Donnerstag, 3. September 2009

Nationalismus



Militärdiktator Napoleon hat sich gerade edel und groß zum Kaiser gekrönt und eröffnet das Zeitalter des Nationalismus

- Nationalismus
- - ' Niemand will zum Osten gehören.
Eine windige Geschichte: Vergeblich fahnden Historiker auf einer Londoner Tagung nach deutschen Bildern des Westens vor 1914
Der Husarengeneral Bamme weiß, woher der Wind weht. Fontane lässt ihn in "Vor dem Sturm" das Aufkommen bürgerlicher Offiziere erklären. "Und woher das alles? Sie wissen es. Von drüben. Westwind." ...' FAZ 2.9.09 ///
Es handelt sich aber um eine spezifische, nicht verallgemeinerbare Stelle. Ernst Fraenkel verwendet ab 1960 den Begriff 'westliche Demokratie'; mir scheint, in Abdifferenzierung zu dem der 'Volksdemokratie' der östlichen Diktaturen. In Thomas Manns "Betrachtungen eines Unpolitischen" läßt sich zumindest inhaltlich ein französischer Westen auffinden, und dem Osten wird mehr 'Tiefe' zugeschrieben. Er hat das in seinem Bekenntnis zur Weimarer Republik in der Rede "Von deutscher Republik" revidiert. Während die Weimarer Republik aber eher eine Berliner Republik war und Berlin eine Weltstadt, in der viele Amerikanismen sichtbar waren (Werbung, Jazz, Tänze etc.), so setzte der Versailler Diktatfrieden doch 'östliche' Akzente. Die deutsche Regierung wurde insbesondere von der französischen Regierung mit vielen Schikanen bedacht, die in der Ruhrbesetzung gipfelten. Das Verbot einer angemessenen Armee mit entsprechender Bewaffnung führte nach Rapallo 1922 zu einer Zusammenarbeit, insbesondere der Wehrmacht, mit Rußland, dem anderen Paria. Hier knüpfte der Hitler-Stalin-Pakt an. Die politische und kulturelle Atmosphäre wurde davon wenig berührt, und je mehr sich die Amerikaner gegenüber den Franzosen durchsetzten, desto mehr wuchsen die deutsch-amerikanischen Kontakte (Handel, Investitionen, Young- u. Dawes-Plan).

- - Das OPFER ist eine Kategorie, das Kollektivisten seit der Steinzeit schätzen und Nationalisten stets pflegten:
"Werner Hegemann: Spätaufklärung in der Weimarer Republik .
Aus Goethes "Iphigenie" und Hofmannsthals "Alkestis" gewann der deutsche Essay ist eine Kritik der Opferidee, die zur modernen Gewaltideologie geworden war. ..." FAZ 2.9.

- - Und erst die GRÖSSE: Großes Gefühl, großes Opfer, großer Sieg, große Kultur, große Nation etc. Nietzsche hat diesem Affen auch Zucker gegeben, aber mit doppelter Perspektive: "Nietzsche über Größe. Scheinriese .
Das Denken auf den Weg der Größe zu führen war für Nietzsche die letzte Zuflucht, nachdem er die idealistische Metaphysik zerstört und die Diagnose des Nihilismus gestellt hatte. ... Was er verachtet, ist nicht das Kleine, sondern das geistig Kleine, die erlogene Größe idealistischer Begriffe. ... daß man sich von Nietzsche zwar noch inspirieren, aber nicht mehr infizieren lassen will." FAZ 2.9. Tagungsbericht /// Gut so! Aber mancher geistig Kleine hat sich an den großen Sprüchen berauscht oder sie gar mißbraucht. Am besten hält man es vielleicht mit Epikur: "Ich spucke auf das Edle und auf jene, die es in nichtiger Weise anstaunen, wenn es keine Lust erzeugt. (Fragmente, Ethik) Das ging wohl an Platon, den Edlen. Hier könnte man sicher für das EDLE auch GRÖSSE einsetzen, aber die beiden treten auch gerne zusammen auf.

