Mittwoch, 8. September 2021
Klimaschau #63: IPCC verschweigt Politikern massive Probleme bei Klimamo...
Was zählt
Zur Geschichtsschreibung mußte man erst einmal schreiben können; die Schrift ermöglichte das kulturelle Gedächtnis.
Die antiken Perser wollten mehrmals die griechischen (hellenischen) Stämme unterwerfen. Herodot (ca. 490-430 vuZ), mit Thukydides (454-396) ein Vater der Geschichtsschreibung, schildert das in den “Historien”. In der Historie 144 im 8. Buch läßt er die Athener dem Gesandten der Perser (“Medes”) und vor allem den Spartanern erwidern: (in Englisch, weil die dt. Version 20mal so teuer und nicht kopierbar ist):
“... the spirit of the Athenians, namely that there is neither so great quantity of gold anywhere upon the earth, nor any land so much excelling in beauty and goodness, that we should be willing to accept it and enslave Hellas by taking the side of the Medes. For many and great are the reasons which hinder us from doing this, even though we should desire it; first and greatest the images and houses of the gods set on fire or reduced to ruin, which we must necessarily avenge to the very utmost rather than make an agreement with him who did these deeds; then secondly there is the bond of Hellenic race, by which we are of one blood and of one speech, the common temples of the gods and the common sacrifices, the manners of life which are the same for all; to these it would not be well that the Athenians should become traitors. And be assured of this, if by any chance ye were not assured of it before, that so long as one of the Athenians remains alive, we will never make an agreement with Xerxes. We admire however the forethought which ye had with regard to us, in that ye took thought for us who have had our substance destroyed, and are willing to support the members of our households; and so far as ye are concerned, the kindness has been fully performed: but we shall continue to endure as we may, and not be a trouble in any way to you. Now therefore, with full conviction this is so, send out an army as speedily as ye may: for, as we conjecture, the Barbarian will be here invading our land at no far distant time but so soon as he shall be informed of the message sent, namely that we shall do none of those things which he desired of us. Therefore before he arrives here in Attica, it is fitting that ye come to our rescue quickly in Boeotia." Thus the Athenians made answer, and upon that the envoys went away back to Sparta.
Herodotus. Herodotus: The Histories (S.803-804). Titan Read. Kindle-Version.
Gemeinsame Religion, gemeinsame Sprache, gemeinsame Abstammung (Ethnizität), gemeinsame Lebensweise - das sind die Kriterien der Athener, die sie die persische Sklaverei verwerfen lassen. Irgendwie ist das vielleicht auch heute nicht völlig überholt.
Dienstag, 7. September 2021
Außenpolitischer Denkrahmen
Fukuyamas Spruchblase vom Ende der Geschichte hat sich schnell als Unsinn herausgestellt. Huntingtons kultureller Ansatz kann sich dagegen behaupten. Weder sind Staaten die bestimmenden Agenten allein (John Mearsheimer), noch kann die Auffassung einer universalistischen Weltpolitik - gar mit Weltregierung - überzeugen. Hätte die westliche Außenpolitik Huntingtons kulturellen Ansatz berücksichtigt, dann wäre klar geworden, daß gegen Afghanistan und seinen großen Bruder Pakistan keine längere Militäraktion im Lande erfolgreich sein konnte und kann.
Sonntag, 5. September 2021
Samstag, 4. September 2021
3 Ebenen
“Schauplatz der komplexesten, verwirrendsten und umfassendsten Abfolge von Bruchlinienkriegen Anfang der neunziger Jahre war das frühere Jugoslawien. Auf der primären Ebene kämpften in Kroatien die kroatische Regierung und Kroaten gegen die kroatischen Serben und in Bosnien-Herzegowina die bosnische Regierung gegen die bosnischen Serben und bosnischen Kroaten, die sich auch gegenseitig bekämpften. Auf der sekundären Ebene trat die serbische Regierung für ein “Großserbien” ein, indem sie die bosnischen und kroatischen Serben unterstützte. Die kroatische Regierung strebte ein “Großkroatien” an und unterstützte die bosnischen Kroaten. Auf der tertiären Ebene kam es zu einer massiven kulturellen Sammlungsbewegung: Deutschland, Österreich, der Vatikan, andere katholische Länder und Gruppierungen Europas und später die USA engagierten sich zugunsten Kroatiens; Rußland, Griechenland und andere orthodoxe Länder und Gruppen stellten sich hinter die Serben; der Iran, Saudi-Arabien, die Türkei, Libyen, die islamistische Internationale und islamische Länder generell begünstigten die bosnischen Muslime. Diese erhielten Unterstützung auch von den USA - eine kulturell nicht zu erklärende Anomalie in dem ansonsten einheitlichen Bild ‘Kin-Gruppe stützt Kin-Gruppe’ (Verwandten-Gruppe, WD). Die kroatische Diaspora in Deutschland und die bosnische Diaspora in der Türkei kamen ihrer jeweiligen Heimat zu Hilfe.”*
Diese drei Ebenen machen Bruchlinienkriege leicht unüberschaubar, weil die Agenten aller drei Ebenen selbständig agieren und teilweise auch neben- und gegeneinander; der schiitische Iran verfolgte eigene Nebeninteressen gegenüber den sunnitischen Saudis und Türken. In Afghanistan gab es ähnliche Allianzen, die sich nach dem Abzug der Russen im Bürgerkrieg bekämpften. Derzeit formiert sich Widerstand gegen die Taliban unter dem Tadschiken Ahmad Masoud. Nicht nur auf russische Hilfe wird er zählen können.
*Huntington: Kampf der Kulturen Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert S. 460


