Sonntag, 3. Januar 2021

Blutsverwandschaft

Auch eine skurrile Vorstellung des Aristoteles, die tausendfach abgeschrieben wurde, war die Art der menschlichen Zeugung. Der Samen des Mannes werde aus dem Blut gebildet und vermische sich dann schöpferisch mit dem Menstruationsblut. Kommt daher der Begriff “Blutsverwandschaft”? Könnte sein. Aber es war nur eine Blödigkeit des Aristoteles.






Samstag, 2. Januar 2021

Konnte Aristoteles zählen?


 

Und ewig herrschet der Irrtum, wenn Kritik und Experiment fehlen. Beispiel Aristoteles. Seine Irrtümer gehen auf keine Kuhhaut, wurden aber zweitausend Jahre (+-) als gültig verehrt. Dadurch wurde die Entwicklung der Wissenschaft lange blockiert. Wieviel wäre gewonnen gewesen, wenn es diesen Aristoteles nie gegeben hätte.

Als Naturwissenschaftler war er eine reine Katastrophe, wobei er bei seiner Herumraterei und Phantasterei - wie jeder - auch einmal zufällig richtig lag.
Besonders grotesk und lächerlich erscheint A. beim Zähnezählen.
"Aristoteles und die Erkenntnisse der modernen Biologie.
In vielen Fällen hat sich Aristoteles als Biologe geirrt. Einige seiner Irrtümer erscheinen reichlich kurios, wie die Beschreibung des Bisons, das sich „durch Ausschlagen und Ausstoßen seines Kots, welchen es bis siebeneinhalb Meter weit von sich schleudern kann, verteidigt“ (HA IX 45, 630b8 f.).[36] Offenbar war seine Informationsquelle über dieses exotische Tier nicht sehr verlässlich. Weitere bekannte Irrtümer sind unter anderem die Behauptung, der Mann habe mehr Zähne als die Frau (HA II 3, 501b19), das Gehirn sei ein Kühlorgan und das Denken geschehe in der Herzgegend (PA II 7, 652b21–25; III 3, 514a16–22) sowie das Konzept der Telegonie, wonach eine vorangegangene Trächtigkeit den Phänotyp von Nachkommen aus späteren Trächtigkeiten beeinflussen könne.
...
Bedeutender noch ist seine Hypothese, nach der die Teile eines Organismus in einer hierarchischen Ordnung ausgebildet werden und nicht – wie die (bereits von Anaxagoras vertretene) Präformationslehre annimmt – vorgebildet sind (GA 734a28–35). Diese Auffassung von der embryonalen Entwicklung ist in der Neuzeit unter der von Aristoteles noch nicht verwendeten Bezeichnung Epigenesis bekannt geworden. Ihre empirische Grundlage waren für Aristoteles seine Sezierungen. In der Neuzeit war aber die Präformationslehre vom 17. bis in das 19. Jahrhundert hinein die allgemein akzeptierte Theorie, und Vertreter der Epigenesis wie William Harvey (1651) und Caspar Friedrich Wolff (1759) fanden mit ihren embryologischen Untersuchungen, die klar zeigten, dass die Embryonen sich aus ganz undifferenzierter Materie entwickeln, wenig Beachtung. Diese Einsicht setzte sich erst im frühen 19. Jahrhundert durch und verdrängte schließlich die präformistischen Spekulationen. Endgültig wurde erst im 20. Jahrhundert in der Experimentalbiologie durch Hans Driesch und Hans Spemann bestätigt, dass die embryonale Entwicklung eine Kette von Neubildungen, ein epigenetischer Prozess ist." (Wikip.)

Dienstag, 29. Dezember 2020

Das gefiel Adorno gar nicht


 


Er hält im Unterschied zu Luhmann die Erkenntnistheorie für grundlegend, in seinem Positivismusstreit-Referat von 1972 plädiert er in der Hauptsache für die Deduktion und verwirft die Induktion. Doch stellt er alle Theorien unter Vorbehalt. “Ich möchte es als eine Folge der sokratischen Entdeckung charakterisieren, daß wir nichts wissen, das heißt, unsere Theorien niemals rational rechtfertigen können. … Denn obwohl wir unsere Theorien nicht rational rechtfertigen  und nicht einmal als wahrscheinlich erweisen können, so können wir sie rational kritisieren. Und wir können bessere von schlechteren unterscheiden.” (Positivismusstreit, 1972, S. 122)

Das ist ja auch schon mal was.







Montag, 28. Dezember 2020

Luhmann und die Empirie


 


Luhmann interessiert sich einfach nicht für konkrete Empirie, Experimente liegen außerhalb seiner Beachtung. So, wie der theoretische Physiker sich wenig für die Experimentalphysik interessiert, die die “Klempner” betreiben. Popper, der Physik studiert hat und dessen Bezugsrahmen vor allem die Physik seiner Zeit darstellt, will auf das “Selektionssieb der Falsifikation” (Manfred Eigen) auf keinen Fall verzichten, weder im Konkreten, noch bei den Theorien. Die Theorien sollen sterben anstelle der Menschen, das ist seine zentrale Botschaft angesichts des kriegerischen Denkmülls, den die Geistes- und Sozialwissenschaften hervorgebracht haben, wobei er speziell an Platon, Marx und Hegel gedacht hat. (Vgl. “Die offene Gesellschaft”) Läßt sich Popper aufgrund seiner Zeiterfahrungen als engagierter Beobachter bezeichnen, so bleibt Luh. einfach ein praktisch uninteressierter Beobachter mit skeptischer Erkenntnishaltung, er hätte wohl nie eine Schrift wie Poppers “Elend des Historizismus”geschrieben. 

“Nicht die Technik wird isomorph zur Natur konstruiert, sondern die Natur in dem jeweils relevanten Kombinationsraum isomorph zu dem, was man technisch ausprobieren kann.” (WdG 263) Das paßt ganz gut zu Röntgens “Klempnereien”. Aber brauchte Röntgen für seine Strahlen eine Theorie? Kaum. Auch für die eventuelle Falsifikation wäre keine nötig gewesen. Das Gleiche trifft, denke ich, auf die soziologischen Experimente von Zimbardo, Pilgram, William F. Whyte etc. zu. 

Poppers “Wir wissen nicht, sondern wir raten” (Logik der Forschung) könnte sich immerhin berühren mit Luhmanns “Wissenschaft … muß daher auch den Anspruch, andere über die Welt belehren zu können, zurücknehmen.” (WdG, S. 714) 

Fazit: Luhmann hat keine Experimente durchgeführt, er hat auch keine entworfen, Luh. schätzt deren Erkenntniswert nicht sehr hoch ein, alles ist konstruiert, und das gilt für Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb insgesamt; nannte Luh. das nicht seinerzeit “Abklärung der Aufklärung”?








Sonntag, 27. Dezember 2020

Ein Experiment, das bisher nicht reproduziert werden konnte

 

Thales.

Gib nach dem löblichen Verlangen

Von vorn die Schöpfung anzufangen!

Zu raschem Wirken sey bereit!

Da regst du dich nach ewigen Normen,

Durch tausend abertausend Formen,

Und bis zum Menschen hast du Zeit.

Faust II, Vv. 8324f.

In der Laboratoriumsszene vor der Klassischen Walpurgisnacht hat Faustens alter Famulus Wagner den Homunculus erzeugt, sozusagen eine künstliche Intelligenz ohne leibliche Existenz, nach der er jedoch trachtet. Aber da muß er den langen Darwin-Evolutionsweg gehen “Durch tausend abertausend Formen”. Da ist Goethe lange vor Darwin etwas Originelles eingefallen.