein Teil davon.
Daß "Treibhausgase" "das Klima erwärmen", lernt heute jeder Schulbub, und die ganz Schlauen wissen, daß Wasserdampf "das wichtigste Treibhausgas" ist. Nur kehrt diese Darstellung die physikalische Realität auf den Kopf. In Wirklichkeit halten die "Treibhausgase" einen großen Teil des infraroten (IR) Sonnenlichts vom Erdboden fern. Zugleich strahlen sie Wärme ins Weltall ab: 70% der Kühlung der Erde erfolgen durch sie. Eine fiktive ohne"Treibhausgase" wäre daher deutlich wärmer und nicht kälter als unsere reale Welt."

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Malberg / Sonne, Isaiah Berlin, Staatsbanken machen mehr Verlust als Privatbanken



Greser&Lenz, FAZ

- Prof. Dr. H. Malberg
Stellungnahme zu Ausführungen von Herrn Ebel zum „Manuskript Malberg“


1. Auf der Grundlage meines methodischen Ansatzes lässt sich zeigen, dass der Klimawandel seit der Kleinen Eiszeit grundsätzlich synchron zu den Veränderungen der solaren Aktivität verläuft, und zwar sowohl vor 1850 als auch nach 1850. Die Temperatur folgt eindeutig dem solaren Schwingungsverhalten seit über 300 Jahren.

2. Ein Maß für den Zusammenhang der beiden Parameter Sonnenfleckenzahl und Temperatur ist der Korrelationskoeffizient. Er ist per Definition eine dimensionslose Relativzahl. Im Zähler und Nenner stehen dieselben (mehr oder weniger exakten) Messwerte. Aus dem Korrelationskoeffizienten (maximal +/-1,0) folgt die erklärte Varianz, d.h. eine Aussage, in welchem Ausmaß die Variabilität erklärt werden kann. Im Gegensatz zum anthropogenen Treibhauseffekt vermag der solare Effekt auch Abkühlungen zu erklären. U.a kann der CO*2-Effekt für das Temperaturverhalten seit 1998 keine Begründung liefern.

3. Im Gegensatz zur Korrelationsrechnung versucht Herr Ebel , eine absolute Quantifizierung der Anteile der Klimaeinflüsse durchzuführen. Die Beschränkung auf zwei langfristige Klimaantriebe muss dabei zu falschen Ergebnissen führen. So ist es unzulässig, den nachgewiesenen hohen EL Nino-Einfluss auf die globale Erwärmung als Antrieb unberücksichtigt zu lassen oder ihn sogar (durch die Hintertür) als CO*2-gesteuert zu betrachten.
Zum anderen basieren die Betrachtungen von Herrn Ebel nicht auf Relativwerten (wie beim Korrelationskoeffizienten), sondern auf absoluten Messwerten. Inzwischen belegen aber zahlreiche Untersuchungen, dass die CRU-Temperaturwerte hinsichtlich der Absolutbeträge sehr problematisch sind. Die Gründe sind vielfältig: Stadteinflüsse, veränderte Standortbedingungen der Klimastationen und Instrumente, Änderung der Beobachtungszeiten und Mittelwertbildung. Auch die CO*2-Daten sind vor 1958 nur Näherungswerte.

Fazit: Wegen der Problematik bei den Absolutwerten und der Ausklammerung des nachgewiesenen langfristigen ozeanischen Temperaturtrends im tropischen Pazifik erscheint die von Herrn Ebel vorgenommene Quantifizierung wenig aussagekräftig. Diese Differenzierung sollte man den weiterentwickelten Modellen, wie z.B. dem neuen NCAR-Klimamodell überlassen.

H. Malberg (über www.eike-klima-energie.eu/ )

- 10-13°C heute, R/b

- Isaiah Berlin (1909 bis 1997): kein haltloser Herumdenker wie Heidegger, Hitlers Heerführer im philosophischen Heilssein: "Die Logik führt einen nur im Kreis herum
Eine Tagung zum hundertsten Geburtstag des Philosophen Isaiah Berlin in Harvard

Wenn Amerikaner einen intellektuellen Gegenstand leicht fasslich finden, sagen sie: "It's not rocket science." Isaiah Berlin wäre der Erste, der von seiner Philosophie behaupten würde, dass sie keine Raketenwissenschaft und keine Wissenschaftsrakete sei, nicht zuletzt deshalb, weil er zwischen Natur- und Geisteswissenschaften scharf unterschied. Für Berlin, dessen einhundertsten Geburtstag man jetzt an der Harvard University mit einer hochkarätig besetzten Konferenz feierte, war Philosophie eine scientia nescientiarum, eine Erforschung dessen, was nicht Gegenstand empirischer Kenntnis sein kann, die dem menschlichen Bedürfnis Rechnung trug, die Welt zu erklären. Er bestand auf dem gesellschaftlichen Nutzen der Philosophie. Für Berlin war Philosophie keine Sache der Logik oder sprachlichen Abstraktion, wie etwa für seinen Oxforder Kollegen John L. Austin, sondern das in spezifischen historischen Situationen ausgekelterte Resultat allzumenschlichen Denkens. ..." F.A.Z., 07.10.2009

- Die SPD brauchte ein neues Godesberger Programm, geschrieben von Steinbrück; nach seinem Rückzug aus der SPD-Spitze hätte er Zeit.

