Freitag, 8. August 2014

Erfinden und herbeireden















Die Depressionen haben zugenommen, hört man an jeder Ecke, besonders aus der Lobbygruppe der Psychotherapeuten. Sie erwähnen nicht, daß die Hysterie gar nicht mehr vorkommt. Die Diagnose HYSTERIE entsprang der Phantasie des Sigmund Freud und wurde zur Modediagnose bei den besseren Damen. Heute ist es en vogue, seine Depression zu haben. Allerdings haben sich die Diagnosen etwas realistischer entwickelt. Depressionen gibt es tatsächlich und es hat sie immer gegeben. Und deswegen sollten sie auch behandelt werden. Es ist jedoch zu veranschlagen, daß die Depression auch in der Gleichaltrigengruppe kopiert wird.

Die russisch-jüdisch-amerikanische Soziologin Liah Greenfeld beschreibt in ihrem Buch von 2013 „Mind, Modernity and Madness“, daß sie bei ihrer Ankunft in den USA überrascht gewesen sei von der dortigen offenen und lebensfreundlichen Atmosphäre, und ebenso konsterniert von den unter Teenagern weit verbreiteten Depressionen. Sie deutet die Depression deswegen als kulturelles Phänomen, als Reaktion auf die Verunsicherung durch moderne Phänomene wie etwa den Wettbewerb.


Dies ist nicht von der Hand zu weisen. Starre und stabile Institutionen gewähren Schutz – der einzelne wird in einen Stand hineingeboren, er braucht sich nicht mehr als andere anzustrengen, denn er bleibt stets ein Bauer oder Adliger oder Zunfthandwerker. Daher sind traditionale Gesellschaften so arm wie stabil. Aber die Individuen sind unterschiedlich. Was den einen Schutz durch die Stabilität bedeutet, ist den anderen Enge und Gefängnis. Und auch physiologisch unterscheiden sie sich. Daher besitzt eine tatsächliche Depression auch einen hormonellen Kern. Beide Faktoren und weitere können zusammen auftreten und sich verstärken. Das ständige Gerede über Depressionen dürfte aber das Diagnosemuster allfällig verbreiten. Das dient nur der Zunft der Therapeuten, insbesondere denen unter ihnen, die mit dieser Diagnose abzocken wollen.    





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