Montag, 22. Februar 2021

Wenig Ertrag

 “Roger Bacon (1220-1292) gab ein Vermögen für wissenschaftliche Forschung aus und wurde trotz des päpstlichen Segens für seine Bemühungen ins Gefängnis gesperrt. Peter der Pilger war ein Bahnbrecher bei der experimentellen Untersuchung des Magnetismus, worüber er einen kurzen Brief veröffentlichte. … (1269, Petrus Peregrinus de Maricourt, Lehrer Bacons, WD)

Die gesamten Errungenschaften des Mittelalters auf dem Gebiet der Naturwissenschaften bestehen in einigen wenigen Bemerkungen des Albertus Magnus über Naturgeschichte und Mineralien, in einer bedeutenden Abhandlung von Kaiser Friedrich II. über Jagdvögel, in einigen Verbesserungen der Optik von Alhazen durch Dietrich von Freiburg und Witelo, einschließlich einer Beschreibung des Regenbogens, die erst von Newton verbessert werden sollte, und in einigen nicht sehr originellen kritischen Betrachtungen von Buridan und Oresme zur aristotelischen Theorie der Bewegung.”

J.D. Bernal, Die Wissenschaft in der Geschichte, S. 229


Sonntag, 21. Februar 2021

Seneca und die Zeit

Das erste Heft von “Aufklärung und Kritik” in 2021 widmet sich Seneca. Das kann ich nur loben, grundierte doch die STOA das europäische Denken.

Hier ein paar Zitate von ihm:


“ Auch dem Hin- und Herrennen muß man Einhalt tun, welches einem großen Teile der Menschen eigen ist, die Häuser, Theater und Marktplätze durchstreifen. Sie bieten sich zu Geschäften für andere an und sehen aus wie Leute, die immer etwas tun wollen. … Nicht Tätigkeitstrieb, sondern falsche Vorstellungen von den Dingen sind es, die sie in Unruhe und Unverstand umhertreiben; denn auch sie regen sich nicht ohne Hoffnung auf irgend einen Erfolg; aber es treibt sie nur ein Scheinbild irgend einer Sache, dessen Nichtigkeit ihre befangene Seele sie nicht erkennen läßt.”

(Seneca, Von der Gemütsruhe, 12. Kap.)   

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Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ (Moralische Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), Buch XVII, Brief 106, 12)


"Selbst wenn noch eine lange Lebensdauer übrigbliebe,

müßte man sie sparsam aufteilen, damit sie für

notwendige Dinge ausreiche: Doch welch ein Wahnsinn

ist es nun, Überflüssiges zu lernen bei diesem großen

Zeitmangel! Leb wohl!" (Seneca, 49. Brief an Lucilius)


"Zeit, die nicht einmal für notwendige Dinge

ausreichen kann ... Vale" Seneca, a.a.O.


"Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen."   










Samstag, 20. Februar 2021

Nach ihm 2000 Jahre Wiederkäuen

 Da hat er sich aber verbrannt!

“Aristoteles übernahm die ihm willkommene Legende, wonach der Salamander unbeschadet durchs Feuer laufen könne. Damit schien ihm erwiesen, daß das Element Feuer dem Leben nicht feindlich gesinnt sei.” ( J.M. Zemb, Aristoteles in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 1961, S. 86)  Aristoteles war eine dubiose Figur, besser wäre es gewesen, die Vergangenheit hätte ihn verschluckt; das hätte schon den Kommentatoren im Mittelalter den Boden weggezogen.

Freitag, 19. Februar 2021

Der König aus dem 'Midi'

Vier französische Herrscher wird das breite Publikum kennen: de Gaulle, Napoleon, Ludwig XIV. und Heinrich IV. Der beliebteste dieser Auswahl ist zweifellos Heinrich, in beiden Ländern. Das liegt auch an Heinrich Mann, der sich in Henri Quatre verliebte und ihm zwei Romanbiographien widmete, die es jedoch historisch nicht so genau nehmen, man kennt das von Heinrich Mann. 

Henri Quatre schillert in der Geschichte wie kaum ein anderer, und keiner hat öfter die Konfessionen gewechselt. Paris ist eine Messe wert, eine katholische Messe, wohlgemerkt, soll er geäußert haben, und bestieg auf diese saloppe Weise den französischen Königsthron. Weswegen er auch als “Hugenotte auf Frankreichs Thron” (Taillandier) bezeichnet wird. Calvinistisch erzogen war der Südfranzose wohl auch mehr Protestant als Katholik, aber es lag offenbar in seiner an Theologie nicht übermäßig interessierten Persönlichkeit, daß er beides gut verbinden konnte, was auch - neben der Drohung der Hugenotten, den Bürgerkrieg weiterzuführen - 1598 zum Toleranzedikt von Nantes führte. Philipp II., dem spanischen Herrscher aus dem Hause Habsburg, konnte das wenig gefallen. “Als der Jülich-Klevische Erbstreit ausbrach, beschloß Heinrich, zugunsten der protestantischen Ansprüche einzugreifen, ja, man schrieb ihm die ehrgeizige Absicht zu, sich an die Spitze aller protestantischen Mächte zu stellen, um so dem katholischen Habsburg den Rest zu geben.” (Sieburg, Franz. Geschichte, S. 71) 

So führte Henri Quatre die vorgefundene Außenpolitik gegen das deutsche Reich fort, wärend er innenpolitisch das Land konsolidierte. Der fanatische Wirrkopf Ravaillac fand das zu wenig katholisch und erstach 1610 den saloppen König.  

Donnerstag, 18. Februar 2021

Epikur an Menoikeus

Der Winter ist Sterbesaison, bei den Tieren, bei den Menschen. Gegenüber dem Januar legt das Ableben noch einmal um etwa 10% zu, durchschnittlich, sagen die Bestatter, die es wissen müssen. 

Da kann man nichts machen, damit muß man sich arrangieren. Und darüber reden. Das taten die Menschen zu allen Zeiten, und Epikur schrieb darüber:

“Gewöhne dich an den grundlegenden Gedanken, daß der Tod für uns ein Nichts ist. Denn alles Gute und alles Schlimme beruht darauf, daß wir es empfinden. Verlust aber dieser Empfindung ist der Tod. Deshalb macht die rechte Erkenntnis, daß der Tod für uns ein Nichts ist, die Sterblichkeit des Lebens zu einer Freude; sie fügt nicht nach dem Tode eine grenzenlose Zeit hinzu, sondern tilgt in uns die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit. Für den, der recht begriffen hat, daß es im Nichtleben nichts Schreckliches gibt, für den gibt es ja auch im Leben nichts Schreckliches.”

Epikur. Brief an Menoikeus - Philosophie des Glücks (Sämtliche Werke | Gesamtausgabe aller Werke von Epikur in deutscher Übersetzung) Kindle-Version. 

Vielleicht ist das ein bißchen überzeichnet und vereinfacht, aber die zentrale Botschaft, “daß es im Nichtleben nichts Schreckliches gibt”, überglänzt doch alles, was die Theologen der Welt zusammengetragen haben. 

Und auch dies kann als grandioser Hinweis Epikurs gelten:

“So ist also der Tod, das schauervollste Übel, für uns ein Nichts; wenn wir da sind, ist der Tod nicht da, aber wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr.” (Ebd.)