- - Bertolt Brecht: Vaterlandsliebe, der Haß gegen Vaterländer (Geschichten vom Herrn Keuner) :
Herr K. hielt es nicht für nötig, in einem bestimmten Lande zu leben. Er sagte: "Ich kann überall hungern." Eines Tages aber ging er durch eine Stadt, die vom Feind des Landes besetzt war, in dem er lebte. Da kam ihm entgegen ein Offizier dieses Feindes und zwang ihn, vom Bürgersteig herunterzugehen.
Herr K. ging herunter und nahm an sich wahr, daß er gegen diesen Mann empört war, und zwar nicht nur gegen diesen Mann, sondern besonders gegen das Land, dem der Mann angehörte, also daß erwünschte, es möchte vom Erdboden vertilgt werden.
"Wodurch", fragte Herr K., "bin ich für diese Minute ein Nationalist geworden? Dadurch, daß ich einem Nationalisten begegnete. Aber darum muß man die Dummheit ja ausrotten, weil sie dumm macht, die ihr begegnen."

/// Die Dummheit läßt sich bekanntlich nicht ausrotten, auch Brecht selbst demonstriert das mit seiner Grunddummheit, seiner Verfangenheit in marxistischem Denken; erst spät dämmert ihm, welchen Kasper er für Ulbricht gegeben hat. Nationalismus zeugt Nationalismus, das aber ist eine gültige Einsicht, und auch für diese schöne Keuner-Geschichte muß man ihm dankbar sein. Kann man den Nationalismus ausrotten? In China herrscht ein extremer Nationalismus, in Rußland wird er neu belebt, und es ließen sich, allein in Osteuropa, noch viele Namen nennen. Man kann ihn vielleicht aufweichen durch Wohlstand und durch internationale Verflechtung, durch Nationalstaatskonstruktionen wie die Schweiz und die USA, durch europäische Gemeinsamkeiten wie die gemeinsame Währung. Das ist schon recht viel. Brecht hat auch gesehen, daß man denen, die ein einfach gestricktes Angebot brauchen, auch ein solches machen muß:

Kinderhymne

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's.
Und das liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

(Bert Brecht)

Auf zweifelhafte Begriffe könnte man hier sicher verzichten, auf das Gummiwort "verbessern" etwa, das der Erziehungsdiktatur den Weg ebnet, oder das Nebelwort "Volk" und "Völker", das eine Einheit suggeriert, die es nirgendwo gibt, schon gar nicht in Europa, und das den Pluralismus der Lebensformen als weitaus wichtigste Errungenschaft der Zivilisation nicht in den Blick geraten läßt.
Noch wichtiger als ein moderates nationales Identifikationsangebot (darunter fallen alberne Fußballspiele mit ihrer ekelhaften Sauferei bei angeschlossener Schlägerei vorher, nachher und am Rande aber nicht!) scheint mir aber das landschaftliche Heimatangebot mit regionaler Traditionspflege. Das macht etwa den internationalen Reiz Bayerns aus.

- - Viele Reden werden gehalten, um den eigenen Nationalismus zu schützen. Wenn Stalin in Rußland wieder verstärkt gezeigt wird, dann nicht, um den originalen Stalinismus erneut hervorzuholen, sondern um den russischen Nationalismus zu pflegen und ihn geschichtlich zu unterfüttern; daher auch der Befehl des MP Medwedjew, russische Historiker auszuschalten, die die russische Geschichte kritisch untersuchen.

Mittwoch, 2. September 2009

Der solare Einfluss auf den Klimawandel



Prof. Dr. Horst Malberg (1970 Ernennung zum Professor für Meteorologie und Klimatologie an der Freien Universität Berlin, Lehrbuch: Meteorologie und Klimatologie“ (5. Auflage))

- Der solare Einfluss auf den Klimawandel: Die Astronomische Vereinigung Elbe-Weser

u n d die Burggesellschaft Bederkesa laden gemeinsam ein :

V o r t r a g

“Der solare Einfluss auf den Klimawandel –

Kritische Anmerkungen zur Klimadebatte“

Prof. Dr. Horst Malberg

Donnerstag, den 10. September 2009

19 Uhr im Vortragssaal der Burg Bederkesa

Die präsentierten neuen Forschungs-Ergebnisse zeigen:

o

Die Veränderungen unseres Klimas werden seit Millionen Jahren maßgeblich durch die natürlichen Veränderungen der auf die Erde auftreffenden Sonnen-Strahlung bestimmt.

o

Die verschiedenen Zyklen der Sonnenflecken-Aktivität erklären auch sehr weitgehend die Klima-Schwankungen der letzten Jahrhunderte - bis heute.

o

Dem solaren Einfluss wird in den Klimamodellen nur noch eine Statistenrolle zuerkannt, obwohl der anthropogene CO2-Treibhaus-Einfluss empirisch nicht nachgewiesen ist.

