Mittwoch, 16. März 2011

Dünne Kruste, steifer Honig




Die Erdkruste ist sehr dünn - die ozeanische Kruste, die sich hier unter die Kontinentalkruste schiebt, sogar nur 5-7 Kilometer.
Der Erdmantel unter der Kruste ist von steif-flüssiger Beschaffenheit, vergleichbar mit sehr zähflüssigem Honig


Bild: Luis María Benítez / Wiki.







de profundis oder: vanilla fudge

tiefe, tiefe, raunt es unten
wo es gar kein oben gibt
fausten hat’s versucht zu finden
dieser wahn ist schnell zerstiebt

tief, so tief ist es empfunden
oben, tags, da ist nur schein
welt vertändelt ganze leben
das gemüt muß tiefer sein

in der tiefe ist es flüssig
in der tiefe ist es warm
auf der tiefe schwimmt das leben
ach, es ist ein dünner charme

wolf doleys

Dienstag, 15. März 2011

Nach Norden






Es sind schon viele Kraniche durchgezogen Kurs Norden - diese haben sich Zeit gelassen. Immer wieder ist zu beobachten, daß eine Schwarm in Keilformation angeflogen kommt, aber zwischendurch eine Art kurze Pause einlegt und in Haufenformation eine kleine Runde dreht, um dann wieder im Keil weiterzufliegen.



- Der Fremdwörterduden definiert KATASTROPHE als ein Unglück von großen Ausmaßen u. entsetzlichen Folgen.
Das entspricht auch dem allgemeinen Verständnis.
Die Tsunamis bewirkten eine Katastrophe.

Bei den betroffenen Reaktoren, die sich alle ordnungsgemäß automatisch bei dem Erdbeben der Stärke 9 (!) abgeschaltet haben, erst die folgenden Riesenwellen haben dann die Kühltechnik zur Abfuhr der Nachwärme beschädigt, kann ich bisher nur einen nuklearen Unfall ausmachen, etwa in der Größe eines sehr schweren Verkehrsunfalls (mit höheren Sachkosten allerdings, aber weniger Toten).
Falls es zu einer Kernschmelze analog Harrisburg kommen sollte, wäre das immer noch nur ein nuklearer Unfall, verglichen mit den jährlich ca. 2000 Toten im chinesischen Kohlenbergbau ein geringfügiger.

- Bis etwa 1963 gab es über 500 oberirdische Atomwaffentests mit tatsächlich massivem Eintrag von Radioaktivität in die Atmosphäre (mit Abkühlungswirkung übrigens) - seinerzeit wurde von keiner Katastrophe gesprochen.
Die Lebenserwartung hat sich parallel trotzdem stark erhöht.

- NISA : Nuclear and Industrial Safety Agency
An explosion caused by hydrogen at Unit 3 of Fukushima Dai-ichi NPS (the 3rd release)
1. Plant status
After the hydrogen explosion at 11:01, pressure fluctuation in the containment vessel was observed. Afterward the pressure is becoming stable. It is considered that the vessel maintains its function of confinement.
Fuel cooling status is under confirmation.
(nisa.meti.go.jp/english/index.html)

- Fukushima Block 2: "Dieser Ringraum mit der Kondensationskammer befindet sich bei diesem Reaktortyp unterhalb des Reaktors, außerhalb des Containments. Treten hier Lecks auf, ist der Weg in die Umwelt sehr kurz! Es muß daher von einer Freisetzung von radioaktiven Gasen und auch Aerosolen ausgegangen werden. Solange nur Dampf in den Ringraum gelangt ist, handelt es sich überwiegend um Edelgase. Mit einer „Kernschmelze“, wie sie die Sensationspresse allzu schnell vermutet, hat das überhaupt nichts zu tun. Bisher ist ein „Super-Gau“ weiterhin auszuschließen."
Dr. Ing. Klaus-Dieter Humpich, http://liberalesinstitut.wordpress.com/2011/03/15/update-zum-fukushima-storfall/

- Noch ist das Restrisiko nicht eingetreten!
Christian Oppenländer
Ein AKW jeglicher Bauart verfügt über mehrere Verteidigungsringe und verschiedene Schutzmaßnahmen, die nach und nach ausgelotet werden. Und selbst wenn 19 von 20 scheitern, ist das noch keine Katastrophe. Das Restrisiko ist das Scheitern aller 20.
Die 400mSv/h war gemäß anderer Medien ein Spike von Sekundendauer, also nicht weiter relevant.
Übrigens bedeutet 20/20 nicht Kernschmelze. Auch diese kann planmäßig stattfinden.
20/20 bedeutet Kernschmelze mit kombinierter Detonation aller innersten Schutzhüllen mit solch einer Wucht, dass Isotope im Restzerfall in die Atmosphäre geblasen werden - und das ist nach wie vor sehr unwahrscheinlich.
Noch ist nichts passiert, lassen Sie sich vom Journalismus nichts anderes einreden! Wir werden sehen, was passiert.

Montag, 14. März 2011

“Sehr richtig”, gab Candide zu, “aber wir müssen unseren Garten bestellen.”





