Mittwoch, 31. Dezember 2008

Zu kalt: Ice in Greenland is Growing


(Links: Recent Ice-Sheet Growth in the Interior of Greenland, Ola M. Johannessen, Kirill Khvorostovsky, Martin W. Miles, Leonid P. Bobylev, Science Express on 20 October 2005 Science 11 November 2005: Vol. 310. no. 5750, pp. 1013 � 1016, DOI: 10.1126/science.1115356)

- Tut mir leid, Jungs: "The Ice in Greenland is Growing. 30 12 2008.
Old Radar Sites In Greenland Show Icecap Growth Over the Years ..." http://wattsupwiththat.com/
- Hier ist es auch zu kalt: -5 bis 0°, aber sonnig.

- - Eine Steinzeitstrategie: lasse so viele Söhne gebären, daß du nur 10% von ihnen ernähren kannst, die anderen 90% drängen sich in ihrer Aggressivität danach, Kanonenfutter der Hamas, Hizbullah etc. zu sein.

- Die Kleibergeschwister der letzten Saison fliegen noch zusammen aus wie die Meisen.

- Fertig endlich, dieses Jahr!
In die Kiste, trallala!

Dienstag, 30. Dezember 2008

Gesetzesänderungen 2009: Steuern in die Höhe treiben



Ähnelt dieses Profil (FAZ) nicht verteufelt dem Köhlers?
Strizz, Reiche, FAZ 7.8.08

- Wenn man sieht, wie Merkelmünte die Steuern in die Höhe treiben, und sich erinnert, wie unglaublich stark, fast gegen NULL (!!) die Bankgebühren und die Bankprovisionen seit Jahren gesenkt wurden (öff.-rechtl. Sparkassen ausgenommen), dann kommt man ins Sinnieren.
- "Abgeltungsteuer
Zinsen, Dividenden, Kurs- und Währungsgewinne oder Fondsausschüttungen werden pauschal mit 25 Prozent besteuert – zuzüglich des Solidaritätszuschlags von 5,5 Prozent und gegebenenfalls der Kirchensteuer. Die Abgeltungsteuer fällt nur an, wenn die Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro beziehungsweise 1602 Euro für Verheiratete liegen. Sie wird von den Banken automatisch einbehalten und direkt ans Finanzamt abgeführt. Steuerfrei bleiben nur Kursgewinne von Papieren, die vor 2009 gekauft und mindestens ein Jahr lang im Depot gehalten wurden. Banken und andere Finanzdienstleister haben mit einer großangelegten Werbekampagne versucht, bis zum letzten Moment unter Hinweis auf die „neue Abgabe“ entsprechende Produkte zu verkaufen." FAZ

