Mittwoch, 29. Juli 2015

In Moskau begrüßt

Zu: Martin Gilens/Benjamin Page, „Perspectives on Politics“ .

Ein Scherz besagt, daß die meisten Soziologen sich deswegen bei der Soziologie eingeschrieben haben, weil sie das Wort „Soziologie“ mit dem Wort „Sozialismus“ verwechselt haben. Ob der von Ihnen angesprochene Soziologe Martin Gilens auch so einer ist, wäre zu erfragen. 
Aber linke Soziologen, die sozialistisch inspirierte Studien anfertigen, die gibt es dutzendweise, nicht nur in den USA, sondern in allen westlichen Staaten. Der geistige Giftmischer Karl Marx stand und steht Pate. 
Und diese linken Soziologen und Politologen u.a. ziehen seit Jahrzehnten durch Amerika und die Welt - wie der besonders prominente Noam C. - und halten Hetzvorträge gegen die USA. In Rußland wären sie längst tot wie Politkowskaja und Nemzow, aber es gehört zum PROZESS der Demokratie, daß auch die schrillsten und idiotischsten Stimmen nicht nachts auf der Brücke erschossen werden, wie es dem Oppositionsführer Nemzow geschah. 

Die Demokratie - wir erinnern uns - ist die am wenigsten üble Regierungsform. Soll Churchill gesagt haben. Das stimmt, es gibt nicht besseres. Aber ein Idealzustand ist die Demokratie keinesfalls. Mehrheiten entscheiden in ihr, manchmal richtig, manchmal falsch, oft erfolgreich, oft mit schlechten Folgen - aber, das ist wichtig, unblutig. 
Und natürlich haben die verschiedenen Gruppen, die es in der Gesellschaft gibt, auch verschieden großen Einfluß auf die Ergebnisse der Politik, so, wie auch gute Redner wie Obama größeren Einfluß entfalten als der Bauer in Ohio hinter dem Wald, der gar nicht erst wählen geht. Es kann gar nicht anders sein. Die linksgeistigen Hütchenspieler Gilens und Page betrachten in ihrem Agit-Prop-Werk „Perspectives on Politics“ die ERGEBNISSE - so, wie sie sie sehen - nicht aber, worum es in der Demokratie geht: den PROZESS. 
Der PROZESS macht allein die Demokratie akzeptabel und den Diktaturen und dem Putinismus überlegen. Die Gesellschaft stellt ein großes Gemenge und Geschiebe vieler Gruppen dar, mit unterschiedlichen Zielen, alle können mitmachen, alle können sich artikulieren. Dadurch bleibt die Demokratie lebendig und kann flexibel reagieren. 
Am Ende der Willensbildungsprozesse ist niemand ganz zufrieden, alle wollten es etwas anders oder sogar ganz anders - aber auch das schlechteste Ergebnis ist Gold gegen Bürgerkrieg und Chaos. Und selbst linke Agitatoren wie Martin Gilens und Benjamin Page haben ihren Platz im Meinungsstreit. Das ist der PROZESS der Demokratie. Auf den kommt es an. 


Wer sich als Putin-Sympathisant auf die Linken bezieht, löst Verwunderung aus. Aber Lechts und Rinks geht schon mal durcheinander.












Montag, 27. Juli 2015

Schon Anfang des 4. Jahrhunderts verbreitete sich das Christentum in Äthiopien








1974 putschten äthiopische Militärs gegen Kaiser Selassie. Sicher eine gute Sache. Diese Spottgeburt aus Dreck und Gold betrachtete Äthiopien als sein Privateigentum. Machten es die marxistisch orientierten Militärs besser? Dazu einer der Minister, Wolde Giorgis, im Rückblick:

„Zu Beginn der Revolution wiesen wir alles zurück, was mit der Vergangenheit zu tun hatte. Wir fuhren nicht mehr mit Autos noch trugen wir Anzüge; Krawatten galten als verbrecherisch. Alles, was einen wohlhabend und bourgeois aussehen ließ, alles, was prachtvoll oder mondän wirkte, wurde als Teil der alten Ordnung verachtet. Dann, um 1978, änderten sich die Dinge. Allmählich wurde Materielles akzeptiert und dann gefordert. Designerkleidung von den besten europäischen Couturiers wurde zur Uniform sämtlicher hohen Regierungsvertreter und der Mitglieder des Militärrats. Wir hatten von allem das Beste: die besten Häuser, die besten Autos … Es war eine völlige Verkehrung der Revolutionsideale.“
(Acemoglu/Robinson, Warum Nationen scheitern, S. 428)

Diese Geschichte kennen wir schon seit Robespierre und Napoleon, spätestens seit Orwells „Farm der Tiere“. Einige Zeit nach der Revolution sitzt ein neuer Diktator im goldenen Stuhl des alten Ausbeuters. Kabila, Kenyatta, Nasser, Mugabe, Zuma.

Und seit Haile Selassie hat sich nicht viel verändert in Äthiopien. Das Land steht weiterhin ganz hinten bei Wohlstand, Wissenschaft und Entwicklung.
Wie in Kenia bedient sich die Elite. Acemoglu nennt das „herausziehend“ (extracting). 
Obama hat bei seinen Besuchen also viel anzumahnen. Ob es hilft? Insbesondere das Beispiel Äthiopiens stimmt nachdenklich, weil es ein frühchristliches Land ist. Der Einfluß des Christentums hat es also nicht vermocht, „inklusive“, also breite Teile der Bevölkerung befreiende und stimulierende Impulse zu setzen. In Europa taten das u.a. die Renaissance, die Reformation und die Aufklärung.

Einstweilen bleibt die Frage unbeantwortet, wie in Afrika Pluralismus, individuelle Freiheit und Eigentumsrechte unter dem Schutz eines Rechtsstaates, sowie Wissenschaft und Fortschrittsdenken auf den Weg gebracht werden können. 
Predigen wird nicht reichen. Immerhin repräsentiert Obama mit seiner Familie, noch anders als sein Vater, und auch nützlich für die Afro-Amerikaner zuhause, die stabile Einfrauen-Familie. Diese Institution besitzt große zivilisatorische und ökonomische Bedeutung. Die traditionelle afrikanische Promiskuität steht dem im Wege.






Sonntag, 26. Juli 2015

Schnittke: A Paganini Yoo Jin Jang //// Great music, great player! Breathtaking.

„Flüchtlinge“




In den Nachrichten wird von „Flüchtlingen“ gesprochen, obwohl es sich um ganz verschiedene Gruppen illegaler Eindringlinge handelt: viele Glücksritter und Arbeitswanderer; massenhaft Abkassierer, vor allem vom Balkan, denen es oft nur um das Taschengeld geht, so der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Schmidt; viele Einwanderer in die Sozialhilfe; Kriminelle; nur wenige tatsächliche Asylrechtsbewerber im Sinne des Asylrechts; und schließlich Eindringlinge aus Krisengebieten wie Syrien und Libyen. Hierbei handelt es sich überwiegend um aufständische Sunniten, die seit Jahrzehnten versuchen, die ihnen verhaßten Alewiten, zu denen das Assad-Regime gehört, zu vernichten.  

Ceterum censeo: Das Asylrecht muß raus aus dem Grundgesetz und in eine flexible Ministeriumsregelung überführt werden!