Freitag, 21. September 2012

Wolkig bis schaurig








Viel Platz für Wolken - 75% der gesamten Masse der Atmosphäre befinden sich in der untersten Schicht, der Troposphäre, die bis etwa 11 km Höhe reicht; bis in diese Höhe können auch Gewitterturmwolken reichen - eine gewaltige Masse an aufgestiegenen Wassertröpfchen und Wasserdampf.  





Salman Rushdie stellte gestern in NYC seine Memoiren vor, bis jetzt hat er das islamistische Todesurteil von 1995 überlebt - Gratulation!
Er empfiehlt mehr Mut im Umgang mit Feinden der Freiheit. Figuren wie Obama, Clinton und Westerwelle dürfen sich angesprochen fühlen. 

Kulturelle Gewitter aus Religionsideologien gründen in der geistigen Unterwelt und in der Gehirnwäsche der früh einsetzenden Religionserziehung.
Sie speisen sich aus Eiterbeulen animalischer Aggressivität und kleingeistiger Wahrheitsanmaßung.  

Donnerstag, 20. September 2012

Dazwischengenuschelt








Rektor Meyer's gesammelte Schulerfahrungen










Die Psychoanalytikerin empfahl zum Abschluß des Gesprächs Bob Dylan:

Forever Young
May god bless and keep you always
May your wishes all come true
May you always do for others
And let others do for you

May you build a ladder to the stars
And climb on every rung
May you stay, forever young
May you stay forever young

May you grow up to be righteous
May you grow up to be true
May you always know the truth
And see the lights surrounding you
May you always be courageous
Stand upright and be strong
And may you stay forever young
Forever young, forever young
May you stay forever young

May your hands always be busy
May your feet always be swift
May you have a strong foundation
When the winds of changes shift

May your heart always be joyful
May your song always be sung
And may you stay forever young
Forever young, forever young
May you stay forever young

[ From: http://www.elyrics.net/read/b/bob-dylan-lyrics/forever-young-lyrics.html ]

Er präsentiert es ja gut. Kann schlecht singen, hat keine ausgebildete Stimme, aber er kann nuanciert phrasieren. So gut, daß man geneigt ist, über den Text hinwegzuhören und sich ganz der eingängigen, einfachen Melodie anzuvertrauen. Aber bei einer solchen Empfehlung aus PA-Munde hört man kritischer hin. Lautet der Wahlspruch der Psychoanalyse nicht: Vom ES zum ICH? 
Was ja beinhaltet, erwachsen zu werden und das schmerzhafte Realitätsprinzip anzuerkennen. Und da besingt jemand die ewige Jugendmentalität, wo doch nichts bleibt, wie es ist? Seltsam. Bob selbst hat ja ebenfalls seine Entwicklungen erfolgreich absolviert. Er liebt zwar immer noch das Vage und Gefällige, hat aber mehr zu bieten als in jungen Jahren. 
Das weiß doch seine Freundin, die sich diese Abschlußmusik im Radiointerview zu ADHS gewünscht hat, auch. Der ganze Text ist so kitschig der lustbetonten ES-Ebene verhaftet wie der Refrain des Liedes selbst: Jung für immer. 
Und gerecht, treu, wahrhaft, mutig, gesellig, gesund, arbeitsam, aufrecht, stark, standfest und freudigen Mutes - wie formuliert für das Poesie-Album, das es zur Jugendzeit Bob Dylan’s gab und das es auch heute noch da und dort gibt.  