- "Erbschaftsteuer
Nach dem neuen Erbschaft- und Schenkungsrecht werden Betriebsvermögen und Immobilien höher bewertet werden. Der Bundespräsident hat das entsprechende Gesetz über die Weihnachtsfeiertage unterschrieben, so dass es gerade noch rechtzeitig zum Jahresbeginn in Kraft treten kann. Auch hier war ein Spruch des Bundesverfassungsgerichts die Ursache, das dem Gesetzgeber eine Änderung der bisher unrealistisch niedrigen Bewertungsvorschriften bis zum Ablauf des Jahres 2008 aufgetragen hatte. Absehbar ist allerdings schon jetzt, dass die höchsten Richter auch die jetzige Reform wieder vorgelegt bekommen werden. Witwer, Witwen, eingetragene Lebenspartner und Kinder können demnach ein Wohnhaus steuerfrei erben oder geschenkt bekommen, wenn sie dieses zehn Jahre lang weiter bewohnen. Zudem wird für Ehegatten und eingetragene Partner der Freibetrag auf 500 000 Euro angehoben, für Kinder auf 400 000 und für Enkel auf 200 000 Euro. Geschwister, Neffen und Nichten müssen wie andere Erben mehr Steuer zahlen, auch wenn der Freibetrag steigt. Das Erben von Firmen bleibt steuerfrei, wenn der Betrieb zehn Jahre lang fortgeführt wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Bei einer siebenjährigen Haltefrist fallen 15 Prozent Steuern an." FAZ
- "Das Erbschaftsteuergesetz und die Privatsphäre.
Am 27. November ist das Erbschaftsteuergesetz im Bundestag gebilligt worden. Die F.A.Z. vom 28. November zitiert den SPD-Finanzpolitiker Pronold mit seiner Feststellung, dass es sich um eine besonders gerechte Steuer handelt, weil nur die Erben besteuert würden, die ohne eigene Leistung etwas bekämen. Nach diesem primitiven Grundsatz sollen Verwandte mit geringem Verwandtschaftsgrad und Außenstehende, die der eigentlichen Verwandtschaft nicht angehören, sogar höhere Erbschaftsteuer als bisher zahlen.
Worin besteht denn die eigene Leistung, wenn jemand einen Verwandtschaftsgrad vorweisen kann? Zunächst hat der Verwandtschaftsgrad doch nichts mit erbrachter Leistung zu tun. Verwandtschaft ist ein zufälliges Verhältnis zum Erblasser, auf das der Erbe keinerlei Einfluss hat und mit dem kein zu belohnender Verdienst an sich verbunden ist. Verwandtschaft verpflichtet den künftigen Erben nicht einmal ohne Weiteres zu Leistungen gegenüber dem Erblasser. Wir wissen, dass sehr oft eher das Gegenteil zutrifft. Wenn der Erblasser aber im Testament ausdrücklich einen nichtverwandten Außenstehenden mit einem Erbe bedenkt, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich der Bedachte um den Erblasser verdient gemacht und vielleicht jahrzehntelang in vielfältigster Form Leistungen erbracht hat, die der erbberechtigten Verwandtschaft nicht im Traum eingefallen wären. Wer als außenstehender Erbe, der sich um einen Erblasser gekümmert hat, nach dem neuen Gesetz mit hoher Steuer bestraft wird, während die gleichgültige nähere Verwandtschaft erbschaftsteuerfrei ausgeht, wird dieses Gesetz als schweres Unrecht empfinden.
Dem Erblasser muss es möglich sein, neben den steuerlich begünstigten Familienerben einen Außenstehenden, dem er sich zu Dank verpflichtet fühlt, durch Testament steuerlich in den Rang eines nahen Verwandten zu versetzen. So kann Leistung sichtbar belohnt werden. Es passt gut zusammen, dass der Bundesrat soeben das BKA-Gesetz wegen der Gefahr zu starken Eingriffs in die Privatsphäre zunächst abgelehnt hat. Ist es dem Gesetzgeber nicht bewusst, dass das Erbschaftsteuergesetz durchgehend ein einziger konfiskatorischer Eingriff in die Privatsphäre ist? Weil das aber seinen Zwecken dient, scheint für den Gesetzgeber darin kein Widerspruch zu bestehen.
LB FAZ 30.12.08 DR. HEINZ FRITZ KRUM, HANNOVER
- "Vertriebene Firmen.
Bei den emotionalen Debatten über die Erbschaftsteuer werden einige Tatsachen ausgeklammert: Diese Steuer hat zahlreiche hochmotivierte Unternehmer mit bedeutenden Firmen aus Deutschland vertrieben ..." LB FAZ 30.12.08 Rud. Bock, B. Krozingen

- Krugman, Summers, mal herhören: "
Standpunkt: Joachim Starbatty. Warum die Ökonomen versagt haben
Was wir jetzt erleben ist eine zweite Weltwirtschaftskrise. Und es ist zugleich eine Krise der modernen Volkswirtschaftslehre. Denn kaum ein Wissenschaftler hat rechtzeitig seine warnende Stimme erhoben. Für dieses Versagen gibt zwei Gründe. Ein Gastbeitrag von Joachim Starbatty." FAZ 3.11.08

- Eine sudanesisch-amerikanische Geschichte: "Amerikas Fahnenträger (bei den olymp. Spielen in Peking). Die personifizierte Anklage Lopez Lomong.
Die Mannschaft der Vereinigten Staaten hat Lopez Lomong zu ihrem Flaggenträger gewählt. Der als Kind aus Sudan geflohene Mittelstreckenläufer gibt dem Team ein höchst politisches Gesicht. Lomong engagiert sich mit anderen Sportlern im „Team Darfur'."

