- 5° bis 0°C, gut, daß wir die Klimaerwärmung haben!
Ein großer Keil Kraniche zieht noch nach Süden, es wird ihnen zu kalt an der Ostsee.
- Vergötterung strafft die Disziplin und schafft Vertrauen.
Euhemeros, ca. 300 Jahre vor Seneca, verfaßte die Heilige Schrift (hiera anagraphe), in der er es unternimmt, die großen Taten der ersten Könige des fiktiven Staates Panchaia, nämlich Uranos, Chronos und Zeus, als Ausgangspunkt für ihre spätere Karriere als Götter darzustellen. Diese Modellbildung VERGÖTTERUNG ist doch auch ein Wink für die Evolutionsbiologie bei der Betrachtung von Herdentieren: das Alphatier wird zum Gott promoviert und das phylogenetische Verehrungsbedürfnis der Untertanen vergöttert es im Laufe der Traditionsbildung durch Theologie und Kunst immer mehr. Bei sehr charismatischen und / oder sehr erfolgreichen Menschen kann das recht schnell gehen, römische Kaiser etwa wurden zügig vergöttert. Erfolgreich ist dieses Muster, weil tüchtige, vergötterte Herdenführer wie Kyros oder Dschingis Khan u.v.a.m. der Herde mehr Lebensressourcen eroberten als beispielsweise ein braver Beerensammler oder Bauer. Da im Laufe der Zeit sich Theologie und Kunst immer mehr verselbständigen und eigene Binnenmuster entwickeln, kommt es zu Variationen. Priester, die keine Heerführer sind, aber Kultusmacht besitzen, formen mitunter auch gern Götter der Vergangenheit nach ihrem priesterlichen Vorbild um als unsoldatische Figuren wie Buddha oder Jesus.
Komm. zu: 'Religion und Biologie. Die Gottesfürchtigkeit im Genpool. Von Joachim Müller-Jung.' FAZ 25. Dezember 2008
Samstag, 27. Dezember 2008
Mandy - wie sie alle lieben

Mandy Rice-Davies im Kreise ihrer Lieben
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, liebe Freundinnen und Freunde,
nach der Weihnachtsansprache hat mir der ehemalige Sparkassenverbandspräsident, den ich zufällig an der Theke traf, erklärt, wie sich die momentane Buch- und Spielgeld-Krise entwickeln konnte:
Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft - hauptsächlich versoffene Hartz-IV-Empfänger - auf den Deckel zu nehmen, ihnen also etwas Gutes zu tun und Kredit zu gewähren.
Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft derselben Sorte drängt sich in Mandys Bar und Busennähe. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit massiv ihren Umsatz.
Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Berliner Bank und erfolgreiche Gesamtschulabiturient bemerkt Mandys Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung. Zur Refinanzierung transformieren bei der KfW ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND®, ALKBOND® und KOTZBOND®. Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super-Prima-Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandys Bar und Streicheleinheitenbezug) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen. Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papiere beinhalten, aber das war ihnen aus der Schulzeit her vertraut und dank steigender Kurse und hoher Renditen wurden diese Konstrukte ein Renner für Instant-Investoren und Landesbanken wie die WestLB, Sächsische Landesbank, BayernLB etc., die eigentlich kein eigenes Geschäftsfeld haben außer der Versorgung von verdienten Politikern wie der KfW-Chefin Matthäus-Meier und ihrem Beirat Lafontaine.
Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein schon angestaubter Bankkaufmann (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, dass es an der Zeit sei, die ältesten Deckel von Mandys Kunden langsam fällig zu stellen. Überraschenderweise können weder die ersten noch die nächsten Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden bezahlen, von denen viele inzwischen mit einem Vielfachen ihres Jahreseinkommens auf dem Deckel stehen. Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus. Mandy macht Konkurs. SUFFBOND® und ALKBOND® verlieren 95%, KOTZBOND® hält sich besser und stabilisiert sich bei einem Kurswert von 20%. Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die Super-Prima-Anleihen investiert. Der Wein- und der Schnapslieferant werden von Gasprom, der Bierlieferant wird von Wowereits SPD-Ortsverein übernommen. Da die KfW sich seit 1948 gerne ausbreitet und stets neue ausscheidende Poliker versorgen muß, übernimmt sie gern die Bank und fusioniert sie mit ihrer insolventen Tochter IKB.-
* *
Da schau her! Die Mandy jetzt in Kreuzberg! Man hatte ja länger nichts mehr von ihr gehört. Nach der Profumo-Geschichte ging sie in sich und trat dann der Labour-Party bei, ganz nach ihrem Motto: " My life has been one long descent into respectability." (Mein Leben war ein langer Abstieg ins Respektable). Sie hatte aber noch dann und wann nostalgische Good-Will-Sitzungen respektive -Liegungen; das Bild zeigt sie mit mehreren Zentralbank-Gouverneuren, die ihr versprechen mußten, stets mehr Geld drucken zu lassen und in den Geldverkehr zu bringen als die Geizknochen von Bretton Woods eigentlich wollten. Das sollte ihrer Altersversorgung dienen und den verdammten Conservatives ein Schnippchen schlagen. Als dann Wowereit mit der SED-PDS ins Bett stieg, zog sie offenbar nach Berlin, vielleicht um ordentliche Verkehrsformen besorgt.-
Tja, wie das Leben so spielt, da hat sie also wieder eine Bar gehabt, wo lauter Labour-Wähler verkehrten ... und wie man Mandy kennt ...
(Wer sie noch nicht kennt:
http://nickelinthemachine.blogspot.com/2008/03/marylebone-mandy-rice-davies-and-peter.html )
Freitag, 26. Dezember 2008
Vernunft, Verstand und der Kalmar


spiegel.de/
Strizz, Reiche, FAZ
- "Der letzte Schritt der Vernunft ist es anzuerkennen, daß es eine Unendlichkeit von Dingen gibt, die sie übersteigen", meinte Pascal, und da stimmt ihm Colin McGinn sehr zu. Und auch in vielen einfachen Dingen, die wir gut kennen, gerät uns manches durcheinander, weil uns das Herz voll ist für das Gute und das Schöne, zum Beispiel auch für unseren vielarmigen Freund, den Kalmar.
" Der rote Teufel in der Klimafalle . Für den Humboldtkalmar könnte der Klimawandel fatale Folgen haben ", befürchtet R. Wandtner in der FAZ v. 17.12.08. Das greift natürlich ans Herz, gerade in diesen kalten Tagen mit der warmen Weihnachtsbotschaft, wenn wir dem 2-Meter-Humboldtkalmar demnächst vielleicht nicht mehr bei Tauchgängen die zahlreichen Arme schütteln könnten. Aber es heißt ja in dem Artikel: "Nachts steigen sie zur Jagd in oberflächennahe, sauerstoffreiche Zonen auf. ... könnten die Kalmare eines Tages gezwungen sein, ihren Sauerstoffbedarf in besonders flachen Gewässern zu decken ..." In unserer Badewanne gar? Da wäre dann doch noch manche ergreifende Begegnung möglich. Aber ach: "oberflächennahe, sauerstoffreiche Zonen"? Vertut sich Der rote Teufel da?: Die Löslichkeit des Sauerstoffs im Wasser nimmt mit steigender Temperatur ab. Oben, wo das Wasser wärmer ist, hat es also weniger Sauerstoff. Unten, im Kalten, mehr Sauerstoff. Kapiert das der Kalmar mit seinen großen Kulleraugen nicht? Da wäre der Kabeljau ja intelligenter. Der Sättigungswert beträgt bei 0 °C Wassertemperatur, ziemlich kühl ist das, 14,6 mg O2/l und sinkt bei angenehmeren 20 °C auf 9,1 mg O2/l . Die fischkritische Konzentration wird bei Werten kleiner als 4 mg Sauerstoff pro Liter erreicht (s. www.wasser-wissen.de/) . Irgendetwas scheint Der rote Teufel oder der Herr Wandtner durcheinandergebracht zu haben. Will sich der zehnarmige Tiefwasserfreund mit dem großen Appetit oben nur ein bißchen aufwärmen und nette Taucherinnen treffen? Oder macht Herr Wandtner nur einen Klimascherz auf Kosten des Kalmars, weil man derzeit jeden Regenwurm mit dem Zusatz "Klima" kitzeln kann?