Na, prima, liebe Psycho. Aber für dieses Pfadfinder-Programm braucht man keine Therapeuten, das nimmt man nur dem Nuschelsänger ab, und auch nur, wenn man nicht genau hinhört.
Da hat der alte Remo Largo nach erfahrungsgesättigtem Kinderarztleben mehr zu sagen. Seine zentrale Einsicht beruht auf der individuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. 
Die Einübung von Disziplin verknüpft er stark mit der Beziehungsebene der Erziehenden und Unterrichtenden. Das leuchtet unmittelbar ein, verlangt aber viel Zeit und Einlassen. Recht hat er, doch darf man nicht vergessen, daß auch die mit Disziplin, Drill, totem Wissen und kollektivistischen Methoden übersättigte Schule alten Typs - Stichwort Hesse, UNTERM RAD - ihre Erfolge aufwies, von Cäsar bis Erasmus, von Luther bis Hegel, von Hölderlin bis Nietzsche und Max Weber. Verschiede Menschen brauchen auch verschiedene Wege, sie gelangen auch zu ganz anderen Lebensorten. Soll jeder werden, wohin seine Anlagen und Neigungen drängen. Largos älteste Tochter erkor sich den Gärtnerberuf. Gut so. 
Die KITA blieb ihr erspart. Hauptsache.

Mittwoch, 19. September 2012

L-L-L







Auch Lamborghini fing klein an, mit diesem bildschönen Traktor zum Beispiel; den kaufte der katholische Lothar aber nicht, er fuhr einen Countach.
 (Bild: Späth Chr./Wiki.)



Lothar, Lotto, Lamborghini. 1994 gewann Lothar Kuzydlowski knapp 4 Mio. DM im Lotto. Kaufte und kaufte, soff und soff und starb 1999 an einer Leberzirrhose, kurz bevor er das ganze Geld verkonsumiert hatte.
Teppichleger Lothar Kuzydlowski ist der Prototyp des Typs A aus der VWL-Eingangsvorlesung: er hat nach einer bestimmten Zeit so viel Geld wie vorher. Typ B bewahrt seine ihm verliehene Summe durch Solidität.
Typ C wiederum vervielfacht sein Vermögen. Am Typ C hängt der Wohlstand der Nation.

Reinhold Würth zum Beispiel hat es innerhalb von rund 60 Jahren von etwa 10.000 DM auf  rund 10 Mrd. DM (5 Mrd. €) Anlagevermögen gebracht. Er hat lange bescheiden gelebt, viel gearbeitet und in Schrauben investiert. Er lebt immer noch, Jahrgang 1935 – Kuzydlowski starb mit 53 Jahren. Weiter kann die Schere nicht aufgehen – die anthropologische ncht und  nicht die Vermögensschere.
Und auf diese 3 menschlichen Grundtypen läuft es immer wieder hinaus.
Das ärgert die Neid-Parteien, eines ihrer Propaganda-Instrumente, der „Armuts-Bericht“, gerade wieder vorgelegt, sorgt dafür, daß das Thema immer neu-abgedroschen in die Propaganda-Röhre kommt.   

Dienstag, 18. September 2012

Mein ist die Gegenwart










Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.


Mein ist der Augenblick, sagt hier Gryphius, protestantischer Lehrersohn aus dem protestantischen Glogau, das dann aber zwangskatholisiert wurde. Hier und jetzt kann ich etwas unternehmen.

Bei Benjamin Franklin heißt es rund ein Jahrhundert später in seinen 13 Tugenden:

“6. FLEISS. Verliere keine Zeit; sei immer mit etwas Nützlichem beschäftigt; entsage aller unnützen Tätigkeit.”

(Franklin, Autobiographie, S. 126; vgl. auch “Poor Richard’s Almanack”)

