Mittwoch, 27. Februar 2013

Ein Glückspilz oder per aspera ad astra









Statue Tarataglias in Rom (wo sie heute noch nicht rechnen können)
(Bild: http://www-history.mcs.st-and.ac.uk/Biographies/Tartaglia.html)

Mit zwölf Jahren erlebte er ein fürchterliches Massaker französischer Truppen in seiner Heimatstadt Brescia (bei Venedig), er flüchtete in eine Kathedrale, wo ihm ein Soldat mit dem Schwert Unterkiefer und Gaumen spaltete. Für tot gehalten, überlebte er, und da die Familie arm war, der Vater wurde ermordet, bekam er keine medizinische Hilfe. 
Da die Ärzte in der guten alten Zeit zumeist kenntnislose Scharlatane waren, die zuletzt selbst Ludwig 14. mit seiner doppelten Pferdenatur durch Aderlässe umbrachten, überlebte er noch einmal. Und zum Dritten: ohne Antibiotika, ohne Schmerzmittel heilte diese schreckliche Wunde des jungen Nicolo. Man kann sich kaum die grauenhaften Schmerzen vorstellen, die dieser Knabe erlitten haben muß. Armer Nicolo, glücklicher Nicolo.
Für die Schule reichte das Geld auch nicht, schlechte Lehrer, lernunwillige und dreiste Mitschüler - das blieb dem jungen Tarataglia erspart, all das blöde Geseire, von dem schon Seneca in seinen Lucilius-Briefen handelt. Er nahm das Lernen selbst in die Hand, das Lesen und Schreiben und das Rechnen besonders!  
Keine dummköpfigen Mitschüler bremsten sein Lerntempo, keine begriffsstutzigen Lehrer. Das lief und lief und am Ende löste er kubische Gleichungen (x3 + ax = b) und übersetzte den Archimedes und den Euklid.

Zuletzt starb er doch, 1557, in Venedig. Schade.   

- Prima Lernklima:
"
Als Schülerin der damals 8. Klasse legte sie 2011 im Erdgeschoss des Gymnasiums in Ballenstedt zwei Brände. Anschließend ging sie mit einem Messer auf einen Mitschüler los." (FAZ 27.2,13) 

Jetzt, mit 15, knallte das lernfreudige Mädchen mit einer Schreckschußpistole einem Mitschüler ins Ohr und einem anderen ins Gesicht. So wünschen wir uns doch das neudeutsche Gymnasium!  Locker und nicht so stoffbezogen. Zur Belohnung bekommt sie sicher ein pädagogische Exkursion im Wert von 30.000 Euro.   

Dienstag, 26. Februar 2013

Sisyphos





Nichts Neues aus Italien - die Arbeitsmarktreform, die die Gewerkschaften seit 40 Jahren bekämpfen, bleibt weiter unerledigt. Gewerkschaftsfreund Bersani steht dafür.

Wenn Sozialstaaten einen Schuldenberg aufgetürmt haben, wartet eine Jahrhundertaufgabe.


(Bild: Franz Stuck, Wiki.)

Montag, 25. Februar 2013

Mit 14 Jahren unverdorben aus Schuldenklitsche profitablen Großbetrieb gemacht: Alfred Krupp



Alison Wolf , Does Education Matter?, S. 8

Von 200.000 auf 1.200.000 Lehrer - so sieht die Entwicklung in allen Industrieländern aus, nachdem Volksschüler wie die Krupps , Harkorts und Darbys enorme Werte geschaffen hatten, begann der Ausbau des Schulwesens. 

Man vergleiche einmal hinsichtlich Inhalt und Form die alten Briefe der volksschulgebildeten Großeltern mit Schul-Aushängen von Gymnasiallehrern heute, dann erhält man einen Eindruck, wohin die Entwicklung gegangen ist. 

Was soll ein Lehrer dem Schulabbrecher Justus Liebig gesagt haben? „Du bist ein Schafskopf! Bei Dir reicht es nicht mal zum Apothekenlehrling.“ (Wiki.) Ähnliches könnte man heute den meisten Lehrern sagen. Sie sind die Nutznießer dieser immensen Stellenvermehrung.

Sonntag, 24. Februar 2013

Von Zeit zu Zeit les’ ich den Alten gern









Schopenhauer haßte Hegel, nannte seinen Pudel aber trotzdem “Mensch”




“Daß die Weltgeschichte dieser Entwickelungsgang und das wirkliche Werden des Geistes ist, unter dem wechselnden Schauspiele ihrer Geschichten, - dies ist die wahrhafte Theodicee, die Rechtfertigung Gottes in der Geschichte. Nur die Einsicht kann den Geist mit der Weltgeschichte und der Wirklichkeit versöhnen, daß das, was geschehen ist und alle Tage geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist.”
Meint Hegel am Ende seiner “Philosophie der Geschichte”.
Er wollte es eben so sehen und hat sein Geschichtsbild danach konstruiert. Da ist er in massenhafter Gesellschaft.

