Dienstag, 7. September 2010

Verwandt, verlobt, verheiratet





TAZEEN AHMAD




- " Verwandt, verlobt, verheiratet!
... In Deutschland sind Ehen zwischen Cousin und Cousine zwar erlaubt, aber gesellschaftlich verpönt und äußerst selten. In traditionellen Migranten-Familien gehört es hingegen oft zum guten Ton, dass die Kinder ein Mitglied der Verwandtschaft heiraten. Neben der Ehe zwischen Cousine und Cousin sind auch Verbindungen zwischen Onkel und Nichte möglich. Eine aktuelle Sonderauswertung des „Berichts zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat ergeben, dass rund 15 Prozent der türkischstämmigen Frauen in Deutschland mit einem blutsverwandten Angehörigen verheiratet sind. Ältere Studien kommen auf 20 Prozent bei Türkinnen und rund 9 Prozent bei Griechinnen.
„Oft steht schon im Kindesalter fest, das Cousine und Cousin heiraten werden. Wenn die beiden alt genug sind, also in der Pubertät, handeln die Eltern die Ehe untereinander aus“, erklärt Yasemin Yadigaroglu. Die türkischstämmige Sozialwissenschaftlerin leitet die in Duisburg ansässige Kampagne „Verwandtenheirat? Nein Danke!“, die Eltern, Lehrer und Jugendliche über die Risiken einer Ehe unter Familienangehörigen aufklären soll. Seit zwei Jahren hält Yadigaroglu Vorträge an Schulen und berät Jugendliche, die von ihren Familien gedrängt werden, ihren Cousin oder ihre Cousine zu heiraten. ... " zeit.de/online/2007/12/verwandtenehe

- " Wir finden, daß Inzucht gewisse augenscheinliche genetische Konsequenzen auf Variablen hat, welche stark durch die Anlage determiniert sind; infolgedessen ist die Untersuchung von Individuen aus Inzuchtgruppen von großem Wert. W.J. Schull und J.V. Neel (Effects of Inbreeding in Japanese Children, N.Y. 1965) unternahmen solch eine Studie nach dem 2. Weltkrieg in Japan anhand der Nachkommenschaft aus Ehen zwischen Vettern und Basen ersten, zweiten und gemischten Grades. Die Eltern wurden sorgfältig mit einer Kontrollgruppe von nichtverwandten Eltern mit gleichem Alter und sozio-ökonomischem Status verglichen. Der Grad der durch die Vetternheiraten erzeugten Blutsverwandtschaft hatte den Effekt, daß die beobachteten IQs der ingezüchteten Kinder um fast acht Punkte im Vergleich mit der Kontrollgruppe vermindert waren. Dies ist ein sehr starker Effekt, wenn man bedenkt, daß Heiraten unter Cousins ersten Grades Kinder zeugen, die nur 1 von 16 Genpaaren aus gemeinsamer Abstammung besitzen ... Es ist bemerkenswert, daß die IQ-Minderung unter den am eindeutigsten und stärksten von allen beobachteten Auswirkungen war ... diese Abnahme der Intelligenz durch Inzucht zählt vielleicht zu den besten Beweisführungen, die wir für die erbliche Kontrolle der Intelligenz haben, und sie deutet definitiv darauf hin, daß das beteiligte System multifaktoriell ist und nicht nur eine Kontrolle durch eine kleine Zahl von Genen impliziert. " Hans Jürgen Eysenck , Die Ungleichheit der Menschen, Ist Intelligenz erlernbar? S. 116

- The greatest taboo: One woman lifts the lid on on the tragic genetic consequences of when first cousins marry . By Tazeen Ahmad. 23rd August 2010
... My grandmother’s heart was broken from losing so many daughters at such a young age. As a parent, I can’t imagine what she went through.
My family is not unique. In the UK more than 50 per cent of British Pakistanis marry their cousins – in Bradford that figure is 75 per cent – and across the country the practice is on the rise and also common among East African, Middle-Eastern and Bangladeshi communities. ..."
Read more: http://www.dailymail.co.uk/health/article-1305078/TAZEEN-AHMAD-Three-uncles-deaf-Five-aunts-died-babies-Why-My-grandparents-cousins-married.html#ixzz0ypy0nP8F

Montag, 6. September 2010

Unter Brüdern. Die Kain- und Abel-Geschichte.





