Sonntag, 7. September 2014

Der totale Putin










Die Genscheristen und Schrödianer im Außenministerium lesen so etwas nicht. 





Die neue deutsche Ostpolitik setzte seit 1970 auf den Dialog mit den regierenden kommunistischen Parteien. Die USA setzten auf die Informationspolitik des Radio Free Europe, das die Oppositionellen in Osteuropa hörten. Außenminister Genscher schnitt die polnische Opposition, Präsident Carter besuchte sie. Die Solidarnosz siegte, und verhalf dadurch auch Gorbatschow zur Macht. Mit dem lohnte sich das Gespräch. 

Der neue Anti-Gorbatschow Putin ist ein gerissener und skrupelloser Geheimdienstler und Nationalist, der dem Westen den Stuhl vor die Tür setzte. Mit ihm ist ein Dialog völlig sinnlos. Er wird durch andere Machtaspiranten in Moskau gestürzt werden, die sich für fähiger halten als der kleine, graue Emporkömmling.

Samstag, 6. September 2014

Vernunft wird Unsinn




Achtstundentagtransparent in Melbourne 1856
(Quelle: Wikip./Ulanwp)


"Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist. (...) Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist."
So Lassalle, der am 31.8.1864 starb. Wenn man es bescheidener ausdrückt, wird es gültiger: Verschweigen und Bemänteln sind meist keine sinnvollen Verhaltensweisen. Ausnahmen gibt es bei allem.
Lassalle liebte das opernhafte Auftreten, und zumindest ist das bei der Gründung von Organisationen oft hilfreich, weil viele Leute dadurch angeregt werden, der Organisation beizutreten. In diesem Fall dem von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), dem Vorgänger der SPD.
Fontane stand den Sozialdemokraten skeptisch gegenüber, zurecht, aber es kann auch nicht bezweifelt werden, daß der ADAV das politische Leben dynamisierte, und dies ist eigentlich fast schon ein Wert an sich. Nachhaltigkeit bedeutet Stillstand und Erstarrung. Dynamisierung gibt den schlummernden Möglichkeiten Raum. Jahrhundertelang hatten Adel und Klerus Entwicklungen gehemmt, wo sie nur konnten. Die industrielle Revolution brachte alles in Bewegung, von unten, lockerte die Standesfesseln und die Zunfterstarrung, verlangte Gewerbefreiheit und Vertragsfreiheit. Bürger und Arbeiter übernahmen tragende Rollen, und hier hatte auch der ADAV seine Verdienste. Er verschwieg und bemäntelte nichts und sorgte damit für Reformen. Der Achtstundentag, schon von dem walisischen Unternehmer Robert Owen 1830 postuliert, und das Streikrecht wurden gefordert.


Das sind heute Selbstverständlichkeiten. Gestern streikten die vielverdienenden Piloten für Rente ab 55, heute tun es die gutversorgten Lokführer und Zugbegleiter für mehr Geld. Die Kunden nehmen sie dafür gewissermaßen als Geisel.
Soll man verschweigen, daß das Streikrecht längst entgleist ist? Soll man bemänteln, daß den Unternehmen alle wirksamen Gegenmaßnahmen genommen wurden? Herr Lassalle, sagen Sie mal was dazu.    
Goethe hat sich  schon dazu geäußert:
„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;
Weh dir, daß du ein Enkel bist!“
FAUST I, Studierzimmer II, V. 1976f.   












Freitag, 5. September 2014

Adam Smith war Schotte











Schottland wird regiert von der Scottish National Party SNP, deren Führer Salmond ist. Er und seine Politkumpane wollen mehr Macht und mehr Stellen für ihre Parteileute. Daher schüren sie seit Jahren alte Gefühle gegen England und hoffen nun, daß sie in dem bevorstehenden Referendum eine Stimmenmehrheit für ihre Unabhängigkeitspläne bekommen werden. Nun besitzt Schottland bereits ein Autonomiestatut und regelt viele schottische Angelegenheiten selbst. 

Ein wichtiges Argument für eine völlige Unabhängigkeit zu entdecken, gelingt nicht. Es geht um eine Marotte namens ‚Schottentum’ auf seiten bornierter Nationalisten, und um Geld und Posten auf seiten der schottischen SNP-Regierung. Die Abstimmung wird nicht auf russische Weise abgehalten, sondern sauber unter Beobachtung. Man darf gespannt sein auf den Ausgang, denn die nationalistischen Stimmen sollen nach Umfragen auf 42% gestiegen sein. Das Ergebnis könnte knapp ausfallen. Nationalismus bleibt eine Größe in den Köpfen vieler Menschen. Auch die Zumutungen der Globalisierung spielt dabei eine Rolle. Zentralregierungen sollten auf keinen Fall ihre Kompetenzen ausweiten, sondern den Regionen Eigenständigkeit zugestehen. Das gilt besonders für Kunstgebilde wie die EU, die ständig darauf sinnt, ihre Macht auszudehnen und das als „Europa-Idee“ zu maskieren. 
Allerdings ist die EU weit davon entfernt, man muß das sagen, Gouverneure in anderen Ländern zu ernennen, wie Putin das seit 2004 in seinen kaukasischen Kolonien tut. 






