Sonntag, 18. März 2012

Darf’s etwas weniger Politiker-Macht sein?






Friedrich August Hayek (1899-1992) hatte so seine Erfahrungen mit Politik und Staat, wie Gauck.



Daß die Altstalinistenpartei um den EX-SED-Matador Gysi eine unwürdige Fanatikerin, die seinerzeit mit der SED-Diktatur zusammenarbeitete, für die Bundespräsidentenwahl nominiert, kann wenig verwundern. Ihre Brüder auf der rechten Seite haben, so erfährt man heute überrascht, einen “Historiker Rose” aufgestellt. Einen Historiker? Wer sollte das sein? Wikipedia widmet ihm einen großen Eintrag, der aber offenbar von seinen Ex-Genossen verfaßt wurde. Olaf Rose, Jahrgang 1958, so erfährt man, war in jungen Jahren ein Linker der offenbar stalinistischen Sorte, denn er publizierte Seit an Seit mit den Altstalinisten Jürgen Kuczynski, Georg Fülberth, Stephan Hermlin. Ein Gewalteinsatz wie bei Klarsfeld wird allerdings nicht berichtet, möglicherweise ist Rose wie diese jüdischer Abkunft, der Name könnte darauf hindeuten. Was er genau vertritt, bleibt unklar, weil der linke Wiki.-Autor mit Propagandavokabeln herumfuchtelt. Als Konvertit von links nach rechts erinnert er an Typen wie den RAF-Terroristen Horst Mahler, der Rechtsextremist wurde, wie auch den SDS-Bundesvorstand und Dutschke-Freund Bernd Rabehl, der sich heute im Umfeld von DVU und NPD aufhält und dort publiziert. Über seine Positionen gibt er selbst in seinem Blog http://rabehl.wordpress.com/ Auskunft.

Joachim Gauck wird als Einheitskandidat von SPD, FDP und CDU nach dem Schnorrerkönig Wulff neuer Bundespräsident. Er macht einen guten Eindruck, anders als die Ex-FDJ-Funktionärin Merkel kommt er nicht aus einem roten Pastorenhaus und hat sich bereits vor 1989, anders als Merkel, gegen die SED-Diktatur engagiert. Wenn auch nicht gerade direkt und Offensiv. Als Gysis Vater eine tragende Säule im Stasi-Staat war, durfte er nicht, ebenfalls anders als Merkel, nach seiner Wahl studieren und so entschied er sich für die evangelische Theologie und wurde dann, mit einigen Selbstfindungsproblemen, auch Pastor. Das Pastorat empfiehlt ihn nicht für ein politisches Amt, er soll aber ein “Freiheitsfreund” sein. Was er genau darunter versteht, wird nicht ganz deutlich, sein WERTE-Mantra neigt wohl eher zu einer kollektivistischen Variante, etwa, wie er zitiert wird, die Leute müßten Vertrauen in die Politik haben. Das müssen sie nicht, im Gegenteil. Die Freiheit des Individuums wird durch Politiker stets bedroht, weil die Politiker die Entscheidungen für die Bürger treffen und sie ihnen vorenthalten wollen. So wie auch die allgemeine Wahl des Bundespräsidenten. Den will die Polit-Kaste selbst bestimmen, da soll der Bürger nichts zu sagen haben. Ob überhaupt ein Bundespräsident vonnöten ist, erscheint zweifelhaft. Das Amt kann, wie gerade geschehen, vom Bundesratspräsidenten kostenschonend mitversorgt werden. Die Gesetzesprüfung könnte vom Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts übernommen werden, wie auch das BVG einen externen Prüfer wählen könnte. Ganz klar scheint aber zu sein, daß ein vom Parteienklüngel ausgewürfelter Bundespräsident der Bürgerfreiheit ins Gesicht schlägt. Er verdient kein Vertrauen. Ob er nach dem vom Mißtrauen gegen den Bürger getragenen Wahlverfahren sich dann im Amt doch Vertrauen erarbeiten kann, bleibt seiner Persönlichkeit überlassen.

Immer aber lautet die Bürger-Präambel gegenüber der Politik: Trau keinem Politiker.
Denn er will die Bürger bevormunden. So wie bei der Präsidenten-Wahl.

Samstag, 17. März 2012

Anfüttern nennen's die Österreicher




Bundesarbeitsminister (2009) Olaf Scholz (SPD) wollte die Rentner nicht bestechen

(Bild: SPD Schleswig-Holstein / Wiki.)




- Vor der Bundestagswahl beschloß die große Koalition in Berlin 2009 eine Rentengarantie dergestalt, daß die Renteneinzahler in jedem Fall, auch wenn sie selbst weniger verdienen, mindestens den gleichen Rentenausschüttungsbetrag für die Rentner aufbringen müssen. Das verstehen SPD und CDU unter “Generationengerechtigkeit”: auch wenn die Jungen weniger Lohn beziehen, zahlen sie das Gleiche für die Alten.

- Vor der Landtagswahl NRW im Mai 2012: Die Minderheitsregierung scheiterte mit ihren Schuldenhaushalt. Was wird sich Kraft (SPD) ausdenken, um die Wähler nicht zu bestechen?

Freitag, 16. März 2012

Kampf der Götter, Werte und Dämonen




Polemogene Werte -
die Verstümmelung des Uranos durch Kronos/Saturn − Giorgio Vasari und Gherardi Christofano, 16. Jahrhundert
(Bild: Wiki.)


