Freitag, 6. April 2012

Darf’s etwas wärmer sein?





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Leicht abnehmende Temperaturen seit Jahren, mehr Winterfrost, kühle Sommer - wo ist die versprochene Klimaerwärmung? Macht sie Pause oder kommt sie noch? Wer nicht einfach abwarten will, was es mit den magischen Modellprophetien auf sich haben mag, der hat mit Wolfgang Thünes neuem Buch “Propheten im Kampf um den Klimathron” ein Leseangebot, das grundlegend in das Thema Wetter und Klima einführt, ohne spezifische Kenntnisse vorauszusetzen. Der altgediente Meteorologe Thüne, an den sich vielleicht manche noch als ZDF-Wettermoderator erinnern und der zuletzt in das rheinland-pfälzische Umweltministerium wechselte als Leiter des Referates “Naturwissenschaftlich-technische Grundsatzfragen”, bettet seine eingängige Darstellung des Wetterstoffes ein in ein breites Panorama von Wissenschaftsgeschichte, Politik, Zeitgeist und Lobbygruppenmechanik sowie deren Motivationen im Hintergrund.
Manchmal hätte man sich eine knappere Darstellung gewünscht, insbesondere auch bei der Rolle der Massenmedien eine Berücksichtigung der Luhmannschen System- und Medientheorie - aber mit diesem Band im Hause, und vielleicht mit einem schönen Bordeaux dazu, ist man allen Wettern und Klimatheorien bestens gewachsen.

Donnerstag, 5. April 2012

Der Kindergartenprofessor





Wilhelm Dilthey (1833-1911)
(Bild: Wiki.)



Sie verfügen über die Lufthoheit in den Sendern, und sie laden sich gerne Freunde ein, mit denen sie sich am Mikrofon duzen, in jedem Fall bevorzugen sie aber ähnlich Denkende, Gesinnungsgenossen, wie beim hr2-Doppelkopf, zum Beispiel:

>> Am Tisch mit Olaf-Axel Burow, „Lernfreudiger“ , Donnerstag, 5. April 2012
Lassen sich Schulen und Schulleistungen wirklich durch akribische „Vermessung“ à la Pisa verbessern? „Keinesfalls!“, sagt Olaf Axel Burow, Erziehungswissenschaftler an der Uni Kassel und bundesweiter Berater von Schulen und Bildungseinrichtungen. Eben gerade nicht Druck und Disziplin, sondern Wertschätzung und „Kreative Felder“, so Professor Burow, führen zu Lernfreude und somit auch zu Spitzenleistung. Sein Plädoyer: Schafft Freiräume für Kreativität und Innovation, damit Schulen – und somit unsere Gesellschaft - zukunftsfähig bleiben! Was er damit im Einzelnen meint, erzählt er in diesem Doppel-Kopf-Gespräch. Gastgeberin: Ulrike Schneiberg <<

Da plaudert man dann darüber, daß andere, zentralistisch-gesonnene Linke und Gesamtschulfreunde nicht recht haben mit ihren Pisa-Messungen. Der Pädagogik-Professor Burow gibt dann einen Rousseau-Aufguß zum Besten, durchgerührt mit Waldorf-Pägagogik und garniert mit dem schmissigen Pink-Floyd-Ohrwurm aus THE WALL:
We don’t need no education, we don’t need no thought-control. Hey, teacher, leave us kids alone! All in all you’re just another brick in the wall!

Da die Schüler sehr unterschiedlich sind, haben auch verschiedene Pädagogiken ihre Berechtigung, zumal das Hauptergebnis der Beschulung fast immer das große Vergessen ist. Wenn die Schüler in ihren viel zu vielen Schuljahren Lerndisziplin gelernt haben, dann werden sie sich das für ihr Leben Wichtige dann schon einsammeln.
Keinesfalls läßt sich damit aber die Burow’sche Spaßpädagogik rechtfertigen, es sei denn für den Kindergarten.
Was aber tun mit den Lernbegierigen, den kleinen Blaise-Pascals, die schon mit zehn ihre erste Rechenmaschine bauen? Die mußten damals keine Schule besuchen, die Schulpflicht gab es noch nicht. Sie wurden nicht von der weniger lernbegierigen Mehrheit schikaniert, weil ihr Interesse an Kinderblödsinn begrenzt war.
Diese begabten Lustlerner haben ebenfalls ein Anrecht auf eine ihnen gemäße Schule und Hochschule, an denen sich keine Spaßprofessoren herumtreiben.

