Sonntag, 28. Februar 2010

Riechen und Denken, Theodosius wußte Bescheid




Keine Käsefrau: Regel Amrain

Edward Gibbons (1737-1794) Verfall und Untergang des römischen Imperiums: Bis zum Ende des Reiches im Westen: 6 Bde.

- Riechen: Marc Spehr auf dem schön benannten Lichtenberg-Lehrstuhl in Aachen findet vier verschiedene Riechsysteme bei der Maus für das Erschnüffeln sozialer Signale. Ja, natürlich geht es dabei um die Selektion der Selektionen. Fraglich scheint mir, wie weit das Riechen darüber hinaus eine Bedeutung hat. Und es ist wohl asymmetrisch gestaltet: bei der weiblichen Seite, so die meisten Untersuchungsergebnisse bei Menschen, spielt es eine größere Rolle, das Sehen eine kleinere. Hier findet sich wahrscheinlich der Grund für falsche Partnerwahl. Schon bei der Lektüre von Kellers Erzählung "Frau Regel Amrain und ihr Jüngster" verwunderte, daß eine so gescheite Frau mit so viel Erziehungswissen auf einen solchen Windbeutel wie den Seldwyler Knopfmacher Amrain hereingefallen war. Da haben offenbar die Pheromone ihr Spiel getrieben, die dafür bekannt sind, nachhaltig den Verstand zu trüben.
(Lob des Internets auch hier: der Keller-Text steht im Netz bei gutenberg.spiegel.de/)
(Vgl. Marc Spehr, Soziale Signale erschnüffeln: chemische Kommunikation und das Vomeronasalorgan, Neuroforum 1/10)

- Der (ost-)römische Kaiser Theodosius macht das Christentum zur Staatsreligion.
28. Februar 380. Er entschied auch, ganz praktisch, daß Gottvater und Christus wesensgleich seien. Er schien sich da gut auszukennen. Der Blick in die Religionsgeschichte lehrt, daß jeder Unsinn religionsfähig ist. Edward Gibbon (1737-1794) sah in seinem sechsbändigen Werk über den Niedergang und Fall Roms in der Übernahme des Christentums den Hauptgrund für das Ende des Römischen Reiches (neben der Dekadenz und den Angriffen der Germanen).


- Alhohol 1,54 Promille: Es war übrigens die Frau Käßmann, die In einem Interview mit dem TÜV-Nord 2007 „mangelndes Verantwortungsbewusstsein“ von Autofahrern kritisierte, “insbesondere wenn Alkohol oder Drogen mit im Spiel sind”

- Die deutsche Sprache eignet sich gut als Betrugsanzeiger:
Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt weil wir ein Problem festgestellt auf Ihrem Konto.

Samstag, 27. Februar 2010

Leonardo, Francis Bacon, Galilei, William Harvey, Huygens, Thomas Willis



Naturerkenntnis macht nicht automatisch lustig: Galileo Galilei 1564-1642 (Bild Wiki.)

Gute Laune verbreitet aber ein trockener, 11°C warmer Vorfrühlingstag wie heute, frühmorgens war es mit 1° noch etwas frisch.


- Averroes (Ibn Rushd 1126 Cordoba - 1198 Marrakesch) und die Kultur der Rationalität.
Symposion veranstaltet durch: die Averroes Latinus-Kommission und die Averroes Latinus-Arbeitsstelle der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste am 26.02.2010 ///

Bereits im 10. Jahrhundert brannten auf Geheiß des islamischen Klerus philosophische Bücher. Die Angriffe der Islamisten waren der Hintergrund auch für Averroes' Schrift " Die entscheidende Abhandlung und die Urteilsfällung über das Verhältnis von Religionsgesetz und Philosophie", 2009 gleich zweimal übersetzt und kommentiert von Frank Griffel (Yale) und Franz Schupp (Paderborn)(vgl. "Bedingter Freispruch für die Philosophie. Eine neue Edition der Abhandlung des Averroes über Wissenschaft und islamisches Recht, F.A.Z., 24.02.2010). Ob diese Schrift nur zur Flamme verurteilt war oder auch tatsächlich brannte, ist umstritten. Griffel vertritt den Standpunkt, daß Averroes als Theologe geschrieben habe und demgemäß die Philosophie unter dem Religiongesetz stehe. Das entspricht auch der christlichen Auffassung jener Zeit, die die Philosophie als "Magd der Theologie" betrachtete.-