è weitere Anlagen: Vita

- Sachsen: CDU 40,2% (41,1%), Linke 20,6 (23,6), SPD 10,4 (9,8), FDP 10 (5,9), Grü. 6,4 (5,1), NPD 5,6 (9,2), Sonst. 6,8 (5,3); der Sorbe Stanislaw Tillich gehört in der CDU zu den wenigen, die keine Sozialdemokraten sind, hat das mit seinem Wahlerfolg zu tun?

- Thüringen: CDU 31,2% (43 ! ) verlor vor allem an die SPD 18,5% (14,5), Linke 27,4% (26,1), FDP 7,6% (3,6), Grü. 6,2 (4,5), Sonst. 9,1 (8,3). Neostalinist Ramelow hat das Ergebnis der Linksradikalen und SED-Nachfolger gehalten, SPD-Matschie bleibt unter 20%, bei CDU-MP-Althaus spielt vielleicht der Ski-Unfall eine Rolle für den Absturz.
- - Flucht aus der Diktatur: Wird die Linksradikalen SED-Abkömmlinge nicht gewählt haben: " Vor 40 Jahren, in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1969, schwamm Mitbauer, 19 Jahre alt und DDR-Meister über 400 Meter Freistil, 25 Kilometer vom Ostseebad Boltenhagen in die Lübecker Bucht. " FAZ 1.9.

- Japan: LDP nach 50 Jahren abgewählt; DJP will die Binnenkonjunktur ankurbeln (aber wie?) und die Macht der Staatsbürokratie beschneiden.

- Bedingungen der Zufriedenheit, Peter Robert Hofstätter, veröffentlicht 1986, Edition Interfrom (Zürich)

Dienstag, 1. September 2009

Saarland; Golo Mann, Dt. Geschichte, Hitler-Stalin-Pakt, Die Logik von Organisationen



Auf dem ungemähten Wiesenstück blüht noch so manches - heute im Regen, 20-17°C

- Demokratie live: Da wird kein "Wilhelm Tell" aufgeführt, eher "Horst Schlämmers Tante".

- - Saarland: CDU 34,5% (-8 Sitze), SPD 24,5% (-5 Sitze), Linke 21,3% (+11 Sitze, FDP 9,2%, Grü. 5,9%, Sonst. 4,6% . Die CDU verliert die absolute Mehrheit, die SPD erzielt das schlechteste Ergebnis seit 1955 - zwei sozialdemokratische Parteien sind zusammen die großen Verlierer. Großer Gewinner ist der Linksaußen und Demagoge Lafontaine, der feige nach drei Tagen unter Schröder aus dem Finanzministerium desertierte. Mäßiger Gewinner mit + 2 Sitzen ist die FDP, die Grünen bleiben klein. Die CDU ist offenbar die glaubwürdigere sozialdem. Partei geworden, hat aber bürgerliche Stimmen an die Nichtwähler und die FDP verloren, während das Bedürfnis nach radikalen Linken und primitiven Parolen stark angestiegen ist.

- Die dt. Immobilienwerte sind bisher gut durch die Krise gekommen - nur Vivacon hat Liquiditätsprobleme.
Im August 0% Inflation.