- Wer hätte das gedacht: " Finanzkrise
Staatsbanken machen mehr Verlust als Privatbanken
Nach einer neuen Studie haben die öffentlich-rechtlichen Banken in Deutschland in der Finanzkrise durchschnittlich zwei- bis dreimal so hohe Verluste gemacht wie die privaten Banken. Auffallend sei auch die mangelnde Kompetenz in den Aufsichtsräten ..." FAZ 14.9.09

- Alcoa im 3. Q. wieder mit 77 Mio. Gewinn, Douglas Umsatz +2%, BNP will vorzeitig Staatsstütze zurückzahlen (die sie gar nicht gebraucht, aber aus Wettbewerbsgründen hereingeholt hatte); Bern verkauft die Stützbeteiligung an der UBS an einen Investor und macht dabei einen Gewinn von 1,2 Mrd. Franken - die Finanzkrise als gutes Geschäft.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Probleme der Zivilisation, Stockung, Störung, Krise



Balthasar Gracian (1601-58)

- Probleme der Zivilisation: "In Frankfurter Schnellrestaurant.
Junger Mann hilft und wird niedergestochen

Unter den Augen von Dutzenden Zuschauern ist in einem McDonald's-Restaurant am Frankfurter Hauptbahnhof ein 21 Jahre alter Mann schwer verletzt worden, nachdem er Zivilcourage gezeigt hatte." FAZ 6.10.

- Hier ist es sicher interessant, den FAZ-Artikel v. 17.3.99 (Natur und Wissenschaft) zu lesen: "Hartnäckige Gefühlskälte
Viele schwierige Kinder bleiben schwierig / Biologische Gründe? 17.3.99 FAZ N+W

Schwierige Kinder werden nicht selten zu schwierigen Erwachsenen. Schon im Vorschulalter zeigen manche Jungen ein aggressives, uneinfühlsames Verhalten, das viele von ihnen ein Leben lang nicht ablegen. Auffallend impulsive und aggressive Kindergartenkinder tragen möglicherweise sogar ein erhöhtes Risiko, als Erwachsene mit dem Strafgesetz in Berührung zu kommen. Indizien für diese seit einigen Jahren diskutierte "Risikothese" lieferte jüngst eine Untersuchung der Psychologen Paul Hastings und Carolyn Zahn-Wexler vom amerikanischen National Institute of Mental Health in Bethesda. Sie zeigt, daß sich "antisoziales" Verhalten bei Kindern oft nicht verliert, sondern im Lauf der Entwicklung sogar noch verfestigen kann.

In die Studie wurden 82 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren einbezogen. Die Forscher legten deren Müttern und Vorschullehrern einen Fragebogen vor, der Aufschluß über aggressive Verhaltensstörungen gibt. Anhand der Ergebnisse teilten sie die Kinder daraufhin in Gruppen mit hohem, mittlerem und niedrigem Entwicklungsrisiko ein. Anschließend stellten die beiden Psychologen Mitleid und Einfühlungsvermögen der Kinder auf eine experimentelle Probe. Sie zeigten den Kleinen bewegende Videogeschichten eines gleichaltrigen Kindes, dem der Hund davonläuft und dessen heißgeliebter Großvater schwer erkrankt. Das Ausmaß der dadurch hervorgerufenen Emotionen lasen die Forscher an Herzfrequenz, Schweißabsonderung und anderen Reaktionen des autonomen Nervensystems ab.

Das Einfühlungsvermögen der Kinder wurde in einem weiteren Versuchsdurchgang auf die Probe gestellt. Sowohl der Versuchsleiter als auch die Mutter simulierten an unterschiedlichen Tagen einen kleinen Laborunfall, bei dem sie sich aus der Perspektive des Kindes hätten verletzen können. Die aggressiven Jungen aus der Hochrisikogruppe - nicht aber die Mädchen, die generell einfühlsamer waren - verhielten sich in diesem Empathietest auffällig. Zwar ließ sie der Unfall nicht gleichgültig, doch neigten sie zu herzlosen Reaktionen, machten sich über das Opfer lustig, verhöhnten oder beschimpften es sogar.

Als die Tests zwei Jahre später wiederholt wurden, hatte sich bei einem Teil dieser Jungen das gefühlskalte Verhalten verfestigt. Sowohl im Experiment als auch in den Einschätzungen der Eltern und Lehrer fielen sie durch geringes Einfühlungsvermögen, mangelndes Verantwortungsbewußtsein und schwieriges Sozialverhalten auf. Sogar in ihren Eigenbeurteilungen beschrieben sich die Grundschüler auf ähnliche Weise. Eine Nachbefragung der Lehrer nach abermals zwei Jahren ergab, daß dieses Persönlichkeitsmerkmal bei vielen Kindern stabil blieb. Etliche der schwierigen Vorschulkinder waren auch mit neun Jahren noch schwierig. Auf einem sich verfestigenden Vorurteil kann diese Einschätzung nicht beruhen, denn die Lehrer hatten zwischenzeitlich gewechselt.