Montag, 29. Dezember 2008

Antarktis kühler, Rosegger, Stihl stellt ein, Familienunternehmer der ASU spüren keine Kreditkrise


Ringo, Moon (www.nickelinthemachine.com)
Map from the University of Alabama-Huntsville. Each contour represents 0.2 degree C per decade warming or cooling between Dec. 1979 and Nov. 2008
- Dreißigjahresentwicklung: Arktis wärmer, Antarktis kühler: "John Christy of the University of Alabama-Huntsville reported earlier this month that the Earth’s climate change over the past 30 years has been rather uneven: It’s gotten much warmer in the Arctic and, at the same time, cooler in the Antarctic." http://wattsupwiththat.com/

- Hamas-Attacks: "Israeli citizens have been under the threat of daily attack from Gaza for years. Only this week - hundreds of missiles and mortars shells were fired at Israeli civilian communities including the firing of 80 missiles on a single day." ( Aish.com) // Israel schlägt zurück und bombardiert Hamas-Häuser in Gaza.

- Ja, Peter Rosegger. Ich mag ihn immer noch.
"... Als ich das Ofenhuckert gewesen.
Warum es so frostig wird heutzutage? Warum wir gefroren sind? Weil wir keinen ordentlichen Ofen mehr bauen können. Allen Respekt vor den schwedischen und russischen Öfen, vor den Berliner und Meißner Öfen, gar zierlich sind sie und ein Zimmerschmuck und alles mögliche, aber so recht gemütlich? – So recht gemütlich ist nur der große, breite, behäbige Kachelofen mit seinen grünen oder braunen Augenreihen, mit seinem Holzgeländer und seiner Ofenbank. Die Ofenbank, wo die Kindheit und das Alter hocken, das Enkelein und die Großmutter – und die alten Märchen!
Daheim in meinem Vaterhause, da stand so einer! Ganz hinten in der linken Stubenecke, wo es immer etwas dunkel war. über der breiten Ofenbank, die sich um ihn herumzog, war eine Reihe viereckiger Plattkacheln und darüber in weißen Lehm eingefügt die runden Kacheln mit hervorquellenden Rundungen, in welchen sich die lichten Stubenfenster mit ihren Kreuzen spiegelten. Der Ofen strebte breit auf und wölbte sich oben in Kacheln sachte zusammen. Wenn man fragte, wie alt er sei, so antwortete der Vater: »Dein Ähndl wird ihn haben setzen lassen, oder der Urähndl.« Freilich wurde jeder kleine Schaden an ihm sofort verkleistert und mit weißem Lehm übertüncht, freilich wurden ihm fast alle Samstage die großen Augen gewaschen, so daß er immer [91] jung und frisch in die Stube schaute. Umfriedet war er von dem leiterartigen Geländer, an das die Mutter unsere frischgewaschenen Hemden zum Trocknen hing. Denn warm war es bei diesem Ofen immer, selbst im Sommer, wo sonst der Brunnentrog warm und der Ofen kalt zu sein pflegt. Er wurde überhaupt nie kalt und es mochte sein wie es wollte, es mochte regnen oder schneien oder winden – auf der Ofenbank war's immer gut. Und wenn draußen der Sturm toste in den alten Fichten und der hölzerne Hirsch an der Wand klapperte, und wenn die Blitze bleckten, daß die ganzen Berge über dem Graben drüben grün und gelb waren, und wenn der Donner schmetterte, als breche schon der Dachstuhl nieder mitsamt dem Giebel und seinen Schwalbennestern, da dünkte mich die Ofenbank der sicherste Ort, wohin das Verderben so leicht nicht reichen könne. Kurz, die Ofenbank war mir der trautsamste Mittelpunkt des heimatlichen Nestes. Lange Zeit hatte ich mein Bett auf derselben. Ich lag auf der Ofenbank, als ich so klein war, daß im Munde noch der »Zutzel« und zwischen den Beinen noch die Windel stak; ich lag auf der Ofenbank, als ich so krank war, daß die Mutter mich dem Himmel gelobte, wenn er mich nicht zu zeitlich nähme (das wurde später rückgängig, weil das Geistlichwerden Geld kostete). Ich lag auf der Ofenbank, als ich so schlau war, allmorgentlich die Oberlippe mit Seife einzureiben, damit der Schnurrbart endlich wachse. Ich lag auf der Ofenbank viel später, als der Bruder Jakob mir den Bart wegkratzte, weil er mir zuwider war. Und wenn ich in früheren Zeiten dort so lag, da hörte ich manchmal hinter den Kacheln drin leise das Feuer knistern, wenn dieMutter morgens eingeheizt hatte, es wurde wärmer, aber es wurde nicht schwül um mich. Es wurde nie kalt und es wurde nie heiß, und wenn mir einer so einen alten Kachelofen plump und unförmig schimpft, so stelle ich seinem Leben nach. Über den besten Freund unseres Hauses lasse ich nichts kommen. ..." http://www.zeno.org/Literatur/M/Rosegger,+Peter/Erz%C3%A4hlungen/Waldheimat.+Erz%C3%A4hlungen+aus+der+Jugendzeit/Erster+Band%3A+Das+Waldbauernb%C3%BCbel/Als+ich+das+Ofenhuckert+gewesen