- Golo Mann, Dt. Geschichte, 11. Kapitel, Abschnitt ENTFESSELUNG DES ZWEITEN WELTKRIEGES: "Der große, aber mittelmäßig regierte, amorphe polnische Nationalstaat hatte sich 1919 auf Kosten der Deutschen und Russen ausgedehnt; manche im Taumel billigen Sieges damals getroffene Regelung hätte man besser vermieden. Der sogenannte 'Korridor', der Ostpreußen vom Reich trennte, war eine Mißgeburt abstrakter, die Wirklichkeit mißachtender Gerechtigkeit, die 'Freie Stadt' Danzig reiner Unfug. Die Stadt war deutsch. Die Polen glaubten des Danziger Hafens unbedingt zu bedürfen und konnten sich auf die verstaubte Geschichtsbuchtatsache berufen, daß Danzig bis 1793 zu Polen gehört hatte. Die Sieger in Paris hatten in ihrer Weisheit beschlossen, daß Danzig weder deutsch noch polnisch sei sollte, sondern selbständig, unter der Kontrolle des Völkerbundes und zum polnischen Wirtschaftsgebiet gehörig. ..." Hier sollte man unbedingt weiterlesen, die nächsten Abschnitte ebenfalls noch mitnehmend, und vielleicht auch noch das 12., das letzte Kapitel lesen, und dann von vorne beginnen, mit dem Anfang, GRUNDTATSACHEN DER DT. GESCHICHTE, der Eingangsbetrachtung des 1. Kapitels, um dann mit dem STÜRMISCHEN BEGINN (1789-1815) fortzufahren (auch als Hörbuch erhältlich).- Es lohnt sich, Golo Mann versteht es meisterlich, Geschichte zu erzählen und große Linien darzustellen.

- - Hitler-Stalin-Pakt: " ... Stalin nannte Hitler einen "Prachtkerl" und hielt ihn selbst nach dem Überfall auf die Sowjetunion für ein "außerordentliches Genie". Ein "genialer Kerl" war wiederum Stalin für Hitler, der den Russen auch als "Tiger" und als eine "historische Persönlichkeit ohnegleichen" bezeichnete. An dem entscheidenden August-Tag erhob denn auch Stalin sein Glas auf den deutschen "Führer", es herrschte eine überaus kollegiale Atmosphäre. Bei der Unterzeichnung des nächsten deutsch-russischen Abkommens, des Grenz- und Freundschaftsvertrages vom 28. September 1939 in Moskau, ging es schon kameradschaftlich zu: Ribbentrop schwärmte nach seiner Rückkehr nach Berlin, er habe sich in Moskau wie unter alten Parteigenossen gefühlt.
Es sind solche, wenn auch kurzlebigen, nationalsozialistisch-kommunistischen Verbrüderungsmomente, die nicht in das deutsche Geschichtsbild passen wollen. Verdrängt werde hierzulande, so die Herausgeber Manfred Sapper und Volker Weichsel, dass infolge des Hitler-Stalin-Paktes die "Wehrmacht und die Rote Armee 1939 im besetzten Polen gemeinsame Paraden abhielten, (und) dass der NKWD und die Gestapo dort Koordinierungstreffen durchführten. Die Bedeutung des 17. September 1939 - des Tags, an dem die Rote Armee vom Osten in Polen einmarschierte - bleibt der deutschen Öffentlichkeit immer noch verschlossen". Von der einstigen sowjetischen Kumpanei mit dem NS-Regime wolle man heute aber auch in Russland und im Baltikum nichts hören. JOSEPH CROITORU, Rez. OSTEUROPA 7-8/09, Wie unter alten Genossen, FAZ 1.9.09

- - "Stalin-Renaissance in der Moskauer Metro
MOSKAU, Ende August / / Der Sowjetdiktator ersteht in den Grüften von Moskaus Untergrundbahn wieder auf. In der tempelartigen Eingangsrotunde der ..." FAZ 1.9.

- - Die Logik von Organisationen und Befehlsorganisationen: Der Einzelmensch ist relativ frei in seinen Entscheidungen, aber nicht als Mitglied einer Organisation: da wurde schon entschieden für den Einzelnen, in Befehlsorganisationen wird ihm die Entscheidung als Befehl übermittelt. Nietzsche nennt deshalb den Staat "das kälteste aller Ungeheuer".- Die Beispiele Napoleons, Lenins, Mussolinis, Stalins, Hitlers, Maos, Ho-Tschi-Minhs, Pol Pots etc. zeigen, wie sich Einzelne der Spitze von Staatsorganisationen bemächtigen können und wie fürchterlich sie dann ihre Organisationsmacht einsetzen können.- Immer bleibt es aber das unauflösbare Problem der zentralen Staatsmacht, daß sie einerseits den inneren Frieden durch ihr Gewaltmonopol garantieren soll und muß, andererseits aber jede Organisation darauf aus ist, ihre Macht auszudehnen; für einzelne Individuen wird es immer ein großer Reiz bleiben, den Oberhäuptling aller Organisationen zu geben.