Dieses Kräutlein wächst auf dem Kies - eine Anpassungsleistung -
it does fit - "fit" heißt passen - das ist die Bedeutung von "survival of the fittest".

Dem Hirsch dagegen war's im Kopfe wirsch.







Unter Brüdern. Die Kain- und Abel-Geschichte.

6. September 1970: Die palästinensische Terrorbande PFLP kapert vier Flugzeuge.
WDR5 erinnert daran, nicht ohne die gewohnte Einseitigkeit. Die Entführerin Leila Khaled präsentiert das Zeitzeichen in vorgeblichem Heimatgefühl. Die Anfänge der Kain- und Abel-Geschichte bleiben unbeleuchtet.
Zumindest sollte immer kurz erwähnt werden, daß die jüdische Einwanderung in das sog. Palästina (brit. Mandatsgebiet) bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann - durch Landkauf. Viele Araber verkauften ihr nicht sehr wertvolles Land gern an die Einwanderer, auch heute noch, allerdings begann früh die Ermordung solcher Landverkäufer durch arabische Fanatiker, was bis heute so blieb. Gewalt weckt Gewalt, die heutige Situation entstand.
Es wäre sinnvoll, die palästinensische Seite würde einen Gewaltverzicht verkünden, wie es die deutschen Vertriebenen getan haben.

Viel interessanter als die endlose Reihe von arabischen Angriffen ist die Geschichte der semitischen Stämme. Wie wurden aus arabischen Nachbarstämmen, die bis heute Wert auf exklusives Heiraten legen, so unterschiedliche Bevölkerungen? Seit sie wieder Nachbarn in Judäa sind, fällt der Zivilisationsunterschied besonders scharf ins Auge. Die einen gehören mit der Schweiz und den USA zu den wissenschaftlich produktivsten Bevölkerungen, alle arabischen Bevölkerungen aber zählen mit den afrikanischen zu den wissenschaftlich unproduktivsten.
Ein erstaunlicher Befund. Was kann zur Erklärung beitragen? Genetisch sind sich die semitischen Brüder sicher ähnlicher, als Schotten und Japaner es sind. Schotten und Japaner sind sich aber wissenschaftlich-kulturell heute näher, als es Israelis und Araber sind. Eine Hauptantwort kann nur lauten: Die Kultur dominiert, nicht die Genetik. Aber wie kommt die Kultur ins Genom? Die Genetik begann den Reigen, welche Zeuger kamen zum Zuge? Am Anfang der Jahrhunderte der Auseinanderentwicklung stand wohl die totale Niederschlagung des israelitischen Aufstands durch die Römer. Siebentausend Aufständische soll die römische Armee an Kreuze entlang der Straßen genagelt haben, darunter vermutlich die wehrhaftesten und aggressivsten jüdischen Kämpfer, die Goliaths sozusagen, während die intelligenteren Davids sich zurückhielten oder sogar bei den Römern dienten. Sie jedenfalls überlebten und zeugten sich fort, bis heute vorzugsweise mit Jüdinnen. Sie konnten sich nach den römischen Massakern nur mit ständiger Anstrengung in der Diaspora behaupten, und auch das blieb bis heute so. Sie behaupteten sich durch die exklusive Paarung als Ethnie, wobei der Mythos vom auserwählten Volk mit seinen biblischen Textsammlungen einen stabilisierenden narrativen Rahmen abgab. Beide Elemente wirkten gleichgerichtet konsolidierend und tun das bis auf den heutigen Tag. Sie vermittelten im Wettbewerbsumfeld, ließen die Juden den Wettbewerb aufnehmen und ihn bestehen. Der Wettbewerb bildet den Dreh- und Angelpunkt, denn Götter und Auserwähltheitsmythen wurden tausendfach überall auf der Welt erfunden. Die biblischen Textsammlungen haben allerdings den großen Vorteil, der durch die Hinzufügung des Neuen Testaments noch einmal entscheidend gesteigert wurde, daß die verschiedenen Texte in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen und dadurch eine Interpretations- und Denkschule abgeben. Hier liegt ein großer Unterschied zum geoffenbarten Ein-Text-Glauben der semitischen Brüder ab dem 7. Jahrhundert, die seit dem 12. Jahrhundert, dem des Ibn Rushd alias Averroës, ihre besten Köpfe verbannen oder steinigen.
Der Koran wird bis heute ab dem Alter von etwa sieben Jahren als wortwörtliches Wort Allahs auswendig gelernt ohne jede Interpretation und Diskussion, und dieses geistlose Auswendiglernen bestimmt auch den Unterricht in allen Fächern der arabischen Schulen und Hochschulen. In einem solchen kulturellen Rahmen haben die Schwertträger und Nachbeter die größten Reproduktionschancen, was aber den intellektuellen Wettbewerb und die Weitergabe von produktivem Wissen nicht fördert, sondern Aggressivität und einfallsloses Nachplappern.