Für die Uni empfahl der junge Wilhelm Dilthey 1859 in einem Brief an seinen jüngeren Bruder Karl: “ Du mußt ins Seminar gehen, nicht allein drin sein, sondern Dich darin auszeichnen. Du mußt demnach einen Verkehr haben von solchen, die Dir theils Anleitung und Anregung geben, an denen Du täglich, was Du zu erstreben hast, vor Augen siehst, theils von solchen, mit denen Du gleiche Wege gehst, vielleicht mit ihnen zusammen Dich im Lateinsprechen üben kannst …” (Spoerhase, Das philologische Seminar als Lebensform, FAZ 4.4.12)

Mittwoch, 4. April 2012

Original europäisch-amerikanisch



Das Begreifen der Kindheit als einer eigenständigen Entwicklung, die zudem in sich noch mehrfach gegliedert ist, brauchte lange Zeit in Europa; in weiten Teilen der Welt steht dieser Prozeß noch am Anfang.




Das kranke Kind

Die Gegend lag so helle,
Die Sonne schien so warm,
Es sonnt sich auf der Schwelle
Ein Kindlein krank und arm.

Geputzt zum Sonntag heute
Ziehn sie das Tal entlang,
Das Kind grüßt alle Leute,
Doch niemand sagt ihm Dank.

Viel Kinder jauchzen ferne,
So schön ist's auf der Welt!
Ging' auch spazieren gerne,
Doch müde stürzt's im Feld.

"Ach Vater, liebe Mutter,
Helft mir in meiner Not! -"
Du armes Kind! die ruhen
Ja unterm Grase tot.

Und so im Gras alleine
Das kranke Kindlein blieb,
Frug keiner, was es weine,
Hat jeder seins nur lieb.

Die Abendglocken klangen
Schon durch die stille Welt,
Die Engel Gottes sangen
Und gingen übers Feld.

Und als die Nacht gekommen
Und alles das Kind verließ,
Sie haben's mitgenommen,
Nun spielt's im Paradies.

Eichendorff


Auch wenn Eichendorf stets ein wenig zu erhabener Rührseligkeit neigt, so behandelt sein Gedicht doch das ernste Problem von Kindern, die die falschen oder keine Eltern haben. Bei Waisen liegt das offen zutage, doch gibt es die Kindernot auch in der Gegenwart des Sozialstaates, wo gleichgültige oder nachlässige Beamte den Kindern skrupelloser Eltern keine Hilfe leisten. Was heute ein Randproblem bei Asozialen darstellt, war zu Eichendorffs Zeiten eher alltäglich. Mit der Bauernbefreiung eskalierte es zum Massenphänomen in den Städten, wohin viele Landarbeiter zogen und, der ländlichen Heiratsverbote entronnen, massenhaft Kinder zeugten, die sie nicht ernähren und erziehen konnten. Der ungeheuren Produktivkraft der industriellen Marktwirtschaft gelang innerhalb erstaunlich kurzer Zeit, was im Orient auch heute noch schlecht gelingt: die Behebung der elementaren Lebensnot; entsprechend sind solche Fälle wie dieses Verhalten eines indischen Ärztepaares nicht ungewöhnlich:

AGENTURMELDUNGEN AP / FAZ 3.4.12
"Indische Polizei rettet 13-jähriges Dienstmädchen vor dem Verhungern. 30.03.2012
Die indische Polizei hat Medienberichten zufolge ein sechs Tage lang eingesperrtes und vom Hunger bereits geschwächtes 13-jähriges Dienstmädchen gerettet. Die Arbeitgeber waren demnach in den Urlaub nach Thailand gefahren und hatten das Kind nur mit wenig Nahrung und Wasser in ihrer Wohnung eingesperrt. …”
Nach der langwierigen Entwicklung der industriellen Marktwirtschaft in Europa und deren wichtiger Weiterentwicklung in den USA kann sie heute fertig kopiert und weltweit als Betriebswirtschaft studiert werden. Das geschieht auch, doch gelingt die Umsetzung im Orient nur langsam. Insbesondere bereitet der Rationalismus der Familienplanung große Probleme. Traditionell und sekundiert vom christlichen Aberglauben setzen Orientalen (und Afrikaner sowie katholische Südamerikaner) eine Vielzahl von Kindern in die Welt, die sie nicht versorgen können und die das einzelne Kind entwertet. Daher werden in Indien insbesondere Mädchen, die bei Orientalen ohnehin nur die Hälfte Wert sind, möglichst schnell aus dem Haus gejagt und in Heirat, fremde Haushalte oder in die (Kinder-)Prostitution gegeben.
Lieblose Eltern sind natürlich nirgendwo ausgestorben. Neben die asoziale Verwahrlosung ist in Europa und Amerika die Wohlstandsverwahrlosung getreten. In letzterer haben die Kinder, meist ist es nur noch eines, den Status geliebter Haustiere eingenommen, die man verwöhnt, für die man aber nicht so viel Zeit hat und die man möglichst früh in die Hände von Angestellten in Kinderbatterien abgibt.
Gut, daß der Mensch viel aushält, die meisten jedenfalls.

Dienstag, 3. April 2012

Läuft und läuft






Schön gelegen und schön zuverlässig:
Beznau I (Schweiz) läuft seit 1969 und erzeugt mit dem zweiten Block verläßlich ohne Spannungsschwankungen rund um die Uhr unabhängig von Windflauten, Stürmen und Sonnenscheinzeiten jährlich rund 5 Milliarden Kilowattstunden Kernstrom und versorgt mit einem Teil der Abwärme acht umliegende Gemeinden mit rund 140 Millionen Kilowattstunden Fernwärme (s. Wiki.).


- Blühende Kernkraft-Landschaft um Temelin (Tschechei): Dort freut man sich auf den Neubau zweier neuer Blöcke. (Reportage DLF 3.4.12)

- Ähnlich in Spanien: Rund ein Dutzend Gemeinden bewirbt sich als Standort für ein nukleares Zwischenlager (DLF, tagesschau.sf.tv/Nachrichten ... uell-Lager, spanienforum.de).

- Dazu paßt, daß Q-Cells heute als viertes Solarunternehmen Insolvenz angemeldet hat. Trotz der irrsinnigen Subventionen für die teuerste Art, Strom zu erzeugen. Solarbretter können in jedem Schwellenland billiger hergestellt werden, doch komplexe und hochsichere Kernkraftgroßtechnik können nur wenige Länder bauen, den wahrscheinlich sichersten Kernkraftbau aber beherrschen die Deutschen. Und gerade diesen strategisch besonders wichtigen Bereich wollen die Bundestags-Blockparteien abschaffen. Eine riesige Schwächung des Industriestandorts Deutschland. (Vgl. http://naeb.info/)

In diesem Zusammenhang muß man auch auf die dequalifizierende Rolle des teuren deutschen Schulwesens hinweisen, das Romanbildung großschreibt und die naturwissenschaftlichen Fächer klein. Und bei dem geringen Physikangebot indoktrinieren außerdem noch viele rotgrüne Lehrer zusätzlich ihre Schüler mit allerhand technikfeindlicher Propaganda, speziell solcher gegen Kernkraft und für Solarhobbystrom.

Montag, 2. April 2012

Der Dritte zahlt





Steinbrücks Steuer-Kavallerie?

(Bild: Wiki.)



Unmäßige Lohnerhöhung im streikberechtigten Öffentlichen Dienst?
Kein Problem, das zahlen die Dritten, die nicht am Verhandlungstisch gesessen haben, die Steuerzahler, die in der drittklassigen, rein repräsentativen deutschen Parteiendemokratie auch darüber nicht abstimmen dürfen. Die Mehrkosten sollen sich auf mehrere Milliarden Euro jählich belaufen, der Bund rechnet allein für seinen Bereich mit 1,7 Mrd.
Altschulden abbauen, Neuschulden reduzieren, mehr Geld für den Öff. Dienst?
Kein Problem, Steuern erhöhen.
Da werden dann wieder ein paar Deutsche ins steuerfreundliche Ausland emigrieren.