Donnerstag, 26. Mai 2022

Jugendliche Schulmörder

 Peter Langman, Amok im Kopf, Rezension:

"Die gängigen Erklärungen für dieses Phänomen, nämlich der Konsum von Gewaltfilmen und Videospielen, der Besitz von Waffen, Drogen oder Mobbing in der Schule, lässt Langman kaum oder gar nicht gelten. Weder erklärten sich diese Verbrechen durch leichten Zugang zu Waffen, noch stimme das Bild vom Täter als sozialem Außenseiter. Im Gegenteil zeigt die Studie, dass die Jugendlichen, ehe sie Mörder wurden, im Schulsport oder bei anderen Veranstaltungen sozial integriert waren, und ihre Leistungen waren gut bis sehr gut. Auch eine direkte Verbindung zwischen Mediengewalt und Mord schließt Langman aus. Dennoch stellt er fest, dass jugendliche Amokläufer häufig zu Gewaltspielen neigen, weshalb auch er glaubt, dass das virtuelle Töten die Täter für reale Gewalt desensibilisiert haben könnte. Doch müssen sie bereits vorher labil und verzweifelt gewesen sein."


SANDRA KEGEL, FAZ 22.12.09

Einleitung von Jugendforscher Hurrelmann:

“Ein Kind stellt eine »Todesliste« seiner Mitschüler ins Internet. Wird es das Unfassbare, die Tat, ausführen? Seit vielen Jahren beschäftigt sich Peter Langman als Psychologe und Gutachter mit genau dieser Frage: Warum entschließt sich ein Kind oder Jugendlicher in seiner Schule Amok zu laufen?


Der Autor zeigt, dass nicht Waffenbesitz, Mobbing, Computersucht oder Vernachlässigung die ausschlaggebenden Faktoren sind. Er bleibt nicht bei einfachen Antworten stehen, sondern vermittelt einen tiefen Einblick in die Psyche der Täter und erklärt, wie man diese Kinder und Jugendlichen erkennt und ihnen zuvorkommen kann.


»Täter senden immer Signale aus. Peter Langman hat diese Signale über Jahre erforscht und zeigt auf einmalige Weise, wie man mit diesem Wissen Amokläufe verhindern kann.« Prof. Dr. Klaus Hurrelmann”


Dienstag, 24. Mai 2022

Maquard und die Geschichtsphilosophie

 Gut gesagt zu Hegel, Marx, Marcuse und Co.:

"Eine Theologie, die heute noch vorreformatorisch ist, muss man woanders suchen. Und man findet sie: Es ist die moderne Geschichtsphilosophie, die – streng genommen – keine säkularisierte Theologie ist, sondern die einzige Theologie, bei der bisher die Säkularisierung misslang."

Marquard, Odo. Frage nach der Frage, auf die die Hermeneutik die Antwort ist, in: Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays: Reclam Taschenbuch (German Edition) (S.89). Reclam Verlag. Kindle-Version.

Montag, 23. Mai 2022

LOB DER SKEPSIS

Eine runde Darstellung Marquards mit einem launigen Schlußakkord! Er hat keine „süßen Weltanschauungen“ zugesteckt, sondern Bürgerlichkeit, Pluralismus, Gewaltenteilung, Tradition und Realismus profund gewürdigt. 

Sonntag, 22. Mai 2022

Revolutionen verbieten sich

 “Wir können unsere Herkunft nicht in beliebigem Umfang loswerden, aber wir dürfen sie auch nicht in beliebigem Umfang loswerden: Kein Mensch – das Leben ist zu kurz dafür – kann alles, was ihn lebensmäßig betrifft, von Grund aus neu regeln; das ist stets zuviel für ein Wesen, dessen ​Bewältigungskapazität deswegen begrenzt ist, weil es immer allzu bald stirbt. Darum ist Herkömmlichkeit für die Menschen nicht nur eine Last, sondern – und vielleicht mehr noch – ein Schutz. Den Menschen kann also nicht beliebig viel Änderung zugemutet werden; Zukunft braucht Herkunft: Es muss in jeder durch Änderung erzeugten Zukunft ein – das Änderungsquantum stets weit übersteigendes – Minimum an Herkunft erhalten bleiben: sonst misslingt die Änderung, und es werden die zerstört, derentwegen man ändern wollte: die Menschen."

Marquard, Odo. Frage nach der Frage, auf die die Hermeneutik die Antwort ist, in: Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays, (S.80f.). Reclam Verlag. Kindle-Version.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Lichtung




Rinks und Lechts kann man leicht velwechsern, meinte Ernst Jandl in seinem Gedicht “lichtung”.
Beide Seiten haben einen Hang zur großen Staatsmacht und auch zur Diktatur. Links ist eher international orientiert, Rechts national bzw. nationalistisch.

In Deutschland gibt es noch ein ganz verwechslungsfestes Merkmal, den Antiamerikanismus. Alles andere wechselt und schillert immer wieder, der Antiamerikanismus nicht. Manches Medien-Irrlicht vermag durch argumentatives Hakenschlagen seine Haltung zu verschleiern, doch der Antiamerikanismus schimmert immer wieder durch. So hat gerade ein Meister des Schillerns und Hakenschlagens den ukrainischen Präsidenten Zelenski zum Mitglied der US-Armee ernannt und zum Stellvertreterkrieger. Er folgt damit dem Zungenschlag von Putin und Konsorten, die die amerikanisch dominierte aggressive NATO für den barbarischen Moskauer Überfall auf Kiew verantwortlich machen. Das vertraten Wagenknecht und Weidel von Anfang an. Die Amerikaner wollten nur ihre Fracking-Gasgeschäfte fördern und ihre Macht ausweiten. Das verkennt die Rückseite des Antiamerikanismus, die Westbindung. Die Westbindung ist Adenauers strategisches Erbe, das von der SPD seinerzeit scharf bekämpft wurde. Es beruht auf der grundsätzlichen Orientierung, daß das national verunsicherte Deutschland sich an die Partner seines kulturellen Erbes halten muß, an Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und die Garantiemacht dieses Erbes, die Großmacht USA. Diese Westbindung ist angesichts der Diktaturen in Moskau und Peking so aktuell wie zu Adenauers Zeit.