Wie dem auch im einzelnen sei, die Aristoteles-Lektüre gab den hellen Köpfen hier und da rationale Impulse, die aber nicht sehr weit reichten, einmal, weil sie auf islamischer Seite direkt bekämpft wurden, andererseits, weil auch die christliche Scholastik nicht ursächlich mit der Moderne zusammenhängt, für deren Aufgang dann Namen wie LEONARDO da Vinci (1452-1519), Francis Bacon (1561–1626), Galilei (1564–1642), William Harvey (1578-1657), Huygens (1629-95), Thomas Willis (1621-1675) u.a. stehen. Deren Schriften und Entdeckungen tragen überwiegend noch heute. Das gilt auch für die vier Erkenntniswiderstände, die ein Fast-Zeitgenosse des Averroes, der Franziskaner-Mönch Roger Bacon (1214-1292) benannte : Respekt vor Autoritäten; Gewohnheit; Abhängigkeit von den Meinungen der Menge; Unbelehrbarkeit unserer Sinne. Er empfahl Naturerkenntnis und Erfahrungswissen. Das ist hochbeachtlich für diese Zeit, dergleichen gilt im Islam bis heute nicht. Man könnte eine Empiriker-Linie durch die Wissenschaftsgeschichte ziehen von Archimedes zur römischen Ingenieurskunst, zu Rhazes (864-925) und Alhazen (965-1040), über Roger Bacon (1214-1292) in die Renaissance zu Leonardo und weiter bis in die Gegenwart.

Averroes blieb ohne Wirkung im Islam, während er von christlichen Aristotelikern bis ins 17. Jahrhundert gelesen wurde. Von daher rührt seine
Einordnung als "Rationalist", der von einigen wenigen heutigen arabischen Philosophen wiederentdeckt wurde, besonders massenwirksam in dem Film "Le Destin" 1997 inszeniert von dem ägyptischen Regisseur Youssef Chahine mit Omar Sharif als fescher Averroes (s. dailymotion.com/video/x5e2fr_averroesle-destin_shortfilms). Ich habe den Anfang des Films gesehen, er beginnt mit einem Feuermord der christlichen Inquisition, der als Hintergrund für die Geschichte des gesitteten und toleranten Averroes zu dienen scheint, der dann ebenfalls Opfer der Inquisition wird, diesmal der mohammedanischen; dergestalt scheint die Aussage des Films zu lauten, nicht so zu werden wie die Christen es waren.
In Saudi-Arabien sind seine Bücher verboten, aber eine Raffinerie heißt "Ibn Rushd". (Anke v. Kügelgen, Bern)

- Südpol im Norden, alles ist möglich (Steckt der CIA dahinter? Die Autoindustrie? Jesuiten?): " Der magnetische Südpol der Erde legt einen Sprint ein.
Seit ein paar Jahren wird eine beschleunigte Bewegung gemessen: Eine Änderung der Konvektion? (Das vertikale Fließen des zähflüssigen Erdinnern, WD)
Im Laufe der Erdgeschichte war das Magnetfeld der Erde keineswegs immer so beständig, wie es beim Blick auf die scheinbar stetig nach Norden weisende Kompaßnadel erscheint. Mehrere hundert Mal brach das Erdmagnetfeld nahezu vollständig zusammen und kehrte dabei seine Richtung um. ..." 24.2. FAZ

Freitag, 26. Februar 2010

„Wasserwaage. Warum gleichere Gesellschaften fast immer besser dran sind“



"Schneeglöckchen, ei, du bist schon da?
Ist denn der Frühling schon so nah?
Wer lockte dich hervor ans Licht?
Trau doch dem Sonnenscheine nicht!
Wohl gut er’s eben heute meint,
Wer weiß, ob er dir morgen scheint?“