- Dow 8.515,55 0,6% WTIÖl 37,49 5,5%
- Fehlt hier nicht noch ein Weihnachtsgedicht?
Dieses paßt immer, weil es so schön ist, und auch so positiv melancholisch, es erinnert mich auch an einen Topos des Spätromantikers Th. Mann, der, vielleicht im ZAUBERBERG, von der linken Schiffseite spricht, wohin alle Passagiere in einem Moment streben, worauf es dann Hans Castorp oder Tonio Kröger oder Th. M. instinktiv auf die rechte Seite zieht.
Weihnachten
Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh´ ich durch die Gasssen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins weite Feld,
Hehres Glänzen, heil´ges Schauern!
Wie so still und weit die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt´s wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!
Joseph von Eichendorff
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Her mit der Moral, Weihnachtsengel Heike G.

Strizz, Reiche, FAZ
- Her mit der Moral:
Die Moral
So klagt denn nicht: für Tugend hat’s
In großen Staaten nicht viel Platz.
Mit möglichstem Komfort zu leben,
Im Krieg zu glänzen und doch zu streben,
Von Lastern frei zu sein, wird nie
Was andres sein als Utopie.
Stolz, Luxus und Betrügerei
Muß sein, damit ein Volk gedeih’.
Quält uns der Hunger oft auch gräßlich,
Zum Leben ist er unerläßlich.
Stammt nicht des edlen Weines Saft
Von einem garstig dürren Schaft?
Der, wenn man ihn nicht sorgsam pflegt,
Bloß nutzlos wuchert und nichts trägt,
Doch dessen Frucht uns Lust bereitet,
Wenn man ihn bindet und beschneidet.
Genauso uns das Laster nutzt,
Wenn das Gesetz es kappt und stutzt,
Ja, ist so wenig aufzugeben
Für Völker, die nach Größe streben,
Wie Hunger ist, damit sie leben.
Mit Tugend bloß kommt man nicht weit;
Wer wünscht, daß eine goldene Zeit
Zurückkehrt, sollte nicht vergessen:
Man mußte damals Eicheln essen.
aus:
Bernard Mandeville
„Die Bienenfabel
oder
Private Laster, öffentliche Vorteile“ ,
Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 300 ( http://docs.google.com/Doc?docid=dfxbprhp_35chm9rm&hl=de )
- Weihnachtsengel Heike G.:
' Vom Eigennutz
„Krankhafte“ Gier habe das Finanzsystem ruiniert - so lautet die bevorzugte Deutung der Krise in der deutschen Öffentlichkeit. Doch Eigennutz - bis hin zu seiner hässlichen Spielart, der Gier - wird stets zum Menschen gehören. Beim Setzen der Spielregeln müssen wir ihn so nehmen, wie er ist. Von Heike Göbel. ' FAZ 25.12.08
Materieller Wohlstand, Minderheiten im Islam
Trüber Weihnachtstag, Wald und Feld, 3-6°
- Der nie dagewesene, breite, märchenhafte materielle Wohlstand und die große Ersparnisbildung, die beide den Leichtsinn fördern (und Buch- und Spielgeld vermehren) haben einen erfreulichen Hintergrund: seit 1945 gab es keinen großen Krieg mehr, es brauchen nicht jeden Monat massenhaft abgeschossene Panzer ersetzt zu werden, die Städte werden nicht mehr quadratkilometerweise zerbombt und verbrannt; insofern besitzt diese Buchgeldkrise einen erfreulichen Hintergrund.
