Dienstag, 1. November 2016

Euhemeros zu Ehren













Er lebte etwa 340 bis 260 vor Seneca im antiken Griechenland. In seiner “Heiligen Aufzeichnung”, eine Art Aufklärungsreisebericht, vertritt er die Vorstellung, daß die Götter verdiente, mächtige  Menschen bzw. Könige gewesen seien, die dann in der Folgezeit vergöttlicht wurden.
Das zeugt von Klarsicht und Vorstellungskraft. Der Mechanismus der Erzählung ist allgemein bekannt, bei den Anglern heißt er ‘Anglerlatein’. Mit jedem neuen Mal der Erzählung wird der gefangene Fisch größer. Ähnlich verhält es sich mit den Heldentaten von Onkel Otto oder Jesus von Nazareth. Die Legendenerzählungen über den Jesus entstanden zuerst rund 40 Jahre nach dessen mutmaßlichem Tod. Die Legende der Speisung der 5000 begann wahrscheinlich mit einem Dreierfrühstück und endete dann mit astronomischen 5000. So pflegt das zu gehen. Wie beim Fisch, der dann einen Meter mißt.

Wenn dann viele Jahrhunderte später ein Luther daherkommt und die Bibel wörtlich nimmt, wo ein Euhemeros die Erzählmechanik längst geklärt hat, dann muß man diesen Luther schon als besonders naiv ansehen.














Montag, 31. Oktober 2016

Luther




“‘Die Vernunft ist das größte Hindernis in Bezug auf den Glauben, weil alles Göttliche ihr ungereimt zu sein scheint, daß ich nicht sage, dummes Zeug”, heißt es zum Beispiel in den Tischreden. Und an anderer Stelle: ‘Wer ein Christ sein will, der steche seiner Vernunft die Augen aus.’”

Richard Dawkins, Der Gotteswahn, S. 266

















Samstag, 29. Oktober 2016

Zufälle? Kennen wir nicht.





"Der angesehene Historiker hat sich geirrt, und der unbekannte Physiker hat recht behalten."
Toynbee vs. Lewis Fry Richardson (1881-1953), Zur Frage zunehmender Kriegshäufigkeit, Pinker, Gewalt, S. 290f.





Sind Physiker bessere Prognosensteller? Mitnichten. Historiker sind die schlechtesten Prognostiker. Sie sehen Muster, wo keine sind, und begreifen nicht, daß die Zukunft nie die Verlängerung der Vergangenheit darstellt. Gegen solche Dumpfbacken sind natürlich alle fein heraus, wie Richardson, die wissen, daß Zufallsereignisse zufällig sind. Wenn dreimal beim Würfeln die 1 kam, dann kann es sein, daß bei den nächsten 100 Versuchen keine 1 kommt.












Jazzige Paarung. /// Anoushka Shankar & Bernhard Schimpelsberger