- Neu: Morgner, Christian: Weltereignisse und Massenmedien: Zur Theorie des Weltmedienereignisses: Studien zu John F. Kennedy, Lady Diana und der Titanic, Bielefeld: transcript 2009.
http://www.transcript-verlag.de/ts1220/ts1220.php

Montag, 31. August 2009

Kommunalwahl: CDU blieb stärkste Kraft bei Verlusten



Andauer des schönen Früherbstwetters: 13-23°C .

- Gemischte Wahlergebnisse:
Kommunalwahl NRW: Gesamtergebnis: CDU 38,6%, SPD 29,4%, Grü. 12%, FDP 9,2%, Linke 4,4%:
Odenthal: Neuer Bürgermeister Roeske (gem. Kand. von SPD, FDP, Grü., UWG) siegt mit 52%, Wahlbeteiligung 67%; Rat: CDU 40,5% (-2,6%), SPD 16,3% (-1,9%), Grüne 14,2 (+2,6%), FDP 13,8 (+2%), UWG 9,1, BRunde 4,9%, Erhard Schulz 1,2%; (Hahnen.: CDU 45,1%, FDP 20, BR-O 10, Gr. 9,2%, UWG 8,9, SPD 6,8%) ; die Altenberg-Umgestaltungspläne im Rahmen der sog. Regionale verursachten die Ablösung Maubachs; persönliche Animositäten spielten zwischen FDP und CDU eine große Rolle.
Kreis: CDU 38,4% (-2%), SPD 22,9% (-4,9%), Gr. 12,9, FDP 11,9, UWG 4,8, BürgerForum 1,9%, Sonst. 7,2; Landrat: CDU Menzel 53,8%, SPD Zorn 26,7%

- Thüringer CDU (31,2%) verlor vor allem an die SPD (18,5%), Linke 27,4%
- FDP (10%) in Sachsen erhält mehr Direktstimmen als die SPD (10,4%), CDU 40,2%
- Saarland: CDU 34,5%, SPD 24,5%, Linke 21,3%, FDP 9,2%, Grü. 5,9%, Sonst. 4,6%

- Hochlohnpolitik, das deutsche Problem: "Tarifverdienste steigen kräftig . 2 bis 3 Prozent mehr trotz Null-Inflation.
ppl. FRANKFURT, 28. August. Mitten in der tiefsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten sind die Tarifverdienste deutscher Arbeitnehmer preisbereinigt ... " FAZ
/// Von der einen Seite die hohen Löhne, von der anderen Seite die willkürliche Energieverteuerung, von der dritten Seite die hohe Besteuerung und der vierten die ostasiatische Billiglohnkonkurrenz - recht schwierig.

- Risikobereitschaft: Auch das ein Problem Deutschlands, wo das Streben nach Selbständigkeit gering ist: "Was die Risikobereitschaft prägt.
Der Einfluss der Eltern ist größer als gedacht, zeigt die Verhaltensökonomik. Aber auch ein traumatisches Ereignis wie die Große Depression kann die Risikoeinschätzung prägen.
Von Philip Plickert
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt das Sprichwort. Auch in ihren wirtschaftlichen Verhaltensweisen sind Kinder ihren Eltern oft erstaunlich ähnlich. Das zeigen Untersuchungen - sowohl Experimente als auch Umfragen - von Verhaltensökonomen. Demnach "erben" Kinder risikofreudiger Eltern deren höhere Risikoneigung. Sie wagen mehr - und gewinnen im Durchschnitt auch mehr. ...
"Vertrauen in das Wirtschaftssystem und Vertrauen in Geschäftspartner sind ganz wesentlich für unser Verhalten, weil jede ökonomische Handlung unter Unsicherheit passiert", erklärt Armin Falk von der Universität Bonn, einer der führenden Experimentalökonomen in Deutschland. Als im vergangenen Herbst viele Sparer plötzlich Angst um ihre Sparguthaben bekamen, da war ein "Run" auf die Banken nicht auszuschließen. Auch bei jedem alltäglichen Geschäft spielt Vertrauen eine Rolle: "Wir kaufen viele Güter, deren Qualität erst später, nachträglich feststellbar ist", erklärt Falk. Erscheint der Verkäufer nicht vertrauenswürdig, so kommt das Geschäft nicht zustande. In Gesellschaften ohne stabile soziale Beziehungen und ohne stabiles Geld findet weniger marktwirtschaftlicher Austausch statt.