- 29. Dezember 1908. Der Geburtstag des evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer: Hat mich damals beeindruckt, da war ich noch Metallarbeiter. SPIEGEL und ZEIT hofierten ihn. Er entpuppte sich linker Sprücheklopfer ohne jedes Niveau.

- Swinging London steckte den ganzen Kontinent an: 'Moon the Loon was only thirty two when he died, but dying young didn’t come to anyone’s great surprise - he was one of the greatest partiers ever. He once outlined his typical daily diet to a doctor: “I always get up about six in the morning. I have my bangers and eggs. And I drink a bottle of Dom Perignon and half a bottle of brandy. Then I take a couple of downers. Then it’s about 10 and I’ll have a nice nap until five. I get up, have a couple of black beauties [also known as Black Birds or Black Bombers and are a combination of Amphetamine (Speed) and Dextroamphetamine], some brandy, a little champagne and go out on the town. Then we boogie. We’ll wrap it up about four”. ' Keith John Moon, 1946 – 1978, Schlagzeuger der The Who.

- Stihl stellt ein, Familienunternehmer der ASU spüren keine Kreditkrise

- Frostwetter dauert an (-5° bis 0°)

Sonntag, 28. Dezember 2008

Eigenkapitalrendite: Huber hetzt gegen Ackermann


- '„Persönliche Attacke“. Deutsche Bank weist Bischof-Kritik zurück.
FAZ 25. Dezember 2008 Die Deutsche Bank hat verärgert auf Kritik des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, an Vorstandschef Josef Ackermann reagiert. Huber hatte Ackermann in einem am Heiligabend verbreiteten Interview vorgeworfen, überzogene Renditeziele vorgegeben und damit Gewinnvorstellungen Vorschub geleistet zu haben, von denen klar sei, dass sie irgendwann zusammenbrechen müssten.
Er wünsche sich von Managern mehr Bescheidenheit, betonte Huber. Als negatives Beispiel führte er den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an. Zur Begründung verwies er auf das von Ackermann vorgegebene Renditeziel von 25 Prozent. Solche Ziele zu setzen, sei eine Form des Götzendienstes, der ihn an den „Tanz ums goldene Kalb“ erinnere. „In den aktuellen Zusammenhängen ist das Geld zum Gott geworden“, sagte der Bischof.
Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag, das Geldinstitut betrachte die „persönliche Attacke von Bischof Huber“ auf Ackermann an Heiligabend „sowohl in der Sache wie in der Form als unangebracht“. '

