Dienstag, 4. September 2012

Madonna!









Und jetzt ein Quäkstimmchen a la Madonna








Da sitzt man auf einer schönen Restaurant-Terrasse am Waldrand, quäk, da geht der Außenlautsprecher an.
So geht es leider in vielen Restaurants.
Deshalb :

Du sollst nicht lärmen!
"LAUTSPRECHERAUS"
www.pipedown.de/

Montag, 3. September 2012

Kölner Knochen, Deutzer Dynamik




Völlig ohne Abitur, aber für weitreichende technische Revolutionen gut:
Wilhelm Maybach, aus dem pietistischen Bruderhaus nach Deutz

(Bild: Wiki.)


Die Zeit war noch nicht reif dafür, man las im katholischen Köln den Aristoteles, nicht den Archimedes, außerdem mußten die Kölner Fürstbischöfe sich immer um Wichtigeres kümmern, den jungen Heinrich IV. entführen, etwa, oder die Schlacht von Worringen schlagen, die verloren ging. So blieb Köln Köln, fürstbischöflich und jesuitisch, und Deutz, das sich die Erzbischöfe immer gern unter den Nagel reißen wollten, erhielt 1230 Stadtrechte mit der „Deutzer Freiheit“. 1814 kam es an das protestantische Preußen, die die Gewerbeorientierung der Deutzer gewähren ließ. Das lockte Neubürger an, sogar Protestanten, die sich die erste rechtsrheinische evangelische Kirche bauten. Vom katholischen Dom aus gesehen war das die „Schääl Sick“, die Barbarenseite des Rheins. Dorthin zog es auch den Bauernsohn Nikolaus Otto, der auch kein Abitur besaß und ganz ohne Förderung durch eine Gemeinschaftsschule den bekannten Otto-Motor erfand. In Deutz. Wie das protestantische Leben so spielte, kamen dann in der Gasmotorenfabrik Deutz, gegründet 1864, zwei schwäbische Protestanten dazu, der Schorndorfer Bäckersohn Gottlieb Daimler, und der Frühwaise Wilhelm Maybach aus dem pietistisch-calvinistischen Reutlingen, wo man stinkreich auch heute noch innerweltliche Askese pflegt bei der Kuttelsuppe. Im Bruderhaus des pietistischen Pfarrers Gustav Werner wuchs Maybach seit seinem siebten Lebensjahr auf, dort bekam er auch in der von Werner gegründeten Industrieschule seine Ausbildung, und dort, in der Industrieschule des Bruderhauses, traf er zum ersten Mal Daimler, der als Leiter der Maschinenfabrik den Gewerbenachwuchs unterrichtete. Daimler erkannte Maybachs Talent, der sein Assistent wurde und ihn hinfort begleitete, u.a. zur Gasmotorenfabrik Deutz. Maybach gelang die für den Automobilbau entscheidende Weiterentwicklung des Otto-Motors, er schuf den ersten schnellaufenden Benzinmotor.
Und dann gab es da noch den Frühwaisen Karl, der seinen Vater Johann Georg Benz, einen Lokomotivführer, mit zwei Jahren verlor. Ins Taufbuch der protestantischen badischen Gemeinde Mühlburg wurde er 1844 eingetragen als „Karl Friedrich Michael Wailand“. Ja, die Hugenotten lassen grüßen, den Namen VAILLANT kennen wir auch im protestantischen Bergischen, der Pfarrer hatte den Namen eingedeutscht. Karl Benz war das uneheliche Kind der Josephine Vaillant aus einer französischen calvinistischen Hugenottenfamilie.
Man kann nur staunen, wie das protestantische Industrieleben webte und wob. Lange Zeit durften Kölner Protestanten, die ein Gewerbe gründen wollten, dies nur auf der anderen Rheinseite tun. Die Knochen Wilhelm Maybachs aber holten sich die Kölner Katholiken dann auf ihre Rheinseite, zum Renommieren. Zuvor, 1888, hatten sie Deutz geschluckt.

Sonntag, 2. September 2012

Fuhr noch keinen MAN, hatte aber immer was zu naschen: Fortunatus





Ein Augsburger, der vorgab, aus Zypern zu stammen: Fortunatus, Erstdruck 1509 Augsburg 



Man kann’s von vorne oder hinten machen. Von hinten hieße, in die Geschichte zu schauen. Etwa zu fragen, wo denn 1835 die erste deutsche Eisenbahn fuhr? 
Oder wo 1840 die Maschinenfabrik-Augsburg-Nürnberg (MAN) gegründet wurde? 
Ja, richtig, in Nürnberg, Fürth und Augsburg. 1524 drängte es die unternehmerischen Nürnberger zur Reformation, 1528 folgte Fürth, 1534  Augsburg. Die fleißigen Gewerbler versprachen sich etwas von der Reformation, mehr Spielraum, mehr Gewerbefreiheit, mehr Freiheit, mehr Geld. Den Muff unter den katholischen Talaren wollten sie loswerden. Und Nürnberg kam ja dann ganz groß raus, wurde Wirtschaftsmetropole Bayerns. Lange blieb das sonstige katholische Bayern arm, aber dann lernten sie es doch noch und kamen in der wohlhabenden Gegenwart an. Denn rechenhaftes Wirtschaften können alle lernen, grundsätzlich, auch Katholiken, es wird ja seit hundert Jahren an jeder Ecke gelehrt, aber die einen brauchen etwas länger als die anderen.

