Dienstag, 22. Februar 2011

Unscharf







Wer sind denn diese unscharfen Herren?
Einer heißt mit Vornamen Ax... , das kann man der Projektion entnehmen, und es geht um eine Schuldenkrise.
Ja, natürlich, Noch-Bundesbank-Präsident Axel Weber war da, in Düsseldorf, vor der Akademie der Wissenschaften sprach er gestern zur "Schuldenkrise im €-Raum: Erkenntnisse und Schlußfolgerungen".

Lieferte er denn ein scharfes Bild?

Zunächst bekannte er sich zum Euro, ohne den die Finanzkrise nur viel schwieriger zu bewältigen gewesen wäre. Und mit dem Deutschland vorteilhaft gefahren sei. Aber er erinnerte auch an Schröders Forderung, eine flexiblere Haltung zum Stabilitätspakt einzunehmen. Mit Paris setzte er diese Haltung durch, andere folgten.
Um den Weg zu einer Transferunion zu verhindern, zu der es nicht kommen dürfe, müsse die Krisenprävention verbessert und der Stabilitäts- und Wachstumspakt gestärkt werden. Die von Weber genannten Maßnahmen waren alle sehr einleuchtend, Eigenkapitalstärkung, Wettbewerbsverbesserung, Beteiligung der privaten Gläubiger, Subsidiaritätsprinzip: alles schön und gut. Aber hat Weber einen strikten Automatismus bei Verschuldungsverstößen durchsetzen können? Nein, das konnte er nicht. Warum tritt Weber Ende April vorzeitig zurück? Weil alles auf gutem Wege ist, alle fleißig an der Schärfung der Haftung arbeiten und die Transferunion, für die vor allem die deutschen und niederländischen Steuerzahler in Frage kommen, von allen abgelehnt wird?
Die Farben des von Weber gemalten Bildes muteten warm und schön an, aber alles blieb recht unscharf. Bis auf Webers scharfen Schnitt, mit dem er sich von der Bundesbank trennt. Und dazu verweigerte er jeden Kommentar.

- Deutsche Staatsschuld steigt auf 2 Billionen - Helmut Schmidt hat damit begonnen - kann doch mal passieren, oder?

- 440 Mrd. Euro sollte der Rettungsfonds für Griechenland und Co. ausleihen können, meint der EU-Währungskommissar Olli Rehn (FAZ 27.1.11) - na, die werden wir wohl noch im Sparschwein haben!

Montag, 21. Februar 2011

Hummel-Hummel

Er wollte 2003 den “Demokratischen Sozialismus” aus dem Programm streichen, er hat Schröders Kleinarbeit geleistet, jetzt hat er mit 48,3 % die absolute Mehrheit in Hamburg gewonnen, vor der CDU mit 21,9%, den Grünen mit 11,2%, der FDP mit 6,6% und den Kommunisten mit 6,4%.
Nach dem Ausscheiden des sozialdemokratischen CDU-Geck Beust (er hatte keine Lust mehr, deswegen sein Rücktritt als Bürgermeister) ist der solide Scholz sicher keine schlechte Wahl. Allerdings wäre der noch solidere CDU-Kandidat Ahlhaus wohl derjenige gewesen, der auch eine geringfügig solidere Partei hinter sich gehabt hätte. Eine CDU-FDP-Koalition hätte zwar auch Beusts Prunk-Projekt “Elbphilharmonie” bezahlen müssen, hätte aber die Kriminalitätsrate der Stadt weiter gedrückt (damit hatte sie geworben), und auch für eine realistische Schulpolitik wäre diese Koalition besser gewesen.
Das hat aber offenbar die Wählermassen nicht stark bewegt.
Erfreulich der Wiedereinzug der FDP ins Stadtparlament mit 9 Sitzen.
Summa summarum: Von Beust zu Scholz kann man als Verbesserung werten für eine realistischere Hamburger Politik.

Sonntag, 20. Februar 2011

Was lächelt der so weiß-nicht-wie?






Man muß sich gutstellen mit ihm, wenn er zickt, hat man nichts zu lachen. Zu denken um so mehr, denn seine Allüren setzen unter Druck, sie loszuwerden. Gar wenn er einem Knüppel ins Denkgetriebe wirft, mit Beinbruch kommt, mit Herzinfarkt - das kostet, das verschlingt Zeit und manchmal das Seelchen dazu.
Also, er mag so seine Marotten haben, vom Frühstück bis zum Schlafen lauter merkwürdige Angewohnheiten besitzen - stellen wir uns gut mit ihm und putzen ihm auch noch die Zähne, unserem alter ego, unserem alten Freundfeind, dem Körper.




- Noch ein Täßchen? : “Theophyllin, eines der Abbauprodukte von Koffein, aber wohl auch Koffein selbst verhindern, daß sich funktionstüchtiges Organgewebe in unbrauchbares, narbiges Bindegewebe verwandelt.” Kaffee, nicht nur der Leber zuliebe, Lenzen-Schulte, FAZ 30.1.08

- 30 Sekunden hin- und hersehen steigert die Merkfähigkeit um 10%, so brit. Forscher. Das dürfte wohl durch den Entspannungseffekt verursacht sein. (Focus 20/07)

- Sport ist gesund und hält uns fit: "Zahlreiche Unfälle auf den Schweizer Skipisten, die Chirurgen operieren rund um die Uhr." NZZ 12.2.11

Samstag, 19. Februar 2011

Keine Knödelgründe mit Wurstzitaten





Von links: Germanist und Arabist Walid abd el Gawad, äg. Kleingewerbetreibender, Koptenbischof Anba Damian, Günter Reichwein (Dt.-Isr. Ges.), Aleksandra Meyer-Hubbert (Jemen-Beob.), Moderator Dirk Ansorge




Die Katholische Akademie Wolfsburg in Mülheim/R veranstaltete am 16.2.11 einen aktuellen Abend zu den Vorgängen in Ägypten.
Der ägypt. Orientalist Walid Abd El Gawad (32), Doktorand an der Universität Leipzig ("Akzeptanz- und Abgrenzungsstrategien im islamischen Diskurs Ägyptens im 20. Jahrhundert"), DAAD-Preisträger, war begeistert von den Demonstrationen und zeigte sich überzeugt, daß nun die Demokratie in Ägypten beginne. Als äg. Gegenwartsquellen nannte er Mutter und Bruder. Auf Nachfrage räumte er ein, daß die Muslimbruderschaft überall präsent sei; sie habe aber an Einfluß verloren.