Donnerstag, 4. September 2014

Unter dem Schutz der russischen Waffen




Drei Stadien der russischen Eroberungen seit 1500-1700, die Krim und Ostpreußen kommen später, nach der Devise Alexanders des Groben: Wir erobern uns noch ein paar Länder (gekennzeichnet durch drei Grünvarianten; Quelle: Wikipedia) 



Sie lassen die Ebola-Toten einfach auf der Straße liegen, klagte eine medizinische Hilfsorganisation. Das ist eben die Naturauffassung in solchen Gesellschaften, es hänge, so die magische Vorstellung, alles miteinander zusammen, die Bäume, der Wind, die Dämonen und die Hexen, die hinter manchem Unheil stecken. Es gibt keine distinkte und differenzierte Betrachtung von Phänomenen, nur ein pan-optisches Narrativ. Es gibt keinen zersetzenden Geist, keine Anatomie, die alles zerschneidet. Glückliche Gesellschaft des Heilen, Ganzen – unglückliche Gesellschaft, die nicht differenzieren und wissenschaftlich denken kann.

Jede Gesellschaft bildet über lange Zeit hinweg Denkungsweisen und Institutionen aus, die ihre Weltsicht repräsentierent und ihre Weltsicht formen und immer die Sozialisation der neuen, heranwachsenden Gesellschaftsmitglieder bestimmt. Hier bildet sich Heimat im weiteren Sinn. 

Bei den ganzheitlichen, nachhaltigen Vergesellungen handelt es sich meistenteils um kleine Gemeinschaften von Familienverbänden und Stämmen. Größere Gebilde werden von Kriegsherren gebildet, denen Vasallen dienen, die wiederum kleine Gemeinschaften beherrschen. Der Weg zur Nation dauert sehr lange und gelingt nur unter günstigen Voraussetzungen, zu denen eine gemeinsame Sprache und eine Dominanzkultur gehören. Nur militärisch beherrschte Räume zerfallen schnell wieder. Das zeigen die flüchtigen mongolischen Eroberungen im Unterschied zum langlebigen Römischen Reich.
Beim russischen Kolonialreich gibt es zwar die militärisch gestützte Dominanzkultur, doch fehlt die gemeinsame Sprache und die asiatischen Subkulturen weisen sehr große Unterschiede zur Moskauer orthodoxen Kultur auf. Die Neubelebung des russischen Nationalismus schärft diese Unterschiede und fördert die Abspaltung vor allem der mohammedanischen Kolonien.

Der nationalistische russische Komponist Borodin (1833-87) huldigte den zaristischen Eroberungen musikalisch in der „Steppenskizze aus Mittelasien für Orchester“ und schrieb dazu:

„In der einförmigen Steppe Mittel-Asiens erklingen die bisher fremden Töne eines friedlichen russischen Liedes. Aus der Ferne vernimmt man das Getrappel von Pferden und Kamelen und den eigentümlichen Klang einer morgenländischen Weise. Eine einheimische Karawane nähert sich. Unter dem Schutz der russischen Waffen zieht sie sicher und sorglos ihren weiten Weg durch die unermessliche Wüste. Weiter und weiter entfernt sie sich. Das Lied der Russen und die Weise der Asiaten verbinden sich zu einer gemeinsamen Harmonie, deren Widerhall sich nach und nach in den Lüften der Steppe verliert.“ (Wikipedia)


Ob die Kaukasus-Stämme für neue Töne dieser Art empfänglich sein werden? 





Mittwoch, 3. September 2014

Übrigens



Nach den islamistischen Siegen in Tunesien, Libyen, Gaza, Sudan und Ägypten - Sunniten, Sunniten, Sunniten - sollte man mit den Alewiten in Syrien auf die einzig friedliche Richtung des Islam setzen und Assad als reale Möglichkeit unterstützen. In allen islamischen Ländern gibt es keine Wurzeln für individuelle Freiheit und Bürgerrechte. Mehr als halbwegs moderate Diktatoren sind nicht verfügbar, das lehren die letzten Jahre. Jederzeit drohen aber sunnitische Mördermilizen überall.