Montag, 3. Juni 2024

Kafka und die Pfadabhängigkeit

Franz Kafka (1883-1924)
Kleine Fabel

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so
breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich
rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so
schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im
Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ - „Du musst nur die Laufrichtung
ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

Ein Fall von Pfadabhängigkeit. Einer solchen ist schwer zu entgehen, sowohl positiv wie negativ. Kafka wäre aber nicht Kafka, wenn er nicht unbedingt die negative Laufrichtung - nicht nur hier - bevorzugen würde.
Religionen sind besondere Systeme zur Erzeugung von Pfadabhängigkeit.

Dienstag, 19. März 2024

Ukrainekrieg, Hardt-Interview bei DW/YT

 Es steht viel auf dem Spiel regional und global - China beobachtet genau, ob es sich vielleicht einen Angriff auf Taiwan erlauben kann, und die Ukraine leidet schwer unter diesem imperialistischen Krieg. Der Herr Hardt redet zwar kein dummes Zeug wie Altkanzler Schröder und Fraktionschef Mützenich, aber was er da herunterleiert von “Volkswille”, Nawalny und Solschenizyn, das klingt wenig überzeugend. In Deutschland gehen die Parteien sehr eigenartig mit dem “Volkswillen” um, keinen Kandidaten kann man als Person wählen, nur die Parteien können gewählt werden, und diese Macht nutzen die Parteizentralen bei der Kandidatenaufstellung weidlich aus. Man lese bei dem ehemaligen Bundespräsidenten Weizsäcker nach. Und im Krieg gibt es keine sicheren Einschätzungen, schon gar nicht von Leuten, die offenbar nicht wissen, daß Solschenizyn und Putin zu einem trauten Verhältnis gefunden haben. 

Montag, 18. März 2024

Das Scheitern der Marxschen Theorie und der Aufstieg des westlichen Neomarxismus

Das Scheitern der Marxschen Theorie und der Aufstieg des westlichen Neomarxismus: Über die Ursachen einer unzeitgemäßen Renaissance

Dieses Phänomen ist in der Tat erklärungsbedürftig.

Waschzettel: "Im Mittelpunkt des Buches steht die Frage, warum es in der Soziologie und in der an ihr orientierten Nachbarwissenschaften wie der Politikwissenschaft und der Pädagogik seit den sechziger Jahren zu einer Renaissance des Marxismus trotz des Fehlschlagens der Marxschen Prognosen über die gesellschaftliche Entwicklung zum Sozialismus gekommen ist. Beim Versuch, diese Diskrepanz zu erklären, führte die Beschäftigung mit dem Thema den Autor zur Einsicht, daß es um den Zustand der Soziologie als universitäre Disziplin geht. Die Etablierung der der Realität widersprechenden Marxschen Theorie in der Soziologie wurde erst durch den Verzicht auf empirisch-mathematische Überprüfungskriterien von Aussagen zugunsten dogmatisch aufrechterhaltener Wahrheitsansprüche möglich. Unter diesen Voraussetzungen konnten die westlichen Neomarxisten den real sich anbahnenden und schließlich erfolgten Zusammenbruch des Kommunismus und den Sieg des wohlfahrtsstaatlich transformierten Kapitalismus ignorieren. Die in diesem Buch intensiv und umfassend geführte Auseinandersetzung mit den Exponenten des westlichen Neomarxismus zeigt eindrücklich, daß nur eine erfahrungswissenschaftliche Soziologie eine Zukunft hat."


Samstag, 24. Februar 2024

Assmann, Tod und Jenseits im Alten Ägypten


 



Abb.: "Der 'Ba-Vogel' schwebt als 'Körperseele' über der Mumie des Verstorbenen", erläutert Assmann.
Der Dualismus Körper-Seele wurde im Alten Ägypten erfunden.






Montag, 22. Mai 2023

UDO DI FABIO "Systemwechsel im Gefüge der Macht?"

Die Ampel bei der Demokratiereduzierung 

"Änderungen des Wahlrechts sind Machtfragen. Das Grundgesetz, sonst ganz und gar angelegt auf Sicherungen gegen den Missbrauch politischer Herrschaft, überlässt hier der einfachen Mehrheit des Bundestages das Spielfeld. Selbst eine denkbar knappe parlamentarische Mehrheit kann die Regeln des Spiels um die Macht neu festlegen, mit Erlass eines Wahlgesetzes. Artikel 38 des Grundgesetzes enthält lediglich zwar elementare, aber allgemeine Wahlgrundsätze wie die Freiheit und Gleichheit der Wahl. Zum Wahlsystem selbst jedoch verliert die Verfassung kein Wort. Die einfache Mehrheit des ­Bundestages kann deshalb entscheiden, ob ein Mehrheitswahlsystem eingeführt wird wie im Vereinigten Königreich oder ein reines Verhältniswahlsystem nach dem Vorbild der Weimarer ­Republik. ..."

Das Fragezeichen ist rhetorisch gemeint. Die direkte Stimme soll gelöscht werden. Die anonyme Zweitstimme für die Partei - de facto dann für die Parteizentrale, die die Kandidaten federführend aufstellt - soll bleiben.

Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio hat in der FAZ v. 17.5.23.dieses Demokratiereduzierungsgesetz eingehend und einleuchtend besprochen. Dieses Gesetz ist bereits beschlossen, es wurde von den Medien - die sich gern als Wächter aufspielen - wenig beachtet.- Die witzige Karikatur als Illustration zu dem gewichtigen Artikel Di Fabios lenkt recht eigentlich von den aufgeworfenen Fragen ab. Von der Redaktion gewollt?