Mittwoch, 24. Juni 2015

Köln, wie es leibt und lebt







Heute nicht mehr so heilig. Bild: Wiki.

ZEITZEICHEN


„Junkie verprügelt KVB-Mitarbeiter“, vermeldete der Kölner Stadtanzeiger am 28.5.15, „Bediensteter wollte am Neumarkt andere Süchtige schützen - Hand gebrochen. … Am Rande des Prozesses empörte sich Dieter S. über die Zustände am Neumarkt. Es sei ein ‚Unding‘, daß Passanten aus Angst vor den Junkies immer wieder seine Hilfe benötigten und die Behörden ‚tatenlos zusehen‘. 














Dienstag, 23. Juni 2015

Was von Anfang an schief war, wird bei Wiederholung nicht gerade





 "Das Fehlerrisiko läßt sich für jeden Stichprobenumfang mit einem recht einfachen Verfahren abschätzen. Doch traditionellerweise führen Psychologen keine Berechnungen durch, um den angemessenen Stichprobenumfang zu ermitteln. Sie verlassen sich auf ihr intuitives Urteil, das normalerweise fehlerhaft ist." Kahneman, S. 143







Die meisten Studien bzw. Experimente sind schon deshalb ungültig, vor allem ältere, weil die Statistikregeln nicht eingehalten werden (s.u.a. Kahneman, Denken, S. 142ff.). Beim berühmten Milgram-Experiment hat es Hans Bernhard Schmid in seinem Buch <„Moralische Integrität“. Kritik eines Konstrukts.> unternommen, das gesamte Konzept und die Durchführung des Experiments als invalide zu entlarven.- Politisch einschlägig beliebt wurde das Experiment durch die Gleichung „Autoritärer Charakter = Totschlagscharakter = kapitalistischer Charakter“. Das Buch erschien 2011 und wurde in der FAZ v. 1.7.11 rezensiert. 

Wenn Birbaumer das Experiment ähnlich schlampig wiederholt hat wie Milgram es entwarf und durchführte, dann ist es ebenso invalide. Daß er keine näheren Angaben macht, läßt das vermuten. Der empirische Psychologe Hans Jürgen Eysenck hat in seinem Buch „Kriminalität und Persönlichkeit“ mehr beizutragen als Birbaumer. Auch zu Gefängnisprogrammen.  

Übrigens führen Psychologen nicht nur oft keine Berechnungen durch für den notwendigen Stichprobenumfang, sie übernehmen auch ungeprüft Ergebnisse von Experimenten, bei denen der Psychologe keine Stichprobengröße berechnet hat. So leider Kahneman beim Milgram-Experiment. Tja, man kann nicht alles nachprüfen, deswegen sollte man bei Experten mißtrauisch sein und eher nichts übernehmen. 

Sonntag, 21. Juni 2015

Pommern Januar 1945 - Gabi Köpp









„Ruth weint unablässig. Doch Tränen erweichen die Herzen der Rotarmisten schon gar nicht. Auch ich spüre tiefe Angst - Tränen aber habe ich keine. Und helfen täten sie ohnehin nicht. … Tief in mir eine verzweifelte Stimme: ‚Weshalb hilft mir denn keiner - ich kann das nicht mehr lange ertragen.‘“ So die 16jährige Gabi Köpp in ihrem (Tage-) Buch „Warum war ich nur ein Mädchen?“ (Herbig 2010, S. 80) Darin beschreibt sie die Leiden ihrer Flucht im kalten Januar 1945 aus Pommern. 
„In maßloser Wut fällt diese Bestie über mich her. Sollte ich geglaubt haben, die Grenzen meiner Verzweiflung bereits erreicht zu haben, erkenne ich in diesem verwüsteten Zimmer meinen Irrtum. ‚Warum muß mir das auch alles passieren! Ich kann nicht mehr. Jetzt fange ich doch an zu weinen‘ - Worte, die bis zum heutigen Tage Gültigkeit haben. Denn noch heute, über sechs Jahrzehnte nach dem grausamen Geschehen, sehe ich den Leutnant überscharf vor mir.“ (S. 83) 
Nach einem Feuerüberfall der Russen auf den Flüchtlingszug getrennt von Mutter und Schwester findet Gabi Köpp einen kleinen Schutz bei dem gleichaltrigen Ewald Kuske, der etwas Russisch kann und dolmetscht, dafür jedoch einfach - ohne jeden Anlaß und Grund - erschossen wird.
Es ist kaum glaublich, was die Frauen und Mädchen auf der Flucht ertragen müssen. Sexuelle Gewalt kommt in allen Armeen vor. Sie kam vor bei Engländern, Franzosen und Amerikanern. Bei der russischen Armee aber wurde sie massenhaft ausgeübt und durch Flugblätter des Haßpropagandisten Ilja Ehrenburg noch zusätzlich geschürt. Kritiker wie Solschenizyn und Kopelew kamen ins KZ. 

   Berichte aus Tschetschenien (Politkowskaja) deuten darauf hin, daß sich am barbarischen Status der russischen Armee offenbar wenig geändert hat.