Samstag, 10. März 2012

Das sagen wir jetzt einfach mal so





- “Wenn die Euro-Zone scheitert, scheitert Europa.”
Darauf baut die Politik der EU-Kommission und der Bundesregierung, in ihrem Verständnis sind sie die “wahren” Europäer.
Mit solchen ‘Globalwahrheiten’ wird dann konkrete Politik gemacht, zB die Politik des lockeren Geldes durch Herrn Draghi, dem Ex-EZB-Chef Issing widerspricht.
Auch zwischen EZB und Bundesbank gibt es Auseinandersetzungen, die Draghi aber leugnet.
Leugnet er, sagt also etwas Falsches, von dem er weiß, daß es falsch ist? Wahrscheinlich würde er antworten, daß die Bundesbank das falsch sehe, die Bundesbankperspektive nehme er sehr ernst und lege er allen Entscheidungen zugrunde, nur sei die Wahrnehmung Jens Weidmanns unscharf.
So könnte er es sich in seinem Kopf zurechtgelegt haben, seine Hinsicht ist eben eine andere, italienisch gefärbte.
Die Macht entscheidet dann, wessen Perspektive als “wahr” zu gelten hat. Die Stimmenmehrheit also. Sehr unbefriedigend. Aber so ist das in den Bereichen der Gesellschaft: “Wahrheit” ist eine Perspektive, die durch Macht durchgesetzt wird.


- "Wahrheit ist, so habe ich einmal gesagt, die Erfindung eines Lügners. Damit ist gemeint, dass sich Wahrheit und Lüge gegenseitig bedingen: Wer von Wahrheit spricht, macht den anderen direkt oder indirekt zum Lügner. Diese beiden Begriffe gehören zu einer Kategorie des Denkens, aus der ich gerne heraustreten würde, um eine ganz neue Sicht und Einsicht zu ermöglichen" (S. 29)… "Für mich ist diese Sicherheit des Absoluten, die einem Halt geben soll, etwas Gefährliches, das einem Menschen die Verantwortung für seine Sicht der Dinge nimmt. Mein Ziel ist es, eher die Eigenverantwortung und die Individualität des einzelnen zu betonen. Ich möchte dass er lernt, auf eigenen Füssen zu stehen und seinen persönlichen Anschauungen zu vertrauen…" (S. 34) …"Der Weg ist nichts Ewiges und von vorneherein Festgelegtes, er entsteht im Moment des Gehens, im Augenblick der Bewegung." (S. 42)

Heinz von Foerster & Berhard Pörksen: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker, Carl-Auer Verlag Heidelberg, 6. Aufl. 2004

Freitag, 9. März 2012

Stimmt - Issing hat recht





Löcher, aber keine Finanzlöcher, sondern Hacklöcher des Spechts



- Schnipp, schnapp: Schuldenschnitt, Umschuldung, Geld in den Schornstein schreiben; ca. 85% der Gläubiger griechischer Staatsanleihen sehen sich genötigt, auf 50% ihres Geldes zu verzichten. Damit reduzieren sich die Schulden Athens um ca. 100 Mrd. Eine schlimme Geschichte für die Banken und Versicherungen. Noch viel schlimmer für die privaten Kleinanleger, die Altersruhegeld in griechischen Staatsanleihen angelegt haben. Am schlimmsten für die griechischen Rentner, die einen Teil ihrer Rente über die Zinszahlungen der Athener Anleihen eingeplant haben. Die auch teilweise griechische Papiere gekauft haben, um ihrem Land zu helfen. Die müssen jetzt bitter erfahren, daß griechischen Politikern nicht zu trauen ist. Der jetzige Regierungschef Papademos war bei der Einführung des Euros in Griechenland griechischer Zentralbankchef und einer der Verantwortlichen für die gefälschten Statistiken.

- Otmar Issing, einer der Euro-Väter, meinte im Juli 2011:

„Eine Umschuldung im Euro wäre der GAU“

Für den ehemaligen EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing gibt es keine Alternative zu einem harten Schuldenschnitt Griechenlands. Eine weitere Mitgliedschaft in der Währungsunion würde deren Ende bedeuten, sagt er im F.A.Z.-Gespräch. (19.7.11)


Mal sehen, was er jetzt sagt, nachdem der Schuldenschnitt unterwegs ist. Er kann aber nur seine Einsicht wiederholen, daß es keinen solchen Vertrauensbruch im Euro-System geben darf und Griechenland die Euro-Zone verlassen muß. Denn mit der Umschuldung ist es nicht getan. Die Hängepartie dauert weiter an. Erst mit der Rückkehr der Drachme und deren Abwertung gegen den Euro wäre ein klares Signal für den Neuanfang gegeben und neue Investitionen könnten getätigt werden, die die türkischen Preise nicht zu fürchten brauchten.

Donnerstag, 8. März 2012

In der Beschränkung zeiget sich der Meister





Sucht der Grünspecht neue Nachfrage?