“An African couple have been sentenced to life imprisonment in London for killing 15-year-old teenager Kristy Bamu who was visiting them from Paris.
The couple were found guilty by an Old Bailey Court last week for torturing and drowning Kristy whom they accused of being a witch.” (http://africansearchlight.net/news/?p=4749 / DLF)

Dämonenglaube gibt es überall im animistischen und islamischen Afrika, durch beliebige Einwanderung verbreitet er sich auch in Europa, wo offenbar besonders England von entsprechenden Ritual- und Exorzismusmorden betroffen ist. Andere Kulturen, andere Werte und Dämonen. Über die Grenzen der Werte, insbesondere der sozialen Werte, läßt sich schwer rational diskutieren, wie schon Max Weber in seinem Gutachten für den “Verein für Socialpolitik” darstellte. (“Der Sinn der "Wertfreiheit" der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften”, 1922)
Dieser Streit um die Wertfreiheit der Wissenschaften gewann noch einmal große Schärfe in den 1970er Jahren, als die Neomarxisten der Frankfurter Schule die Geistes- und Sozialwissenschaften dominierten. (Vgl. WERTURTEILSSTREIT, hg. Hans Albert u. E. Topitsch, wb 1979) Bis heute ist er anhängig in Weltverhunzbesserungsagenten wie Habermas und Leggewie.

Und Weber hat recht, wenn er einen ewigen Wertestreit sieht:
“Es ist wie in der alten, noch nicht von ihren Göttern und Dämonen entzauberten Welt, nur in anderem Sinne: wie der Hellene einmal der Aphrodite opferte und dann dem Apollon und vor allem jeder den Göttern seiner Stadt, so ist es, entzaubert und entkleidet der mythischen, aber innerlich wahren Plastik jenes Verhaltens, noch heute. Und über diesen Göttern und in ihrem Kampf waltet das Schicksal, aber ganz gewiss keine »Wissenschaft«. “ (Max Weber, Wissenschaft als Beruf)

Kehren die alten Dämonen durch Einwanderung zurück in die durch die Aufklärung entwickelte Kultur, so treten die Strafregeln als “Schicksal” in Aktion. Siehe oben.

Donnerstag, 15. März 2012

Bulgarien und Rumänien




Da schaut das Reh - der Frühling kommt mit Macht.
Bei 2-15°C erster Hummel, Bienen- und Schmetterlingsflug.



- Periphere Regionen in Südosteuropa und ihr Potential:
Elke Knappe vom Leipziger Länderkunde-Institut sprach darüber am 1.2.12 in Bochum. Es ging um Rumänien und Bulgarien, zwei neuere EU-Länder, die sich schwertun mit der Entwicklung auch nur geringen Wohlstands. Beide sind sie belastet durch eine späte Unabhängigkeit, Bulgarien konnte sich sogar erst 1878 von türkischer Herrschaft befreien (anerkannt 1908). Der Stalinismus hemmte aufs Neue die Entwicklung, und die Aufnahme in die EU muß als Entwicklungshilfe verstanden werden. Leider ist die EU-Hilfe aus dem Kohäsionsfond wenig effizient; die ohnehin schwache Landwirtschaft wird dadurch zusätzlich belastet. Besitzer landwirtschaftlicher Flächen behalten lieber ihre Grundstücke, ohne sie zu bebauen, und kassieren die Hilfe nach Quadratmetern aus Brüssel. Der agrarische Sektor liegt in beiden Ländern noch bei 15%. Unternehmerische Elemente sind rar.
Ein Beispiel aus Rumänien illustriert dies eindrücklich: Knappe berichtete auf Anfrage, welche Rolle die verbliebenen Siebenbürger Sachsen spielten, in Hermannstadt sei seit mehreren Jahren ein deutscher Bürgermeister im Amt, von einem deutschen Rückkehrer, der einen landwirtschaftlichen Betrieb in Nachfolge eines Staatsbetriebs aufgemacht habe und diesen zu wirtschaftlichem Erfolg geführt habe. Er sei dann für ein Jahr nach Deutschland zurückgekehrt. Während dieser Zeit habe der Betrieb praktisch stillgestanden, weil sich die rumänischen und ungarischen Mitarbeiter nicht auf eine gemeinsame Arbeit und Leitung hätten einigen können. Die Deutschen erfüllten oft, wie in diesem Fall, eine Moderatorenrolle, da Rumänen und Ungarn sich gegenseitig nicht trauten.

Besserungen würden noch viele Jahre brauchen.

Mittwoch, 14. März 2012

Mein Freund, der Baum





Fliegen da nicht die Seelchen von Oma und Opa?




Nur im Okzident sei systematische Wissenschaft entstanden, so Max Weber eingangs seiner Religionssoziologie. Die Moderne sei ein Prozeß der “Entzauberung der Welt”. Die Rationalität ersetze die magische Vorstellung. Freud sieht Religion in seiner Schrift “Die Zukunft einer Illusion” gar als neuroseähnliches Phänomen, das es zu überwinden gelte. Nun ist Freuds Psychoanalyse selbst ein merkwürdiges Gemisch aus Rationalität und Phantasie, und man kann diesen Punkt zur Formulierung der Hypothese benutzen, daß die Rationalität in ihrer Reichweite so begrenzt ist, daß genügend Lücken für Ungewußtes bleiben, in denen sich Phantasien einnisten können, auch magische und animistische. So bleibt ja auch bei aller Rationalisierung der christlichen Theologie seit Paulus der magische Kern. Und innerhalb dieser Entwicklung warf der Protestantismus dem Katholizismus und dem orthodoxen Christentum eine magisch inspirierte Behandlung der Bibel vor. (Robertson Smith u.a.)

Wenn jetzt in Berlin eine apologetische Animismus-Ausstellung stattfindet, dann kann man das im Zusammenhang mit neuen Erscheinungen von Naturkult sehen, die in einer magischen Vorstellung von Natur keinen Kitsch mehr vermeidet.