Schon was drin?



- 13°C, der Reviergesang der Vögel tönt neu nach alter Weise, die Bäume schlagen zwar noch nicht aus, aber die Knospen schwellen - nicht übel, nicht übel!

Kein Erdbeben, nicht einmal ein kleines, die Kontinentalplatten stoßen anderswo krachend aufeinander, keine gigantischen Bebenwellen - man kann sich freuen.
Tun wir es auch, loben wir den Tag und das moderate deutsche Klima, den erreichten Wohlstand, die gute Stromversorgung mit sicherer deutscher Kerntechnik, die funktionierende Müllabfuhr.

Ich glaube gar, die erste Meise hat einen Nistkasten zum Brüten bezogen, eigentlich zu früh, aber es hängt Gras aus den Fugen. Sie sind offenbar beim Nestbau.

Sonntag, 13. März 2011

Strahlender Kant






Dieser Hummel fehlt es an Strahlung, direkter Sonnenstrahlung - ohne die wird es ihr zu kalt und sie erstarrt




- Wenn wir von Kant sprechen, dann meinen wir den Kant der drei großen Kritiken und den nachkritischen Kant, also den reifen Kant. Den Kant der vorkritischen Schriften, früheren Schriften, den meinen wir nicht. Eine vorkritische Schrift ist “Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes” von 1763. Bereits hier verwirft er die deduzierenden Gottesbeweise. Das wird dann aber später in der Reifeschrift KRITIK DER REINEN VERNUNFT (KrV) von 1781 auf neuer argumentativer Höhe und Präzision behandelt:
“gänzlich fruchtlos und ihrer inneren Beschaffenheit nach null und nichtig” sind die Gottesbeweise, KrV , 2. Abteilung: Transzendentale Dialektik, 3. Hauptstück.
In der KRITIK DER PRAKTISCHEN VERNUNFT von 1788 sieht er die Vorstellung von der Existenz Gottes, die Religion und die Kirche als hilfreich an, da der Mensch den Hang habe, seinen Neigungen gegen seine Pflichten nachzugehen.
Das ist pragmatisch gedacht und wird auch heute noch so gesehen: Religion dient der Zähmung der Barbaren. Anders als Rousseau sah Kant den Menschen mit seinem Hang zur “ungeselligen Geselligkeit”, der seine Nächsten “nicht wohl leiden” kann, recht kritisch (“aus krummem Holz geschnitzt”).

Bei Goethe heißt es in dieser Hinsicht:
Wer Wissenschaft und Kunst besitzt,
Hat auch Religion;
Wer jene beiden nicht besitzt,
Der habe Religion.
(Goethe, Zahme Xenien, S. 383 Berl. A.)

In seinem Aufweis der Unbeweisbarkeit der Existenz Gottes in der KrV erweist sich Kant als großer Aufklärer in einem Jahrhundert, in dem die Vorstellung einer wissenschaftlichen Beweisbarkeit Gottes noch sehr verbreitet war.


- “Also, fehlende Strahlung schadet. Die Wirkung kleiner Strahlendosen wird auch anderswo studiert. In einer japanischen Arbeit steht die Behauptung, ein Drittel aller tödlichen Krebsfälle wären zu vermeiden, würde man die Umgebungsstrahlung um den richtigen Betrag erhöhen. So wie der Mensch Spurenelemente in seiner Nahrung braucht, so hat er ebenso geringe Strahlendosen nötig.”
Dr. rer. nat. Hermann Hinsch, Radioaktivität. Aberglaube und Wissenschaft, 2010, S. 12

- "Mit der Information der "Washington Post" von heute ergibt sich folgender wahrscheinlicher Ablauf der Ereignisse:

Die Blöcke Fukushima 1, 2 und 3 waren in Betrieb als das Erdbeben eintrat. Die Reaktoren schalteten sich automatisch ab. Als das Netz ausfiel, liefen die Dieselgeneratoren ordnungsgemäss an und übernahmen die Stromversorgung der "Kühlung". Nach etwa einer Stunde beschädigte der Tsunami diese Dieselgeneratoren und die Batterien übernahmen die Stromversorgung. Die Inbetriebnahme portabler Generatoren gelang nicht rechtzeitig, so dass die Kühlung für einige Zeit unterbrochen wurde.
Inzwischen sind die Stromversorgung und damit die Kühlung wieder hergestellt, so dass es, möglich sein sollte, alle Temperaturen auf das gewünschte niedrige Niveau abzusenken. Die Zustand ist stabil.

Die Sicherheitstechnik hat das große Erdbeben und sogar mit dem extremen Tsunami ein Ereignis beherrscht, an das niemand gedacht hat. Sonst hätte man wohl viele Küstenzonen im pazifischen Raum nicht besiedeln dürfen. Ein Warnsystem ist immer noch im Aufbau. In der nächsten Planung eines Kernkraftwerkes wird man die Dieselgeneratoren sicher etwas weiter vom Ufer entfernt installieren.