- Minderheiten im Islam. Kritik der Toleranz-Legende: Duldung war nicht Gleichstellung. FAZ 15.5.02
In der jüngsten Diskussion um das, was man als "muslimischen Antisemitismus" bezeichnet hat, wurde die Rechtsstellung nichtmuslimischer Minderheiten in islamischen Gesellschaften thematisiert. Daß schon der Koran "die Leute (das Volk) des Buches" (ahl al-kitab) - das sind in erster Linie Juden und Christen als Bekenner einer Offenbarungsreligion, also eines Buches - als Minderheiten inmitten der muslimischen Gemeinschaft geduldet hat, wird immer wieder als Zeichen der Toleranz des Islam hervorgehoben. Doch eigentlich kann von Toleranz im heutigen Sinne nicht gesprochen werden, höchstens von Duldung, welche nach Goethe jedoch auch eine Beleidigung sein kann.
Rechtlich nämlich waren die geduldeten Minderheiten als nichtmuslimische Untertanen (ahl al-dhimma) nie den Muslimen gleichgestellt. Obwohl sie und ihre Religionsausübung geduldet wurden, wenn die hierfür angesetzten Steuern entrichtet waren, konnte von Gleichheit nicht geredet werden: Ein Muslim konnte zum Beispiel zwar eine Frau aus dieser Minderheit heiraten, aber kein Angehöriger einer Minderheit durfte eine Muslimin heiraten. Gänzlich aus der islamischen Gemeinschaft ausgeschlossen wurden alle Ketzer, Manichäer und sogenannten Atheisten; und wer den Islam kritisierte oder mißachtete, einen Muslim zu bekehren versuchte oder vom Islam zu einer der Minderheiten konvertierte, konnte mit dem Tode bestraft werden. Daß die Juden oft mehr respektiert wurden als die Christen, hängt damit zusammen, daß die Juden bis 1949 staatenlos waren, während die Christen oft mit einer christlichen Macht assoziiert werden konnten, die den Muslimen gegenüber feindlich agierte.
Im Zusammenhang mit der Diskussion um die religiösen Minderheiten in muslimischen Gesellschaften ist in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 3. Mai) auch vage auf die Studien von Bat Ye'or hingewiesen worden ("Islam and Dhimmitude. Where Civilizations Collide". Madison, Taeneck, Fairleigh Dickinson University Press 2002). Die aus Ägypten stammende und in der Schweiz lebende britische Historikerin hat die Rechtsstellung religiöser Minderheiten in islamischen Staaten untersucht, und zwar speziell unter dem Aspekt, wie diese Rechtsstellung sich heute auf das Verhältnis zu Israel auswirkt.
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt der Jerusalemer Historiker Robert Wistrich, der letzte Woche in Washington seine vom American Jewish Committee in Auftrag gegebene Studie über den Antisemitismus der islamischen Fundamentalisten vorgestellt hat (vergleiche "Haaretz" vom 7. Mai): Dieser sei eine lebensgefährliche Bedrohung für alle Christen und Juden und natürlich auch für den Staat Israel. Darum müsse sich die islamische Welt "einer Renaissance, einer religiösen Reform und einer Aufklärung unterziehen - alles während einer einzigen Generation". Auch wenn dieser Prozeß im Westen einige Jahrhunderte gedauert habe, so sei er doch auch in einer Generation möglich. Diese Forderung klingt nicht nur ungemein utopisch, sondern sie erinnert auch fatal an die Forderungen europäischer Antisemiten zwischen 1870 und 1930: Die Juden könnten nur dann als gleichwertige Bürger akzeptiert werden, wenn sie sich selbst sofort vom Judentum als solchem durch eine aufgeklärte Reform emanzipierten. Konnte man im Mittelalter zwar nicht von Toleranz, aber doch von Duldung sprechen, so scheint heute selbst eine Duldung der anderen nicht mehr möglich. Nationale Interessen und das Streben nach Macht begrenzen das Recht, besonders das der anderen.
FRIEDRICH NIEWÖHNER
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