Freitag, 5. November 2010

Rette deine Seele!







Im Hintergrund leuchtet die Inschrift des Kreuzes, die es schwer hat gegen die weltlichen, profanen Zeichen, die sich vordrängen






John Gray, Londoner Evolutionsbiologe, hat dem Humanismus und dem Gotteswahn wieder einmal die Leviten gelesen in seinem neuen Buch: "Von Menschen und anderen Tieren" (2010). Ja, natürlich, der Mensch ist kein Überwesen, und er wurde so wenig geschaffen von einem Über-Tier wie die Orchideenmantis oder die Brackwespe.


Ganz anders kommt Andreas Püttmann daher mit seinem Titel: "Gesellschaft ohne Gott" , ebenfalls 2010 erschienen. Es geht ihm allerdings weniger um Gott als um die im weitesten Sinne wirtschaftlichen Folgen der Entchristlichung Deutschlands. Hayek wird zitiert, der, selbst religiös enthaltsam, sich aber von dem positiven Einfluß des Christentums auf Ehrlichkeit, Vertragstreue, Eigentums- und Familienrespekt überzeugt zeigt. Die wirtschaftlich viel bessere Verfassung der christlichen deutschen Südländer gegenüber dem Norden sei kein Zufall.
Püttmann verweist ebenso auf katholische Regionen in Afrika, die positiv gegen nichtchristliche Gebiete abstechen bei Aids-Rate, der Familienstabilität und der wirtschaftlichen Entwicklung.
Dazu muß man ebenfalls einen Blick auf die islamische Welt werfen, die zwar kein Aidsproblem besitzt und über stabile Familien verfügt, jedoch politisch, wirtschaftlich, wissenschaftlich und technisch seit Jahrhunderten blockiert ist und nur durch Impulse von außen zu ganz geringfügigen Neuerungen fähig ist.
Das Problem ist nur bei den deutschen Lutheranern lösbar: sie haben sich von frommem Geist weit entfernt und stellen eher eine religiös gefärbte Sozialdemokratie dar. Sie werden weiter abnehmen. Der Katholizismus besitzt stärkere Glaubenswurzeln, mit ihm ließe sich vielleicht ein Arrangement vorstellen wie es Kant und sein Diener Lampe pflegten: die des Glaubens bedürftigen glauben lassen. Die anderen stärker erziehen und bei Regelverletzungen durchgreifen.

(Vgl. die Rez. in der FAZ: Püttmann 23.8.10, Gray 20.2.10)

Donnerstag, 4. November 2010

Politische Schiffsdialektik





Deutscher Solar-Energiedampfer vor dem Untergang





"Auf jedem Schiff, das dampft und segelt,

gibt's einen, der die Sache regelt",


hieß es neulich aus politischen Breiten.

Worauf aus gewöhnlich gut unterrichteten Seefahrerkreisen zu hören war:


"Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt,

ist einer drauf, der dämlich sabbelt."


Diese Ergänzung war nötig; zumal beides, wie die zwei Seiten einer Münze, zusammengehört. Sie fallen auch manchmal völlig zusammen.

Mittwoch, 3. November 2010

Mildes Lüftchen







Genießen auch die Milde




Da weht so ein mildes Lüftchen heute, 8-16°C, und überwiegend blieb es trocken. Weht es von Süden? Nein, ich glaub', es kommt von Westen, weit von Westen. Nicht gerade von diesem Luftikus, aber doch aus dieser Richtung:
Die Sozialdemokratisierung Amerikas legt eine Pause ein, das Klima hat wieder eine Chance, weiterer Klimabelastungsunsinn für die arbeitenden Bürger in ihren Unternehmen wird vertagt.
Ja, Amerika, du hast es besser, meinte schon Goethe. ("Den Vereinigten Staaten")

Dienstag, 2. November 2010

Luhmann versteht Bahnhof








- Luhmann in Stuttgart:
"Das wird deutlich, wenn man Protestbewegungen als autopoietische Systeme (selbsterzeugte, WD) eigener Art versteht und den Protest als ihr katalysierendes (vorwärtstreibendes, WD) Element. Der ein Thema herausgreifende Protest ist ihre Erfindung, ihre Konstruktion. ... Gegen Komplexität kann man nicht protestieren. Um protestieren zu können, muß man deshalb die Verhältnisse plattschlagen. Dazu dienen die Schemata und vor allem die Skripts, die sich in der öffentlichen Meinung mit Hilfe der Massenmedien durchsetzen lassen. ... Der Protest inszeniert "Pseudo-Ereignisse", das heißt: Ereignisse, die von vornherein für Berichterstattung produziert sind und gar nicht stattfinden würden, wenn es die Massenmedien nicht gäbe. ... Schon in der Planung ihrer eigenen Aktivitäten stellen die Bewegungen sich auf die Berichtsbereitschaft der Massenmedien und auf Televisibilität ein. ... Widerstand gegen etwas - das ist ihre Art, Realität zu konstruieren. ... Nichts spricht dafür, daß die Protestbewegungen die Umwelt, seien es die Individuen, seien es die ökologischen Bedingungen besser kennen oder richtiger beurteilen als andere Systeme der Gesellschaft."

(Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, Bd. 2, 1998, Kap. 4/XV, Protestbewegungen, S. 847-865)

Da steht dem Beobachter das Spektakel um den Stuttgarter Kopfbahnhof lebendig vor Augen. Der Protest als flüchtige soziale Form wird angeschoben von Berufsprotestlern, die auf ein ansprechbares Netzwerk von stets protestierbereiten Reiseprotestlern überall in Deutschland von Attac bis Greenpeace zugreifen können, denen sich dann über den Herdentrieb und die Lust an Protest und Randale lokal viele Latentprotestler anschließen können.

Vgl. dazu auch den stets lesenswerten Gerd Roellecke, Nur Müdigkeit wird den Protest beenden, FAZ 1.11.10

Montag, 1. November 2010

Wo hat der Krebs das bloß gelernt?






Falls jemand danach sucht:

HIC PORTA COELI verheißt die Schrift in Gold - HIER IST DIE HIMMELSPFORTE
steht über der katholischen Kirchentür der Odenthaler Kirche St. Pankratius, von Arbeit ist nicht die Rede

(Nichtkartenleser finden die romanische Basilika gegenüber dem Rewe-Supermarkt)



- Wo hat der Krebs das bloß gelernt: Emil Krebs (* 1867 in Freiburg in Schlesien, bis 1930) war ein deutscher Sinologe. Er beherrschte 68 Sprachen in Wort und Schrift und befaßte sich mit 111 Sprachen (ohne Dialekte) . ... Sein 1930 von dem Hirnforscher Oskar Vogt entnommenes Gehirn wird noch heute im C. u. O. Vogt-Institut für Hirnforschung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aufbewahrt (Karl Zilles). Katrin Amunts hat dort eine mikroskopische Untersuchung vorgenommen. Ihren Befund fasste sie so zusammen: "Im Schläfenbereich befindet sich das Broca-Zentrum. Es spielt für die Sprachproduktion eine wichtige Rolle. Der Bau des Broca-Areals unterscheidet sich bei Emil Krebs sehr deutlich von Leuten wie uns. Die Nervenzellen sind bei allen Menschen in Schichten angelegt, doch bei ihm lassen sich die Zellstreifen unter dem Mikroskop deutlicher voneinander abgrenzen. Krebs hatte also nicht generell ein anderes Gehirn als die Normalbevölkerung, sondern nur ein sehr besonderes Broca-Areal. Seine spezielle Sprachbegabung lässt sich daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die ungewöhnliche Ausprägung dieser Gehirnstruktur zurückführen."

Der Protestant ging durch die Arbeitspforte.


- Könnten sie, wenn sie wollten: "Was Lehrer von PC-Spielen lernen.
Kinder und Jugendliche würden vermutlich wesentlich leichter lernen, wenn ihnen der Unterrichtsstoff mit den gleichen Strategien vermittelt ... James Gee Uni Arizona ... Die Spiele setzen auf situationsbezogenes Lernen. Informationen werden vermittelt, wenn sie zur Lösung eines Problems beitragen. Computerspiele verzichten auf isolierte Prüfungssituationen. Die Spieler werden fortlaufend beurteilt, was Teil des Ansporns ist. ... Regeln und Prinzipien ein wichtiges Lernziel. hka. ..." FAZ 3.3.10

- Kartenlesen: Rheinsteigplaner Brämer fand schon in den neunziger Jahren heraus, daß nur noch etwa 14% eine Karte lesen können (vgl. FAZ 28.10.) - ja, was machen die denn in der Schule so?

- Arbeitspforte: Muzaffar ad-Din Schah, Kadschar auf dem persischen Thron, besuchte in seiner Regierungszeit 1896 bis 1907 Deutschland und notierte verwundert in seinen Reiseaufzeichnungen, daß der deutsche Kaiser morgens und abends arbeitete - er habe dafür seine Minister. Während andere Herrscher sich amüsierten, arbeiteten sie für den Staat, schon der calvinistische Friedrich Wilhelm I. führte das ein, sein Sohn Friedrich II. übernahm es. Merkwürdiger, arbeitsfreundlicher Protestantismus. Arbeitsgesinnung über Religionspsychologie als Himmelspforte.