So könnte man sich prinzipiell den gigantischen Zivilisationunterschied zwischen Israel und seinen semitischen Brüdern erklären. Und so auch das Wechselspiel zwischen Genetik und Kultur, das auf individuelle Variation und Weitergabe angewiesen ist.
"Wir Juden müssen immer etwas besser sein als die anderen", soll die Mutter der kleinen Hannah Arendt gesagt haben, und dieses Zitat wird auch anderen jüdischen Persönlichkeiten zugeschrieben. Es enthält ganz einfach die Wettbewerbswurzel, die jedem Glauben und jedem Unglauben zugänglich ist und genuin gar nichts rein Jüdisches enthält. Aber die Spannung für ein produktives Verhältnis zur Umwelt liefert. Ohne diese Spannung wird die Tradition dumpf.

Sonntag, 5. September 2010

Bildungserfolge bei Einwanderern





Die Schule der palästinensischen Hamas





- "Ist Deutschland schon dümmer?", fragt die FAZ am 4.9.10 auf der Titelseite belustigt. Wenn man auf die Beilage sieht, das "Red Bull Bulletin", ein teures monatliches Hochglanz-Idioten-Magazin, dann kann man die Frage nur bejahen. Vor 20 Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, solchen Blödsinn der FAZ beizulegen.

- Deutschland schon dümmer? Die WELT befragte dazu Siegfried Lehrl, Akademischer Direktor an der Psychiatrischen Klinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Experte für Intelligenz-, Gedächtnis- und Demenzforschung.
" Die Welt: Die Intelligenz unserer Gesellschaft sinkt. Verdummen wir?
Siegfried Lehrl: Diese Tendenz fällt seit 1999 auf. Intelligenztests unter Schülern zeigten, daß deren geistige Fähigkeiten nicht mehr an die Jahrgänge zuvor herankamen. ..." (4. Jan. 2006, s. Eintrag v. 23.10.07)

- Patente: IBM nimmt 2009 mit 4843 Patentanmeldungen weltweit den Spitzenplatz ein, es folgen Samsung mit 4049, Microsoft mit 3157, Canon 2200, Panasonic 1933, Toshiba 1911, Sony 1829, Intel mit 1505 auf Platz 10 . Auch hier spiegelt sich der langsame Niedergang Europas.