Rick Santorum, der Präsidentschaftskandidat, möchte das heimische Gewerbe gar nicht mehr besteuern, falls er gewählt werden sollte. Wegen der soliden Arbeitsplätze. Schmelzen, schrauben und montieren sollen im Lande erhalten bleiben, weil sie weniger anfällig für große Krisen seien und den Einheimischen nachhaltig ein Einkommen sicherten.

Das hört sich ganz gut an nach der Immobilienkrise, die sich zu einer allgemeinen Finanzkrise auswuchs. Weniger Steuern hört sich ohnehin gut an. Aber eine gezielte Bevorzugung des heimischen verarbeitenden Gewerbes gegenüber anderen Wirtschaftszweigen wäre Industriepolitik. Wäre so etwas, wie die Pfarrerstochter Merkel in Deutschland betreibt: die Solar-Firmen Q-cells, Solon und Centrotherm machen Verluste oder sind schon insolvent, alle anderen kämpfen ums Überleben gegen eine übermächtige chinesische Konkurrenz. Diese Firmen wären ohne Subventionen gar nicht erst entstanden, das Geld aller Stromverbraucher floß und fließt in eine Einfach-Technik, die in allen Schwellenländern beherrscht wird und keine Zukunftsaussichten besitzt.

So schlecht ist Industriepolitik meistens. So einfältig wie Merkel ist Santorum nicht, aber er möchte sog. alte Industrien wie die Automobilbauer stützen. Er will nicht die Energieversorgung für die Industrie verteuern.
Trotzdem geht sein Blick zurück, nicht nach vorn, weil die Entwicklung von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft in allen entwickelten Ländern stattgefunden hat und grundsätzlich umumkehrbar ist, weil die gewerbliche Produktivität zugenommen hat und weiter zunimmt. Während aber Gesundheitsdienstleistungen stetig weiter nachgefragt werden, wie auch der Tourismus, braucht kein Haushalt 10 Kühlschränke und 6 Autos. Nun muß man natürlich nicht, wie Labour in England seinerzeit durch Unterstützung der Gewerkschaften, die Autobauer ruinieren und das ganze Verarbeitungsgewerbe unter mutwilligen Druck setzen, aber sinnvolle Wirtschaftspolitik hat enge Grenzen und sollte sich auf gleiche Rahmensetzungen für alle Branchen beschränken.

Mittwoch, 7. März 2012

Zwischen Nirwana und Wünsch-dir-was-Religion






Der Izumo-Taisha - ein sehr alter Großschrein. Man sparte nicht an Mühen und Mitteln, darin ähneln sich europäische und asiatische Sakralbauten. Auch die Richtung der Verehrung - nach oben - ist die gleiche. Doch fehlt den asiatischen Religionsphantasien die 'tiefinnige Gesinnung' und vor allem die protestantische Zuspitzung des 'einsamen Gotterlebens', die den westlichen Individualismus, entstanden in der altgriechischen Antike, vorantrieb.



Teruaki MATSUZAKI stellte am Japanischen Kulturinstitut in Köln "Ästhetik und Gestaltungsprinzipien der japanischen Architektur" vor.
Traditionell handele es sich um eine 'Bezüge-Architektur': am Berg, am Wasser, in der Ebene wird ein Bezug gesucht oder ein Übergang hergestellt. An den erhaltenen Schreinen ist das meist ein Berg, auf dem die vorgestellte Gottheit wohnt. Bei Wohnhäusern ist es eine Innen-Außen-Ambiguität, die beispielsweise durch Veranden und Ausblicke konstruiert wird.
In Großstädten treten solche Gestaltungsprinzipien allerdings bis zur völligen Aufgabe in den Hintergrund. Man kann hier vielleicht den japanischen Sykretismus erkennen, der recht wahllos Dinge aus dem Ausland übernimmt und vermischt, in der Geschichte vor allem aus China. Ob Shinto oder Buddha - der Japaner verbindet sie miteinander und veredelt das Rohmaterial durch den japanischen Geist und Perfektionismus. So meine Interpretation. Japan liegt am Ende der alten Seidenstraße, so fand nicht nur der indische Buddhismus seinen Weg auf die japanischen Inseln. Was in Kyoto ankam, verbreitete sich auf allen Inseln; es herrschte kein kultureller Wettbewerb, regionale Variationen entstanden nicht, obwohl das Land konkurrierende Regionalherrschaften besaß; Kyoto war tonangebend.

Dienstag, 6. März 2012

Nicht einmal eine Gemeinschaftsschule hat er besucht.




Geschweige denn, daß er den Genitiv von mensa gekannt hätte!



Joseph Fraunhofer, am 6.3.1787 geboren und mit elf verwaist, woraufhin er in eine sechsjährige Spiegelmacherlehre gesteckt wurde, brachte es ohne Schule und Studium zu erstaunlichen Leistungen in angewandter Optik - seine Mikroskope, Fernrohre und Spektrometer brachten die empirische Wissenschaft weiter. Wir zehren heute noch davon. Bravo!

(Bild: Michael Schönitzer / Wiki.)