Der Koptenbischof Damian, Oberhaupt der Kopten in Deutschland, sprach von der Märtyrerkirche der Christen in Ägypten, die ständigen Anschlägen ausgesetzt sei, ohne daß die Mörder verurteilt würden. Auf dem Tahrir-Platz habe es eine Gemeinsamkeit mit den Mohammedanern gegeben, man habe sich gegenseitig geschützt.

Günter Reichwein von der Deutsch-Isr. Gesellschaft würdigte vor allem die Friedenspolitik Mubaraks. Die israelische Regierung hoffe, daß Ägypten nicht zur alten Kriegspolitik zurückkehre.

Die Bochumer Orientalistin KATARZYNA ALEKSANDRA MEYER-HUBBERT schließlich stellte den Jemen als Stämmeterritorium ohne Zentralregierung vor und machte keine Hoffnung, daß sich das ändern könnte.

Ein Ökonom war auf dem Podium nicht vertreten, obwohl es nie zu diesen Demonstrationen gekommen wäre ohne die extreme Jungakademikerarbeitslosigkeit. Auf meine Frage, wie für die vielen jungen Arbeitslosen bei der rasanten Bevölkerungszunahme Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, gab es keine Antwort.

- Na, prima: “Islamischer sollen sie werden .
Ägyptens erster Verfassungsreformer Tarek al-Bischri könnte den Weg der arabischen Länder weisen. Der Freiheitswunsch der Ägypter muss, ehe er in demokratische Tagespolitik umgesetzt werden kann, in einer neuen Verfassung festgeschrieben werden … Tarek al-Bischri bringt Iran Sympathie entgegen, sondern auch deshalb, weil Teheran sich der ‘Aggression’ Israels widersetze ...” FAZ 17.2.11
Mit seinen 77 Jahren denkt der Vorsitzende der Verfassungsreformkommission so jugendlich wie ein 20jähriger Islamist der Muslimbrüder.

Freitag, 18. Februar 2011

Lieber Genosse Norden






Eine intelligente, von Marx und Adorno inspirierte Habilitationsarbeit - aber was für eine elende, hinterrücks in Richtung eines paternalistischen Staates wirkende Ideologie!

Dann doch lieber Abschreiberei! Die tut niemandem weh.



“Der soziale Spielraum der privaten Entscheidungen ist zwar durch objektive Faktoren wie Kaufkraft und Gruppenzugehörigkeit, überhaupt durch den sozioökonomischen Status präjudiziert. Innerhalb dieses Spielraums lassen sie sich aber um so eher beeinflussen, je mehr das ursprüngliche Verhältnis von Intimsphäre und literarischer Öffentlichkeit sich umgekehrt hat und eine publizistische Aushöhlung der Privatsphäre ermöglicht. So tritt denn der Kulturkonsum auch in den Dienst ökonomischer und politischer Werbung.” (Habermas, Strukturwandel, S. 212)

Ja, ja, das Kapital und seine Verbände lauern eben überall und haben eine Kulturindustrie errichtet zur Herrschaft über “die Masse der Nichteigentümer” (Ha.)

“Wolfgang Abendroth in Dankbarkeit” setzte Habermas vornean, denn Abendroth habilitierte Habermas 1962. 1973 schrieb Abendroth:

“Lieber Genosse Norden, es drängt mich, Ihnen und der Führung Ihrer Partei zu sagen, daß auch ich und viele alte und junge Genossen, keineswegs nur die Mitglieder von DKP, SDAJ und MSB (Spartakus), beim Tode Walter Ulbrichts das gleiche empfinden und denken wie Sie. Einer der größten aus der Tradition der Arbeiterbewegung ist von uns gegangen, und gleichzeitig einer der größten der Geschichte des deutschen Volkes. …”
(Albert Norden war Mitglied des Politbüros der SED, des obersten Machtorgans der Ulbricht-Diktatur; s. Bundesarchiv, s. Blog 26.7.10)


- “ Vielmehr sollen wir aus dem praktisch erschlossenen Horizont der eigenen Zukunft auf die Potentiale der Vergangenheit zurückgreifen, auf jene Umbruchsphasen, in denen Neues entstanden ist - oder hätte entstehen können. Gleichzeitig läßt sich diese Hermeneutik von ‘den nichtverwirklichten vergangenen Möglichkeiten’ zu einer radikalen Distanzierung von der eigenen Gegenwart anregen. “ Habermas lobt seinen Freund Mishima, FAZ 18.2.11.

Ja, ja, die “radikalen Distanzierung von der eigenen Gegenwart” darf im Habermas-Geseire nicht fehlen. Seit 50 Jahren nichts Wesentliches dazugelernt. Noch immer die rötliche Kritikasterei.
Und nun ist auch noch die Ulbricht-Honecker-Diktatur perdu, aus der so schönes Neues hätte entstehen können.