Nach Ansicht von Hastings und Zahn-Wexler läßt sich das wenig einfühlsame Wesen der schwierigen Kinder zum Teil mit ihrer biologischen Konstitution erklären. Sie schließen dies aus den vegetativen Reaktionen beim Betrachten der Videofilme. Kinder, die bei den traurigen Geschichten physiologisch stark angesprochen wurden, zeigten auch bei dem simulierten Unfall mehr Mitgefühl. Sie schienen generell empfindsamer zu sein. Wenn manche Kinder fiktives, aber auch wirkliches Leid anderer kalt läßt, so könnte dies nach Ansicht der Psychologen darauf hindeuten, daß es ihnen an physiologischer Aktivierung und damit an der körperlichen Grundlage für Mitleid mangelt.

Es fanden sich allerdings auch Hinweise dafür, daß ein Mangel an Empathie kein unabänderliches Schicksal sein muß. Möglicherweise können Kinder dieses emotionale Defizit bei geeigneter Erziehung nach und nach kompensieren. Die Forscher ermittelten nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Erziehungsstil der Mutter zur Zeit der ersten Untersuchung und der Einfühlungsbereitschaft ihres Kindes zwei Jahre später. Als günstig erwies es sich, wenn Mütter bestimmt und fordernd mit ihren Sprößlingen umgingen, ihnen bei unangemessenem Betragen ins Gewissen redeten und sie in rationaler Weise darauf aufmerksam machten, was sie mit ihrem Tun bei anderen anrichteten. Ein feindseliger Erziehungsstil hingegen ging häufig mit abgestumpften, gleichgültigen Reaktionen der Kinder einher."
Weiterführend auch: Hans Jürgen Eysenck, Kriminalität und Persönlichkeit, Dt. 1977 sowie Niels Birbaumer, Robert F. Schmidt: Biologische Psychologie.

- Stockungen und Störungen: "Krisentheorien. Ansprüche.
In den siebziger Jahren blühten schon einmal die Krisentheorien. ... Hängt das Verhalten in vielen Familien, das als krisenhaft indifferent gegenüber dem Nachwuchs interpretiert werden mag, an der Wirtschaft? Ist denn die wirtschaftliche Unsicherheit größer als zu Zeiten, in denen die Ehen stabiler und die Familien größer waren, sagen wir 1925 oder 1950? Oder wäre das wieder ein Fall für die alte Anspruchsinflation? Und wie erklären sich die regional verschiedenen Ausprägungen solcher "Krisenerscheinungen", wenn es doch überall Kapitalismus ist, der herrscht?
Man gewinnt, mit anderen Worten, nicht den Eindruck, dass viel damit gewonnen wäre, die Ökonomie als Krisenzentrum der Moderne schlechthin auszumachen. Vermutlich ist es der Krisenbegriff selber, der noch viel zu diffus ist. Das gilt selbst für den der Finanzkrise, die ja die schwerste seit Generationengedenken sein soll und doch auch schon, heißt es, bald wieder vorbei. " Jürgen Kaube, Text: F.A.Z., 07.10.2009, Nr. 232 / Seite N3

- - "Krise" ist auch nur ein Wort. Während Gracian (1601-1658), als Beispiel, in seiner romanhaften Schrift EL KRITIKON "Krisis" im Sinne von Beurteilung und Urteil verwendet, haben Wohlstand und Journalismus das Wort alarmistisch entwickelt, ganz in dem Sinne, daß eben schlechte Nachrichten für den Zeitungs-/ Medienabsatz gute Nachrichten sind.
Skandal und Krise fördern die Auflage. Allerdings verwendet bereits Marx im KAPITAL das Wort "Krise" im Sinne von Störung: " ... ist daher begleitet von Stockungen und Krisen des Produktionsprozesses." (Bd. 3, III. Abschnitt, Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate)
Habermas und Konsorten verwenden den Begriff, bei Marx anknüpfend, und blasen ihn auf, wobei sie suggerieren, es ginge auch ohne Krise, hier insgeheim ebenfalls an Marxens großen, "naturgesetzlichen" (!) Heilsplan der Geschichte anknüpfend.-
Natürlich geht nichts und gar nichts in der belebten Welt ohne Störungen und Stockungen ab, ohne Krisen gibt es nur das Nichts. Allerdings sind die Krisen des Kapitalismus Wohlstandskrisen, kleine Wachstumsdellen ohne größere Bedeutung im eindrucksvollen Aufgang des Wohlstands seit gut 150 Jahren. Die wird ihnen von interessierter Seite, und auch von nervenschwacher, angeschwätzt.