Mittwoch, 29. September 2010

Darf's etwas mehr sein?






Darf's etwas mehr sein?
Temperaturen 89-2009, Ostalb
Josef Kowatsch hat keine Gesamtschule besucht und kann, anders als Ian McEwan, tadellos Thermometer ablesen. Danke für die schöne, handgemachte Graphik!
Heute in O. 7-15°C, sonnig.



- Afrika und Eigentum, Eigentum und Individuum, Eigentum und Wohlstand:
Es wird berichtet, daß die afrikanische Großfamilie ein wirtschaftliches Problem besonderer Art darstellt: fleißige Kleinunternehmerinnen, meist in der Textil-Branche, werden ständig von ihren faulen Familienangehörigen bestohlen und bedroht, weil diese traditionell Anspruch auf Gewinne und Eigentum erfolgreicher Familienmitglieder haben.
Mit dem gesicherten Recht des Individuums auf Eigentum beginnt jedes erfolgreiche Wirtschaften. Darüberhinaus sichert es auch das Individuum selbst, in diesem Fall in afrikanischer Perspektive “minderwertige” Frauen gegenüber primitiven, faulen und gewaltbereiten Männern. Man könnte die These aufstellen, daß das Recht auf Eigentum das Fundament für in der Breite erfolgreiche Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur darstellt, weil in allen diesen Bereichen erfolgreiche Individuen von ihrer Umgebung bedroht sind, und der individuelle Wettbewerb erst die große Dynamik herstellt, wie sie in der Frühindustrialisierung beginnt und bis heute andauert. Jedoch nur dort, wo das Recht auf Eigentum gewährleistet wird. Also zB nicht in Kuba, Zimbabwe, Nordkorea etc.


- Her mit der Kohle
: "Die heimische Braunkohle kann als eine relativ günstige Energiequelle nicht hoch genug eingeschätzt werden. ... einer potentiellen Reichweite von mehreren 100 Jahren ..."
„ Die Energieversorgung sichern“ , Denkschrift der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, S. 12f. . Dort finden sich auch Angaben zu den „Investitions- und Erzeugungskosten einiger Verfahren zur Stromerzeugung“ .
Seit etwa 2000 ist übrigens eine Klima-Abkühlung zu verzeichnen.

Dienstag, 28. September 2010

Wir war'n in de Kaygass in de Schull




Das Leben im Netz der Geschichte?




- Die Historiker tagen in Berlin.


"Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit

Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln;

Was ihr den Geist der Zeiten heißt,

Das ist im Grund der Herren eigner Geist,

In dem die Zeiten sich bespiegeln." –


Goethe, Faust I, Vers 575 ff.



Siehe Herodot bis Tacitus, Gibbons bis Rothfels, Golo Mann bis Wehler.



- Geschichte und Didaktik:

' "Desweiteren benutzt er", Hitler, "keine Fremdsprache, damit es auch Leute aus dem Bürgertum verstehen."

Beklagt wird von den Münsteraner Didaktikern, dass selbst die besten Abiturarbeiten wenig eigene Reflexion zeigen. Für das Gros der Texte sprechen die Autoren von der "unreflektierten Wiedergabe angelernter und sozial erwünschter Urteilspartikel". '
Warum Hitler keine Fremdsprache benutzte. Eine Untersuchung zur Frage, was Abiturienten nach drei Jahren Leistungskurs "Geschichte" können, Kaube FAZ 15.9.10 / Rez. : Schönemann, Bernd, Was können Abiturienten? - Zugleich ein Beitrag zur Debatte über Kompetenzen und Standards im Fach Geschichte

Den Geschichtsunterricht, das ist auch meine Erfahrung, kann man sich weitgehend sparen. Erst der Erwachsene kann mit viel Fleiß etwas von der Geschichte verstehen. Nicht sehr viel allerdings.