- "Bildungserfolge bei Einwanderern. FAZ 28.1.09 Das vietnamesische Wunder und seine Lehren für die Schulpolitik.
Eine neue Migrationsstudie aus dem "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" hat für Aufregung gesorgt, obwohl auch sie nur festellt, was längst offenkundig ist: Die türkischen Zuwanderer sind am schlechtesten integriert, haben die größten Bildungsdefizite. Das Berlin-Institut ergänzt mit seinen Befunden die erste gründliche Dokumentation zu diesem Thema von Stefan Luft aus dem Jahr 2007. Luft war der Erste, der die neuen Zahlen des Mikrozensus 2005 nutzte, und kam, weil er besonders den Hintergrund der Migration aus der Türkei bis in einzelne Stadtteile verfolgte, zu noch deprimierenderen Ergebnissen.
In der neuen Studie werden acht Migrantengruppen mit je eigenen Besonderheiten verglichen. Danach ist die größte Gruppe, die der Aussiedler, am besten integriert. Sie weist auch bessere Deutschkenntnisse auf, obwohl achtzig Prozent von ihnen nicht in Deutschland geboren wurden. Das Berlin-Institut stellt zudem fest, dass die Defizite im Saarland am größten sind, gefolgt von Berlin und Nordrhein-Westfalen; in einer gesonderten Städtewertung schneidet Duisburg mit seiner großen türkisch-muslimischen Bevölkerungsgruppe am schlechtesten ab. Dort wurde gerade als Höhepunkt gelungener Integration eine neue Großmoschee gefeiert.
Die acht Vergleichsgruppen der Studie sind leider sehr grob zugeschnitten. So stehen den enormen Bildungsdefiziten vieler Deutschtürken nicht nur die erfolgreichen Aussiedler, bekanntlich aus Polen und Russland, gegenüber. Auch der Bildungserfolg der Zuwanderer aus dem Fernen Osten ist glänzend: Schon in der zweiten Generation schafften 68 Prozent von ihnen das Abitur, der Akademikeranteil ist sogar doppelt so hoch wie bei den einheimischen Deutschen. Leider kann die Berliner Studie nur mit Vermutungen aufwarten, aus welchen Ländern die asiatischen Migranten stammen.
Die Schlussfolgerungen der Autoren, man müsse sich auf die Schulen konzentrieren, um das Bildungsniveau vor allem der Türken anzuheben, greift dann aber doch zu kurz, und der Verweis auf Kanada und ein Schulbeispiel aus Toronto zeigen nur, dass man die hiesige Situation wenig kennt. Die Stadt Berlin etwa gibt das Zehnfache aus für die Sprachförderung wie Toronto und erreicht doch sehr viel weniger. Die Ursachen sind also anderswo zu suchen.
Hier hilft ein Blick in die wohl ungewöhnlichste Zuwanderergruppe, die jungen Vietnamesen im Osten Deutschlands. Ihre Erfolge räumen eigentlich mit allen Klischees der Integrationsdebatte auf. Etwa dem, wonach die soziale Herkunft die Bildungsarmut befördere. Die Eltern dieser hoch erfolgreichen Kinder sind zum allergrößten Teil einfache Arbeiter, als Gastarbeiter angeworben und zu DDR-Zeiten rechtloser gewesen, als es jemals ein türkischer Gastarbeiter war. Und sie arbeiten bis heute schwer, haben kleine Läden oder einen Imbiss.
Dass Migranten ausgerechnet im gewöhnlich als ausländerfeindlich wahrgenommenen Osten ein Schulklima antreffen, das ihre Integration stimuliert, wurde bisher übersehen. Trotz oft schwieriger Verhältnisse, in denen die Vietnamesen dort lange lebten, wollen sie für ihre Kinder alles erreichen. Und sie erreichen es: Allein in Brandenburg besuchen 74 Prozent der jungen Vietnamesen ein Gymnasium, in Sachsen-Anhalt und Sachsen ist es ähnlich. Man spricht zuweilen vom vietnamesischen Wunder, aber es genügte schon, würde endlich akzeptiert, dass der Bildungserfolg nicht mit Geld erkauft werden kann, sondern dass dazu die Bereitschaft gehört, jede Chance zu nutzen, die sich bietet. Wer jedoch diese Chancen, für alle gleich, nicht erkennt oder geringschätzt, muss zwangsläufig scheitern. (Mönch)

- Elinor Ostrom: 1933 in den schwierigen Jahren der Weltwirtschaftskrise in L.A. geboren, war Angestellte, studierte dann und finanzierte das Studium als Schwimmlehrerin, Bibliothekshilfe und Kellnerin. Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2009. Lehrt noch in Bloomington/Indiana (die asozialen Amis lassen arbeiten, solange die Leute das wollen). (Vgl. Plickert 4.9.10 FAZ)

Samstag, 4. September 2010

Die Eskimos und der IQ




Erst erfolgt die Weiterleitung elektrisch, dann im synaptischen Spalt chemisch durch Botenstoffe





Eskimos: "Doch diese eskimos, die in den eiswüsten weit oberhalb des polarkreises leben, schneiden im test (der progressiven matrizen) genau so gut oder besser ab als der weiße kanadische durchschnitt; sie erzielen viel höhere werte als jamaikanische oder amerikanische neger, obwohl diese unter bedingungen aufwachsen, die viel mehr denen der normsetzenden weißen gruppen ähneln, d. h. mit einem viel besseren angebot an umwelt und sozialer stimulation."
Aus: Hans Jürgen Eysenck , Die Ungleichheit der Menschen, Ist Intelligenz erlernbar? Dt. 1984/ engl. 1973, S. 135

Gedeiht das Hirn in der wohlhabenden Familie wie die Tomate in der Sonne (Heuer)?

Alle Beispiele und Vergleiche hinken; manchmal fehlt sogar das ganze Bein.