1990 machten es Miegel u.a. von vorn und fragten nach WIRTSCHAFTS- UND ARBEITSKULTURELLEN UNTERSCHIEDEN IN DEUTSCHLAND, Zur Wirkung außerökonomischer Faktoren auf die Beschäftigung. Eine vergleichende Untersuchung, die Studie erschien 1991 bei Verlag Bertelsmann Stiftung. Sie fanden im Vergleich von 13 wirtschaftlich starken und 13 schwachen Landkreisen in den alten Bundesländern u.a.:
“Nicht die Konfession, sondern vor allem die Intensität der kirchlich-religiösen Prägung scheint also für bestimmte Denk- und Anschauungsweisen und die mit ihnen verbundenen Wirtschafts- und Arbeitskulturen mitursächlich zu sein. … Auffällig ist allerdings, daß die drei protestantisch dominierten Kreise ausnahmslos pietistisch-calvinistisch orientiert waren ...” (S. 99)

NOKIA Leute hätten diese interessante Studie besser gelesen, bevor sie ein Montagewerk von Bochum nach Rumänien verlegten, in einen Bereich, der von  der Rumänisch-Orthodoxen Kirche und der marxistischen Destruktivität beeinflußt ist. Das Werk scheiterte vorwiegend an der Arbeitshaltung der Beschäftigten und wurde geschlossen. Ein interessantes Phänomen in Rumänien ist die wirtschaftliche und politische Rolle, die die Restbestände der konservativ-protestantischen Siebenbürger Sachsen spielen, insbesondere in Hermannstadt mit seinem Siebenbürger Bürgermeister.

Samstag, 1. September 2012

Norbert Walter - ein Verlust





Issing hält an seinem Baby fest







Norbert Walter verstarb überraschend mit nur 67 Jahren. Er war der Öffentlichkeit zugeneigt und konnte verständlich Wirtschaft und Wirtschaftspolitik kommentieren. Darin ähnelte er dem von der Baader-Meinhof-Bande ermordeten Alfred Herrhausen. Er hinterläßt eine große Lücke in den Medien und wohl auch im Zentralrat der Katholiken.
Kritisch muß man leider anmerken, daß er wie sein Kollege Issing die Probleme einer EU-Währungsunion unterschätzt hat. Der von ihm mit viel Vorschußlorbeeren versehene ehemalige EZB-Präsident Trichet hat die Unabhängigkeit der Zentralbank nicht in dem Maße gegen die Zumutungen der Schuldenpolitiker verteidigt, wie dies der Vertrag von Maastricht vorsah.
Da niemand genau weiß, wie welche Risiken zu veranschlagen sind im Wirtschaftsgeschehen, ist es besonders wichtig, viele Modelle nebeneinander laufen zu lassen und die Ergebnisse zu begutachten. Dies trägt auch den unterschiedlichen Mentalitäten Rechnung. All das spricht gegen eine Währungsunion.  

Freitag, 31. August 2012

Säulenheilige








Die Säulenheiligen Symeon Stylites der Ältere (links) und Symeon Stylites der Jüngere (rechts) auf einer Ikone, Bild: Wiki 






Da-da-da – da wurde er wieder katholisch, der Dadaist aus dem Hause Bally. Aber in der extrem antidadaistischen Variante, der Orthodoxie. Dazu erklärte er sich:
„Byzantinisches Christentum. Drei Heiligenleben (zu Joannes Klimax, Dionysius Areopagita und Symeon dem Styliten). Duncker & Humblot, München 1923“

Nach seiner Klamaukphase zog es Hugo Ball zur Welt der fraglosen Askese noch vor dem „morgenländischen“ Schisma. Das ließ aber nicht lange auf sich warten, 1054 war es soweit.

Konstantin hatte den unbedeutenden griechischen Ort Byzanz zu seinem Regierungssitz Konstantinopel bestimmt ("Ostrom"). Er empfand sich sowohl als Oberhaupt der Christenheit wie auch als römischer Kaiser. Schließlich hatte er das Christentum aus der Duldung zur Staatsreligion befördert. Während im Westen bald Papst und Kaiser um die Vorherrschaft stritten, blieb im byzantinischen Reich, in Konstantinopel, weltliche und oberpriesterliche Macht in einer Hand. Der Kaiser („Basileus“) galt als Vertreter „Christi“ auf Erden. Das pompöse Zeremoniell des kaiserlichen Auftretens einschließlich des Niederwerfens vor ihm besaß eine liturgische Funktion.
Die türkische Eroberung Konstantinopels 1453 machte aus Konstantinopel Istanbul. 

Mit der Auslöschung des byzantinischen Reiches rückte das Zentrum des orthodoxen Christentums nach Norden, nach Rußland. Die Grenze zwischen römischer und orthodoxer Sphäre bezeichnet bis heute auch eine kulturelle Grenze: das Reich der Orthodoxie blieb wissenschaftlich und wirtschaftlich arm. Die Zusammenballung von weltlicher und geistlicher Macht behinderte die Entwicklung der Zivilgesellschaft, die auf  individuelle Freiheit angewiesen ist. Die schätzen weltliche Herrscher wie Putin und prunksüchtige Priester wie Kiryll gar nicht. 
Die wirtschaftliche und geistige Rückständigkeit Rußlands ist bei diesen beiden in den besten Händen.