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben


- „Wasserwaage. Warum gleichere Gesellschaften fast immer besser dran sind“ / Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. von Wilkinson, Richard und Pickett, Kate .
Wolfgang Kersting bespricht dieses neue Buch in der FAZ v. 25.2.10 . Der deutsche Titel ideologisiert, wörtlich übersetzt lautet der Originaltitel: „Wasserwaage. Warum gleichere Gesellschaften fast immer besser dran sind“. Wilhelm Röpke fällt mir da ein und seine Schweiz: eine immer noch recht bürgerliche Gesellschaft mit viel weniger Ungleichheit als in Argentinien und Brasilien, Indien und Saudi-Arabien, Nigeria und Indonesien etc. Zugleich aber nicht egalitär. Was mag der Grund sein? Wahrscheinlich das genossenschaftliche und bürgerliche Element in einer protestantischen Kultur mit ihrer hohen Disziplin, die sich dem calvinistischen Individualismus verdankt. Die Gleichheit beschränkt sich auf die vor dem Gesetz und die individuelle Chancengleichheit, gepaart mit Gewerbefreiheit (die Konfessionsfreiheit für Katholiken kam viel später). Gerade das Verbot von protestantischer Einwanderung in Südamerika, besonders in Argentinien, bewirkte bis heute relative Verarmung und Entwicklungsverzögerung, während die protestantische Einwanderung in Nordamerika das Land innerhalb von 200 Jahren von völliger Armut zum größten Reichtum katapultierte.
Der Ansatz der Autoren Wilkinson und Pickett erscheint daher recht statisch und unfruchtbar im Hinblick auf die Wirkungskräfte, die allgemeinen Wohlstand schaffen als da vor allem sind Wettbewerb und Wettbewerbsbeschränkungsverbot. Zugleich unterschlagen sie psychischen Kosten des Wettbewerbs und der calvinistischen Disziplin: in katholischen, überhaupt vielfach in armen Ländern ist man fröhlicher, weil die langjährige Disziplinierung schon der Kinder in der protestantischen Kultur zwar Fleiß und Verantwortung fördern, aber eben nicht die gute Laune.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Glänzendes und Stürzendes



Rubens, Der Sturz des Phaëton (Bild Wiki.)

Der halbstarke Phaëthon (der Glänzende) bittet seinen Sonnengottvater Helios, einmal den Sonnenwagen fahren zu dürfen und stürzt prompt damit ab, die Erde in Brand setzend, dafür tötet ihn Zeus mit einem Blitz.

Phaëton ist auch der Namensgeber für das gleichnamige Luxusauto, Piëchs Krönung - was mag er sich bei dieser Namensgebung gedacht haben?

- Stiller Glanz: Ein Kirchen-Vertreter verlas den Text: Sie bedauere die Volltrunkenheitsfahrt zutiefst, trete von ihren Kirchenämtern zurück und ziehe sich zu den Diakonissen in deren Dienst zur Buße zurück. Hinfort werde sie die Fastenzeit ernst nehmen und nicht nur dem Kirchenpublikum Wasser empfehlen, wenn sie noch Auto führen. Das Kino als Ort geistloser Unterhaltung wolle sie hinfort meiden und sich an Benedikt XVI. und seiner Gelehrsamkeit ein Beispiel nehmen. Sie werde großen, prahlerischen Auftritten in Zukunft entsagen wie auch den schweren Luxuskarossen mit 8 Zylindern aus Kirchensteuermitteln; der Gottesfrau stände die Armut gut zu Gesicht, wie sie Mutter Teresa gepflegt habe. Denn Jesu Reich sei nicht von dieser Welt; Gut, Geld, Ämter und Mediengeilheit führten vom spirituellen Wege ab und verwirrten das Gemüt. So habe sie es niedergeschrieben, sagte der Kirchenvertreter. Sie sei schon auf dem Weg zur Alkoholentwöhnungsklinik. Wir bekunden Respekt.

- Aber ach, nur eine glänzende Phantasie. Es war stattdessen wieder ein großer Auftritt mit dem Phaeton, dem glänzenden Achtzylinder, wieder ging es ins Licht der Scheinwerfer, hingegeben den vielen Kameras und den zahllosen Mikrophonen zugeneigt. Ihr Herz sage ihr, daß ihre Autorität beschädigt sei und sie deswegen zurücktreten müsse; ihr Verstand hatte offenbar nichts zu sagen.

- Der Talmi-Auftritt der Popbischöfin Käßmann kommt dem WDR5 sehr ungelegen, er beschäftigt sich einfach lieber mit jesuitischen Pädophilen. Es meldeten sich immer mehr ehemalige Internatsschüler, denen ein Pater über den Kopf gestrichen habe. Tja. -

Ich selbst habe Übergriffe zu beklagen, geistige Übergriffe der Religionslehrer, zu denen mich meine Eltern und die staatliche Schulordnung schickten. Auch Übergriffe von seiten der Mitschüler, sexuelle, denn wenn die Pubertät erwacht, gibt es sehr üble Burschen. Unangenehme Erinnerungen habe ich auch an einen katholischen Tageshort, den ich nach der Schule aufsuchte, das Regiment der Nonnen war sehr rigide und die Küche höllisch. Mit Ausnahme einer jüngeren, meist gutgelaunten Schwester, die bei gutem Wetter mit den Hortschülern kleine Ausflüge in den Wald unternahm. Sie war gar nicht pädophil, strich mir aber gelegentlich über den Kopf.