Tomaten brauchen die Wärme von außen, der Tomaten konsumierende Mensch erzeugt sie selbst, wenn er genügend Tomaten, Spinat und Lachs zur Verfügung hat. Vögel und Säugetiere sind sehr viel autarker als Pflanzen, das gilt besonders für Primaten wie den Menschen. Seine Hauptsache, das Gehirn, braucht viel Energie und baut sich weitgehend selbst mit zahlreichen individuellen Unterschieden, die jeder überall feststellen kann. Der riesige Ereignisraum der Milliarden Hirnzellen bringt sie hervor. Und das Gehirn kann sich sehr gut mit sich selbst beschäftigen, wie man nicht nur bei dem jungen Pascal, dem jungen Mozart etc., sondern auch auf jedem Spielplatz beobachten kann. Das gilt auch für alte Gehirne, die das Studieren und Schreiben nicht lassen können.
Was nun ist gut für das Gehirn? Was käme in Frage für die Rolle der Sonne, die die Tomate besser gedeihen läßt?
Das Gehirn selbst steht da an erster Stelle. Seine Fähigkeit zu lernen. Sinneswahrnehmungen in kognitiven Stoff und synaptische Verbindungen der Hirnzellen umzusetzen. Das ist ein Vorgang, der sich im Bereich von Makromolekülen abspielt.

Ein Beispiel, noch ungeklärt: "In the search for the mechanisms that mediate the effects of sleep on the consolidation of memories, growth hormone (GH) recently became of interest, because in humans it is released mainly during slow-wave sleep (SWS), a period of enhanced declarative memory consolidation."
Gais S, Hüllemann P, Hallschmid M, Born J., Department of Neuroendocrinology, University of Lübeck, Germany, Sleep-dependent surges in growth hormone do not contribute to sleep-dependent memory consolidation. (Neuro-Forum)

Ein anderes Beispiel: Für die Gedächtnisbildung sind lokal erzeugte Östrogene von Bedeutung. Hirnbildung reicht also auch in den Bereich der Hormone, der Botenstoffe. Die Umwelt spielt da eine untergeordnete Rolle, die nur stark wirksam wird bei kriminellen Eltern, die das Kind brutal körperlich mißhandeln. Solche Kinder finden aber keinen Eingang in allgemeine IQ-Wert-Studien. Daher können Eskimos hinter dem Schneehaufen sich hirnlich vergleichbar entwickeln wie Kanadier im städtischen Quebec. Und kulturunabhängig konstruierte IQ-Tests können das eben messen, s.o., siehe Eysenck.

Allerdings gibt es das Phänomen einer wirksamen Förderung zeitweilig im Jugendbereich. Niels Galley, Psychologe an der Uni Köln, berichtete davon, daß eine besondere Förderung Jugendlicher einen zeitweiligen Effekt bewirke, der aber begrenzt sei und schnell wieder abklinge. Das hat man ja auch bei den Headstart-Programmen gefunden.

Das Gehirn, das etwas für sich tut, also beobachtet, hinhört, studiert und denkt, ist seine beste, anregendste Umwelt. Darüberhinaus hörte ich verschiedentlich, und ich kann es bestätigen, daß ein einfaches Milieu meist anregungsreicher ist als ein behütetes Mittelschichtsmilieu.
Den IQ nämlich anregend, nicht unbedingt das Sammeln toten Katalogwissens fördernd. Weswegen schon Lichtenberg notierte:

" Wir ziehen unsere Köpfe in Treibhäusern. "

Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher Heft E 99

Freitag, 3. September 2010

Welche Faktoren prägen Persönlichkeit und Intelligenz?





Ca. 100.000.000.000 Nervenzellen (Neuronen) wurden im Gehirn gebildet, jede davon hat bis zu 10.000 Verbindungen zu anderen Zellen aufgebaut - das ergeben mehrere hundert Billionen (!) Zellkontakte - ein schwindelerregender Komplexitätsraum, der in jedem Kopf etwas anders aussieht und sich lebenslang verändert.