Treffender formuliert er über Luther und die Reformation:
“Luther hatte die geistige Freiheit und die concrete Versöhnung erworben: er hat siegreich festgestellt, was die ewige Bestimmung des Menschen sey, müsse in ihm selber vorgehen.
In Deutschland war in Ansehung der Weltlichkeit schon Alles durch die Reformation gebessert worden, jene verderblichen Institute der Ehelosigkeit, der Armuth und Faulheit waren schon abgeschafft, es war kein todter Reichtum der Kirche und kein Zwang gegen das Sittliche, welcher die Quelle und Veranlassung von Lastern ist, nicht jenes unsägliche Unrecht, das aus der Einmischung der geistlichen Gewalt in das weltliche Recht entsteht, noch jenes andre der gesalbten Legitimität der Könige, d. i. einer Willkür der Fürsten, die als solche, weil sie Willkür der Gesalbten ist, göttlich, heilig seyn soll; sondern ihr Wille wird nur für ehrwürdig gehalten, soweit er mit Weisheit das Recht, die Gerechtigkeit und das Wohl des Ganzen will.” (Hegel, ed. Glockner, Bd. 11, S. 552ff.)  

Die Stärkung der Subjektivität durch die Reformation durch Innerlichkeit und Rechtlichkeit kommt hier zum Ausdruck, und das war es eben, was klügere Köpfe und aktivere Menschen und die Bürger der Städte für die Reformation gewann, was auch wieder ein Gewinn für die Reformation war. Der tätige, intelligente Mensch interessierte sich nicht unbedingt für die Details der Theologie, der Ekel gegenüber den katholischen Schranzen stieß ihn von der alten Kirche ab und führte ihn der Reformation zu. Der Faule und Dumme blieb Katholik. Natürlich hatte das auch seine ökonomischen Folgen. Siehe Max Weber, Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen.  

Samstag, 23. Februar 2013

Wie gebildet mußten die Mönche sein, um Archimedes nicht zur Kenntnis zu nehmen?











Unter Hegelfreunden 

   


... wieder interessant, Ihr Text zur jüdischen Intelligenz.

Mit Wößmann anzufangen:
Dieser abgefeimte Schulideologe will die ganze Welt in eine totale Schule verwandeln! Ekelhaft. 

" Wößmann: Unser zentraler Befund ist, dass der wirtschaftliche Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken komplett verschwindet, wenn wir die ökonomischen Effekte der Bildung herausrechnen." (DIE ZEIT, 23.12.2008)  

Das ist doch grauenhaft. Der Mann bildet sich ein, er könnte die ökonomischen Effekte der Bildung berechnen. Soll dieser Schuljünger doch mal den Einfluß der Erfindung der Brille auf die längere Schaffenszeit der norditalienischen Mechaniker berechnen. 
Bei den Juden stellt sich mir die Frage, ob nicht die langandauernde Wettbewerbssituation in der Diaspora diesen arabischen Stamm nach dem römischen Sieg zu einer lernfähigen Population gemacht hat. Ohne die römische Intervention wären die Juden wohl heute so intelligent wie die anderen Semiten, die Saudis und Syrer etc. Der starke Wettbewerbsdruck steigerte sich zudem auch immer wieder zu Pogromen, denen vermutlich mehr untüchtige Juden zum Opfer fielen als tüchtige, die Tüchtigen hinterließen also mehr Nachkommen. 

Die Hochschätzung von Thora-Textarbeit macht wohl nicht unbedingt dümmer, wie man bei den Orthodoxen in Jerusalem den Eindruck haben kann, aber sie führt auch nicht zur Erfindung des Räderpflugs und anderer zukunftsträchtiger Instrumente, wie sie in Oberitalien des Mittelalters gelangen. Ich könnte mir vorstellen, daß die Juden ähnlich stark von den Westeuropäern gelernt haben wie heute die Chinesen von den USA lernen. Bis zu einer eigenständigen Erfinderkultur dauert es aber vielleicht noch 1000 Jahre, Intelligenz hin oder her. Denn auf Individualismus und wettbewerbliche Marktwirtschaft kommt es an. Und auf verläßliche Rechtssysteme.  

Wenn man die "Bildung" isoliert betrachtet, dann muß man auch ihre destruktiven Seiten veranschlagen: 
Lange scholastische Disputationen über Engel auf der Nadelspitze, Geschichtsblödsinn bei Hegel, Marxens Megakontamination der europäischen Gehirne bis heute, die Verwirrung armer Seelen durch Freud, die Sexverderberapostelei seines Schülers Wilhelm Reich, die andauernde neomarxistische Ideengeberei durch Adorno, Horkheimer und Marcuse etc. 
Nur mal so angemerkt.
Wößmann sollte man 100mal Alison Wolf abschreiben lassen: DOES EDUCATION MATTER?
Myths about Education and Economic Growth» (Penguin Books 2002) .