- 25 % Rendite
K. R. N. (krn)
"Es ist haarsträubend, was man in dieser Hinsicht so alles zu hören bekommt. Dieses Renditeziel von 25 % (wohlgemerkt auf das Eigenkapital, nicht als Umsatzrendite gemeint), wird verdammt bis in die Steinzeit, nur weil es vom Dte. Bank Chef Ackermann kommt. Mir scheint, die meisten haben es nicht verstanden um was es hierbei geht. Politiker stehen dabei an erster Stelle, insbesondere eine Kanzlerin, die bis vor kurzem Brutto und Netto nicht auseinanderhalten konnte. Nur mal als Beispiel hier die Daten eines realen Betriebes: Umsatz 2,5 Mio, Mitarbeiter 38, Lohnsumme 1,2 Mio Euro (jährlich), Eigenkapital 100.000 Euro. Nach Abzug aller Kosten, auch des Unternehmerlohnes verbleiben bei 25 % Eigenkapitalrendite 25.000 Euro. Es kann mir keiner erzählen, daß dies in Relation zu Umsatz und Lohnsumme unanständig viel sei. Und schon garnicht irgendwelche Politiker, insbesondere der ein oder andere Provinzdepp, die alles nachplappern und deren Stadtwerke dann eine Eigenkapitalrendite von über 50 % haben. Schauen Sie sich mal die Ergebnisse Ihres Stadtwerkes an, da sind 25 % aber eher die untere Grenze - und das bezahlen S I E !!!!!!! Übrigens, die Commerzbank hat keine 25 % EK-Rendite, dafür hält sie jetzt beim Staat die Hand auf."

Eigenkapitalrendite.......

wolf haupricht (emilgilels)
Eine Eigenkapitalrendite von rd. 25 v.h. des eingesetzten Kapital ist überlebenswichtig und usus bei gesunden Aktiengesellschaften. Daher ist einmal ein Blick in die Fundamental-Daten von DAX- oder Stoxx 50 - Unternehmen zu empfehlen. Das Herumtrampeln auf der DB AG resp. Ackermann ist lediglich ein Ablenken von eigenem Versagen.
- Die Deutsche Bank ist bisher ganz gut durch die Finanzkrise gekommen, das ist auch das Verdienst Ackermanns. Er war seinerzeit bei Goldman Sachs im Gespräch, dort und auch anderswo (Singapur, Dubai etc.) hätte er sehr viel mehr verdienen können. Er ging bescheiden nach Frankfurt. Des hat er sich Lob verdient.
Einen Theologen sollte der Transzendenzverlust in Westeuropa umtreiben. Komm. WD
- In diesem Feld hätte Huber etwas Theologisches zu tun, ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu benötigen. Da spielt der Unterschied zwischen Umsatzrendite und Eigenkapitalrendite keine Rolle: 'Protestantische Theologie FAZ 23.12.08. Das Gefühl schlechthinniger Autonomie. Ein Münchner Kolloquium zum Verhältnis von Religion und moderner Welt "Die Selbständigkeit der Religion", der Titel eines Aufsatzes von Ernst Troeltsch aus dem Jahre 1895, war das gut gewählte Thema des Geburtstagskolloquiums für Friedrich Wilhelm Graf ...' P. Bahners
- Hubers Hetze gegen ein konsequentes Renditedenken beruht zunächst einfach auf der Verwechslung von Umsatz- und Eigenkapitalrendite. Darüberhinaus aber läßt sich ein biblisches, ein alteuropäisches Denken erkennen, das seinen historischen Sinn in den alten, unentwickelten Gesellschaften hatte, als es noch keine ausdifferenzierten Funktionssysteme gab, in denen nach einer spezifischen, sich immer weiter entwickelnden Logik gearbeitet wird. Mit diesem alten Denken läßt sich moderne Gesellschaft eben nicht verstehen. Das Problem ist alt und bekannt. Immer wieder versuchte der Klerus, seine beschränkte politische Weltsicht durchzusetzen, lange auch überhaupt seine Weltsicht. Im Christentum mißlang das, die Aufklärung in vielen Facetten war stärker. Im Islam behauptet der Klerus seine Stellung bis heute, das ist die Ursache für den tausendjährigen Entwicklungsstillstand im islamischen Kulturkreis.