Goethe spannt einen ununterschreitbaren, gültigen Rahmen auf, der aber ein großes Gedächtnis verlangt:

"Wer nicht von dreitausend Jahren // Sich weiß Rechenschaft zu geben, // Bleib im Dunkeln unerfahren, // Mag von Tag zu Tage leben."
- Goethe, West-östlicher Divan , Buch des Unmuts

"Wer nicht weiß, was war, weiß nicht, was werden kann." (Minima moralia)
Das blödeste Zitat zur Geschichtsschreibung liefert, es verwundert nicht, Adorno. Golo Mann nannte ihn 1952 in einem Brief treffend ein "wichtigtuerisches Ekel".

Da hat Ortega schon mehr zu bieten:

" Wir werden aber sehen, daß es geboten ist, von der Vergangenheit, wenn auch keine positive Führung, so doch gewisse negative Ratschläge anzunehmen. Die Vergangenheit kann uns nicht sagen, was wir tun, wohl aber, was wir lassen müssen. "
José Ortega Y Gasset (1883-1955) : Aufstand der Massen, 1930 (dt. 1956, S. 33)

Wirklich? Waren Lenin, Stalin, Mussolini, Hitler, Mao etc. nicht geschichtsbelesen und haben sich dadurch eine Pfadabhängigkeit eingehandelt, die ihre neuen Irrtümer blutig steigerte?


" Die Frage aber, bis zu welchem Grade das Leben den Dienst der Historie überhaupt brauche, ist eine der höchsten Fragen und Sorgen in betreff der Gesundheit eines Menschen, eines Volkes, einer Kultur. Denn bei einem gewissen Übermaß derselben zerbröckelt und entartet das Leben, und zuletzt auch wieder, durch diese Entartung, selbst die Historie. "
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, (Schlechta I, S. 219)

Wenn nach drei Jahren Leistungskurs 'Geschichte' ein Zentralbegriff der Moderne wie BÜRGER UND BÜRGERTUM gänzlich unbekannt sind, dann dürfte schon allerhand gebröckelt haben.

Montag, 27. September 2010

Hosenfrage





(Bild: Handzeichnung nach Vorlage von Reg Smythe alias Andy Capp; vgl. comics.com/andy_capp/?Page=2)





- Die Wohlfahrtsstaatshosenfrage
: " Darf ein Empfänger von "Hartz IV" eine Stelle ablehnen, nur weil er keine Arbeitshose hat? Ein Tag im Duisburger Sozialgericht. / / Von Timo Frasch 10.2.2010 FAZ
/// Er hätte eine bekommen, sagt die Sachbearbeiterin vor dem Sozialgericht, bezahlt, gratis, er habe aber gar keine gewollt. Da wollte er wohl die Stelle nicht.
Weil das kein Einzelfall ist, deswegen hat Schröder H4 geschaffen. Dadurch hat sich eine leichte Verbesserung der Arbeitslosenzahl eingestellt. Die Arbeitslosenzahl ist in England, Frankreich etc. höher, insbesondere bei der wichtigen Jugenarbeitslosigkeit dramatisch höher: das ist auch eine Folge des Mindestlohns dort. Schröder sollte das Arbeitsministerium übernehmen und seine H4-Politik konsequent gegen die Lobby der Sozialfunktionäre und Sozialgewinnler weiterführen. Das wäre für Deutschland wertvoller als der Posten bei Gazprom.

Wenn in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit bei 27% liegt, dann geht es nicht nur um Geld, sondern mehr noch um Arbeit als ein wichtiges Sozialisationsmedium. Arbeit strukturiert das Leben und stabilisiert labile Persönlichkeiten. Für viele junge Männer ist das besonders wichtig, auch, weil kriminelle Karrieren drohen. Jugendliche Straftäter wie die beiden Totschläger im Falle Brunner nahmen Drogen und verweigerten die Arbeit.
Für orientierungslose Menschen sind starke Stützangebote gefragt, die die Betroffenen vor sich selbst schützen und die Umwelt vor ihnen.

Einfache Lösungen stehen für eine aktive Beschäftigungspolitik nicht zur Verfügung. Aber Arbeitsplätze müssen stets Vorfahrt haben, besonders Arbeitsplätze für Geringqualifizierte, und das können nur Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich sein. Zu hohe Löhne haben diese Arbeitsplätze in der Vergangenheit wegfallen lassen durch Rationalisierung. Dieser Weg darf nicht weiter beschritten werden.