Für den individuellen wirtschaftlichen Erfolg spielt eine große Rolle, welche Risiken wir am Markt einzugehen bereit sind. Dabei wird die Risikoeinstellung stark von der Familie geprägt, in der jemand aufwächst, wie die Verhaltensökonomen Falk, Thomas Dohmen, David Huffmann und Uwe Sunde gezeigt haben. Statistische Grundlage ihrer Untersuchung war eine Stichprobe von 3600 Eltern und (erwachsenen) Kindern aus dem Sozioökonomischen Panel. Darin erklären die Befragten detailliert ihre Risikobereitschaft in verschiedenen Fragen: etwa Autofahren, Geldanlage, Sport, Freizeit, Karriere und Gesundheit. ..." FAZ 8.6.09

Sonntag, 30. August 2009

Kandidatenbrief Kommunalwahl



Das Kernkraftwerk Calder Hall (GB, Cumbria) war das erste kommerziell zur Stromerzeugung eingesetzte Kernkraftwerk.

Sehr geehrte Frau Kandidatin,
vielen Dank für Ihre ausführliche Solar-Antwort! Es ist erfreulich, wenn Kandidaten in ihrem Stimmbezirk klare Auskunft geben.
Zunächst die Rohstoffreserven:
"Die heimische Braunkohle kann als eine relativ günstige Energiequelle nicht hoch genug eingeschätzt werden. ... Kohle wird mit einer sehr viel größeren Reserve und einer potentiellen Reichweite von mehreren hundert Jahren ..." Denkschrift der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, S. 12f. - Im Jahr 2200, wenn Sie also schon hundert Jahre verstorben sein werden, wird es also noch viel und reichlich günstige, subventionsfreie deutsche Braunkohle geben, die im Tagebau ohne Bergwerksunglücke abgebaut werden kann. Eine "Reichweite von mehreren hundert Jahren", ist das nicht wunderbar? Und ähnlich verhält es sich mit Uran und Thorium, wobei man immer davon ausgehen kann, daß man jedes Jahr, wie beim Öl, neue Vorkommen entdecken wird. Da bei der Kernspaltung der Uranpreis keine große Rolle spielt, da nur 3% der Stromerzeugungskosten durch das Uranerz verursacht werden, ist auch das japanische Verfahren der Urangewinnung aus Meerwasser interessant (vgl. Akademie-Denkschrift S. 10f.). Auch wenn Sie also schon 1000 Jahre verstorben sein werden, wird es noch viel Uran für die Energiegewinnung geben. Möglicherweise wird man dann aber kein Kernspaltungsmaterial mehr brauchen, weil Ihre Enkel und Urenkel mit der Kernfusion arbeiten werden. So wie die Sonne es macht, unser guter alter Fusionsreaktor, und wie der europäische Fusionsversuchsreaktor ITTER in Südfrankreich es erforscht. -
Lehnen Sie sich also entspannt zurück, was die Reichweite der Energiegewinnungsrohstoffe betrifft, und studieren Sie vielleicht Energietechnik. Ingenieure werden gebraucht, besonders in Deutschland, derzeit sind über 60.000 Stellen offen.

Sie schreiben, "dass die Photovoltaik-Anlagen stetig verbessert werden, weil viele Menschen darin Zukunft sehen und sie auch Arbeitsplätze schafft." Stimmt das?
Wer hätte gedacht, daß alle deutschen Solarfirmen (außer Solarworld) 2009 rote Zahlen schreiben? Eine Vermutung konnte man haben, weil die Modul-Preise völlig überhöht waren und das den Wettbewerb in Gang setzt, der die Preise nach unten schickt. Ein Wettbewerb, der wahrscheinlich von den dt. Firmen nur Ersol und Solarworld übrig läßt, aber nur, wenn sie zur Montage nach China gehen, wo diese relativ einfache Technik - eben kein High-Tech !!! - inzwischen zur Hälfte des dt. Modulpreises angeboten wird. Arbeitsplätze verloren, Kapital fehlgeleitet. Die wenigen deutschen Arbeitsplätze werden zu etwa 80% verschwinden, weil die großen chinesischen Firmen Suntech und Yingli das Geschäft machen werden.- In den sonnenscheinreichen Tropen und Subtropen, wo es keine Stromnetze gibt, kann Solarenergie eine Möglichkeit sein, die aber teuer ist.

