Montag, 13. Juli 2020

“So I have heard, and do in part believe it.” Horatio


Im Text “Realität der Massenmedien” vernachlässigt Luhmann einen Bereich der Massenmedien, den Lenin mit “Agitator, Propagandist und Organisator” der Presse zugewiesen hat. Diese Funktionsweise spielte keimhaft schon in der Reformation eine große Rolle, die dann in der Französischen Revolution politisch wirksam wurde (“Les Revolutions de Paris”, “Journal des hommes libres”, “Moniteure patriotique”, “Publiciste Parisien”, “L’ami du peuple” etc.). Deutsche Presseorgane wie die heute noch existenten Zeitungen wie der “Trierische Volksfreund” und die “Volksstimme” sahen sich in dieser Tradition. Und natürlich Röhls und Meinhofs “konkret” mit ihrer Ausstrahlung auf zahlreiche Medien. Auf der anderen Seite befinden sich Missionsblätter wie die “Kreuzzeitung”, die “National-Zeitung” und die winzige “Junge Freiheit”. Wenn Luhmann von Manipulation spricht, scheint er auf einzelne Fälle der Art “Kummer” und “Relotius” zu zielen, nicht auf die Missionsmedien. “Die Politik profitiert von ‘Erwähnungen’ in den Medien und findet sich durch sie zugleich irritiert”, heißt es auf S. 50f. Das ist sehr reduziert und zurückhaltend formuliert und trifft nicht recht die robusten Meinungsmachermedien, die die 4. Gewalt ausmachen. ”Propaganda-Journalismus” ist insofern keine “externe Manipulation”. Wenn auch noch nach fünf Monaten morgens in den DLF-Nachrichten die neuen Sars2-Zahlen verlesen werden, so kann man das nicht im Neuigkeitsgebot verbuchen, sondern nur der Absicht verpflichtet sehen, die Verfügbarkeitskaskade (Kahneman) zu stärken. Oder zu schubsen. (Nudging, Sunstein)

“So I have heard, and do in part believe it.” Horatios Diktum gilt stets und immer.












Samstag, 11. Juli 2020

Der Verstand kommt erst mit den Jahren, wenn er denn kommt



Der alte SPIEGEL-Journalist beklagt im FOCUS den Selbstbetrug von Journalisten. Gut so. Aber die jungen haben es so bei den alten Journalisten beim SPIEGEL, der ZEIT, SZ etc. gelernt. Wer hat die Adornos, Dutschkes und Baaders prominent geschrieben, wenn nicht die vorgenannten Medien? Ulrike Meinhof war im journalistischen Hamburg bestens vernetzt. Seitdem gilt für die Branche linke Haltung bis zur Albernheit. Und Pässe schießen zu den Parteien, die sollen exekutieren, was sich die Augsteins, Dönhoffs und Prantls so ausdenken. Die Journalistenbranche hat sich zur Oberlehrerkaste entwickelt.