Sonntag, 26. September 2010

Wer unterweist einen Romanschriftsteller im Ablesen eines Thermometers?





Da sind sie wieder, die Burschen mit der breiten Krempe





- Die Geschichte von den Schichten.
In der hessischen Grube Messel hat sich eine Schicht nach der anderen abgesetzt, heute ist Messel eine Fundgrube der Geologie, Zoologie, Paläontologie und Paläoklimatologie. Vor 49 Mio. Jahren lag dieser ehemalige Süßwassersee inmitten eines tropisch-subtropischen Urwalds. Der SCHICHTBEGRIFF hat hier einen ganz konkreten Sinn wie in der gesamten Geologie.


Bei Menschen ist es schon schwieriger, von SCHICHTEN zu sprechen, denn es handelt sich um eine Übertragung. Immerhin kann man von SCHICHTEN in älteren Gesellschaften im übertragenen Sinne sprechen, wenn die Merkmale stabil sind wie die Überreste von Krokodilen in Eifelmaaren.
Die Geburt im Adel oder im Bauernstand bestimmte sehr weitgehend und lebenslang den sozialen Status des Menschen im Mittelalter. Die Schicht des Klerus speiste sich vorwiegend aus dem Adel und war ebenfalls fest bestimmt, auch wenn dort mehr Bewegung herrschte, etwa durch die "Bettelorden" der Franziskaner und Dominikaner. Insgesamt zeigten aber die Merkmale MACHT, AUSGEÜBTE HERRSCHAFT, EINKOMMEN UND SOZIALPRESTIGE bei der "Oberschicht" des Adels stabil hohe Werte, bei der "Unterschicht" der Bauern stabil niedrige.
Mit dem Aufkommen des Bürgertums in den Städten, die in Europa besonders häufig in der Mittelalterwarmzeit gegründet wurden, mit der sozialen Ausdifferenzierung von Berufen und Professionen beginnt der Untergang der "Schichtgesellschaft", heute hat der Adel fast nur noch Operettenstatus und die Bauern, obwohl zahlenmäßig stark reduziert, sind sozial aufgestiegen hinsichtlich Einkommen und Besitz und dem zugehörigen Sozialprestige.
Der Ideologen- und Schamanenstand des Klerus führt nur noch eine Randexistenz, obwohl hochgebildet und sozial gut angesehen, verfügt er kaum noch über Macht und Herrschaft, die Figur des "Fürstbischofs" ist gänzlich verschwunden. Bürgerliche und Verwaltungsberufe sowie akademische Professionen dominieren in modernen Gesellschaften. Es herrscht unüberschaubare Vielfalt und Bewegung.
Aus völlig unbedeutenden und auch defekten Familien steigen über den genetischen Zufall und die Offenheit der Gesellschaft Pionierunternehmer zu Milliardären auf, deren politische Macht aber gering bleibt und deren persönliche Herrschaft in ihren Unternehmen durch eine Flut von Gesetzen und Regulierungen kleiner ausfällt als die Herrschaft eines mittelalterlichen Bauern gegenüber seinen Knechten. Journalisten können dagegen, obwohl vergleichsweise "arm", über ihre Medien große Macht entfalten, da sie täglich Millionen erreichen und im Hinblick auf Wahlentscheidungen beeinflussen. Koalitionen aus Journalisten und Wissenschaftlernetzwerken sind sogar in der Lage, ganze Gesellschaften zu manipulieren und riesenhafte Kapitalströme fehlzusteuern, Beispiel KLIMAWAHN.