Sartre, Beauvoir


-6 bis -2°C, sonnig. Man kommt ins Schwitzen bei dieser Klimaerwärmung!

- Die geistige Verwirrung der Katheder-Philosophen, Folge 12341:
Sartre, Beauvoir: Unheilige Nichtfamilie

Pure Paare
"Zeit der Reife", ein Roman Jean-Paul Sartres aus dem Jahr 1946, erster Teil der Trilogie "Wege der Freiheit", erzählt die Geschichte einer ungewollten Schwangerschaft. Mathieu, ein Gymnasiallehrer, wie Sartre selbst, steht 1938 vor der Frage, ob er sich den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg anschließen soll. Es wird nichts daraus (auch Sartre hatte mit dem Gedanken gespielt, sich aber dann für die Anstellung an der Schule entschieden) - wie überhaupt aus seinen Ideen nichts wird. Seine Geliebte Marcelle erwartet ein Kind. Peinliche Situation! ",Nun - es ist passiert.' ,Was? Was ist passiert?' ,Es ist passiert.' Mathieu verzog das Gesicht: ,Bist du sicher?' ,Ganz sicher. Du weißt, dass ich mir nie etwas vormache: es blieb zwei Monate aus.' ,Scheiße!' sagte Mathieu."
Die folgenden Junitage verbringt er mit der Suche nach einem Abtreibungsarzt und den Geldmitteln, um den Eingriff bezahlen zu können. Denn - so will es Sartres Fiktion - der Spezialist, ein erst aus Deutschland, dann aus Österreich emigrierter Jude - will aus Ressentiment gegen Nichtjuden vom exorbitanten Preis nichts nachlassen. Am Ende begeht Mathieu einen Diebstahl, nur um erfahren zu müssen, dass Marcelle sich inzwischen entschieden hat, das Kind auszutragen: Sie wird einen Homosexuellen heiraten.
Man kann nicht sagen, dass der Roman direkt für die Abtreibung plädiere. Dazu ist dieser Mathieu ein zu windiger Geselle, der eben zu gar keiner Entscheidung kommt: weder für die Vaterschaft, noch für die Kommunistische Partei, die ihm in Gestalt eines durchaus sympathisch gezeichneten Funktionärs nahe ist. Immerhin aber legte das Ende des Romans nahe, dass jenes Paar, dem das Kind dann geschenkt wird, Marcelle und der verklemmte Homosexuelle Daniel, eben kein Paar im vollen Sinne werden kann.
Während Sartre an diesem Roman schrieb, war Simone de Beauvoir mit der Arbeit an ihrem feministischen Klassiker "Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau" beschäftigt. Ein Kapitel widmet sich dem Thema der Mutterschaft, die eingangs als das "physiologische Schicksal der Frau" definiert wird. Aber nur, um von dieser bloß "natürlichen" Berufung sogleich zur Gesellschaft überzugehen, die sich "nie einfach mit der Natur abfindet". Dieses Soziale erscheint nun indes nicht als kulturelle Modellierung der Mutterschaft, sondern zunächst einmal als Geburtenkontrolle, Verhütung, Abtreibung. Man kann sich dem Eindruck nicht verschließen, dass die Mutterschaft der Philosophin als ein "unauthentischer" biographischer Entwurf erschien: zu sehr natur- und schicksalsbestimmt, um für Autonomie gelten zu können.
