Freitag, 10. April 2015

Vorzeigeunternehmerin bei Gabriel, angeblich Wirtschaftsminister


Wie hat sie sich in den zwei Jahren als Unternehmerin verändert? Im ersten Jahr der Gründung habe es noch viele Hoch und Tiefs gegeben, erzählt Lea-Sophie Cramer. Sie habe nun zwar eine gewisse Grundsicherheit gewonnen, weil die Resonanz der Kunden so gut sei, aber „ruhiger“ sei sie nicht geworden. Sie würde immer noch wie von einer Hummel gestochen herumrennen. Kein Wunder: nebenbei ist Cramer jetzt auch noch Verwaltungsrätin der Conrad Electronic SE und „Vorbild Unternehmerin“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie von Sigmar Gabriel sowie Beisitzer des Bundesverbands Deutscher Startups. …” FAZ Unternehmensporträt 7.4.15

Sie meint wohl eine Wespe, denn Hummeln sind so wenig stechfreudig, daß man im Zweifel ist, ob sie überhaupt stechen können.
Mit diesem Sexspielzeug-Unternehmen ist die Zukunft des Landes zweifellos abgesichert.















Donnerstag, 9. April 2015

Aus der Metternich-Zeit oder: frisch und fromm zugestochen







Sands Hinrichtung 1819, auf der er, trotz Begnadigungsangebots, besteht.

(Bild: Wikiped.)


1819 ersticht der Burschenschafter und protestantische Theologiestudent Karl Ludwig Sand im badischen Mannheim den populären Theaterdichter Kotzebue, weil der, aus der geistig beschränkten Perspektive des Sand gesehen, sich nicht ausreichend für die deutsche Einigung einsetzt, stattdessen informationelle Beziehungen zum Zar in Petersburg unterhält. Kotzebue gilt den Burschenschaftern als russischer Spion. 


Der Vater des genialen Erfinders Karl Drais, Karl Wilhelm Ludwig Friedrich von Drais Freiherr von Sauerbronn, verurteilt als Hofrichter den frommen Mörder Drais zum Tode. Danach stellen Burschenschafter dem völlig unbeteiligten, demokratisch gesonnenen Sohn Drais nach und verüben einen Mordanschlag auf ihn, dem er aber entkommt und der daraufhin zeitweilig nach Brasilien flieht. 


Mittwoch, 8. April 2015

Die Statistik ist beliebt











Halsbandsittiche über den Autos der Kö und auf Augenhöhe mit den Schornsteinen - hier bin ich Sittich, hier geht’s mir gut.
Ja, und deswegen erhöht sich auch die Lebenserwartung der Menschen selbst im stinkigen Köln ständig.


Wo läßt man sich am besten nieder, wenn man an die Gesundheit denkt? In städtischen Verdichtungsräumen eher nicht, da stehen die Heizthermosthate auf 25°C. Auf dem Land ist es bestimmt gesünder, da wird ein Pullover angezogen. Daher leuchtet es ein, daß zum Beispiel die Nierenkrebsrate in denjenigen Counties der USA am niedrigsten ist, die dünn besiedelt sind. Gesunde Umwelt, gesunde Menschen, Wald und Wiese.

Oder liegt es daran, daß dort stärker republikanisch gewählt wird? Gesunde Umwelt, gesunde Politik, gesunde Nieren?

Stutzig macht, daß diese Landkreise zugleich aber auch die höchste Nierenkrebsrate aufweisen. Wenn man darüber nachdenkt, könnte man zu dem Schluß gelangen, daß es an der niedrigen Zahl von Museen und Universitäten dort liegen könnte und an den fehlenden Straßenbahnen.

Man merkt langsam, warum Statistik bei den Greenpeacern so beliebt ist. Denn die beiden scheinbar widersprüchlichen Befunde aus der Untersuchung von über 3000 Counties beruhen auf der Statistik der kleinen Zahlen. Je kleiner die Stichproben, desto mehr Extremwerte kommen vor. Der manisch nach Kausalitäten suchende Mensch geht fehl, er findet hier keine Kausalität. Es gibt keine. Und deswegen kann man mit Statistiken so gut betrügen.
Wie Daniel Kahneman aus der eigenen Praxis berichtet, sind auch Statistiker und Statistiklehrer nicht gegen solche Fehler der kleinen Stichprobe gefeit. Was nicht gerade beruhigt.
(Daniel Kahneman, Denken, S. 139ff.)