"Am unteren Ende der sozioökonomischen Skala spielt die Genetik eine nur geringe Rolle bei den IQ-Wert-Unterschieden. Je höher der sozioökonomische Familienstatus angesiedelt ist, desto größer fällt die Rolle der Genetik aus."
So der amerikanische Psychologe Eric Turkheimer.
Kann das sein?
Sagen die Ergebnisse der amerikanischen HEADSTART-Programme nicht etwas anderes?
Hat die Intelligenzforschung nicht das Gegenteil bewiesen, wie u.a. bei Hans Jürgen Eysenck , Die Ungleichheit der Menschen, Ist Intelligenz erlernbar? Dt. 1984/ engl. 1973, gebündelt nachgelesen werden kann?
Auch zahlreiche Biographien von Epiktet bis Karl Philipp Moritz, von Johannes XXIII. bis zu meiner Wenigkeit bestätigen dies.
Da hat der Herr Turkheimer wohl ein statistisches Artefakt geschaffen, er hat vermutlich als gußeiserner Milieutheoretiker getürkt.

Interessant sind die Überlegungen, die dazu der Psychologe Steven Pinker beiträgt:

" Welche Faktoren prägen Persönlichkeit und Intelligenz? (Steven Pinker, FAZ, 14.01.2002 (edge.org))

Nach der Geburt getrennte eineiige Zwillinge zeigen als Erwachsene eine überraschende Ähnlichkeit in Denken und Persönlichkeit (auch wenn von Identität keine Rede sein kann);
gemeinsam aufgewachsene eineiige Zwillinge gleichen einander stärker als gemeinsam aufgezogene zweieiige Zwillinge. Viele Menschen reagieren auf solche Ergebnisse mit der Feststellung: „Sie wollen also behaupten, daß alles in den Genen angelegt ist.“
Aber die Forschung zeigt, daß die Gene nur für etwa die Hälfte der Variation verantwortlich sind; etwa die Hälfte muß also auf etwas zurückzuführen sein, das nicht genetischer Natur ist. Die nächste Reaktion lautet dann: „Das heißt also, die andere Hälfte muß aus der Erziehung stammen.“ Doch auch das ist falsch. Bei der Geburt getrennte eineiige Zwillinge sind einander nicht nur ähnlich; sie sind einander „nicht weniger“ ähnlich, als wenn sie gemeinsam aufwachsen. Dasselbe gilt für Geschwister, die keine Zwillinge sind: Gemeinsam aufgewachsen, sind sie einander nicht ähnlicher, als wenn sie getrennt aufwachsen. Gemeinsam aufgewachsene eineiige Zwillinge gleichen einander nur zu fünfzig Prozent, und Adoptivgeschwister sind einander nicht ähnlicher als zwei rein zufällig ausgewählte Menschen. Kinder werden einander also nicht deshalb ähnlich, weil sie im selben Haushalt aufwachsen.

Die Variation in Persönlichkeit und Intelligenz läßt sich also prozentual etwa so zerlegen:
Gene fünfzig, Familie null und irgend etwas anderes wieder fünfzig. Vielleicht ist es der Zufall.
Im Mutterleib wendet sich der Wachstumskegel eines Axons nicht hierher sondern dorthin; das Gehirn erhält so eine etwas andere Konfiguration. Man kann sich eine Entwicklung vorstellen, bei der sich Millionen kleiner zufälliger Ereignisse gegenseitig aufheben, so daß am Ende dasselbe Ergebnis herauskommt; man kann sich aber auch einen Prozeß vorstellen, bei dem ein zufälliges Ereignis die Entwicklung völlig aus der Bahn wirft, so daß ein Monster entsteht. Doch keins von beidem geschieht. Die Entwicklung der Organismen basiert offenbar auf komplizierten Rückkopplungsschleifen. Zufällige Ereignisse können das Wachstum aus der Bahn bringen, doch die Bahnen bewegen sich im Rahmen funktionierender Entwürfe für die betreffende Spezies, die durch die natürliche Selektion festgelegt wurden.

Was wir mit „Umwelt“ meinen – der Anteil der nicht durch die Gene bedingten Varianz – hat möglicherweise gar nichts mit der Umwelt zu tun. Wenn die nichtgenetische Varianz das Ergebnis zufälliger Ereignisse bei der Entwicklung des Gehirns sein sollte, wäre damit ein weiterer Teil unserer Persönlichkeit und unserer Intelligenz biologisch (wenn auch nicht genetisch) bedingt und damit selbst den besten Absichten der Eltern und der Gesellschaft entzogen.

Steven Pinker ist Professor für Psychologie am Department of Brain and Cognitive Sciences des Massachusetts Institute of Technololgy (MIT) in Cambridge und Autor u.a. von „Wörter und Regeln“.