Franklin, Sohn puritanischer Eltern, der eigentlich Pastor  werden sollte, war denn auch als Drucker, Erfinder und Politiker recht erfolgreich. 
Vater Franklin hatte England verlassen und war nach Massachusetts ausgewandert.
In unseren Tagen zog es den deutschen Romanisten Hans Ulrich Gumbrecht nach Kalifornien. Von dort sah er sich seine neue Heimat USA an. Am besten gefiele es ihm in – Lousiana, stellte er fest. So exotisch, so zeitvergessen, so korrupt, so wunderbar. Nun ja. Dort, in New Orleans, entstand in den 1920er Jahren der Blues "When the levee breaks" (wenn der Damm bricht). Inzwischen brach der Damm in New Orleans. Vier Meter unter Meereshöhe siedeln und die Dämme vernachlässigen - that's the spirit of Lousiana. Plus Musik, nicht nur die Marsalis-Familie stammt aus New Orleans.
Ein bißchen exotisch, wenn auch nicht kreolischer Abkunft, das galt ja auch für den Namensgeber Lousianas, Ludwig XIV. Aber grundsätzliche Ordnung mußte doch sein, deswegen erließ Ludwig für die französischen Kolonien 1685 den CODE NOIR, der u.a. vorschrieb, daß die Sklaven römisch-katholisch zu sein hätten. Davon sind die erst spanischen, dann französischen und heute US-amerikanischen Südstaaten noch heute mehr oder weniger geprägt.
Das gefällt nicht nur dem Romanisten Gumbrecht, der nie einen Blitzableiter oder einen Kondensator erfunden hat. Sein Fach ist eben die katholisch-spanisch-französische Geschwätzigkeit gehobener Art. Jedem das Seine.

Aber seit die Quäker, Methodisten und andere protestantische Zeitquäler mit dem Abolitionismus, mit der Abschaffung der gemütlichen, katholischen Sklaverei begannen, hat sich doch in Texas, New Mexico, Lousiana, Mississippi und Alabama einiges geändert, auch wenn in New Mexico die Katholiken mit 75% immer noch stark vertreten sind.

Dahin würde der deutsche Schraubenkönig aus dem protestantischen Künzelsau, der neuapostolische Reinhold Würth, nicht unbedingt gehen. Ohne das geringste Abitur und ganz ohne Sklaverei hat der Mann den kleinen Schraubenhandel seines Vaters zur weltweit vertretenen Würth-Gruppe gemacht. Gerade hat er wieder einen echt protestantischen Brief an seine Außendienstler geschrieben. Nicht das spanisch-katholische „Mañana“ („morgen“) solle ihr Motto sein, sondern „früher zum Kunden“. 
Da hätte Gryphius nicht widersprochen. Mein ist die Gegenwart. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Wenn ich die Gegenwart nutze, so gefalle ich dem Herrn der Zeiten. (Wer immer das auch sein mag.)

Montag, 17. September 2012

Das Eingemachte der Moderne







“Charakteristisch für die fundamentalistischen und in geringerem Grade für die kommunalistisch-nationalen Bewegungen ist, daß sie einige der zentralen, aus der Aufklärung stammenden Komponenten des kulturellen und politischen Programms der Moderne ablehnen, besonders die Autonomie und Souveränität der Vernunft und des Individuums. Hinzu kommt die Frontstellung nicht nur gegen die westliche Hegemonie, sondern gegen den Westen überhaupt. Die Konfrontation mit dem Westen geschieht nicht nur mit dem Ziel, in die neue hegemoniale Kultur zu deren Bedingungen einbezogen zu werden. Vielmehr wollen die Bewegungen die neue internationale, globale Szene für sich selbst, ihre Traditionen und Kulturen in Besitz nehmen - obgleich diese Traditionen unter dem Eindruck der Begegnung mit dem Westen umformuliert wurden.”

S.N. Eisenstadt, Die Vielfalt der Moderne, 2000, S. 243

Kommunalistisch-nationale Bewegungen sieht Eisenstadt beispielsweise in Indien und Sri Lanka. Sie zielen auf Abgrenzung und sind nicht-universalistisch orientiert. Islamistische, also fundamentale Bewegungen wollen nicht nur die eigene Gesellschaft totalitär nach ihren Vorstellungen umbilden, sondern wollen darüber hinaus die früheren eroberten Gebiete in Afrika und Europa zurückgewinnen.