In diesem Zusammenhang fallen die berüchtigten Sätze über den Fötus als Parasiten und später als "Polypen": "Aber die Schwangerschaft ist vor allem ein Drama, das sich bei der Frau zwischen ihren beiden Ich abspielt. Sie empfindet sie gleichzeitig als eine Bereicherung und als eine Verstümmelung. Der Fötus ist ein Teil ihres Körpers und auch wieder ein Parasit, der auf ihre Kosten lebt. Sie besitzt ihn und wird doch wieder von ihm besessen." Auch Simone de Beauvoir plädiert nicht direkt für die Abtreibung, aber der ganze Argumentationsgang offenbart einen scheelen Blick auf die Mutterschaft, vor allem dann, wenn es nicht mehr nur um ein Kind, sondern um mehrere geht - da spricht sie von "Gebärmaschinen" wie der wegen dieses Wortes Jahrzehnte später heftig gescholtene Bischof Mixa.
Überall stützt eine dogmatische Psychoanalyse die existenzialistischen Befunde: Wenn die werdende Mutter Übelkeitsanfälle oder Heißhunger nach bestimmten Speisen empfindet, steht dahinter der Vernichtungswunsch gegen das Kind. Wie sie sich auch stellen mag - die Frau, so sagt es dieses Buch, wird als Person in der Mutterschaft ebenso bestätigt wie beschädigt.
Es passt durchaus dazu, dass Sartre seinerseits in seinem philosophischen Hauptwerk "Das Sein und das Nichts"zwar scharfsinnige und subtile Analysen von Paarbeziehungen gibt - aber die beiden, die das Paar bilden, haben keine Vergangenheit in einer Familie, noch finden sie eine leibliche Fortsetzung. Kinder haben sozusagen keine logische Stelle im Existenzialismus. Man wird dieser Tatsache erst recht inne, wenn man Hegels "Phänomenologie des Geistes" mit Sartres Überlegungen vergleicht. Hier findet man die Beziehungsanalysen ausgefaltet in einer Phänomenologie der antiken Familie mit ihren Penaten, ihren Verhältnissen zwischen Mann und Frau, zwischen Bruder und Schwester. Erst diese integrale Familie bildet eine Sittlichkeit aus, die für Hegel zwar nicht letzte Geltung beanspruchen kann - das Gemeinwesen steht höher und muss sein Recht auch gegen die Pietät der Familie durchsetzen -, aber als Stufe im dialektischen Gang legitimiert ist.
Sartre und Simone de Beauvoir galten in ihrem Jahrhundert mit ihrem "Liebespakt" gleichsam als das Idealpaar der Intellektuellen. Heute sieht man, zu welchem Preis diese Idealisierung erkauft war. Philosophierende Trümmerfrauen hätten hier viel aufzuräumen.
LORENZ JÄGER FAZ 24.12.2008

- Die geistige Verwirrung der Katheder-Philosophen, Folge 12342 : "... Sartres Tour de RAF am 4. Dezember 1974 verhalf der Baader-Gang zu einem überwältigenden Propaganda-Erfolg. Auf einer Pressekonferenz plauderte der 69-jährige Promi aus Paris über die angeblich kahle, fensterlose Zelle des Terroristenführers, der wie ein Gefolterter wirke. Dass er Baaders extravagante Zelle gar nicht gesehen hatte, dass die Visite im nüchternen Besucherraum stattgefunden hatte, dass sich der Häftling seit über 90 Tagen im selbst gewählten Hungerstreik befand, scherte den hinfälligen und beinahe erblindeten Revolutionsfantasten nicht weiter. ..." Focus 3.9.07