Sie schreiben: "Die Atomenergie ist im Moment auf dem Rückzug." Wirklich? Fahren Sie einmal nach Frankreich und zählen Sie die Kernreaktoren. Zudem: ' In Olkiluoto entsteht ein neues Kernkraftwerk. Es ist der erste Neubau innerhalb
der Europäischen Union seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Schon seit langem
laufen hier die Meiler OL-1 und OL-2 mit einer Leistung von jeweils 860
Megawatt. Zusammen mit den beiden Reaktoren russischer Bauart in Luviisa,
östlich von Helsinki gelegen, decken die Anlagen ein Viertel des finnischen
Strombedarfs. Nun kommen mit dem leistungsstärksten Atomkraftwerk der Welt 1600
Megawatt dazu. Wenn der neue Reaktor ans Netz geht, erhöht sich der Anteil des
Atomstroms in Finnland auf 37 Prozent.
"Wollten wir die Energie, die Olkiluoto-3 produzieren wird, mit Windrädern
erzeugen, müssten wir mehr als sechstausend Windturbinen mit einer
durchschnittlichen Leistung von einem Megawatt aufstellen", sagt Käthe
Sarparanta von der Betreiberfirma Teollisuuden Voima Osakeyhtiö mit feinem
Lächeln. "Doch leider gibt es bei uns nicht genügend Wind." Sarparanta ist
Spezialistin für heiße Themen. Bis vor zwei Jahren war sie für das Management
der abgebrannten Brennstäbe in Olkiluoto verantwortlich, jetzt kümmert sie sich
um die vielen Presseanfragen. Seit Baubeginn steht ihre Firma im Zentrum
internationaler Aufmerksamkeit. "Finnland führt den Westen zurück zur
Atomkraft", titelte etwa die New York Times. Aber auch Großbritannien, die
Schweiz, Frankreich und die Vereinigten Staaten wollen wieder Atomkraftwerke
errichten. Weltweit sind zurzeit neben dem finnischen Meiler 29 weitere im Bau.
Fast alle davon in Asien, und zwar nach so alten Bauplänen, dass sie in Europa
oder Nordamerika keine Chance auf Zulassung hätten.' Die Renaissance der Kernkraft , FAZ 11.01.2007

Das Kernkraftwerk Calder Hall in Großbritannien ging am 27. August 1956 mit einer Leistung von 50 MW als erstes kommerzielles Kernkraftwerk der Welt ans Netz. Seitdem haben insbesondere die 17 deutschen Kernkraftwerke gezeigt, daß sie im Normalbetrieb rund um die Uhr zuverlässig und sicher arbeiten. Seit dieser Zeit gab im Straßenverkehr abertausende Tote, desgleichen im Steinkohlebergbau. Jährlich sind allein in China nach der offiziellen Statistik etwa 2000 Steinkohlebergbautote ausgewiesen. Seit 1957 Garching in Betrieb ging, gab es keine deutschen Todesopfer zu beklagen. Das ist beeindruckend.
Wer den leeren Versprechungen der Solarfirmen glauben schenken will, soll das tun. Er kann beliebig viele Aktien der Solarfirmen kaufen und Anleihen zeichnen. Aber er sollte nicht in die Tasche der anderen Stromkunden greifen. Der Stromkunde muß für seinen Haushaltsstrom ca. 21 Cent pro Kilowattstunde bezahlen; das Doppelte (!), nämlich 43 Cent (!) muß er zwangsweise für den eingespeisten Solarstrom zahlen! Das ist schlicht unanständig. Wer seinem Solaraberglauben frönen will, soll das tun. Aber dafür selbst bezahlen. Alles andere ist Abzockerei.