Übrigens schmuggelt Kahneman so diese und jene Beeinflussung in sein Buch. Er hält er es zum Beispiel mit den Delphinen, während ihm die Fliegenden Fische und all die anderen mittelgroßen Fische, die von den Delphinen gefressen werden, völlig piepegal sind. „Finanzhaie“ mag er nicht, die „alte Menschen ausnehmen“, (diese pösen Banker!), dagegen bemitleidet er  „ölverschmierte Seevögel“, und bei ihm kandidieren stets Frauen - will er Hillary Clintons Kandidatur befeuern  zur Unterstützung der Delphine? 
Kahneman scheint seine Stereotypen aus einer Wahlkampfbroschüre der Demokratischen Partei zu beziehen. 
Nobody ist eben perfect.

Dienstag, 7. April 2015

Leib und Seele




„Die subjektive Erfahrung einer frei gewollten Handlung ist weitgehend losgelöst von der physikalischen Kausalität. … Viele Menschen beschreiben wie selbstverständlich ihre Seele als die Quelle und die Ursache ihrer Handlungen. Der Psychologe Paul Bloom … stellte die provokative Behauptung auf, unsere angeborene  Bereitschaft, physikalische und intentionale Kausalität zu trennen, erkläre die Tatsache, daß religiöse Überzeugungen praktisch universell seien.
Er bemerkte: ‚Wir nehmen die Welt der Dinge weitgehend getrennt von der Welt der Psyche wahr, und dies ermöglicht es uns, daß wir uns seelenlose Körper und körperlose Seelen vorstellen.'

(Daniel Kahneman, Denken, S. 103) 
Blooms Aufsatz von 2005 in: theatlantic.com














Montag, 6. April 2015

Aber Halo!















Ein Buch, dem man viele Leser wünscht. Belehrt es doch darüber, wie unsicher das menschliche Erkenntnisvermögen ist, und wie viele systematische Verzerrungen auftreten. Auch bei sog. Experten. So gibt Kahneman ein Beispiel aus der eigenen Küche für den Halo-Effekt: bei der Benotung mehrerer studentischer Arbeiten eines Studenten hintereinander stellte er fest, daß er die folgenden Arbeiten im Lichte der zuerst benoteten Arbeit einschätzte. (S. 110)

Da in modernen Gesellschaften mit ihrem Diplomierungswesen  - früher reichte es, daß man adelig geboren war - Noten eine große Rolle spielen, kann die Bedeutung des Halo-Effekts schwerlich überschätzt werden und sollte allen Lehrenden schon in der Ausbildung bewußt gemacht werden. Da Schulen Massenabfertigungsbetriebe sind und die Lehrer nur über begrenzte Möglichkeiten verfügen, sind Beurteilungsverzerrungen durch Halo-Effekte grundsätzlich nicht zu verhindern, ein Grund mehr, die ganze Notenmethodik in Frage zu stellen. So weit geht Kahneman aber nicht. Sieht er nicht, daß eine Ziffer eine Objektivität und Einheitlichkeit suggeriert, wo es tatsächlich um eine gewichtete Zusammenziehung mehrerer, eventuell vieler Einzeldaten aus einem längeren Zeitraum geht?
So wird eine Lehrerin - es gibt ja fast nur noch Lehrerinnen in Grundschule und Unterstufe - dazu neigen, in einem Schulhalbjahr, in dem Nacherzählungen auf dem Lehrplan stehen, die Nacherzählungsleistung im Gesamtstoff stärker wichten, wohingegen ein sachlich orientierter Lehrer anders verfahren würde. Zudem handelt es sich bei Noten vor allem um ein Binnenmaß in einer Lerngruppe, wodurch die Noten in Bremen und in Bayern nicht mehr vergleichbar sind.
Ich glaube, es war Sarrazin, dessen Frau Lehrerin in Berlin ist, der launig sagte, daß bayrische Hauptschüler besser seien als Berliner Abiturienten.
Aber immerhin zeigt Kahneman das Problem auf, dazu noch sehr viele andere, die die Lektüre seines Buches wertvoll machen.