- Glänzender Kommentar: Heike Schmoll, eine ernsthafte lutherische Stimme.
Es ist immer angenehm belehrend, Schmoll zu lesen. Eine großartige FAZ-Journalistin! Könnte eine solche Frau doch Bischöfin sein. Ich höre bei Nachfrage stets bei einem mir bekannten Protestanten, daß die Aufgabe der Ökumene sich bald erledigt haben würde, weil es nur eine Seite, die katholische, noch geben werde. Es wäre schade.

- Glänzende Zahlen: Allianz; gut, wenn auch schwächer als im Vorjahr: BASF, Henkel, RWE

- Sich ausbreitender Reviergesang, 2-11°C

Mittwoch, 24. Februar 2010

Vorbild Thomas Darling, David Riesman: Die einsame Masse




- VORBILD: Thomas Darling, gest. 1789 "A gentleman of strong mental powers . . . habituated to ... "
Ein edler Mensch von hohen Geistesgaben / wohlbeschlagen in Wissenschaft und Literatur / ... / Von tiefer Einsicht und gesundem Urteil, / geachtet für seine Bescheidenheit / und Redlichkeit, seine Güte und Selbstbeherrschung / im Umgang mit Menschen ehrlich und wohlwollend / ein immer liebenswürdiger Gesellschafter. / Und versah eine Anzahl öffentlicher Ämter / mit Treue und Würde, bewies hervorragende / Fähigkeiten als Staatsmann und Richter, / ein früher Lehrer des Christentums, / das er dauerhaft liebte, schützte und zierte / mit einem wohlbegründeten und festen Glauben / an seinen Gott und Heiland: / er kannte keinen anderen Herrn.
Grabinschrift auf einem Friedhof in New Haven (zit. nach David Riesman, Die einsame Masse, 1950/56, S. 120)

Man wird Thomas Darling wohl als Vorbild im öffentlichen Leben seiner Zeit ansehen können, als ein gutes Beispiel persölicher und öffentlicher Integrität im reformierten, calvinistischen Glauben. Man darf in ähnlicher, katholisch modifizierter Weise auch an die beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. denken, an die Nonne Mutter Theresa. Sie waren und sind Orientierungsfiguren für Menschen, denen diese Orientierung aus eigener Leistung schwer fällt. Wenn man Riesmans Denken folgt, dann sind das in der Moderne mehr, nicht weniger geworden. Grund genug also, peinlich darauf zu achten, daß öffentliche Ämter nur von vorbildlichen Personen ausgeübt werden, diese kritisch zu beurteilen, ohne dabei in Beckmesserei zu verfallen, aber auch nur menschlichen Kredit zu geben, aber keinen für Fehlverhalten im Amt.
Das Vorbild entfaltet seine Kraft schon früh in der Familie; Kinder werden zwar nicht wie junge Tiere auf die Eltern geprägt, aber elterliche Vorbilder im Sinne der Eigenschaften des Thomas Darling sind natürlich von unschätzbarem Vorteil. Das gilt ebenfalls, wenn auch weniger stark, für weitere Bezugspersonen sowie Lehrer etc. Was da vor Augen steht sind Handlungsmuster, die sich sehr oft und sehr lange wiederholen und sich so einprägen. Sie werden dadurch selbst zum Handlungsentwurf bei Kindern. Diese Wirkung des Vorbilds wird über die Wirkungsweise der 'Spiegelneuronen' verständlich, weil das beobachtete Verhalten im Kopf des Beobachters die gleichen Neuronengruppen aktiviert, als wenn er selbst die beobachtete Handlung ausführte.
Das öffentlich wahrgenommene Vorbild besitzt nicht diese eindringliche Wirkung, aber es hat viel mit sozialer Stabilität und sozialem Zusammenhalt zu tun, mit Zurechenbarkeit, Verläßlichkeit und sozialem Vertrauen. Eine dogmatische Organisation, die über stabil integrative Führungsfiguren verfügt, bietet ihren Mitgliedern einen Ort von Vertrauen und sozialer Wärme. Sie können sich daher lange in einer andersartigen Umwelt behaupten, wie man an der katholischen Kirche, den Amisch, Shakern etc. ablesen kann.
Umgekehrt kann man weiter davon ausgehen, daß der lutherische Protestantismus seinen langjährigen Niedergang fortsetzen wird.