Montag, 22. Oktober 2012

Alles so schön blau und die Sonne scheint






Beim Stichwort “Artenvielfalt” werden gerne hübsche Bildchen vorgelegt.


Bestimmte Tiere werden dabei systematisch diskriminiert. Neotrombicula autumnalis, zum Beispiel, die Herbstgrasmilbe. Sie bohrt sich in die Haut, die sie dann verdaut. Heftiger Juckreiz folgt. Sonst ist sie harmlos.

Diskreter verhält sich der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus, die heimatliche Zecke. Sie bohrt nur ihren Saugrüssel in die Haut, um dort Blut zu saugen. Allein die Weibchen, übrigens.
Die warmen Tage haben sie wieder hervorgelockt, ich habe mir gestern eine Nymphe eingefangen, was die Zeckenzahl dieses Jahres auf nur vier bringt; voriges Jahr waren es über zehn.
Man sollte vermuten, daß im Biologieunterricht die heimischen Tierchen Vorrang vor überflüssigen Eisbären und Tigern besitzen, doch kennen offenbar viele Biologielehrer Zecken nur vom Hörensagen (Test am Gymnasium).  





Heinz Mehlhorn macht es gern ein bißchen spannend - der Vormarsch hält sich in Grenzen - aber das Buch füllt einen Lücke, daher ist den beiden Mehlhorns zu danken.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Nach der Regenzeit











Mein Alle-Jahreszeiten-Ahorn glänzt  







Junge, Junge, der Sommer war nicht groß!
Die Tage ist es etwas besser.
Viel Sonne, Wärme, Zeit im Schoß,
Auf Bank und Wiese, Wald und Moos.

Doch auf den Wettergott ist kein Verlaß!
Das teilt er mit den andern Göttern.
Kaum ist getrocknet Bank und Gras,
Macht er gleich wieder alles naß.










Samstag, 20. Oktober 2012

Weg mit Herbstgrasmilben und Wühlmäusen!







"Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben."
(Goethe)


Man muß in der Tat die Geschichte im Auge haben, am besten die von Goethe verlangten 3000 Jahre. 
Aber auch tausend Jahre sind außerordentlich hilfreich, da hat Reichholf recht.
In seinem Buch kommt er u.a. zu der Aussage, daß die Ausrottung von Arten zum Stillstand gekommen sei, sogar wüchsen manche Bestände wieder. Dies betreffe vor allem größere Tiere weltweit. Vom Aussterben betroffen seien teilweise endemische Arten, etwa auf abgelegenen Inseln. 

Vor Aussagen zu den Wühlmäusen, die Wurzeln aller Art, besonders gern Obstbaumwurzeln und Feuerdornwurzeln, von unten abfressen, hat sich Zoologe R. aber gedrückt, ebenso verliert er kein Wort über die gemein juckenden Herbstgrasmilben. 
Weg damit, ausrotten! kann ich da nur sagen.
Aber sonst ist sein Buch unbedingt lesenswert.

Reichholf rezensierte gerade in der FAZ Dagmar Röhrlichs “Urmeer” und bemängelte u.a. die Perspektive Röhrlichs, daß die Evolution, wie bei den Kreationisten, ein gerichteter Prozeß sei. Diese Vorstellung ist ja der Urgrund der Religionen und daher sehr verbreitet. In seiner “Naturgeschichte” betont er dagegen, wie Konrad Lorenz seinerzeit, daß die Zukunft offen sei:

“Leben ist daher seiner Natur nach steter Wandel.”
(Reichholf, Kurze Naturgeschichte, 2007, S. 323)

Freitag, 19. Oktober 2012

Platz da!






Aussterbeereignisse in der Erdgeschichte; dargestellt ist der Anteil der ausgestorbenen, meeresbewohnenden fossilienbildenden Spezies im Verlauf der letzten 500 Millionen Jahre (Wikipedia)

End P: Ende Perm
End K: Ende Kreidezeit 
Late D: Spätes Devon
End O: Ende Ordovizium



Das waren Zeiten!
Sechs große und acht kleinere Massenaussterben gab es schon. Am bekanntesten das am Ende der Kreidezeit, als die Dinosaurier ausstarben. Die konnten dann die späteren Menschenvorläufer nicht mehr zur Beute nehmen. Es entstand Platz für neue Arten bei Pflanzen und Tieren, für Futterpflanzen, die dann Pflanzenfresser ermöglichten, die wiederum dem Menschen zur Nahrung dienten. Ohne Massenaussterben gäb's uns also nicht. 
Also besten Dank, Dinos! könnte man salopp sagen. 
Arten kamen immer neu und gingen wieder seit Entstehung des Lebens vor etwa 2,5 Milliarden Jahren. 

Ende des Perms fand wohl das größte Massenaussterben statt, das etwa 95 % der Meerestierarten und rund 66% der Landtierarten betroffen haben soll. Damals hat das niemanden aufgeregt, und heute existieren eben neue Arten wie die Zweibeiner. Auch heute sterben Arten aus, aber das betrübt einige Menschen sehr. 
Deswegen gibt es darüber Tagungen und Konferenzen. Gerade gab es eine in Düsseldorf in der Akademie der Wissenschaften, wo Wolfgang Wägele aus Bonn (Forschungsmuseum Alexander Koenig) seine übergroßen Sorgen präsentierte. Man hatte den Eindruck, als wollte er den Planeten am liebsten einzäunen. Ähnlich auch Stefanie Engel (ETH Zürich), die, so schien es, am liebsten alles regulieren und mit Steuern und Abgaben belasten würde. 

Als Biologe sei er Optimist, meinte dagegen Josef Reichholf, bekannter Ökologe und Zoologe aus München. Er verwies auf den zunehmenden Artenreichtum in den Städten, in Berlin beispielsweise gebe es die meisten Nachtigallen in Deutschland. Dort sei eben nicht die Landwirtschaft zugange, die stark dünge und auch noch Biospritmais anbaue. Artenvielfalt sei eine Erscheinung des Mangels, so Reichholfs Kernaussage. Auf dem Magerboden existierten die meisten Arten. Eine sinnvollere Landwirtschaft forderte er, schon die Streichung von Subventionen würde helfen. Wichtig wären auch weniger Naturschutz, damit Kinder und Jugendliche besseren Zugang zu Tieren und Pflanzen, zum Naturerlebnis überhaupt hätten. 
Prima, kann man da nur anmerken.   

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Muntermacher





Sieht ja ziemlich aufgeräumt aus hier – das Herrnhuter-Viertel in Neuwied; die Herrnhuter sind protestantisch-pietistisch geprägt.
(Foto: F. Lang, Wiki.)

 


Wie kann man eine in Tradition, Einfallslosigkeit  und Trägheit erstarrte Bevölkerung aufmuntern?
Durch Transferzahlungen?
Durch einen Sparkommissar?
Durch eine Bürokratie?
Durch Zentralismus?

Nicht unbedingt.
Man lockt aufgeweckte, unternehmerisch gesonnene, aktive Kräfte ins Land.
Oder in die Stadt:
„Verbriefte Freiheiten lockten immer mehr Zuwanderer in die junge Stadt. Unter Friedrich Wilhelms Sohn Johann Friedrich Alexander – seit 1784 in den Reichsfürstenstand erhoben und ein Vertreter des Aufgeklärten Absolutismus – lebten im 18. Jahrhundert Angehörige von sieben verschiedenen Religionsgemeinschaften in Neuwied: Calvinisten (denen auch das Grafenhaus angehörte), Lutheraner, Katholiken, Mennoniten, Inspirierte, Herrnhuter und Juden.“ (Wiki.)