Die Ereignisse in Fukushima sind nach der zeitweisen Unterbrechung der Kühlung offenbar wie folgt abgelaufen:

Wie bei allen Dampfkesseln sorgen automatische Ventile dafür, dass Dampf ggf. abgelassen wird, so dass der Druck im Gefäß zulässige Werte nicht überschreitet. Dieser Dampf kondensiert in einem grossen Wasserbecken innerhalb des druckdichten "Beton/Stahl Containments", das den Reaktorkessel umgibt. Ohne Stromversorgung konnten die Pumpen den Wasserverlust im "Reaktorkessel" nicht ausgleichen, so dass der Wasserspiegel offenbar zeitweise unter die Oberkante der Brennstäbe absank und die Temperatur lokal so weit anstieg, dass die Brennstabhüllen aus Zirkon begannen, durch chemische Reaktion Wasserstoff aus Wasser zu erzeugen. Dieser Wasserstoff gelangte zusammen mit Dampf ebenfalls zunächst in das Containment.

Das Containment ist in einem "normalen erdbebengeschützten" sog. Reaktorgebäude angeordnet, das keine Schutzfunktion hat. Es enthält Hilfsanlagen und sammelt die Abluft der Klimaanlagen im "radioaktiven Bereich", die kontrolliert über wirksame Filter und einen Schornstein praktisch ohne "Radioaktivität" in die Umgebung austritt.

Da auch aus dem Containment keine Wärme abgeführt werden konnte, stieg nach einiger Zeit der Innendruck ebenfalls an und zwang zur Druckentlastung über Ventile in das Reaktorgebäude, in dem die Klimaanlagen zwangsläufig ebenfalls "stromlos" waren. Daher stieg die Wasserstoffkonzentration an. Es kam offenbar zu einer Knallgasexplosion in Fukushima 1 im Reaktorgebäude, obwohl dort eingebaute Einrichtungen das eigentlich verhindern sollten. In Fukushina sind das elektrische Zünder, die den Anstieg der Wasserstoffkonzentration begrenzen, die leider in diesem Fall auch stromlos waren. In Deutschland wurden für diese Aufgabe Katalysatoren entwickelt, die "autokatalytisch", ohne elektrischen Strom, funktionieren.

Aus meiner Sicht ist das Ereignis eine weitere Bestätigung des sehr hohen Sicherheitsstandards der friedlichen Kernenergienutzung. Es gibt einen Hinweis für die zukünftige Beachtung des "Tsunamis" bei der Konstruktion der Kraftwerke in gefährdeten Küstengebieten. "

Ulrich Wolff

Samstag, 12. März 2011

Beileid nach Japan




Erster Bienenausflug bei 14°C Mittagstemperatur (nachts 2°C)



- Schlimmes Erdbeben in Japan über der Subduktionszone Eurasische, philippinische und pazifische Platte.

Von 1300 Toten wird gesprochen. Zahlreiche Häuser wurden zerstört. Allerdings offenbar nur durch die Tsunamis. Dem starken Beben selbst hielten die Häuser weitgehend stand. Eine große technische Bauleistung.
Die Reaktorgebäude der Kernkraftwerke sind aus massiven Stahlbeton mit viel Bewehrungsstahl errichtet und noch weniger anfällig gegen Erdbeben als nahezu allen anderen Gebäude.

Ein Brand in einer Turbinenhalle befindet sich im konventionellen Teil des Kraftwerks und hat demzufolge lediglich dann eine nukleare Komponente, wenn es sich um einen Siedewasserreaktor handelt. Auch in diesem Fall ist der Wasserdampf nicht sehr radioaktiv.
Der betroffene Reaktor Fukushima 1 ist ein Siedewasserreaktor.
Wenn man davon ausgeht, daß ein Reaktorbehälter aufreißt, oder 2 Kühlkreise abreißen, dann kommt es zu einer Kernschmelze. Es entsteht ein Corium, welches den Reaktorbehälter durchdringt, sich mit dem Beton des Fundaments mischt und dann in dieser Verdünnung erstarrt. Der entstehende radioaktive Wasserdampf des Primärkreislaufs wird dann ggf. über einen Filter teilweise in die Umgebung abgegeben. Sehr wahrscheinlich wird der Schaden analog Harrisburg in einem zerstörtem Kernkraftwerk bestehen, Menschen werden vermutlich nicht Opfer eines derartigen Zwischenfalls. (Tschernobyl war/ist graphitmoderiert.)

Ein vergleichbares sehr starkes Erdbeben in Deutschland hätte 1000ende von Windmühlen umgeworfen und 10.000ende von Oekosolardächern hätten durch Kurzschlüsse die darunterliegenden Häuser in Brand gesetzt. Im Gegensatz zu Japan mit seinen 54 KKW, wären in diesem ökologischen Szenario viele Menschenopfer zu beklagen. Wenn man Naturkatastrophen in verschiedenen Ländern betrachtet so ist die Zahl der Todesopfer umso geringer, desto weiter die moderne Zivilisation fortgeschritten ist.

Bewunderungswürdig: die Disziplin der Japaner.