Da mutet es auch wahnhaft an, von "oberen und mittleren Schichten" sowie "Unterschicht" zu sprechen. Dafür gibt es keine stabilen Merkmale. Der drogensüchtige Milliardär kann ganz schnell in der Gosse landen, und aus der Hinterhofgarage kann ein Steve Jobs in fünfzehn Jahren zum Milliardär und zur Kultfigur werden, ein zuckriges Milch-Face kann das mit einem Sozial-Book sogar noch schneller schaffen.
Ein hochgebildeter Bischof fällt dagegen in Monatsfrist wegen (historisch gesehen) geringfügiger Verfehlungen aus dem Amt, wo seine Vorgänger Reichtümer anhäuften und Knaben für den Kirchenchor kastrieren ließen.

Von Schichtung zu sprechen macht nur noch Sinn für linke Agitatoren und Sozial-Lobbyisten, die an Untüchtigen, Faulen, Drogensüchtigen etc. Geld verdienen oder politisch profitieren.
Die Untüchtigen, Faulen und Drogensüchtigen sind aber keine Schicht, sie sind ein bunter Haufen verschiedenster Individuen. Ihr Status ist nicht festgeschrieben, er wird höchstens durch den Sozialstaat gefördert und gefestigt. Sozialfunktionäre wollen die Zahl ihrer Schäfchen konstant halte, sie wollen sie auch gerne durch statistische Tricks erhöhen.

Renate Mayntz drückt es im "Wörterbuch der Soziologie" ganz vornehm aus: "Der Begriff der Sozialen Schichtung besitzt keinen übereinstimmend anerkannten Bedeutungsgehalt." (Hg. Wilhelm Bernsdorf, S. 989)
Unvornehm ausgedrückt: Bei dem Begriff der Sozialen Schichtung handelt es sich um überlebten und veralteten Blödsinn. (Zu Heike Schmoll: 16. Shell-Studie, 15.9.10)


- Wer unterweist einen Romanschriftsteller im Ablesen eines Thermometers? Wer hilft ihm, die Schneehöhen des letzten englischen Winters zu notieren, bevor er neuen Literaturblödsinn produziert?
Es geht darum, daß die Bundeskanzlerin, Wolf Biermann nennt sie die "promovierte FDJlerin", auf Meseberg Maßnahmen zum "Klimaschutz" beschlossen hat, die bis 2020 über
500 Milliarden Euro kosten sollen.
Es geht darum, daß der Bundesumweltminister bereit ist, 800.000
Arbeitsplätze der energieintensiven Industrie dem "Klimaschutz" zu opfern.
Es geht auch darum, daß Literaten wie McEwan den ganzen Blödsinn breittrampeln, der dann von Feuilletonmädeln wie Lovenberg noch einmal durchgehechelt wird.

Samstag, 25. September 2010

Nach Liechtenstein!

Da ist er, der alte Spiegel am neuen Ort. Aber es war nicht köstlich, das Aufhängen, es war auch nicht das Bohren dicker Bretter, das wäre ein Leichtes gewesen, sondern es leistete ein Kieselstein im Beton den härtesten Widerstand. Da schwitzt man und setzt hundert Mal an, läßt den Bohrer abkühlen, empfindet Mühe und Qual, und denkt unfreundlich über den Schlagbohrer des Fabrikats "Bullcraft". Da hat man seinerzeit gespart, nicht jeden Tag wird gebohrt, nicht jedes Mal stößt man auf Kieselstein oder Stahl. Aber jetzt kommt ein HILTI her! Der große Weltmarktführer im professionellen Bereich. Aus Liechtenstein. Dem Ländchen mit der weltweit größten Industriedichte. Fleißig sind sie, die Lichtensteiner, industrius. Und hübsch ist das Ländchen auch. Einen Ausflug wert. Aber vielleicht kaufe ich den HILTI doch besser in der nächsten Stadt. Man weiß ja nicht, ob man nicht auf dem Weg nach Vaduz der Kavallerie Steinbrücks in die Quere kommt. (Unvergessen des Finanzministers Steinbrücks Bedrohung der Schweiz: Man müsse den Indianern einmal die Kavallerie zeigen.) Da würde man notiert, hochnotpeinlich durchsucht und bekäme eine Akte beim großen Bruder, der sehr wachsam ist. Eine Steinbrück-Akte.